4
Sep
2013

Selbstgespräch

Das Selbstgespräch ist jene Form, in welcher sich das Ich mit seinem Selbst den inneren Dialog gestaltet. Das Ich hört dabei die innere Stimme des Selbst. In der Geschichte der Philosophie wird die innere Stimme zum ersten Mal von Sokrates beschrieben. Sokrates nennt sie ‘daimonion’ und versteht diese innere Erscheinung als Wesen und Wirkung des Göttlichen.

Seiner Auffassung nach wird jedem Menschen von Geburt an ein göttlicher Schutzgeist mit auf den Weg gegeben, der ihn vor Unheil bewahrt. Erst wenn der Mensch diesen Schutzgeist vernachlässigt und damit den Unwillen der Götter erregt, wird das Dämonische in ihm zur Verblendung und Besessenheit.

Das sokratische Daimonion hat eine Stimme und stellt sich, ständig anwesend, schützend vor die ihm Anvertrauten. Das Daimonion berät zwar, aber es trägt nicht zum Erkennen bei. Das Daimonion ist streng getrennt vom Verstand, es sagt das, was der Verstand nicht erkennen kann. Es ist nicht das sittliche Gewissen. Was Sokrates zu tun hat und was nicht, sagt ihm sein Verstand. Das Daimonion bedeutet die Stimme, die ihn warnt, sobald er gegen seine Intuition handelt.

3
Sep
2013

Glaubensstärke

Die Stärke des Glaubens wird durch die Intensität jenes Gefühls bewusst, welches das Vertrauen in etwas wertet. Emotionen zeigen gewöhnlich die Verträglichkeit von sinnlichen und geistigen Vorgängen an. Positive Emotionen sind ein Zeichen seelischer Gesundheit. Emotionen sind mittelbare Reflexionen des Denkens. Der Philosoph und Theologe Augustinus von Hippo sieht in Gefühlen das sich Offenbaren der Wahrheit, die seiner Sicht nach untrennbar mit der Seele verbunden ist. Durch Selbstgespräche, das sind Gespräche der Vernunft mit der Seele vermag sich der Gläubige Wahrheit zu erschließen.

2
Sep
2013

Glauben

Glauben beruht auf Vertrauen, die Erwartung, sich auf etwas verlassen zu können. Niemand zweifelt z.B. die Verlässlichkeit alltäglichen Denkens an. In der Regel trauen sich alle zu, aufgrund ihrer Erfahrungen, Ereignisse und Situationen des Alltags richtig einzuschätzen, zu werten und zu bewerten. Kaum jemand zweifelt an der Fähigkeit seines Denkens, das alle diese Vorgänge koordiniert.

Glauben ist eine besondere Spielart des Denkens.
Glauben bedeutet, eigenem Denken und Wissen zu vertrauen. Glauben ist gefühltes Denken. Wissen bedeutet, glauben, richtig zu erkennen, sich seines Wissens sicher zu sein. Selbstbewusstsein bedeutet für das Ich, sich als Ganzes anzunehmen. Zweifeln ist im Gegensatz zur Kritik eine Form von Ich-Schwäche.

Denken vollzieht sich dreifach zugleich. Denken bedeutetet Wahrnehmen empfinden.
Als Duplizität von Bilder-Leben der Vernunft und Bild-Erleben des Verstandes vollzieht sich Denken sowohl intuitiv als auch logisch.

Die Stärke des Glaubens hängt vor allem von der Fantasie ab. Als Vorstellungskraft spielt die Fantasie mit Möglichkeiten, die der Verstand nicht nutzen will oder kann. Gewissheit starken Glaubens wird sprachlich durch die innere Stimme und bildlich durch Visionen vermittelt.

1
Sep
2013

Zu wissen glauben

Wissen ist ein Glaube an absolutes Denken. Absolutes Denken ist weder Bilderleben noch Denken in Begriffen (reines Denken). Absolutes Denken beruht auf Axiomen. Ein Axiom ist ein Grundsatz einer Theorie, einer Wissenschaft oder eines axiomatischen Systems, der innerhalb dieses Systems nicht begründet oder deduktiv abgeleitet wird. Absolutes Denken ist wie mystisches Denken vom Glauben abhängig.
Das Axiom ist das Dogma der Wissenschaft.

31
Aug
2013

Schonraum

Wissenschaften sind existentielle Schonräume, die vor allem das Grundbedürfnis nach Schutz bzw. Sicherheit befriedigen. Diese Schonräume werden je nach Disziplin unterschiedlich anerkannt und befriedigen somit das Bedürfnis nach Anerkennung sehr verschieden. Manchen genügt allerdings der bloße Anschein eines Wissenschaftlers. Sie setzen sich nicht wirklich ernsthaft mit ihrem Fach auseinander. Stattdessen pflegen sie sich mit dem Applaus der Ahnungslosen zu ihren pseudowissenschaftlichen Vorträgen. Wahre Wissenschaftler dagegen zeichnen sich durch leidenschaftliches intensives Forschen aus.
Einen die Wissenschaften umfassenden Schonraum bilden Philosophie, Kunst oder Religion. Schonräume zeichnen sich vor allem durch Glauben aus, innerhalb dessen das Wissen eine besondere Rolle spielt.

30
Aug
2013

Nachfrage

Wenn Visionen allein aufgrund physischer Signale verursachter Reize durch Spiele zwischen limbischen System und Fantasie entstehen, dann stellt sich tradierten Religionen die Frage, ob diese Erscheinungen rein physischer Natur sind. Die Fantasie ist eine lebenswichtige Funktion des neuronalen Systems. Neben der Antizipation kommt ihr vor allem die Funktion der Lebenserhaltung oder des Überlebenswille zu. Dazu zählen Religionen ebenso wie Metaphysik. Unter diesem Gesichtspunkt erweist sich die Entdeckung des sinnlich nicht vernehmbaren Seins vor allem als limbisch gesteuerte Überlebensfunktion. Tatsächlich beschreibt Platon dies auch als eigentlich maßgeblich bestimmten Beweggrund seines Lehrers Sokrates, nach etwas alles Werden Überdauerndem zu suchen. Diese Suche führt dann auch zur Entdeckung des Begriffs als Bedingung der Möglichkeit von Wissenschaft.

29
Aug
2013

Überhöht

Das vernunftbegabte Lebewesen neigt dazu physikalische Eigenschaften metaphysisch zu überhöhen. Der Mythos gestaltet meteorologische Erscheinungen zu Göttern um. Es ist die griechische Göttin Ge, die gute oder schlechte Ernten verursacht. Es ist Thor, der germanische Gott des Gewitters, der Blitze schleudert und donnert, wenn er grollt. Es ist ein Gott, den Moses im brennenden Dornbusch erblickt, und aus überschärfsten Sinneseindrücken werden noch heutzutage Erscheinungen von Schutzengeln geboren.
Überhöhte Vorstellungen während des Bewusstwerdens kommen durch psychisches Verfremden physikalischer bzw. physischer Prozesse zustande. Wider alle verfügbaren Erfahrungen spielt die Fantasie ver_rückt.

28
Aug
2013

Entstehen

Schwingungen verdichten sich kreisförmig bis zum Punkt oder Schwarzen Loch. Ein physikalischer Ursprung weitet sich durch Schwingungen spiralförmig aus. Durch die Verdichtung verdichtet sich Materie und Energie nimmt zu. Durch Ausweitung spaltet sich Materie, wobei Energie erhalten bleibt. Aufgrund verschiedener Dichten von Materie und Energie hierarchisieren sich Komplexe und erzeugen unterschiedliche energetische und materielle Phänomene.

27
Aug
2013

Geburt einer Idee

 
 

Alles Geistige zeichnet sich durch physikalische Eigenschaften aus. Insofern ist Metaphysik nur eine Seite der Physik. Am Anfang war das "Wort" bedeutet physikalisch am Anfang war eine "Schwingungsform", beispielsweise Sinus, Rechteck, Dreieck oder Sägezahn. Aber eine konkrete Schwingungsform ist bereits eine verwirklichte wirkliche Möglichkeit und als solche als gerichtete Größe bzw. Kraft physikalisch ausmachbar. Letztlich wird also eine schöpferische Idee als eine sich neuronal reflektierende Schwingung geboren.
 
wo hin gehören
 

26
Aug
2013

Mögliche Möglichkeiten sind nicht Nichts

Mögliche Möglichkeiten wirken in Richtung wirkliche Möglichkeiten. Das griechische Wort für wirken ist "ergo" und für das Etwas innewohnende Wirken "en_ergon", Energie also. Mögliche Möglichkeiten sind eine Form von Energie (im Zeichen "#"). Mögliche Möglichkeiten verfügen über 0 Gestalt. Aber als solche umfassen sie unendlich viele Ideen. Eine Idee ist eine wirklich gewordene Möglichkeit oder wirkliche Möglichkeit. Energie gestaltet von sich her Formen der Möglichkeit. Die Information für diese Verwirklichung a priori ist "Zufall". Zufällig wird aus möglichen Möglichkeit eine wirkliche Möglichkeit. Die ursprüngliche Bewegung ist charakterisiert durch Richtung und Weg (im Zeichen: "->"). Diese Bewegung repräsentiert als solche "Gestalt" a priori. Das griechische Wort für mögliche Gestalt ist "idea", also Idee. Bei der ursprünglichen Energie handelt es sich folglich notwendigerweise um geistige Idee, die in allem, was aus ihr wird gegenwärtig ist.

25
Aug
2013

Sein ist Nichts

Im Gegensatz zur Physik lässt die Metaphysik ihre Inhalte nicht sehen. Da sich das Sein oder das Wesen allen Sinnen verschließt, erscheint es als Bewusstwerden von Nichts. Das auf Erfahrung angewiesene vernunftbegabte Lebewesen aber vermag mit Nichts nichts anzufangen, bis es zu philosophieren beginnt, um auch aus Nichts etwas zu schaffen. Aber das metaphysische Nichts ist als Sein nicht mehr als Wachtraum. Die Traumgeburt der Unvergänglichkeit soll vor der Existenz das Angesicht ständigen Schwunds verbergen und alles Suchen ins Glauben des Unerklärlichen retten. Die Seele richtet sich Gott als Notruf ein, statt das sinnlich zu vernehmen, was sie ausmacht, nämlich das Fühlen und empfinden allein ihrer selbst.

24
Aug
2013

Aporie des Ursprungs

Die Mär vom unbeweglichen Geist oder unbewegten Beweger soll über die Ausweglosigkeit hinweg täuschen, den Ursprung allen Werdens nicht erklären zu können. Die Erfindung des starren Seins, als unsichtbares Wesen lässt die Metaphysik als Rettungsanker vor tiefer Depression erscheinen. An das, was man sieht, kann bzw. muss man glauben. Aber der Ausschluss aller Sinne ist wider die menschliche Natur, und das vernunftbegabte Lebewesen vermag auf Dauer so nicht zu existieren, ohne sich selbst zu zerstören.
Das allgegenwärtige Werden der Natur drängt der Vernunft das Bewusstwerden des Axiom allumfassender Vergänglichkeit auf. Nicht Sein macht den Anfang, sondern Werden. Der Tod des Unbeweglichen vermag das Werden des Lebens nicht zu gebären. Der Mensch wird es hinnehmen müssen, den unendlichen Ursprung allen Werdens niemals verstehen zu können.

23
Aug
2013

><

Das Axiom der Vergänglichkeit (><) lässt nur Aussagen zu, die sich auf das Werden beziehen. Der Satz der Identität "a = a" wandelt sich zum Satz der Mutation "a >< a", d.h. dass sich nichts bleibt, sondern dass sich alles verändert. Der ständige Wandel ist Bedingung der Möglichkeit für die Entstehung von irgend etwas. Es existiert außerhalb des Seins als Wesen keine Eigenschaft, die sich gleich bleibt. Das Wesen von Etwas ist dessen Verneinung als Werdendes. Und Information ist Information in Wahrheit nur als Initiation. Das Symbol für Initiation ">" steht für den Ursprung als "größer werden" bzw. "wachsen". Das Symbol für Mutation "<" steht für die Umkehrung "kleiner werden" bzw. "schwinden".

22
Aug
2013

Philosophie des Alltäglichen

Das Denken des Alltäglichen denkt nicht in Begriffen, sondern in praxistauglichen Algorithmen, das sind definierte Schritte oder Phasen eines Ablaufs. Der Kalkül oder das kalkulierbare bzw. berechenbare Vorhaben löst den Begriff ab.
Die Philosophie des Alltäglichen berücksichtigt vor allem Denken, das sich besonders für das Formulieren von Modulen bzw. von Tools eignet. Ein Modul zeichnet sich als eine in sich geschlossene Handlungsstruktur aus. Man kann auch sagen, dass ein Modul eine Operation repräsentiert, also die Anwendung eines Operators auf einen oder mehrere Operanden formuliert. Ein Modul lässt sich mathematisch als Formel, technisch als Programm oder als Kalkül darstellen.

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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