6
Mrz
2013

"Tun ohne Tun"

 
"Tun ohne Tun" meint Enthaltung eines gegen die Natur gerichteten Handelns.

"Tun ohne Tun" meint im Gegensatz zu "Laissez faire" behutsames Begleiten eines von der Natur eines Wesens angedeuteten Weges eigener Suche.

"Tun ohne Tun" fördert die Neugier des vernunftbegabten Lebewesens, indem es ihm dazu verhilft, ihm weiter helfende Fragen zu stellen, um es auf seine ihm eigene Art und Weise intuitiv Entdeckungen zu ermöglichen.

Unterrichten ohne alle unter eine Richtung zu zwängen, lässt Lernende lernen, also selbst zu entdecken, was für sie zu lernen ansteht.

Freies Unterrichten delegiert Lehren an Lernende.
 
Das Delegieren von Lehrfunktionen überlassen ungebunden Lehrende ihrer Intuition.

5
Mrz
2013

Schutz schöpferischen Denkens

 
Die gewöhnliche Entwicklung schöpferischen Denkens verläuft, von Bildung und Erziehung weitestgehend unberührt, ungewöhnlich.

Manchmal verschenkt die Natur neben der schöpferischen Begabung zugleich auch die Gabe der Widerstandskraft gegen unnatürliche Einengungen durch tradierte Bildung und normale Erziehung.

Solche von der Natur Bevorzugte erscheinen zunächst innerhalb des überkommenen Kulturbetriebs sogar als Versager.

Albert Einstein, Richard Wagner oder Eduard Mörike zum Beispiel sahen nicht ein, warum sie Dinge lernen sollten, die sie nicht interessierten, und wurden zu klassischen Schulversagern.

Hoch kreative Geister vermögen nicht einzusehen, warum sie ständig nach denken sollen, statt selbst denken zu dürfen.

Zumeist handelt sich u.a. um typische Schulversager oder Studienabbrecher, manche aber können sich auch mit vorgefunden schulischen und universitären Widerwärtigkeiten arrangieren oder werden in ihren Besonderheiten durch weitsichtige Lehrer unterstützt.

Wichtig bleibt, dass schöpferische Begabungen besonderer Schonräume bedürfen, um sich natürlich entfalten zu können.

Natürliches schöpferisches Denken entwickelt sich allein von sich aus sich heraus, den eigenen Regeln und Bildungsgesetzen folgend.
 

4
Mrz
2013

Analoges Denken digitalisiert sich als Duplizität von Theorie - Praxis

 
Als Bilderleben digitalisiert sich Denken von Natur aus als Bilder-Leben und Bild-Erleben und setzt sich aufgrund situativer Herausforderungen als Theorie und Praxis um.

Ein sach- und sozialkompetenter Lehrer tritt vor eine ihm unbekannte Klasse und entscheidet sich intuitiv spontan für sein didaktisches Vorgehen.

Diese Praxis formt sich aufgrund ihrer schöpferischen Gestaltung durch die Fantasie der Vorstellungskraft.

Dazu bedarf es keiner Ausbildung, sondern nur der hinreichenden Erfahrung des Vertrauens auf sich, die Kinder oder Jugendlichen.
 

3
Mrz
2013

Schwach ausgeprägtes analoges Denken

 
Sobald vor allem schwach ausgeprägtes analoges Denken sich zu digitalisieren beginnt, setzt es sich der Gefahr aus, umzukippen und Gedanken nur noch zu verwalten, statt zu entwickeln.

Zunächst beschränkt es sich auf das Verwalten eigener Gedanken, dann bezieht es mehr und mehr fremde Gedanken mit ein, bis es diese von den eigenen nicht mehr zu unterscheiden vermag.

Es existiert allerdings auch zu schwach ausgeprägtes analoges Denken, dem von Anfang an die Kraft fehlt, sich digitalisierend zu ordnen und das infolgedessen entweder dem Imitieren oder dem Tun als ob verfällt.

Tun als ob Täter sind nicht leicht zu erkennen, da sie sich dank ihrer schöpferischen Kraft glänzend zu verstellen vermögen.

Leider versteigen sich Imitatoren allzu oft, ihr "Tun als ob" pädagogisch zu verbrämen.

Bisweilen gelingt es ihnen sogar, ihr Treiben eindrucksvoll zu kaschieren und auch noch zweck zu entfremden.
 

2
Mrz
2013

Vom ungebunden analogen zum gebundenen digitalen Denken

 
Hinter dem Spruch "Mit der Schule beginnt der Ernst des Lebens!" steckt die Erfahrung, dass die Regeln der Spielwelt ziemlich abrupt ihre Gültigkeit verlieren und vorgeschriebenen Werten und Normen weichen.

An die Stelle bedürfnisorientierter Lust tritt der Frust fremdgesteuerter Pflicht,
statt Wahl- und Entscheidungsfreiheit herrscht der Tagesplan voller Wiederholungen des Gleichen vor.

Um Beschädigungen schöpferischen analogen Denkens zu vermeiden, wehren sich vernunftbegabte Lebewesen, indem sie sich gewissen Formen verweigern.

Ein Ich, das sich jemals aus dem von sich entfremdetem Selbst befreien will, muss aus seinem Leben eine Geschichte äußerst geschickt kaschierten Ungehorsams machen.

Eine Anleitung zu solcher Rebellion hält gewöhnlich jedes Gehirn von Natur aus vor. Spätestens mit der Pubertät ist die Zeit gekommen, zur Selbstbefreiung aufzurufen.

Pubertät ist jener neuronale Gewaltakt, welcher für die Empörung der Seele über alle aufgedrückten Verhaltensmuster sorgt.

Alle neuronalen Netze befinden sich im Umbruch. Über die Hälfte erfährt sogar den totalen Zusammenbruch.

Angesichts dieses inneren Selbst-Krieges des Ichs fällt es oft sehr schwer, sich nach außen hin friedlich zu verhalten.

In den Zeiten totalen neuronalen Umbruchs bietet das Gehirn individuell angemessene Strategien für den persönlichen Freiheitskampf an.

Eine der erfolgreichsten Strategien besteht im Zuwachs der Selbstbehauptung durch besondere Leistungen.

Bisweilen ist das sogar mit Machtgewinn verbunden.
 

1
Mrz
2013

Offenes Denken

 
Von Natur aus gelangt Denken als spontanes, kindliches Spiel der Fantasie zum Vorschein.

Das Spielen des Kindes gestaltet sich unbekümmert aus dem Bilderleben des Augenblicks.

Bilder, welche das Kind vergegenwärtigt, setzt es unmittelbar handelnd um.

Diese Bilder sind noch keine Handlungsvorlagen, sondern stellen Rollen dar, welche das Kind je nach Lust oder Laune übernimmt und spielt.

Aber es spielt diese Rollen nicht einfach um, sondern passt sie situativ an.

Das angepasste Rollenspiel behält das Kind gewöhnlich für sich.

Zänkische Eltern merken nichts von der unmittelbaren Bedrohung durch den Herrscher des Universums, der scheinbar teilnahmslos mit am Tisch sitzt und verträumt seine Suppe löffelt.

Das heimliche Spiel kindlicher Fantasie entlehnt seine Kulissen und Rollen aus der unmittelbaren Umgebung entweder durch gehörte, gesehene oder erlebte interessante tatsächliche Geschehnisse oder medial vermittelte Geschichten.

Natürliches Denken wächst mit den Bildern aus dem jeweiligen Milieu heran.

Versuche, diesen Werdegang erzieherisch zu beeinflussen, perlen an den Heldentaten der Fantasie in aller Regel nahezu wirkungslos ab.

Mit zunehmenden Alter werden durch die Fantasie vorgegebene Rollen günstigenfalls mit Rollen, die vorbildliche Erwachsene innehaben, ausgetauscht.

So kann sich der Herrscher des Universums zum Bus- oder U-Bahn-Fahrer wandeln oder als Lehrer seinen Dienst tun, als Forscher experimentieren oder sich als Arzt um Kranke kümmern.

Das freie Spiel kindlicher Fantasie wird mit Beginn der Schulzeit ernsthaft gefährdet.
 

28
Feb
2013

Pädagogik in falschen Händen?

 
Es ist selbstverständlich nicht so, dass Pädagogen nicht nachdenken, aber sie denken naiv, d.h. ohne im Denken ausgebildet worden zu sein.

Als Folge naiven Denkens entstehen sinnlose leere Begriffe, die oftmals Pädagogen selbst nicht mehr zu definieren verstehen. Dazu zählen sogar Begriffe wie Pädagogik, Bildung, Erziehung, Unterricht, Information, Lernen usf., also Begriffe, mit denen Pädagogen ständig umgehen.

Um ihre Unwissenheit zu vertuschen, greifen Pädagogen zu einer höchst merkwürdigen Methode des Zitierens, nämlich zu argumenta alio loco, d.h. sie suchen anderswo Leute, auf die sich berufen können.

Statt Begründungen zu geben, werden Äußerungen von Autoritäten gesucht und genannt (zitiert). Eigenständiges Denken erscheint unerwünscht.

Wen verwundert dann noch die Klage des Philosophen Friedrich Nietzsche, der im zweiten Vortrag der Basler Vorträge über die Zukunft unserer Bildungsanstalten (6. Februar 1872) sagt:
"Man mache sich nur einmal mit der pädagogischen Literatur dieser Gegenwart vertraut; an dem ist nichts mehr zu verderben, der bei diesem Studium nicht über die allerhöchste Geistesarmut und über einen wahrhaft täppischen Zirkeltanz erschrickt. Hier muss unsere Philosophie nicht mit dem Erstaunen, sondern mit dem Erschrecken beginnen: wer es zu ihm nicht zu bringen vermag, ist gebeten, von den pädagogischen Dingen seine Hände zu lassen."
Die Begründung Nietzsches für diesen Missstand  in der Pädagogik fällt scharf aus: "Dass es aber trotzdem nirgends zur vollen Ehrlichkeit kommt, hat seine traurige Ursache in der pädagogischen Geistesarmut unserer Zeit; es fehlt gerade hier an wirklich erfinderischen Begabungen, es fehlen hier die wahrhaft praktischen Menschen, das heißt diejenigen, welche gute und neue Einfälle haben und welche wissen, dass die rechte Genialität und die rechte Praxis sich notwendig im gleichen Individuum begegnen müssen: während den nüchternen Praktikern es gerade an Einfällen und deshalb wieder an der rechten Praxis fehlt."
 

27
Feb
2013

Denken als Duplizität von Theorie und Praxis

 
Während Philosophen glauben, Verhalten gedanklich regeln zu können, meinen Pädagogen, allein aufgrund ihrer Erfahrungen handeln zu können.

Sowohl Philosophen als auch Pädagogen verstoßen gegen die Duplizität von Theorie und Praxis oder die Duplizität von Denken und Erfahren.

"Erst denken – dann handeln!", meinen Philosophen, "Erst beobachten – dann denken!", entgegnen Pädagogen.

Beide Sprüche behalten halb Recht.

Aber erfolgreiches Handeln braucht sowohl eine Idee als auch eine Strategie der Umsetzung.

Die Forderung nach einer "Pädagogik vom Kinde aus" bleibt ohne klare Strategie wirkungslos.
 

26
Feb
2013

Denken als praktisches Gestalten

 
Das Gestalten philosophischer Gedanken formt sich intuitiv um eine schöpferische Idee.

Der Philosoph Platon nennt dieses geistige Sehen der "idea" "idein" und "paideia" die Begabung, dieses Schauen im vernunftbegabten Lebewesen zu bilden.

Während die Natur die gestalterische Begabung überreichlich verschenkt, überlässt sie es der Vernunft eines Lebewesens, das Verwirklichen gestalterischer Ideen selbst zu verwirklichen.

Die Natur schenkt die Kunst, die Technik muss sich der Künstler selbst aneignen.

Aufgrund der Duplizität von Form und Gestalt vermag sich Schöpferisches nicht ohne Praxis der Formgebung zu verwirklichen.
 

25
Feb
2013

Denken als Probehandeln

 
Um sich das Vermögen zu denken zu erhalten, muss zunächst die kindliche Spielwelt gepflegt und behutsam erhalten werden.

Die Spielwelt des Kindes dient dem kindlichen Probehandeln.

In seiner Fantasiewelt kann das Kind z. B. seinen Spürsinn als Indianer, seine strategischen Fähigkeiten als Detektiv oder Kommissar, oder seine Reaktionsgeschwindigkeit als Cowboy oder Fußballer ausprobieren.

Daneben lassen sich Ausdauer, Durchsetzungsvermögen und Frustrationstoleranz bei Versuch und Irrtum beobachten.

Manchmal versuchen sich Kinder schon sehr früh in späteren Rollen, wenn sie beispielsweise Lehrer, Arzt, Tänzer, Artist oder Trainer spielen.

Andere Kinder wiederum erkunden ihre Fähigkeiten mit einem Instrument oder mit einem technischen Gerät.

Nicht wenige Kinder scheuen sich, ihre Spielwelt offen zu zeigen und spielen alles lieber heimlich mit ihrer Fantasie in ihrer Vorstellung durch.

Das fantasievolle Durchspielen von Vorgängen oder Abläufen in der Vorstellung ist genau das, was geschieht, wenn später Künstler ihre Komposition oder Wissenschaftler ihre Theorie durchspielen.
 

24
Feb
2013

Das Erwachen der Philosophie

 
Das Erwachen des Philosophierens macht sich bei Kindern durch unaufhörliches Fragen bemerkbar.

Gewiss, diese Fragen können nerven, zumal sie alltägliche Selbstverständlichkeiten in Frage stellen wie “Warum fallen die Wolken nicht vom Himmel?”

Isabell Graw in ihrem Artikel "Kindliche Fragen" in Die Zeit Nr.46 vom 15.11.1963 (Quelle: Zeit@online):

"Jeden Morgen, wenn ich meine vierjährige Tochter in den städtischen Kindergarten bringe, ergibt sich in verschiedenen Variationen immer wieder dieses Gespräch: "Mutti, warum geht Monika (das ist ihre Freundin) in den katholischen Kindergarten?" – "Weil Monikas Eltern katholisch sind." – "Mutti, bist du evangelisch?"
– "Ja, mein Schatz." – "Ist Opa auch evangelisch?" Ich lüge, um sie nicht völlig zu verwirren. "Ja, Kind." (Der Großvater war katholisch und ist aus der Kirche ausgetreten.) – "Mammi, später gehe ich auch in die katholische Schule, weil Monika und Gigi auch in die katholische Schule gehen." – "Wir werden sehen, Liebling."

Sie kann die Worte "katholisch" und "evangelisch" nicht immer flüssig sprechen, ich helfe ihr dabei. Später werde ich ihr erzählen, daß wir trotzdem alle an einen Gott glauben und wie es dazu kam, daß alles so kompliziert wurde."

Das Verschieben einer helfenden, mühevollen Antwort ist einer der häufigsten Fehler. Das Kind spürt die Verlegenheit aus Bequemlichkeit und deutet die entsprechende Reaktion gefühlsmäßig als Ausdruck einer Belästigung. Um das zu vermeiden, stellt das Kind zunächst bestimmte und dann nach und nach alle Fragen ein.
 

23
Feb
2013

Ein Geschenk der Natur

 
Körperliches, seelisches, geistiges Wahrnehmen entwickeln und verbinden sich spielerisch vorgeburtlich zur Kraft der Intuition, die dem Neugeborenen in seiner nachgeburtlichen Welt erste Orientierung schenkt.

Philosophieren gilt es folglich niemals durch Lernen zu erwerben, sondern vielmehr durch alle Erziehungen hindurch behutsam zu bewahren.

Die Gabe zu philosophieren, verändert sich zwar, aber geht auch bei körperlichen, seelischen oder geistigen Behinderungen nicht verloren.

Erziehen zur Bildung bedeutet, alles dafür zu tun, um die philosophische Begabung durch altersgemäße Herausforderungen zu fördern, gleichgültig ob sie musikalisch, bildnerisch gestaltend, poetisch, handwerklich, technisch, sportlich, mathematisch, naturwissenschaftlich oder unmittelbar philosophisch hervor scheint.

Immer dann, wenn ein besonderes Talent hervor scheint, vertritt die oder der Betroffene seine eigene praktische Philosophie des Erfolgs.
 

22
Feb
2013

Denken aus Selbstschutz

 
Die Sicherheit eines eigenen stabilen Daseinsgrundes lässt sich nicht durch Abschauen oder Nachahmen erwerben.

Vor- und Leitbilder ersparen niemandem die Mühe eigener Erfahrungen.

Aus diesem Grund verschenkt die Natur an jedes vernunftbegabte Lebewesen gleichsam als erstes Geburtstagsgeschenk die Gabe zu philosophieren, also eigenes Erfahren wahr nehmen und verändern.
 

21
Feb
2013

Denken ist ein Grundbedürfnis

 
Es ist das Grundbedürfnis nach Geborgenheit und Schutz, welches die Suche nach einem allen Wechsel überdauernden Aufenthalt antreibt.

Philosophieren ist eine Erscheinungsweise des Selbsterhaltungstriebs, um der Furcht vor Orientierungslosigkeit zu entgehen.

Indem die Philosophie das vernunftbegabte Lebewesen nach festem Grund des Daseins suchen lässt, erweist sie sich als vorrangige existentielle Aufgabe, der sich jeder Mensch stellen muss.
 

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

Ergänzende Webseiten

 

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