17
Sep
2012

2.2 Offenbarung

 




 

Das Wahrnehmen dessen, was sich da intuitiv zeigt, beruht auf mystischem, schöpferischem oder künstlerischem Denken. 
Wahrheit offenbart sich also nicht der sinnlichen Wahrnehmung. 

Um Wahres schauen zu können, braucht es Begabung als natürliches Geschenk der Natur. Diese Begabung lässt sich weder aneignen noch erlernen. 

Die Natur offenbart sich als Schöpfung, sobald Ich und Selbst übereinstimmen. Sobald alles losgelassen wird, erscheint alles als Eines. 
Diese Harmonie entsteht, sobald sich die Seele glaubt, in dem, was sie fühlt und schaut. Der innere Zuspruch durch gefühlte Information vor allem Bewusstwerden zeigt sich unvoreingenommener Fantasie, die das Geschaute der Vernunft einsichtig werden und den Verstand als Idee anerkennen und vielleicht dann auch öffentlich vertreten lässt.

Dabei geraten Seele und Vernunft oft genug in Konflikt mit dem Wissen, das sinnlich nicht Vernehmbares nicht anerkennen mag.  Insbesondere göttliche Offenbarungen werden von sogenannten Wissenden arg gescholten.

Offenbarungen brauchen die seelische Kraft des Glaubens. Ansonsten entschwinden sie wieder, bevor sie geschaut werden können. 

Durch das vollkommene Gleichgewicht von Seele und Verstand und dessen Bewahrung durch die Vernunft wird Weisheit zur Quelle seherischer Kraft. 
Im höchst seltenen Fall einer besonderen Ausnahme versammelt sich diese Kraft in einem Wesen, als Offenbarung von Wahrheit.

Offenbarung meint das Erschließen bzw. Eröffnen von etwas Verborgenem. In der Religion bedeutet Offenbarung (gr. apokálypsis) das Offenlegen des Wesens der Schöpfung Gottes. 
Worte der Offenbarung erschließen sich keiner wissenden, aber jeder glaubenden Seele.
Offenbarungen lassen sich als Worte der Seele selbstverständlich nicht in Lehrsätzen vermitteln, sondern allein durch Bilder des Glaubens erschließen. 

Sobald sich Ich und Selbst vereinigen, geben sie das innere Wissen der Natur frei. Von da an vermag das Wesen das zu schauen, was es begehrt. Dieses Schauen (gr. idein) verhilft ihm über alle Behinderungen durch Körper oder Verstand hinweg. Sätze der Offenbarung sind ganz persönlich gemeint. Sie bedürfen erst der Übersetzung, wenn sie von anderen erfasst werden können sollen.

Aus der vollkommenen Übereinstimmung von Ich und Selbst erwächst die geheime (anonyme) Offenbarung der Natur und gelangt durch die innere Stimme zum Vorschein. 
Dieses Vorscheinen geschieht durch das Gestalten in Bildern schöpferischer Augenblicke. In günstigen Fällen lassen sie sich in Zeichnungen, Gemälden, Musik- oder Sprachkompositionen festhalten. 

Weisheit als jener Weg ist der von Natur aus gegebene, durch inneres Schauen zu entdeckende Urglaube. 
Der griechische Name für dieses innerlich vorgestellte Urbild ist εἶδος (eidos) bzw. ἰδέα (idea). 

Der Anfang von allem zeigt sich in der Kontemplation als Einheit (gr. τò ἕν: to hen) von Geist und Energie. 
Außer diesem in sich unendlichen Einen existiert nichts. 

Aber aus der Initiation von Raum und Zeit durch Zu-und Einordnen, von Urbild und Abbild durch Vor- und Nachordnen, aus der Initiation von Hierarchien durch Über- und Unterordnung und aus der Initiation von Strukturen und Systemen durch An- und Beiordnung entschlüsselt sich aus Sein Werden und Natur bricht aus Nichts hervor. 

Mit Leichtigkeit lässt sich für jeden aus Gewordenem Gewesenes erschließen. Und ein Narr, der Naturgesetze nicht als Form und Gestalt eines Ureinen zu erkennen vermag.
 

16
Sep
2012

2.1 Brennender Dornbusch

 




 

Die vielleicht bekannteste und zugleich frühest überlieferte Vision ist die des Moses (8. Jh. v. Chr.). Es ist die Vision vom brennenden Dornbusch. Es wird in der Bibel erzählt, dass Moses viele Jahre die Herden seines Schwiegervaters Jitro hütete.

Eines Tages weideten die Schafe und Ziegen auf den saftigen Weiden an den Hängen des Berges Sinai. Moses blickte in die Ferne, und er traute seinen Augen nicht.

Er erblickte einen brennenden Busch, der nicht verbrannte. Neugierig näherte sich Moses.
 
Da hörte er plötzlich eine Stimme. Sie kam aus dem brennenden Busch und sagte: "Zieh deine Schuhe aus, Mose! Du stehst auf heiligem Boden."
Moses spürte intuitiv, dass es Gott war, der zu ihm sprach.
Er gehorchte, und Gott sagte: "Ich bin, der ich bin.

Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Ich habe die Klagen und Bitten meines Volkes gehört, das in Ägypten in der Sklaverei lebt. Und ich werde es retten. Du Mose, sollst es aus Ägypten in ein Land führen, das ich den Nachkommen Abrahams versprochen habe. In diesem Land werden Milch und Honig fließen. Und dich Moses, sende ich nun zum Pharao."

Dieser Auftrag ist für einen Hirten in der Wüste nicht gerade naheliegend. Offenbar ist allen Visionen gemeinsam, dass sie Menschen überraschen, die über die Kraft verfügen, ihnen zu entsprechen.

Moses machte erst gar nicht den Versuch, sich als Hirte darzustellen, der dazu nicht in der Lage ist, weil er ja nichts gelernt und aus sich gemacht habe und nur ein dummer Hirte geblieben ist.

Wahrscheinlich „schreckt“ vor Jammerlappen selbst Gott „zurück“.
 

15
Sep
2012

2 Vision

 

 

14
Sep
2012

1.5 Zwischen Welten

 




 

Neben der improvisierten Welt der Fantasie existiert die strategische Welt des Verstandes und die spielerische Welt der Vernunft. Die Fantasie gestaltet jedem Wesen je nach Begabung seine eigene Welt religiös, künstlerisch, philosophisch, wissenschaftlich, technisch, handwerklich, sportlich oder besonders gesellschaftlich orientiert aus.

Je nach Veranlagung fühlt sich das Wesen in dieser Klausur der Fantasie wohl oder es versucht, auch besonders durch Reisen andere Welten kennen zu lernen und für sich zu erobern. Bisweilen aber bleibt es bei sich zu Hause und richtet sich ganz speziell ein bzw. spezialisiert sich, was Interesse für Anderes nicht ausschließt. Aber da in den einzelnen Welten unterschiedliche Sprachen gesprochen werden, fällt es oft schwer, sich zu verständigen und zu verstehen. Schon innerhalb einer Welt fällt das schwer. Geisteswissenschaftler verstehen in den seltensten Fällen, was Naturwissenschaftler sagen und umgekehrt.

Was aber bewegt Fantasie, Vernunft und Verstand, die Seele zu einer gemeinsamen Reise mit ihnen einzuladen? Geraten Vernunft und Verstand dadurch nicht in Schwierigkeiten, wenn sie sich aus sich heraus bewegen, um sich auf die Fantasie der Intuition einzulassen?

Es ist die Sehnsucht der Seele nach Utopia, einem Ort, den sie zwar fühlt, den sie aber noch nicht zu schauen, geschweige denn in Worte zu fassen vermag.

Den Ruf der Utopie verspürt die Seele zwar als inneren Antrieb, aber Hemmungen oder gar Blockaden hindern sie daran, dieser Berufung zu folgen. Allzu oft sind es aber auch spießbürgerliche Verklemmungen, Ängstlichkeiten oder ganz einfach Bequemlichkeiten, die einem Aufbruch entgegen stehen.

Aber einem inneren Ruf nicht zu folgen, das bedeutet oft, die eigene tragische Komödie zu inszenieren, denn Ausreden und Ausflüchte gestalten nun die Biografie seelischer Trägheit und Mutlosigkeit.
Da aber die Seele lebenslang ihre gefühlte Aufgabe nicht aufgibt, werden Gründe in der Erziehung gesucht, um fadenscheinig zu erklären, warum man diese Herausforderung beim besten Willen nicht annehmen kann.
So entgeht man durch selbstlügnerisches Jammern inneren Forderungen und tapst von einer Falle in die nächste.

Es ist nie zu früh und selten zu spät, der Mitwirkung bei einer selbstinszenierten Tragödie eine Absage zu erteilen, um sich endlich mit den verbliebenen Möglichkeiten auf den Weg zu machen
 

13
Sep
2012

1.4 Innere Stimme

 




In der Geschichte der Philosophie wird das Phänomen der inneren Stimme zum ersten Mal von Sokrates beschrieben. Sokrates nennt sie ‘daimonion’: Wesen und Wirkung des Göttlichen.

Nach Sokrates Auffassung wird jedem Menschen von Geburt an ein göttlicher Schutzgeist mit auf den Weg gegeben, der ihn vor Unheil bewahrt. Erst wenn der Mensch diesen Schutzgeist vernachlässigt und damit den Unwillen der Götter erregt, wird das Dämonische in ihm zur Verblendung und Besessenheit.

Das sokratische Daimonion hat eine Stimme und stellt sich schützend vor die ihm Anvertrauten. Für Sokrates ist das ein klar erkennbares Faktum. Es ist so selbstverständlich anwesend, dass dies nicht erst diskutiert zu werden braucht. Das Daimonion berät zwar, aber es trägt nicht zum Erkennen bei. Das Daimonion ist streng getrennt vom Verstand, es sagt das, was der Verstand nicht erkennen kann. Es ist nicht das sittliche Gewissen. Was Sokrates zu tun hat und was nicht, sagt ihm sein Verstand. Das Daimonion bedeutet die Stimme, die ihn warnt, sobald er gegen seine Intuition handelt.

Der griechische Schriftsteller Plutarch (45-120) hat das sokratische Daimonion ausführlich erörtert. Hinweise auf die Existenz eines Daimonion finden sich auch in den Schriften der römischen Autoren Seneca (4-55 n. Chr.) und Marc Aurel (121-180 n. Chr.). Augustinus deutet das Daimonion als Gewissen und legt die innere Stimme als Stimme Gottes aus. Thomas von Aquin deutet es sogar als Erkenntnisorgan der praktischen Vernunft.

“Die innere Stimme gilt je nach Ansicht den einen als Stimme der Seele, anderen als Sprache der Vernunft und wieder anderen als Ausdruck des Gewissens oder als Zuspruch des Geistes oder auch Stimme des Herzens. Mahatma Gandhi nennt die leise innere Stimme den einzigen Tyrann, den er in dieser Welt anerkennt.“ (Ausgewählte Texte, Richard Attenborough (Hrsg.))

„Du hast deine Kindheit vergessen, aus den Tiefen deiner Seele wirbt sie um dich. Sie wird dich so lange leiden machen, bis du sie erhörst.“
(Ausgewählte Texte, Richard Attenborough (Hrsg.) Und Friedrich Nietzsche sagt zur inneren Stimme:

“Es geht geisterhaft zu, jeder Augenblick des Lebens will uns etwas sagen, aber wir wollen diese Geisterstimme nicht hören. Wir fürchten uns, wenn wir allein und stille sind, daß uns etwas in das Ohr geraunt werde, und so hassen wir die Stille und betäuben uns durch Geselligkeit.”
Friedrich Nietzsche, Werke I - Unzeitgemäße Betrachtungen)

“In dem Augenblick aber, wo uns alles verloren scheint, erreicht uns zuweilen die Stimme, die uns retten kann; man hat an alle Pforten geklopft, die auf gar nichts führen, vor der einzigen aber, durch die man eintreten kann, und die man vergeblich hundert Jahre lang hätte suchen können, steht man, ohne es zu wissen, und sie tut sich auf." (Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3 )

Woher die recht unterschiedlichen Namen für die innere Stimme?

“Das liegt daran, dass sich dieses Phänomen dem Wissen entzieht und allein dem Glauben offenbart. Der Glaube verfügt aber über keine eindeutigen Namen bzw. Begriffe, sondern allein über vielfältige und vieldeutige Hinweise, Zeichen oder Bezeichnungen.
Offenbarungen des Glaubens lassen ganz persönliche Deutungen zu wie beispielsweise auch das Wort Gott. Deshalb glaubt Sokrates seiner inneren Stimme, als einer göttlichen Eingebung und nennt sie deshalb auch seinen “daimonion”, also seinen persönlichen Schutzgeist, der Teil des Ichs ist. Diese innere Stimme warnte ihn in entscheidenden Augenblicken und hielt ihn von der Ausführung einer gefährlichen Absicht ab. Sokrates versteht das Daimonion als eine Gegeninstanz zum Logos, die das erkennt, was der Vernunft verborgen bleibt, und vom Falschen abrät, jedoch zu nichts rät.

Seinen Daimonion schätzt Sokrates so hoch ein, dass er ihm auch gegen seine rationale Einsicht gehorcht. Da er es auch über die Götter stellt, wurde ihm sogar vorgeworfen, es als einen neuen Gott einführen zu wollen.” (Kommentar der inneren Stimme selbst) Und die innere Stimme offenbart der Fantasie, der Vernunft und dem Verstand, dass sie selbst letztlich nichts Anderes ist als ein sprechendes inneres Bild ihrer ureigenen daimonia.

Aus der inneren Stimme spricht nicht nur das Selbst des Ichs, sondern zugleich auch der Logos der Natur. Und was die innere Stimme nicht auszudrücken vermag, zeigt sie dem Dritten Auge in den inneren Bildern der Vorstellungskraft.


 

12
Sep
2012

1.3 Glaube und Intuition

 




„Glauben heißt nichts wissen!“ Hinter dieser Aussage steckt die Geringschätzung einer Wahrnehmung, die nicht auf sinnlicher Wahrnehmung, sondern auf einer Art gefühlter innerer Überzeugung beruht.

Gewöhnlich wird nicht akzeptiert, dass Intuition eine besondere Art und Weise des Wahrnehmens ist. Intuitives Wahrnehmen vermittelt wie Tasten, Riechen, Schmecken, Hören, Sehen Eindrücke, aber diese Eindrücke sind nicht sinnlicher, sondern seelischer Herkunft.

Wie die Sinne vermittelt die Seele dem Bewusstsein Bilder, und zwar keine gewussten Außen-, sondern gefühlte Innenbilder. Die Seele ein Wahrnehmungsorgan zu nennen, das klingt befremdlich, und dennoch galt dies dem griechischen Philosophen Platon noch als so selbstverständlich, dass er hierfür nicht das griechische Verb „oran“ für sinnliches Wahrnehmen, sondern das Verb „idein“ für geistiges Wahrnehmen benutzte.

Seelisches Wahrnehmen ist vor allen schöpferischen Menschen zueigen. Das Erzeugen von Ideen ist ein Wesensmerkmal des „idein“.

Wahrscheinlich verhält es sich so, dass Glauben und Intuition einer besonderen Begabung bedürfen. Vielen schöpferisch arbeitenden Menschen ist vielleicht diese besondere Begabung gar nicht bewusst; sie nutzen sie einfach.

Ist Intuition die regelmäßige Begleiterin eines schöpferischen Menschen, sensibilisiert und initiiert sie dann auch das innere Schauen, die Vision. Dabei ist es gleichgültig, ob dieser Mensch religiös, künstlerisch oder wissenschaftlich arbeitet.

Im Zusammenhang mit dem im Abschnitt 1 angesprochenen Phänomen der Totzeit interessiert hier natürlich, auf welche Art und Weise Intuition einen Blick hinter den Horizont des sinnlich Vernehmbarren erlaubt.

Zunächst ist es wichtig zu beachten, dass sich sinnliche und seelische Wahrnehmung wesentlich unterscheiden.

Sinnliche Wahrnehmungen werden in Gestalt von Bildern bewusst. Dagegen zeigen sich seelische Wahrnehmungen dem Bewusstsein in Gestalt von Gefühlen. Da die meisten im Spüren von Gefühlen völlig unerfahren sind, vermögen sie diese auch nicht zu interpretieren und zu verstehen.

So spüren zwar nicht wenige die Anwesenheit von ihnen sehr nahestehenden kürzlich Verstorbenen, aber sie können damit nichts anfangen. Weil die wahrgenommenen Gefühle nicht sprechen, können sich die Toten auch nicht mit ihnen verständigen.

Aber da sich Verstorbene mit Lebenden über das metaphysische bzw. metaneuronale ontische Netz zu ,vereinigen‘ vermögen, können sie auch darüber kommunizieren. Sie nutzen sogar neuronale Muster, um sich sprachlich unsinnlich mitzuteilen.

Diese geistigen Mitteilungen kann der Lebende dann über seine innere Stimme vernehmen.
 

11
Sep
2012

1.2 Sinn

 





Das Wort „Sinn“ ist doppeldeutig. Es bedeutet sowohl „Fähigkeit der Wahrnehmung“ als auch „geistiger Gehalt (Bedeutung)“.

Neben den fünf Fähigkeiten des Wahrnehmens Tasten, Hören, Sehen, Riechen, Schmecken existiert noch ein sechster Sinn, d. i. das gefühlte innere Sehen.

Der große abendländische Lehrer der Intuition ist Platon. Platon (altgriechisch Πλάτων Plátōn, latinisiert Plato; * 428/427 v. Chr. in Athen oder Aigina; † 348/347 v. Chr. in Athen) war ein antiker griechischer Philosoph. In seinem berühmten Höhlengleichnis schildert er den Weg der Intuition.

Was geschieht in der Höhle, von der Platon spricht?
Hat man sich an die Dunkelheit der nur von einem kleinen Feuer beleuchteten Höhle gewöhnt, dann erkennt man sehr bald, dass dort gegen die Wand hin gefesselte Menschen sitzen, die sich nicht umdrehen können und deshalb nur Schatten an der Höhlenwand sehen.

Es sind die Schatten der Menschen, die hinter dem Rücken der Gefangenen und dem Feuer Gegenstände und Speisen hin- und hertragen. Die Gefangenen aber kennen allein die Schatten dieser Gestalten und halten diese Schatten also für die Gestalten selbst. Deshalb ordnen sie ihnen auch sogar die Stimmen zu, die sie hören.

Die Schattenwelt ist die Welt so, wie die Gefangenen sie erleben. Die Gefangenen halten ihre Erlebniswelt für die Wirklichkeit, denn sie befinden sich von Geburt an in dieser Lage. Und Platon provoziert uns, indem er uns sagt, dass unsere sogenannte reale Welt nichts anderes ist als eine Schattenwelt. Das, was wir wahrnehmen, ist nicht mehr als Abschattung von etwas, was wir selbst nicht wahrzunehmen vermögen, weil wir uns ebenfalls nicht umdrehen, unsere Sichtweise nicht verändern können.

Dabei muss es jedenfalls nicht bleiben. Wir sind nicht dazu verurteilt, unser gesamtes Leben als Gefangene unserer Schattenwelt zu verbringen. Aber Platon macht auch nachdrücklich darauf aufmerksam, dass sich niemand selbst aus seiner miserablen Lage befreien kann. Jeder braucht einen Lehrer, der ihn befreit. „Erziehung“ ist für Platon der Name für diese Befreiung.

In seinem Höhlengleichnis fragt Platon, was geschehen würde, wenn einer der Gefangenen in der Höhle befreit würde. Platon sagt, dass eine solche Befreiung gewaltsam geschehen müsste, weil sich niemand freiwillig von Gewohnheiten trennt, die ihn ein Leben lang bestimmt haben. Und wir alle spüren auch, wie sehr wir uns dagegen wehren, Platon zu glauben, dass alles, mit dem wir zu tun haben nicht mehr ist als Schatten. Statt uns in unserer Sichtweise zu wenden, halten wir lieber Platons Auffassungen für verdreht. Und einem Verrückten braucht man nicht zu folgen. Dennoch sollen wir uns nun vorstellen, dass einer der Gefangenen von seinen Fesseln befreit wird. Der so befreite Mensch kann sich jetzt umdrehen und plötzlich klar erkennen, dass das, was er sehen kann, überhaupt nichts mit dem zu tun hat, was er bislang für wahr gehalten hat. Allmählich gewöhnt er sich an seine Freiheit und folglich auch daran, Zusammenhänge erkennen zu können. So erkennt er die Schatten als Projektionen dieser Gestalten vor dem Feuer. Sie bewachen die Gefangenen, und er erkennt nicht nur die Schatten als Wächter, sondern er nimmt auch einen Weg wahr, der nach oben zum Höhlenausgang führt. Weil er neugierig geworden ist, folgt er diesem Weg vorsichtig nach oben, wohl darauf gefasst, dass die Höhle auch nicht die Welt ist und er jederzeit mit einer weiteren Überraschung rechnen muss.

Als er schließlich zum Ausgang gelangt erfasst ihn ein kaum zu beschreibender Schrecken und er bekommt große Angst, weil er wegen des sehr grellen Lichts, das seine Augen blendet, nichts mehr erkennen kann. Als sich dann seine Augen an das Licht der Sonne gewöhnt haben, erkennt er wiederum ein Feuer. Das ist die Sonne, der er nun gewahr wird. Er kommt zu dem Schluss, dass es sich bei den Dingen, die er nun wahrnehmen kann, wiederum nur um Abschattungen handelt. Deshalb folgert er, dass er erneut einen Weg finden muss, der ihn aus dieser Welt der Schatten hinausführt.

 

10
Sep
2012

1.1 Grenze

 

Für die denkbar kürzeste Zeitspanne ist das vernunftbegabte Wesen über das Neuron „ὄν“ mit der Welt hinter dem Horizont verbunden. 

Durch eine besondere Form der Organisation des Bewusstseins vermag der Mensch über eine Aufrechterhaltung des neuronalen, ontischen Netzes mit der Welt hinter dem Horizont zu kommunizieren.

Unter philosophischem Gesichtspunkt ist die Grenze zwischen diesen beiden Welten die Grenze zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit. 
 

 
Die physikalischen Teilchen ὄνta (Plural von ὄν) können diese Grenze überspringen. Diese neuronalen Teilchen wandeln sich bei diesem Sprung zu virtuellen Teilchen. Virtuelle Teilchen können aber physikalisch nicht mehr erfasst werden. 

Ich nehme nicht nur an, dass die Gesamtheit der ὄtνa das ausmacht, was Seele genannt wird, sondern auch, dass die Seele als diese Gesamtheit die neuronale Auflösung durch den Tod überlebt.

Also gerade das, was uns wesentlich und besonders wichtig erscheint, scheint sich uns mit dem Sterben zu entziehen. Dass wir uns aber mit diesem Anschein von Schwund schrecklich täuschen, erfahren wir aus leicht erklärbaren Gründen nicht. Und so leiden wir unter einer sehr schmerzlichen Trennung, die in Wahrheit gar nicht stattfindet.

Warum wir das dennoch so erleben, liegt einzig und allein daran, dass wir unserem sechsten Sinn nicht vertrauen. 
 

9
Sep
2012

Totzeit (2. Auflage)

 
Totzeit ist die Zeitspanne des Sterbens als Übergang von der Endlichkeit über den Tod zur Ewigkeit.

Totzeit ist aber auch die Zeitspanne für die Existenz von Information zwischen zwei Neuronen. Während dieser Zeit existiert das virtuelle (metaphysische) Neuron „ὄν“ (griechisch, „seiend“ zu εἶναι, „sein“).

Das Neuron „ὄν“ ist raum- und zeitunabhängig.
 

8
Sep
2012

Ein Augenblick der Angst

 



 

7
Sep
2012

Totzeit

 

totzeit1-1
 

6
Sep
2012

Chronometer

 
Die intakte innere Uhr lebt wie alles in der Natur von der Wiederholung des immer Gleichen. Die innere Uhr braucht einen vom Ich selbst abgestimmten Rhythmus. An die selbst festgelegte Folge von Aufgaben eines Tages (= neuronale Zeiten) sollte man sich unbedingt halten.

Die Festlegung regelmäßiger Zeiten für Ruhe, schöpferisches Arbeiten, Beruf, Hausarbeiten, Besorgungen, Bewegungen, Pausen usf. sowohl täglich als auch wöchentlich stabilisiert das innere Gleichgewicht.

Zur Sensibilisierung der Selbstheilung verhelfen die (stündlich) augenblicklichen Farbmeditationenen von Tian Harlan (1970). Ein Augen-Blick auf eine stündlich 'neue' Farbe bewirkt eine Blitzaufladung.
 

chronograph

 

 

gelb: inneres Licht durch Satz der Information ( vgl. Sensibelchen)

orange: Loslassen (vgl. Brennnessel)

pink: Natürliches Ordnen (vgl. Trichterwinde)

rot: Prophylaxe (vgl. Löwenzahn)

lila: persönliches Heilbild (vgl. Hibiskus)

violett: positives Denken (vgl. Schachblume)

blau: Gewissensfragen (vgl. Hirtentäschelkraut)

grün: natürliche Wiederholung des immer Gleichen

türkis: eigener existentieller Beweggrund

braun: erden (der Weg ist das Ziel)

ocker: wachsen durch 'Selbst - Ich - Annäherung'

beige: selbst vertrauend antizipieren (Utopia)


Selbstverständlich ist es noch besser, die stündliche Fabenbelegung selbst zu belegen.

(Die Chromachrom gibt es als colorwatch als kostenloses app für iphone, ipod, ipad)
 

5
Sep
2012

Innovare

 
Die neuronale Innovation, also die Erneuerung von Nervenzellen (Neuronen) bleibt bei vielen folgenlos, da sie wider besseres Wissen handeln. Sie sind letztlich nicht überzeugt von der Wirksamkeit eines Weges der kleinen Schritte. Bei der Selbstheilung oder neuronalen Selbstreparatur ist aber der Weg das Ziel.

Wer z.B. weiß, dass das Sensibelchen zwar zur für die innere Heilung erforderlichen Erweiterung des Bewusstseins verhilft, aber diese Heilpflanze nicht täglich anwendet, kann natürlicherweise keine Fortschritte bei sich erwarten.

Der Spruch "Gegen Dummheit und Faulheit ist kein Kraut gewachsen" (auch kein Heilkraut!) verweist vielleicht auf das Grundübel, warum vielen der Erfolg innerer Heilung versagt bleibt.

Um diesem Grundübel begegnen zu können, hilft es vielleicht, sich eine innere Uhr (Neurochronometer) einzurichten.

Die intakte innere Uhr lebt wie alles in der Natur von der Wiederholung des immer Gleichen. Die innere Uhr braucht einen vom Ich selbst abgestimmten Rhythmus. An die selbst festgelegte Folge von Aufgaben eines Tages (= neuronale Zeiten) sollte man sich unbedingt halten.

Die Festlegung regelmäßiger Zeiten für Ruhe, schöpferisches Arbeiten, Beruf, Hausarbeiten, Besorgungen, Bewegungen, Pausen usf. sowohl täglich als auch wöchentlich stabilisiert das innere Gleichgewicht.

Zur Sensibilisierung der Selbstheilung verhelfen die augenblicklichen Farbmeditationenen von Tian Harlan (1970). Ein Blick auf eine stündlich 'neue' Farbe bewirkt eine Blitzaufladung.
 

farbmeditation
 

Farbe ist Energie. Farbe ist reine Sonnenenergie. Hoch kultivierte Völker wussten um die Heilkraft der Sonne, des Lichts und der Farben.
 

4
Sep
2012

Die Birke

 
Die Birke (betula alba) ist ein ehemals sehr geschätztes Heilmittel. Schon in den Kräuterbüchern des Mittelalters wird die Birke als ausgezeichnetes Mittel zur Behandlung von Gicht, Rheuma, Wassereinlagerungen und Hautflecken beschrieben.

Die Birke (Betula alba) - findet man in der nördlichen Hemisphäre. Birke bezeichnet eine Gattung, die ca. 50 Arten umfasst. Allen Birken gemein sind der Aufbau der Blüten und Früchte. Bei den meisten Birken ist die Rinde auffällig hell bis weiß. Die meist genutzte Weißbirke, auch warzige Birke oder Rauhbirke genannt, ist ein schlanker, bis zu 25 Meter hoher Baum aus der Familie der Birkengewächse. Die Rinde der Birke ist schneeweiß mit schwarzrissiger Borke. Die jungen, biegsamen Zweige der Birke sind dicht mit Drüsenwarzen besetzt. Die Blätter der Birke sind dreieckig, zugespitzt, doppeltgesägt, klebrig und kahl. Die Fruchtkätzchen sind hängend, walzlich, ziemlich dick und braun. Die Birke blüht von April bis Mai.

Die virtuelle Birke ist vor allem eine Heilvorstellung zur neuronalen Selbsterneuerung und unterstützt damit verjüngendes Altern. Unter verjüngendem Altern wird vor allem das seelisch geistige Erstarken und zugleich Hemmen der körperlichen Schwächung verstanden. Die Heilkraft der virtuellen Birke hängt vor allem von einer starken Fantasie ab. Die Schwierigkeiten des Alterns entstehen vor allem durch eine unangemessene Zeitvorstellung. So trifft es zwar zu, dass auf Grund der Verlangsamung aller alltäglichen Vorgänge die Zeitressourcen schwinden, aber dieser Schwund kann nicht nur durch ein optimiertes Zeitmanagement, sondern auch durch Straffen schöpferischer Prozesse abgefangen werden.

Das Zubereiten der virtuellen Birke vollzieht sich demnach in Gedanken an die Vertreibung altersbedingter Zeitdiebe. In diesem Zusammenhang wird sowohl das Gedächtnistraining als auch das Wissen um die Selbstreperatur besonders wichtig.
 

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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