11
Jun
2012

Aporie der Selbsthilfe

 
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Hilfe zur Selbsthilfe erscheint angesichts der Aporie (ἀπορία aporía "Ratlosigkeit", von griechisch o πόρος "der Weg", a poros eigentlich „Ausweglosigkeit“, "Weglosigkeit") sarkastisch. Selbsthilfe setzt zumindest die Möglichkeit des Ichs voraus, überhaupt Wege zu sich selbst entdecken zu können. Es bleiben allerdings nur Versuch und Irrtum durch den Dschungel der Selbstverstrickung des Ichs.

Der Philosoph Sokrates empfiehlt wie schon Moses angesichts solcher Ausweglosigkeit die Flucht aus der Wüste, die sich "Welt" nennt. Und beide empfehlen, das Glück ausserhalb der Vergänglichkeit der Selbstgefangenschaft zu suchen. Dazu aber bedarf es eines Glaubens an eine andere Form der Existenz. Für Moses ist das die Existenz Gottes, für Sokrates ist das der Bereich jenseits (meta) des Physischen (Metaphysik). Statt Hilfe zur Selbsthilfe bietet Moses die zehn Gebote. Sokrates aber verlässt sich auf seine innere Stimme.
 

10
Jun
2012

Tragik durch Blindheit

 
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Der Mensch ist eigentlich weniger ein vernünftiges als vielmehr ein tragisches Lebewesen. Die Geburt seiner Tragödie aus dem Geist der Unfreiheit und Unwahrheit seiner Eltern und Vorfahren ist der Anfang einer lebenslangen Täuschung. Der Mythos erzählt uns, dass dies alles mit der Vertreibung aus dem Leben in Gott beginnt. Das Erwachen der Vernunft geht offenbar mit dem Verlust des Glaubens und Urvertrauens einher. Der Rausschmiss aus dem Paradies wird zur Katastrophe einer Suche nach Wahrheit, die nur Täuschung und Lüge erzeugt, ein Streben nach Freiheit, das nur Unfreiheiten und Kriege bringt.

Erziehung als Hilfe zur Selbsthilfe erscheint als Zynismus pädagogischer Blindheit. In Wirklichkeit wird diese Hilfe ohne Öffnen des inneren Auges niemals gewährt. Stattdessen ersticken eitle Selbstbespiegelungen von Pseudopädagogen mögliche Ansätze bereits im Keim. Wer sich wider besseres Wissen dieser offensichtlichen Ausweglosigkeit des vernunftbegabten Lebewesens widersetzt, wird verdrängt.
 

9
Jun
2012

Pädagogisch blind

 
"Wir sind gewohnt, zu denken: Mathematik muss erst ”dagewesen“ sein, ehe sie in der Physik, in der Erdkunde, oder wo es auch sei, ”angewandt“ werden könne. Das ist die Haltung dessen, der sein Werkzeug bereitlegt, ehe er daran geht, Möbel zu bauen; logisch in Ordnung und vernünftig, besonders dann, wenn er Möbel ”in Serie“ herstellen will. Das führt zu Folgerungen wie dieser: Physik kann erst beginnen, ”wenn die nötigen mathematischen Voraussetzungen geschaffen sind“.

Was logisch richtig ist, kann aber auch pädagogisch blind oder doch unzureichend sein. Man muss erst wissen, was man in der Schule eigentlich will. Wirklich Kenntnisse in Serie herstellen? Vielleicht wird sich diese Vorstellung streckenweise nicht abweisen lassen. Aber pädagogisch wichtiger, oder mindestens komplementär dazu, erscheint ein anderer Grundsatz, der für den mathematischen Unterricht folgendes Ziel setzt: Erfahren lassen, wie Mathematik im ursprünglichen Umgang mit der Welt im Menschen entsteht, aus ihm also und aus den Dingen hervorgeht. Dann wird Mathematik nicht an-gewandt, sondern sie löst sich aus erdkundlichen, physikalischen, technischen und anderen Sachproblemen heraus und ist zugleich ein Mittel zu ihrer Bewältigung.


Wie tödlich langweilig ist es und allzu leicht zu verstehen, dass an zwei parallelen geraden Linien, die von einer dritten gekreuzt werden, Winkel sich finden lassen (mit schwer zu behaltenden Namen), die gleich groß sind. Langweilig, weil es ohne einen vernuünftigeren Anlass traktiert wird als aus der Gewohnheit, auf Vorrat zu stapeln, was dann später, irgendwann, unter tausend anderen solchen Dingen ”angewandt“ werden soll.

Wie anders aber sieht diese Figur aus, wenn sie aus einer unser Denken herausfordern- den Wirklichkeit herausgelesen wird: ursprünglich, indem sie uns die Antwort auf eine Frage zuspielt:

Eratosthenes (275 bis 195 v.Chr.) wollte herausbekommen, wie groß die Erdkugel ist. Er wusste schon, dass sie eine schwebende Kugel ist, damals, als niemand sie umfahren konnte, damals, als die denkende Mittelmeer-Welt der Antike sich wie eine kleine Lichtinsel von der riesigen Dunkelheit der unbekannten Länder und Völker umschlossen fühlte."

(aus: M. Wagenschein, ”Naturphänomene sehen und verstehen. Genetische Lehrgänge“, Klett: Stuttgart 1988, S. 298- 302.)

"Er weiß, dass oben in Ägypten, in Assuan (damals Syene) es vorkommt (an einem bestimmten Tage des Jahres, am 21. Juni), dass die Dinge keinen Schatten werfen; keinen seitlichen wenigstens; nur den kleinen, auf dem sie stehen, dem kleinsten. Und ein Obelisk (eine lange, nach oben sich verjüngende Pyramide) wirft also wirklich gar keinen. Er deckt die Stelle zu, auf die sein Schatten fallen sollte. Der Schatten liegt unter ihm bereit, und nachmittags wächst er seitlich heraus. Mittags hat er sich unter der Säule versteckt. Die Sonne steht zu Häupten, im ”Zenith“. Der Obelisk deutet auf sie.

Auch in Alexandria, im unteren Ägypten, annähernd nördlich von Syene, steht ein solcher Obelisk. Und, worauf es nun ankommt: im gleichen Augenblick, da die Säule in Assuan schattenlos dasteht, hat die in Alexandria einen deutlichen kleinen Schatten neben sich liegen!

Woher kommt das? Ist das nur so wie bei der Straßenlampe, die dem gar keinen Schatten macht, der genau unter ihr steht, einem anderen aber, ein paar Meter davon, sehr wohl?

Oder kommt es von dem, was Eratosthenes interessierte, daher nämlich, dass die beiden Säulen, wie Stacheln auf einem krummen Igelrücken, auf einer gewölbten Erde stehen? Eben weil die Erde als Ganzes eine Kugel ist. Wenn der eine Stachel auf die Sonne deutet, so tut es der andere schon nicht mehr. Je weiter er vom ersten weg ist, und je krummer (das heißt: kleiner) der Erdball ist, desto auffälliger wird das. – Oder trifft beides zusammen: Der Straßenlampen-Effekt (den es auch dann gäbe, wenn die Erde eine ebene Scheibe wäre) und der Igel-Effekt? Dann wäre die Frage leider kompliziert.

Nun ist das, was wir von der Lampe kennen, um so weniger auffällig, je höher sie über der Straße hängt. Und Eratosthenes und die Gelehrten seiner Zeit wussten damals schon, dass die Sonnenlampe so hoch über uns schwebt, so weit fort, dass der ganze große Erdball, mit diesem Abstand verglichen, fast ein Nichts ist.

Er wusste das nicht aus Büchern, wie wir Armen: er sah es. Wir können es auch sehen, und zwar am Mond (im ersten Viertel oder vorher), falls wir zugleich auf die Stellung der Sonne achten. (Es muss also Tag sein und beide Gestirne müssen am Himmel stehen). Dann sieht man, dass die Sonne viel weiter von uns abstehen muss als der Mond: Wenn man sich nämlich klarmacht, dass der Mond ein kalter, nur von der Sonne angeleuchteter Stein-Ball ist. (Das ist freilich schwer zu sehen; aber leicht, wenn man es einmal gesehen hat). Und da auch der Mond schon sehr weit ist (denn er ”geht immer mit“, hinter den Bergen, auch wenn wir sehr weit reisen), so ist die Sonne umso mehr fast unvorstellbar fern.

Das hier nur Angedeutete habe ich breiter dargestellt in: M. Wagenschein, ”Natur physikalisch gesehen“ 1953; jetzt Westermann, Braunschweig 1975; S. 59ff und in ”Die Erde unter den Sternen“, 3. Auflage Weinheim 1965, S. 22ff.)

Weil sie so fern sind, deshalb sind die beiden Sonnenstrahlen, die die Spitzen der beiden Obelisken treffen, – im Bereich unserer Figur so gut wie – gleichgerichtet (”parallel“). Damit wird alles einfach:

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Es ist also nicht so wie bei der Straßenlampe, die über einer ebenen Straße hängt, es ist wie beim Igel nur die Krümmung des Erdbodens, die Krümmung Ägyptens, ist daran schuld, dass bei Alexandria ein Schatten hervorkommt. Die beiden Obelisken sind nicht parallel.

Mit zwei Streichhölzern, jedes in einem Plastillinsockel im Ägypten des Globus postiert, kann man sich das ganz klarmachen. Eine ferne helle Lampe als Sonne – oder auch die wirkliche Sonne selber – wirft den Schatten. Wenn man sich dann das ”worauf es an- kommt“, aus dem Globus heraus an die Tafel zeichnet, so löst sich aus diesem Bild hervor die Figur mit den zwei Parallelen und der dritten Geraden. Wohl dem, der sie noch nicht kennt.

Denn er kann dann die Entdeckung machen, dass der Winkel zwischen Assuan und Alexandria (genau: der Winkel zwischen den beiden Erdkugel-Radien, die auf die zwei Obelisken zeigen) – und das ist der Winkel, der uns interessiert, denn er zeigt ja die Krümmung an, wegen deren die alexandriner Säule gegen die von Assuan verdreht ist –, dass der Winkel, der tief in der Erde steckt, wohin wir nicht können, sich noch einmal wiederfindet an einem anderen Ort, und dort ganz zugänglich: an der Spitze des Obelisken in Alexandria: der Winkel zwischen der Spitze und dem seine Spitze streifenden Strahl, der die Spitze des Schattens auf den Boden malt. (Dass man nicht hinaufklettern braucht, um ihn zu messen, ist noch eine Entdeckung für sich). Anfangs ist es lustig, sich einen Ägypterknaben vorzustellen, der da oben, halb geblendet, den Winkel selbst in die Hände zu nehmen sucht. Haben wir diesen Winkel da oben gemessen, so zeigt sich die Mathematik sofort als Macht: Wir können ”schließen“ auf den anderen, ihm gleichen, der in der unzugänglichen Tiefe des Erdballes steckt, an einem Ort, an dem noch keiner war und wohl auch niemals ein Mensch sein wird und von dem niemand genau weiß, wie es dort ”aussieht“. Ist der Winkel, oben im Alexandria, am Obelisk, ein fünfzigstel Kreis – und so war es –, so ist es auch der in der Erde. Der Weg von Assuan nach Alexandria ist also ein Fünfzigstel des Weges um die ganze Erde herum, des Weges, den damals noch niemand gehen oder fahren konnte, und von dem keiner wusste, über wie viele Meere, durch welche Wüsten und was für fremde Völkerschaften er führen könnte. Aber wie weit dieser Weg sein musste, das wurde jetzt klar: Fünfzigmal die Strecke Alexandria-Assuan, und die konnte man messen: 5000 ”Stadien“, fast 1000 km. Aber auf die Zahl kommt es hier gar nicht so sehr an, ebenso wenig wie darauf, dass ein Fünfzigstel des vollen Winkels 7◦12 sind. Diese Zahlen, Einheiten und Zeichen verwirren nur. Es kommt hier nur auf eine Zahl an: Fünfzig; und darauf, dass man im Altertum von der Strecke Syene-Alexandria eine Vorstellung hatte.

Lernt man den Satz, dass jene zwei Winkel an Parallelen gleich sind, an der sterilen Figur, so lernt man fast gar nichts. Lernt man ihn aber gleich bei seiner Entdeckung aus einer Wirklichkeit herauslesen, so spürt man sofort etwas davon, was Mathematik ist und kann. (Nur etwas. Vom ”Beweisen“ ist noch gar keine Rede. Dazu ist der ”Satz“ zu selbstverständlich. Man braucht die Gleichheit der beiden Winkel nur zu vermuten und sagt schon ja dazu.) Man lernt das Abstrahieren, das Herausholen der Figur aus der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit, das ist hier: die Weltinsel der Antike; die ägyptische hohe Sonne; die stillen Schatten im Mittagsglanz; das Tappen der Sohlen der Läufer, die damals die Strecke durchmessen mussten; der mitlaufende, also ferne Mond; die noch fernere, weil sichtlich hinter der Mondsichel sitzende Sonne. Aus dieser Wirklichkeit ziehen wir heraus, was damals wie heute gilt: Die unvergänglichen Denklinien der Geometrie, um eine Figur zu gewinnen, die zu einem abstrakten Reich gehört und uns doch die Macht gibt, die ganze Erde zu umspannen, ohne ein kleines Land zu verlassen."
(Ende Zitate N. Wagenschein)


Ein Grund für pädagogische Blindheit ist die Gewohnheit, die zu verhängnisvollen Vorurteilen führt wie beispielsweise, dass sich Mathematik nicht erfahren lässt. Nicht von ungefähr bedeutet das griechische Wort "Mathematik" "Technik des Lernens". Die griechischen Philosophen waren der Auffassung, dass Geometrie die trennschärfste Form des Lernens ist.

Um für das schöpferische Lernen offen zu sein können, muss man möglichst unvoreingenommen wahrnehmen. Das setzt eine positive Grundeinstellung voraus. Das folgende Beispiel zeigt, wie das unvoreingenommene Herangehen an eine Aufgabe durch Identifikationsversuche immer wieder gestört wird:

11

Ein Fischzüchter möchte seinen quadratischen Teich unter folgenden Bedingungen vergrößern:
Der Teich soll doppelt so groß wie bisher werden, ohne dass die vier schönen alten Bäume an dessen Ecken gefällt werden müssen und die quadratische Form verloren geht.


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Es dauert eine Weile bis zur Idee, das Quadrat zu drehen und als Raute zwischen den Bäumen zu betrachten. Dass die Fläche der Raute doppelt so groß ist im Vergleich zur ursprünglichen Fläche des Quadrats, lässt sich leicht herausfinden, wenn die hellgelben Dreiecke auf das dunkelgelbe Quadrat nach innen geklappt werden.

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Theorie ist in diesem Fall die geometrische Begründung für die Verdopplung.

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Eine Diagonale teilt ein Quadrat in zwei gleiche Dreiecke. Werden diese beiden Dreiecke zu einem rechtwinkligen Dreieck zusammengelegt, dann bilden sie die Hälfte eines doppelt so großen Quadrats.
Hintergrund bildet der Satz des Pythagoras: Nach diesem Satz bilden die beiden Quadrate über den Katheten a und b zusammen die gleiche Flächengröße wie das Quadrat über der Hypotenuse c.

Dieses Beispiel verdeutlicht, wie die mathematische Form bzw. Formel aus der Gestaltung heraus entsteht.
 

8
Jun
2012

Bewusstwerden

 
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Bewusstwerden geschieht gleichzeitig als affektive Gestaltung des Vorbewussten und als emotionale Gestaltung des Unbewussten. Bevor das Bewusstsein logisch wird, findet es sich in der gefühlten Vorprägung vorgängiger Erfahrung vor. Als Moment des Bewusstwerdens ist das Bewusstsein jederzeit der rechte Augenblick des Ichs, seine Geschichte der Selbstwerdung zu verändern.

In einem solchen geschichtlichen Moment schöpferischer Veränderung geschieht spontan eine andere Selbsterfahrung durch eine Idee des Ichs. Es ist pädagogische Kunst, zu einem solchen intimen inneren Lernmoment anzuregen. Dazu gehört nichts weiter als Vertrauen in die natürliche Begabung eines Wesens. Ein Lehrer, der seinen Unterricht vorbereitet, ohne einzelne Schüler dabei zu sehen, ist pädagogisch blind.
 

7
Jun
2012

Nichts ist praktischer als eine gute Theorie!

 

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Theorie bedeutet ursprünglich das Vermögen, vorweg zu sehen, wie Handeln ablaufen soll. Theoretisch sehen, was praktisch geschehen soll. Theorie ist ursprünglich das Bilder-Leben, welches das Bild-Erleben bestimmt. Theorie ist demnach eine Funktion des Denkens (Bilderleben). Logik bedeutet im ursprünglichen Sinn, die Kunst und Technik, Bilder des Denkens (Innenbilder) so zu formen, dass sie ein bestmögliches Außenbild gestalten. Logik tritt deshalb ursprünglich als Kunst in Erscheinung. Eine gekonnt ins Werk gesetzte logische Funktion gilt als schön. In einer Formel wird die Gestaltung des Bilderlebens so auf den Punkt gebracht, dass es sich jederzeit und überall handelnd veräußern und zu gestalten vermag.

Pädagogisch verdichtet sich die Organisation des Bewusstwerdens logisch im rechten Augenblick erzieherischen Handelns, im Kairós gelungener Hilfestellung zur Selbsthilfe.

Der Weg zu diesem pädagogischen Geschick vollzieht sich in der philosophischen oder künstlerischen Optimierung des Bewusstwerdens.
 

6
Jun
2012

Kunst und Technik der Pädagogik

 
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Pädagogik ist die Methode, philosophische Erkenntnisse in Praxis zu überführen, zu regeln und zu überprüfen.

Pädagogik = Bilderleben ==>> Bild-Erleben

Erziehung = Bild-Erleben ==>> Antizipation von Praxis

Praxis = Vorstellung ==>> Umsetzung

Verhalten = Ich ==>> Umgebung
 

5
Jun
2012

Regelung und Steuerung

 
Durch den pädagogischen Begriff wird Erziehung entweder makrostrukturell als Regelung oder mikrostrukturell als Überführung definiert, wobei eine Überführungsfunktion immer Bestandteil einer Regelung ist.

Nachfolgend wird die Regelung "Erziehung" in Überführungsfunktionen aufgelöst:

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Normen sind überlieferte (tradierte) Verhaltensmuster oder -vorschriften einer Kultur.

Norm = Kultur ==> Muster/Vorschrift

Werte sind dagegen Verhaltensvorschriften einer Ideologie oder Religion.

Wert = Idee ==>> Verwirklichung

Eine Überführungsfunktion kann als solche auch als Steuerung ausgelegt werden:

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Im Gegensatz zur Regelung fehlt bei der Steuerung die fortlaufende Rückkopplung des Ist-Zustandes auf den Regler (Soll-Ist-Vergleich).

Letztlich wird der Regelkreis durch Überführungsfunktionen in Steuerungsmomente aufgelöst. Das entspricht durchaus den Anforderungen der Praxis, denn ein einmal bestimmter praxistauglicher Begriff muss als Handlungsvorlage festgelegte sichere Schritte der Umsetzung enthalten.

Regel = Algorithmus ==>> Wiederholung des Gleichen

Gebot = Maßnahme ==>> Sicherheit

Verbot = Maßnahme ==>> Unterlassung

Erziehung = Information ==> Veränderung

Verhalten = Bewusstsein ==>> Verhältnis

 

4
Jun
2012

Pädagogische Begriffe


Der pädagogische Begriff ist Teil eines definierten Netzes. Es werden Erziehungsmomente überführt (vgl. "Überführungsfunktion"). Demzufolge existieren Begriffe unterschiedlicher Komplexität. Als Begriffe existieren neben Überführungfunktionen nämlich auch Regelungen oder Steuerungen. Jedenfalls ist bei der Bildung eines Begriffs darauf zu achten, dass er sich verlinken lässt.

Um das zu bewerkstelligen, empfiehlt es sich, Überführungsfunktionen die entsprechende Regelung oder übergeordneten Regelungen (Makros) den untergeordneten Regelungen (Mikros) voranstellen.

3
Jun
2012

Textverbundenheit

 

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Denken vollzieht sich vornehmlich als Bilderleben. Dieses Bilderleben veräußert sich vor allem in Texten. Durch die Sprache teilt sich das Bilderleben mit. Durch diese Veröffentlichung aber setzt es sich der Möglichkeit aus, verändert oder gar ausgelöscht werden.

Das Denken existiert nachvollziehbar allein in der Verschriftlichung des Bilderlebens. In der mündlichen Sprache geht es verloren. In Texten aber erhält es sich auch nur, wenn seine Bilder Bild für Bild klar verständlich festgehalten werden. Jeder Text ist verloren, von dem sich der Leser kein Bild machen kann. Die Bildung von Gedankengängen lässt sich durch textliche Überführungsfunktionen verflüssigen. Eine textliche Überführungsfunktion lässt sich leicht an wörtlichen oder inhaltlichen Übereinstimmungen zwischen Sätzen erkennen. Und wenn mehrere Sätze durch ein Bild zusammengehalten werden, dann erhöht das die Sicherheit eines sprachgerechten Verhaltens des Denkens. Das versachlichte Bilderleben muss sich gleichsam wie in einem Bilderbuch betrachten lassen.

 

2
Jun
2012

Verbindlichkeiten

 

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Strukturen pädagogischer Begriffe als solche erhöhen die Trennschärfe des Denkens noch nicht. Als Bilderleben stößt sich das Denken an solcher Herabsetzung der Textflüssigkeit. Das für die Vorstellungskraft notwendige Spielerische der Fantasie stört sich an Gliederungsstrukturen und hemmt intuitive Spontanität.

Um das zu vermeiden und um trotzdem eine trennschärfere Verflüssigung der Gedanken während der Textgestaltung zu erreichen, bietet es sich an, Überführungsfunktionen so in den Text zu integrieren, dass sie satzweise "unauffällig" aufgelöst werden.

Beispiel:

Denken vollzieht sich als Bilder-Leben der Fantasie und als Bild-Erleben der Vernunft. Die Vernunft spiegelt Augenblicke des Bilderlebens im Bewusstsein, um sie für sich festzuhalten oder sogar möglichst wiederholbar zu machen. Mit Hilfe des Verstandes verfertigt sie zu diesem Zweck Begriffe, also wiederholbare Verhaltensformen. Bild-Erleben wiederholbar zu machen dient der Versicherung eigener Existenz. Die Selbstversicherung des "ich bin ich" besteht in der Wiederholbarkeit des Ichs in Gestalt des Bild-Erlebens (Kompetenz). Sie ist der eigentliche Beweggrund zu lernen.

Auflösung:

Bilderleben = Bilder-Leben + Bild-Erleben
Bilder-Leben = Unbewusstes ==>> Fantasie ==>> gestaltetes Bilderleben
Bild-Erleben = Gestaltung ==>> Vernunft ==>> geformtes Bild-Erleben
Lernen = Bilderleben ==>> Verstand ==>> Wiederholung des immer Gleichen
Selbstversicherung ==>> Wiederholen können ==> Ich ==>> Selbstverstärkung
 

1
Jun
2012

Überführungsfunktion

 
Eine Überführungsfunktion überführt ein Erziehungsmoment möglichst empirisch überprüfbar in ein anderes.
Überführungsfunktion = Erziehungsmoment A ==>> Erziehungsmoment B;
kurz:

f(E) = A ==> B

Beispiel:

f (Initiation) = Problem ==> Fragestellung

Eine Überführung ist erst dann und nur dann erlaubt, wenn sie ein Moment einer Regelung repräsentiert. Die Regelkreisstruktur ist die Grundstruktur eines pädagogischen Begriffs. Umgekehrt gilt ein pädagogischer Begriff erst dann und nur dann als bestimmt, wenn er als Regelungstruktur ausgewiesen werden kann:
 

Ueberfuehrungsfunktionen

 
Black boxes des pädagogischen Begriffs:

bb(päd.def.) = (-->Soll-->, -->Regler-->,
-->Maßnahme-->, -->Regelung-->,
-->Soll-Ist-Vergleich-->)
 

31
Mai
2012

Informationelle Elemente

 
Informationelle Momente der Pädagogik sind Elemente (Module), die jeder intuitiv zu einem System zusammenfügen oder auch ergänzen kann. Die Modellierung sämtlicher Bausteine beruht auf der Black-Box-Methode.
 
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"Black Box" bedeutet, dass unbekannt ist, wie es zu einer bestimmten Reaktion aufgrund einer bestimmten Aktion kommt.

In der Pädagogik ergibt sich der Rückschluss auf den Inhalt einer Blackbox vor allem durch das introspektive Denken, dem in der Regel eine zu reflektierende Praxis vorausgeht.

Beispiel:

Ein Lehrer stellt während des Unterrichtens fest, dass sich seine Schüler langweilen. Introspektiv überprüft er seinen Unterrichtsstil bzw. Schwierigkeitsgrad des Unterrichtsinhalts, um auf die wahrscheinlichen Schwierigkeiten seiner Schüler rückzuschließen:

 
blackbox2
 
oder bezogen auf den Unterrichtsgegenstand:
 
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Da es weder am Unterrichtsstil noch am Schwierigkeitsgrad liegt, gibt der Lehrer auf, da er ohnehin nichts gegen die sommerliche Hitze ausrichten kann. Nachdem er den Grund für seinen Abbruch erklärt hat, stellt er alternativ eine spannende Knobelaufgabe, die mit dem Unterrichtsinhalt zusammenhängt.

SUMMA: Ein informationelles Moment der Pädagogik wird durch eine Überführungsfunktion dargestellt. Durch diese Funktion wird die Blackbox transparent bzw. aufgelöst.
 

30
Mai
2012

Bärendienste

 
 
Die Entwicklung unterrichtlichen komplexen und komplizierten Denkens geschieht individuell und lässt sich nicht 'verallgemeinern'. Verbesserungsvorschläge nach einem "Probeunterricht" sind vielleicht gut gemeint, aber sicher nicht hilfreich. Die Forderung, dem Zeitplan genau zu folgen, ist geradezu absurd. Manche Studienleiter verwechseln manchmal Unterricht mit Dressur. Auch der Anfänger merkt selbst, wenn er sich zeitlich vertut.

Wer sich während seiner Ausbildung als Unterrichtender nicht ausprobieren darf, entartet als Erzieher und wird selbst autoritär.
Das Unterricht auswertende vorwärtsgerichtete Gespräch dient vor allem den Nachfragen der Anfänger und nicht den Korrekturvorschlägen der Studienleiter.

Ein zwecks Kontrolle besuchter Probeunterricht ist wenig originalgetreu, da sich Schüler im Blick auf ihren Lehrer in der Regel überdurchschnittlich anstrengen. In seltenen Fällen ist der Unterricht gestellt.

Wer zudem meint, die Qualität des Unterrichtens mit Hilfe von Noten quantifizieren zu können, hat dessen Wesen noch nicht begriffen. Der Erfolg von Unterricht misst sich einzig und allein am Erfolg der Lernenden.
 

29
Mai
2012

Multiples Denken

 
Multiples Denken ist vor allem Kindern zueigen. Kinder bewegen sich häufig durch die Welt des Alltags, während sie in ihrer Fantasie eine ganz andere Rolle spielen. Diese Fähigkeit der "Doppelrolle" nutzt der Lehrer, wenn er sich sowohl als Vermittler von Information als auch als Erzieher wahrnimmt.
 
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und zugleich:

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also "praktischer" beides zugleich:

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Die wechselseitige Integration beider Regelungen vollzieht sich durch Praxis.

In der Lehrerbildung wird oft der Fehler gemacht, durch Vorgabe von Planungsmustern das multiple Denken vereinfachen zu wollen.
 

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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