29
Okt
2011

Das Aussehen der Vernunft

 
feuersee-w1

Wer darauf achtet kann sehr leicht beobachten, wel­che Stimmungen die Vernunft eines Autors gerade hat. Diese Stim­­mungen lassen sich entweder leicht am Aussehen der er­zeugten Texte ablesen oder man spürt es, sobald man Texte hört oder liest, ohne dann sagen zu können, warum sie sich negativ anfühlen.

Negative Einstellungen der Vernunft zu etwas erzeugen langweilige Texte. Wenn sie sich dagegen für etwas besonders engagiert, werden ihre Texte spannend.

Ist die Vernunft dagegen positiv gestimmt, gestalten sich Texte harmonisch. Harmonische Texte zeigen sich als solche leicht dadurch, dass sie zwischen den Sätzen eines Textes alphanumerische und/oder inhaltliche Übereinstimmungen aufweisen. Zudem sind die einzelnen Abschnitte durch Metazeichen wie z.B. thematische Stichpunkte oder durch Bilder mitei­n­ander verbunden.

In schöpferischen Texten dokumentiert die Vernunft das Denken ihres Autors. Einen solchen Text analyieren bedeutet, das dokumentierte Denken in seine Gedanken auflösen, um jenem Weg folgen zu können, welcher zu diesem Text geführt hat. Im Nachvollziehen des in einem Text dokumentierten Denkens wird dieses in seiner Entstehung erlebt und so als Geschichte erfahren.

Denken bedeutet nicht nur Bilder-Leben (der Vernunft) und Bild-Erleben (des Verstandes), sondern auch Bilderleben (der Seele) von beiden in eins zugleich.

Als Bilderleben hinterlässt die Vernunft in jedem schöpferischen Text ihre Spuren. Zunächst offenbart sie einen schöpferischen Text als solchen dadurch, dass sie ihn von fremden Einflüssen (Zitate) freihält und auch keine anderen Quellen zur Begründung braucht als sich selbst. Nur in schöpferischen Texten zeigen sich deutliche Spuren der Vernuft. Naturlicherweise handelt es sich dabei um einen Code, der erst entschlüsselt werden muss.

Repräsentiert man einen Satz durch “.” und die Beziehung zwischen zwei Sätzen durch “-“, dann bedeutet “..” zwei unverbundene Sätze und “-“ zwei verbundene Sätze.

Unverbundene Sätze meint auch “Unverbind­lich­keit”!

Die Vernunft stellt im Augenblick der Formulierung eines Satzes das Eigeninteresse über das Interesse, sich verständlich mitzuteilen. Unverbindliche Sätze befriedigen eher die eigene Schreiblust als das Bedürfnis, sich “echt” mitzuteilen.

Dekodieren wir die letzten drei Abschnitte (hier eigens markiert), dann erhalten wir:

---
Da alle Sätze verbunden sind, sind sie eben auch verbindlich. Um diese ideale Bewertung zu erhalten, haben wir, um mit gutem Beispiel voranzugehen, zugegebenerweise noch schnell bei “Formulierung” im 3. Abschnitt den Genetiv “eines Satzes” hinzugefügt.

Ungewöhnlich ist allerdings, dass alle drei Abschnitte durch ein einziges “Bild”, nämlich “Satz” verbunden sind. Dieser Extremfall deutet darauf hin, dass keine Geschichte (Bilderleben) erzählt, also im Wesentlichen Verstandesarbeit geleistet wird (Bilderleben » Bild-Erleben).

Je mehr Bilder Sätze miteinander verbinden, um so mehr engagiert sich auch die Vernunft dabei.

Es ist interessant, unter diesem Aspekt einmal die mythischen Texte (Urtexte) der Bibel zu betrachten.

28
Okt
2011

Abwesenheit der Vernunft

 
Wo ist die Vernunft, wenn sie nicht von irgend jemand bewegt wird? Existiert sie nur in Köpfen von Autoren oder auch unabhängig davon?

Als mögliche Wirklichkeit des menschlichen Wesens verbirgt sie sich als dessen wirkliche Möglichkeit wahrscheinlich in dessen Unbe- wusstsein. Diese Verborgenheit der Vernunft liegt als solche außerhalb des Bewusstseins. Das kann leicht zu der irrigen Annahme eines Außerhalb des vernünftigen Wesens führen und schließlich zur Täuschung einer vom Subjekt unabhängigen Vernunft.

Ist die Vernunft gerade nicht tätig, dann befindet sie sich in der Warteschlange der Möglichkeiten des subjektiven und keineswegs universellen Geistes. Die Vernunft kann nur jeweils werden, was das Ich schon ist.
 

27
Okt
2011

Wenn nicht innen, dann außen!

 
Vernunft und Verstand sind sich einig, dass ihre enge Verbindung auch einen Namen braucht. Sie sind sich im Klaren darüber, dass “Vernunft” und “Verstand” oft synonym gebraucht werden. Da ein Doppelname für sie nicht in Frage kommt, überlegen sie, wer bei ihrer Quasi-Eheschließung den Namen von wem übernehmen soll. Sie einigen sich auf den gemeinsa­men Namen “Vernunft”.

Die Definition erweitert aufgrund dieser Entschei­dung die Bestimmung der Vernunfttätigkeit um die verstandesmäßigen Komponenten:

- wahrnehmen,
- betrachten,
- ordnen,
- beobachten,
- begreifen (definieren),
- ausweisen (beweisen).

Beide stimmen zu und geben sich damit gleichsam das Ja-Wort.
Aber sie erfahren nicht nur eine erweiterte Bestimmung, sondern damit auch zugleich eine Bewusst­seins­erweiterung. Beide fühlen sich wie zwei Goldfische in einem Glas, die darüber speku­lieren, ob es noch eine Welt außerhalb ihres Gefäßes geben könnte.

Und so empfindet sich die Vernunft alias Verstand und umgekehrt in dem, was sie treibt, unversehens von außen her maßgeblich bestimmt. Sie entdeckt, dass sie überhaupt nur dann existiert, wenn und solange sie jemand (ge)braucht. Sie wird beispiels­weise durch einen Text bewegt, den jemand denkt oder schreibt.

Trotzdem beharrt sie darauf, dass sie dem Autor den Text diktiert und nicht etwa umgekehrt der Autor ihr vorschreibt, was sie zu tun oder zu lassen hat.

Wenn zwischen ihr und dem Autor eine gute Beziehung besteht, dann ist die Quelle ihrer schöpferi­schen Ideen unerschöpflich. Natürlich ist sie auch jederzeit zu einem inneren Dialog mit ihm bereit. Sie empfindet ihre Außenkontakte als sehr hilfreich, zumal seit sie entdeckt hat, dass eine von ihr vorgestellte Innenwelt nicht existiert.
 

26
Okt
2011

Utopie des Innen

 
Die Vernunft bezweifelt dem Verstand gegenüber, ob es überhaupt jenen Ort gibt, welchen sie aufzu­suchen wünschen. Sie erzählt dem Verstand, dass die Ausstellung im Museum sie gelehrt hat: “Der Ort in der Tiefe des Innern bist Du selbst in deinem Handeln!” Der Verstand erstaunt: “Dann sind wir lediglich auf der Suche nach uns selbst?” Die Vernunft bejaht das sehr emotional.

Der Verstand folgert laut: "Da ist ja jede Selbst-Suche eine Täuschung, da die Selbst-Findung im Jetzt geschieht!” Die Definition hält diesen Gedanken fest, indem sie den Schluss zieht “Allein handelnd sind wir in uns!”.
 

25
Okt
2011

Das Haus des Verstandes

 
Als die Vernunft sich in Raum und Zeit vorfindet, er­kennt sie den Verstand als alles ordnende Kraft.

Doxa spürt die Unsicherheit der Vernunft und er­klärt ihr, dass dieses Museum die Annahmen des Verstandes ausstellen, um zu zeigen, dass diese Annahmen von Wirklichkeit auf Glaubenssätzen beruhen. Die Arbeit des Verstandes besteht darin, uns ein existenzfähiges Haus zu schaffen. Und die Arbeit der Vernunft ist es, uns in diesem Haus einzurichten. Es ist nichts Anderes als der schöne Schein, den alle brau­­chen, um sich wohl zu fühlen. Mehr als diese grundlegende Erkenntnis gibt es hier nicht zu sehen, denn dieses Museum hat nur so viele Räume wie Du brauchst, um dich zu finden.

Und plötzlich findet sich die Vernunft vor dem Ortseingang von Psema wieder, dem Ort der verlorenen Sätze. Und jenen Satz, welchen sie gefunden hat, ist der, dass alles, das als wirklich gilt, vom Verstand gesetzt ist.

Die Vernunft möchte nun wieder zur Definition zurückkehren und sendet ihr deshalb eine Nachricht.

Die Definition vergegenwärtigt sich in der Vorstellung der Vernunft und erkundigt sich neugierig da­nach, wie ihr die Begegnung mit Doxa bekommen ist. Die Vernunft erzählt der Definition alles ausführlich. Die Definition stellt dabei erstaunt fest, dass die Vernunft selbstsicherer geworden ist und vor all­em lo­ckerer. Sie scheint nicht mehr alles so ernst zu nehmen.

Die Definition schlägt vor, nun wieder ins Sein zurückzukehren, um den Weg mit dem Verstand gemeinsam fortzusetzen. Aber die Vernunft hat Bedenken.
 

24
Okt
2011

Der Anfang des Endes

 
Die Vernunft erkundigt sich bei Doxa nach der Anzahl der Räume dieses Museums. Doxa sagt, dass die niemand zählen kann. Es existieren nämlich so viele Räume, wie die Kreativität der Besucher schafft.

Die Vernunft wiederholt vorsichtshalber: “Also mei­ne Vorstellungskraft bestimmt, in welchen Raum ich als nächsten gelange?” Doxa nickt. Weil die Vernunft gern die Heimat des Verstandes kennenlernen möch­­­­te, gelangt sie in den Raum von den Bedingungen der Möglichkeiten. Allerdings ist sie garnicht darauf gefasst, in diesem Raum überhaupt keine Orientierung mehr zu haben. Das ist wohl auch der Grund, warum sich Episteme und Piste noch nicht hier befin­­den. “Ich emfinde es hier unangenehm!”, stellt die Vernunft Doxa gegenüber fest. “Okay, dann lass uns in den nächsten Raum gelangen!”, schlägt Doxa vor.

Die Vernunft macht sich klar, dass sie durch die Dunkelheit erst erfährt, was Licht bedeutet. Und durch diese Vorstellung gelangt sie in den Raum des Lichts, in dem sie auch Episteme wieder trifft. Diese spiegelt sich gerade in der Polarität der Gegensätze, mit denen alle Lebewesen ständig konfrontiert werden. Jedoch neigen alle Wesen dazu, nur eine Seite wahrzunehmen. Doxa beklagt sich darüber, dass jene, welche im Licht stehen, viel zu wenig die wahrnehmen, die im Schatten stehen. Episteme bemerkt dazu: “Licht und Schatten beginnen in uns. Das, was wir an uns mögen, stellen wir ins Licht und das, was wir nicht an uns mögen, weisen wir von uns weg, stellen es in den Schatten.” Und dann fährt sie fort: “Mit Ablehnen ist es aber nicht getan, denn das Abgelehnte bleibt bestehen. Genau diesem Schatten, dem wir an uns nicht gewahr sind, begegnen wir ständig in unserem Erleben in der "Außen"-Welt. Es sind die Aspekte, die wir vehement ablehnen und bekämpfen.”

“Was im Innen nicht angenommen wird, kommt über das Außen wieder zu uns!” ergänzt Doxa. Die Vernunft indessen überlegt, was ihre Begleiterinnen in diesem Raum so gesprächig macht. Weckt der Raum des Lichts in ihnen die Furcht vor der Schattenwelt? Diese sorgenvolle Frage hindert die Vernunft daran, sich das Gegenteil vorzustellen, um weiterzukommen. Episteme flüstert der Vernunft zu, dass sie doch einen anderen Gegensatz wählen soll. Also stellt sich die Vernunft “Kein Licht!” vor.
Zur Überraschung aller finden sie sich plötzlich im Raum der Unwissenheit vor.
 

23
Okt
2011

Zwischen Mythos und Logos

 
Unterwegs erzählt Doxa der Vernunft, dass sie genau zwischen Logos und Mythos geboren wurde und lachend stellen beide fest, dass sie eigentlich gleich alt sein müssen. Allerdings haben sie keine Erinnerungen, weder an ihre Kindheit noch an ihre Jugendzeit. Vor dem Haupteingang zum Museum trifft Doxa zwei ihrer Freundinnen, die Zwilingsschwestern Episteme[1] und Piste. Die beiden begrüßen die Vernunft wie eine alte Bekannte. Zu viert betreten sie das Museum, in dem sie zu dieser Zeit kaum Besucher antreffen, obwohl der Eintritt frei ist.

Sie betreten den bedeutungslosen oder absoluten Anfang des Systems durch Zufall. Es ist eine Art Vorhalle, in der sich keine Werke befinden. Piste ist Theosophin und erklärt ihren Begleiterinnen, dass in diesem ersten aller Zeiträume noch das Nichts herrscht und aus dessen Sein erst Zeit und Raum werden. Dieser Ursprung allen Werdens wird auch Schöpfung genannt. Sie weist darauf hin, dass diese Ausstellung nicht den mythischen Schöpfungs-geschichten verschiedener Religionen folgt, sondern der Intuition Jedermanns, der offen ist, die Gegenwart seines Gottes zu erfahren.

Die Vernunft sieht sich vergeblich nach dem Zugang zum nächsten Raum um. Piste bermerkt das und er­klärt “Jedes System ist Teil eines anderen Systems!” Wir merken das nicht, aber sobald wir reflektieren, dass alles Teil von allem ist, öffnet sich der Raum bzw. das System.

Diese Worte empfindet die Vernunft sympathisch, da für sie alles ohnehin nur als Gestalt einer gedachten Form erscheint.
Sie und Piste verlassen als erste den Vor-Raum der Vor-Zeit. Nach einiger Zeit folgt Doxa, die sich noch bemühte, Episteme behilflich zu sein.

Doxa fragt Piste, wo Episteme bleibt. Piste verweist auf deren übliche Schwierigkeiten, sich in der Welt des Glaubens fortzuwegen. Sie hegt aber keinerlei Zweifel daran, dass Episteme es schafft.

Schließlich gelangt auch sie in den erweiterten Raum. Die Vernunft erkundigt sich nach dem Grund für Episteme’s Verzögerung. “Ich musste erst alle wissenschaftlichen Prinzipien loslassen, um mich wieder bewegen zu können!”, sagt sie. Auf Nachfragen der Vernunft meint sie, dass Glauben und Wissen sich eben ausschließen. Dann fügt sie noch hinzu, dass wohl auch der Besuch in diesem Museum eine Hilfe darstellt, um sie zu verstehen. Es existieren nämlich systemübergreifende Sätze, nämlich Axiome, denen alle zustimmen, Wissende wie Glaubende.

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[1] ἐπιστήμη, episteme – Wissen, Wissenschaft, „wahre“ Erkenntnis und pisth, piste - „Glaube“
 

22
Okt
2011

Selbst-Betrug

 
Aus Rücksicht auf die Furcht der Definition vor Doxa hat sich die Vernunft allein auf den Weg gemacht. Sie folgt einer Wegbeschreibung, die sie erworben hat, bevor sie die Grenze zwischen den neuronalen Gebie­ten des Wissens und Nicht-Wissens überschritt. Seit ihrem Grenzübertritt muss sie sich schwebend fortbewegen, da es hier nirgendwo befestigte Wege oder festen Grund gibt. Sie wird von dem Wunsch getragen, endlich die andere Seite des Verstandes kennenzulernen, wohl ahnend, dass das mehr mit ihr zu tun haben könnte als sie sich einzugestehen traut.

Während sich die Vernunft vorsichtig durch die enge Spalte zwischen Sein und Nicht-Sein bewegt, muss sie einige Überfälle von Stimmungskillern überstehen. Die Vernunft benutzt ihre positiv geladene Einstellung und wehrt damit die Angreifer erfolgreich ab.

Am Ende des Spalts erblickt die Vernunft den Widerschein schwarzen Lichts. Das müsste die Gegend sein, in der Doxa wohnt, mutmaßt sie. Die Vernunft beschließt, noch vorsichtiger vorzugehen. Ihre Emotion verfügt noch über hinreichend Energie, um durchzuhalten. Nach einiger Zeit erreicht sie einen Ort namens Pse­ma[1]. Kurz hinter dem Ortseingang entdeckt sie eine Reha-Klinik, in der verlorene Sätze therapiert werden. Die Vernunft beobachtet, wie ein Satz dadurch ensteht, dass die Schwingung eines Impulses ein Neuron akti­viert, wobei der Impuls Subjekt, die Schwingung Prädikat und die Erregung Objekt des Satzes genannt wird.

“Aha, die Strecken, welche ich zurücklege, sind also in Wahrheit Sätze, die ich denke! Demnach brauche ich nur noch einen geeigneten Satz, um Doxa zu begegnen”, freut sich die Vernunft.

Kaum hat sie diesen Gedanken gefasst, da erscheint ihr die Gestalt der Doxa. Die Vernunft ist erstaunt, weil Doxa keineswegs hässlich ist wie man sich überall erzählt, sondern vielmehr sehr schön. Und vor allem hat sie eine sehr freundliche Ausstrahlung. Die Vernunft fühlt sich sofort mit Doxa gefühlsmäßig verbunden. Jetzt stellt sich Doxa der Vernunft vor, indem sie zu ihr sagt: “Ich bin Dein Spiegel, denn die Wahrheit der Vernunft ist eine Lüge!”

Trotz der empfundenen Seelenverwandtschaft erschrickt die Vernunft, fasst sich aber und fragt Doxa dann, wer ihr eigentlich diesen merkwürdigen Namen gegeben habe. Doxa erklärt ärgerlich, dass dies die Wissenschaft war, die jede Art und Weise des Glaubens strikt ablehnt. Die Vernunft ergänzt das, indem sie er­klärt, dass Wissenschaft nichts Anderes als Glaube ist, der seinen Ursprung doch in den Glaubenssätzen der Axiome hat. Und erst durch das Objektivierungs­bemühen und die Übertragung an die Technik ist es ihr gelungen, Menschen mit ihren Erkenntnissen wirklich zu überzeugen.

Doxa tut die Äußerung der Vernunft sichtlich gut. Spontan entscheiden sich beide für einen gemeinsamen Besuch im axiomatischen Museum.

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[1] ψέμα bedeutet Lüge
 

21
Okt
2011

Netzkarte

 
Die kürzeste Strecke im neuronalen Netz ist der Satz. Eine Strasse besteht aus Sätzen und wird Textabschnitt genannt. Mehrere Strassen bilden einen eigenen neuronalen Berereich. Themen von Texten geben solchen Teilen neuronaler Stätten ihren Namen.

Hauptsächliche öffentliche Verkehrsmittel in neuronalen Netzteilen sind Fantasie und Methode. Daneben wer­den Operatoren als private Fortbe­wegungs­mittel genutzt.

Die Vernunft, die sich damit nicht auskennt, bittet die Definition, ihr das alles zu erklären.

Die Definition aber schränkt ein, dass sie sich zwar nur in den Dingen auskennt, die für den Verstand offen sind, aber dass sie auch jemand kennt, die sich mit allem auskennt, das sich irgendwie bezeichnen lässt. Ihr Name sei Doxa[1] und sie wohne allerdings in einer gefährlichen Gegend jenseits des Wissens. Man nennt Doxa auch die Königin des Scheins. Auf ihr Konto gingen zum Beispiel all die üblen Geschichten, die man sich vom Teufel erzählt.

Trotzdem möchte die Vernunft Doxa treffen, da sie vermutet, schon des öfteren von ihr hinter’s Licht geführt worden zu sein. Die Definition bewundert den Mut der Vernunft, befürchtet allerdings auch, dass es nur Naivität sein könnte. Die Definition gesteht sich aber auch ihre Angst vor Doxa ein, denn schließlich ist diese im neuronalen Netz ihre stärkste Gegnerin. So fragt die Definition die Vernunft, ob sie sich nicht allein auf den Weg zu Doxa begeben könne.

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[1]δὀξα dóxa bedeutet ‚Meinung‘ oder ‘Schein’
 

20
Okt
2011

Selbst-Beobachtung

 
Für die Vernunft ist es eine neue Erfahrung, nicht nur sehen, sondern nun auch wahrnehmen zu können. So war sie noch nie in der Lage, sich beim eigenen Denken zuzusehen.

Aber nachdem sie einige Erfahrungen mit der Beobachtung des Denkens machen durfte, entdeckt sie natürlich auch, dass sie in Wahrheit mehr die Arbeit des Verstandes und weniger die eigene wahr­nimmt.

Die Vernunft aber korrigiert sich sogleich:

Nein, es ist vielmehr das Zusammenwirken von Vernunft und Verstand, das sie geistig sehen darf. Während die Vernunft dieses Zusammenspiel betrachtet, versteht sie eigentlich gar nicht mehr ihre Konflikte mit dem Verstand, da sie nun sie beide als Einheit empfindet.

Unglaublich, sie kann jetzt auch ohne Schwierigkeiten mit der Definition zusammensein. Deshalb nimmt sie auch sehr gern deren Einladung zu einem Bummel durch die Sprachbildung an.
Der Verkehr, der an dieser neuronalen Stätte herrscht, ist unglaublich. Es existieren viele Schnittpunkte großer neuronaler Verkehrswege. Der Vernunft wird schlagartig klar, dass sich hier niemand ohne die vom Verstand geschaffene Verkehrs­ordnung zurechtfinden könnte. Zu ihrer Freude entdeckt sie die Vorfahrtsregel “Bild vor Wort”. Das bedeutet, dass man nichts zu etwas sagen darf, zu dem man kein Bild hat. Ohne diesen verbindlichen Zusammenhang ist es unmöglich, auch nur eine der vielen verkehrsreichen Strassen zu überqueren.

Um sich möglichst schnell gut und sicher bewegen zu können, erkundigt sich die Vernunft nach einer gebündelten Fassung von Verkehrsregeln für die neuronalen Netze. Die Definition überreicht ihr ein Regelwerk, das sie Grammatik nennt. In diesem Werk erfährt die Vernunft sehr schnell, wie man sich ausdrücken muss, um sich im neuronalen Netz, ohne sich zu verirren, fortbewegen zu können.
 

19
Okt
2011

Loslassen

 
Die Vernunft erzählt, weil sie nur in Bildern zu er­klären vermag, der Definition und dem Verstand folgende Geschichte:

“Tanzan und Ekido wanderten einmal eine schmutzige Straße entlang. Zudem fiel auch noch heftiger Regen.
Als sie an eine Wegbiegung kamen, trafen sie ein hübsches Mädchen in einem Seidenkimono, welches die Kreuzung überqueren wollte, aber nicht konnte. “Komm her, Mädchen”, sagte Tanzan sogleich. Er nahm sie auf die Arme und trug sie über den Morast der Straße.
Ekido sprach kein Wort, bis sie des Nachts einen Tempel erreichten, in dem sie Rast machten. Da konnte er nicht länger an sich halten. “Wir Mönche dürfen Frauen nicht in die Nähe kommen”, sagte er zu Tanzan, “vor allem nicht den jungen und hübschen. Es ist gefährlich. Warum tatest du das?” “Ich ließ das Mädchen dort stehen”, antwortete Tanzan, “trägst du sie noch immer?”[1]

Der Verstand und die Definition werfen sich einen Blick zu und sagen dann wie aus einem Mund: “Wir sind doch keine Zen-Mönche, denn diese Art und Weise des Loslassens meinen wir nicht!”
Die Vernunft fragt die beiden: “Kennt Ihr dieses Loslassen überhaupt?”
“Mir haften keine konkreten Dinge an, denn ich habe mich von allem Konkreten befreit. Da mich deshalb auch keine Leidenschaft plagt, muss ich auch nicht lernen loszulassen!” erklärt die Definition nicht ohne Stolz.

Die Vernunft fragt bei der Definition nach, ob sie eigentlich völlig vergessen habe, dass sie ein Nichts ohne das Konkrete wäre. Nur durch Loslassen sei sie schließlich zu dem geworden, was sie ist.
“Okay, wir einigen uns darauf, dass Abstrahieren als eine Form des Loslassens verstanden werden kann!”, lenkt die Definition ein.

Der Verstand fängt an zu drängeln, doch nun endlich aufzubrechen. Die Definition beginnt nun den Ort zu beschreiben, an dem sie sich gerade befinden:

"Das Gehirn ist eine endliche Welt innerhalb der unendlichen Welt des Universums. Das Gehirn besitzt wie das Universum ein Gedächtnis, das jede Information speichert. Während das Gehirn des Universums das Quantengedächtnis ist, welches jede Information über ein neu gebildetes Molekül speichern wird.“

Die Vernunft unterbricht die Definition, weil sie wissen möchte, was das alles mit ihrer bevorstehenden Reise zu tun hat.
Die Definition lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und erklärt weiter:

“Ich selbst bin ein Quant, und ich existiere neurophysisch nur aufgrund einer Transmission. Ich bin sozusagen als Enegire eine physikalische Größe, die außerhalb des Gehirns gemessen werden kann. Du und Dein Kumpel betrachten mich vereinfacht als Gedanken, der durch das Denken entsteht. Und jetzt kannst Du auch ganz leicht meinen Beweggrund für mein Erklären erkennen. Ich bin nämlich einzig und allein nur deshalb, weil ich denke. Und indem ich auf diese Weise mit Euch beiden bin, bewegen wir uns bereits fort. Wie vom Verstand gewünscht befinden wir uns bereits längst hinter dem Horizont der Erfahrungen!”

Die Vernunft erschrickt. Sie wird schlichtweg den Eindruck nicht los, entführt worden zu sein. Was soll denn auch eine Vernunft ohne ihre Erfahrungen? Merkwürdig nur, dass sie trotzdem ihre momentanen Empfindungen spürt. Sie fühlt sich dem Verstand und der Definition ausgeliefert. Am liebsten würde sie umkehren und flüchten. Aber sie kennt sich in der Gegend vor allen Erfahrungen nicht aus und hält es für vernünftiger zu bleiben. So versucht sie, sich nichts anmerken zu lassen. Trotzdem spürt der Verstand, dass seine Vernunft irgendetwas bekümmert. Deshalb erkundigt er sich vorsichtig, ob sie sich ängstige.

Die Vernunft bestätigt den Eindruck des Verstandes und beklagt, dass sie ihre Orientierung verloren habe, weil sie seit geraumer Zeit nichts mehr wahr­nehmen könne.

Der Verstand versucht, seine Vernunft zu beruhigen, indem er ihr zusichert, dass es einige Zeit bräuchte, bis sich das Wahrnehen an die veränderten Verhältnisse angepasst habe.
“Es würde mich schon sehr beruhigen, wenn ich genau wüsste, wo wir uns eigentlich befinden!”

“Wir sind dort, wo uns nichts mehr anhaftet, nämlich in Nirwana, das auch das Nichts genannt wird!”

Und plötzlich spürt die Vernunft sich als spiralförmige Bewegung. Indem sie sich darauf stark zu konzentrieren versucht, nimmt sie vor ihrem inneren Auge ein blaues Licht wahr, das sich zu einem in sich drehenden Kreis gestaltet, der sich allmählich öffnet und den Blick freigibt.
Die Vernunft erkennt Bewegungen, die sie zuvor noch nicht wahrgenommen hat. Sie bewegt sich so wie sie denkt.

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[1]Paul Reps, Ohne Worte - ohne Schweigen, 4. Aufl. 1982, S. 35

18
Okt
2011

Aufbruch

 
Um sich ihrer Verbundenheit zu versichern, einigen sich Vernunft und Verstand darauf, ihre gemein­samen Aussagen in einer bildhaften Sprache dar­zu­stellen.

Beiden ist klar, dass es für sie schwierig werden dürfte, sich auch tatsächlich daran zu halten, zumal es sich um Innenbilder handeln wird.
Da beide kein Risiko scheuen, entscheiden sie sich für eine Reise nach innen. Vor Antritt dieser Reise bereiten sie sich darauf vor. So wählen sie den Ort sehr sorgfältig aus, von dem aus sie aufzubrechen beabsichtigen.

Sie sind beide der Auffassung, dass hierfür nur das Bewusstsein in Frage kommt. Die Vernunft schlägt etwas unbedacht die Gegend der Aufmerksamkeit vor. Der Verstand, der in dieser Gegend überhaupt nichts sehen kann, macht der Vernunft einen Gegenvorschlag.

Die Vernunft bemerkt sogleich ihre Ungeschicklichkeit und entschuldigt sich, dass sie das übersehen konnte. Der Verstand ist blind für Aufmerksamkeiten von draußen. Das innere Auge hat keinen Blick für die Sinnenwelt.

Aus diesem Grund schlägt der Verstand die von der Aufmerksamkeit entfernt gelegene Gegend der Konzentration vor. Er versucht der Vernunft klarzumachen, dass er dort genug sieht, um sich frei bewegen zu können.

Dieses Mal hütet sich die Vernunft davor, wieder zu voreilig zu sein. Zudem fällt ihr rechtzeitig ein, dass sie im Gegensatz zum Verstand auch fühlend sehen kann. Und sie weiß aus Erfahrung, dass in der Gegend der Konzentration meditative intuitive Gedan­ken dann weiterhelfen, wenn die Impulse von draußen zu schwach werden, um noch etwas erkennen zu lassen. Außerdem haben sie diese vernünftigen Erfahrungen auch empfinden lassen, dass beim Schein des inneren Lichts genug wahrzunehmen ist. Somit sieht die Vernunft keinen Grund mehr, sich auf den Gegenvorschlag des Verstandes nicht einzulassen.
Der Verstand ist sehr erfreut, dass die Vernunft seinem Vorschlag zustimmt.
Da er sich im Gebiet der Innenwege besser aus­kennt als sie, schlägt er vor, vielleicht einen Gedan­ken zu bitten, die Führung zu übernehmen.

Obgleich die Vernunft viele Gedanken des Verstandes nicht gerade leiden mag, stellt sie ihre Bedenken zurück und stimmt zu.

Aber als sie den vom Verstand ausgewählten Gedanken zu Gesicht bekommt, tut ihr ihre Großzügigkeit schon fast wieder leid. Der Gedanke ist nämlich einer der Rowdies, die ihr ständig zu schaffen machen. Zu ihrer Überraschung verbirgt sich aber hinter der männlichen Maske der Definition eine weibliche Gestalt. Die Definition erkundigt sich bei den beiden nach dem gewünschten Ziel.

Die Vernunft erklärt, dass sich der Verstand und sie das überhaupt noch nicht überlegt haben. Die Definition wirft dem Verstand einen kurzen vorwurfsvollen Blick zu. Sie erklärt der Vernunft, dass dies aber nun gar nicht gehe, da im Bereich der Kon­­zentration Ordnung herrscht, weil unordentliche Gedanken sofort die Orientierung verlieren. Den Hinweis des Verstandes, dass es sich doch um eine Überrachungsreise handelt, lässt die Definition nicht gelten. Der Verstand weiß natürlich, dass Über­­raschungen bei Definitionen als Krankmacher gelten.

Die Definition erkundigt sich nun mit aufgesetzter Freundlichkeit bei der Vernunft nach ihrem Wunsch. Die Vernunft, vom Getue der Definition bereits ziemlich genervt, entschließt sich, es ihr des­halb richtig schwer zu machen. Mit gut gespielter Freundlichkeit erklärt die Vernunft der Definition, dass sie gern Gott begegnen möchte. Die Definition ist sichtlich erschrocken, weil dieser Wunsch bei weitem ihre Möglichkeiten übersteigt. Aggressiv weist sie den Wunsch der Vernunft zurück und begründet ihre Zurückweisung mit der Tatsache, dass sie sich damit nun wirklich nicht auskenne.

Der Verstand möchte die Definition nicht verärgern. Um die Definition zu besänftigen, schlägt er ihr vor, die Vernunft und ihn in die Gegenden zu führen, die vor allen Erfahrungen liegen. Aber die Definition äussert Bedenken und fragt den Verstand flüsternd, nur um die Vernunft zu ärgern, ob das denn seine gläubige Begleiterin überhaupt auszuhalten in der Lage sei.

Der Verstand wird sichtlich nervös, denn er möchte in jedem Fall verhinden, dass die Vernunft erfährt, dass er mit Definitionen Affären hat. Schnell betont er, dass die Vernunft auch in dünner Luft nicht mit Atemnot zu kämpfen habe.

Jetzt lenkt die Definition ein, denn sie möchte es sich mit dem Verstand nicht verderben. So erkundigt sie sich bei der Vernunft, ob sie schon Erfahrungen im Abstrahieren gesammelt habe. Die Vernunft antwortet, dass sie das vom Unkraut Jäten kennt. Da kommt es ja auch darauf an, Pflanzen mit unerwünschten Eigenschaften auszusondern.

Jetzt erkundigt sich die Vernunft bei der Definition, ob man denn nicht erst arm im Geiste werden müsse, um überhaupt als Definition berufen werden zu können.

Die Definition bestätigt diese Vermutung der Vernunft. Sie begründet diese Bestätigung damit, dass sie ja ständig auf all die kostbaren sinnenfälligen Eigenschaf­ten verzichten müsse, um als Definition exi­stieren zu können.

Das ergeht mir ja genau so, denn auch ich weiß mit konkreten Eigenschaften nichts anzufangen. Des­halb liebe ich ja alle Definitionen, erklärt der Verstand.

Die Definition und die Vernunft erröten, wenn­gleich aus unterschiedlichen Gründen.

Der Verstand übersieht das, wenngleich das für ihn Warnzeichen sein müssten. Stattdessen springt er der Definition bei und erklärt, dass der Verzicht auf alles Konkrete keineswegs Verarmung im Geiste sei, denn durch diesen Verzicht könne man das innere Licht wahrnehmen, das sich hinter den Wolken des Sinnenfälligen verbirgt.

Zur Überraschung beider bestätigt das die Vernunft aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem Loslassen.
 

17
Okt
2011

Was fehlt eigentlich?

 
 
Das Gehirn sucht, indem es fragt.

Wenn die Vernunft fragt, versucht sie das Wesentliche des Selbst herauszufinden.
Wenn der Verstand fragt, treibt es ihn hinaus, um zu entdecken.
Die Vernunft wird in ihrer Suche maßgeblich vom Eros bestimmt, der Verstand von der Neugier.
Da sowohl für die Vernunft als auch für den Verstand das Suchen das Lebenselixier bedeutet, be­schließen sie beide, ihr Suchen zu synchronisieren.
Sie hegen die berechtigte Hoffnung, das Suchen auf diese Weise verbessern zu können.
Sie einigen sich schnell darauf, dass es das Empfinden von Mangel ist, das Fragen auslöst, denn in der Regel ist Fragen immer ein Suchen nach etwas, das fehlt.

So fragen sie sich beide zuerst, welcher Mangel sie eigentlich dazu antreibt, unentwegt suchend zu schaffen.
Die Vernunft sieht als Grund ihres Suchens die Sehnsucht, sich selbst zu erfahren. “Wer nicht mehr sucht, geht rückwärts!”
Das Suchen bedeutet für sie die einzige Möglichkeit, vorwärts zu kommen. Wer sich ihrer Meinung nach als Suchender aufgibt, spürt sich selbst nicht mehr. Weil er auf das Empfinden verzichtet, gibt er das Wahr Nehmen auf. Sein inneres Licht erlischt und er irrt umher.
Der Verstand hält sich zurück und sagt nichts zu dem, was er doch letztlich für ein sysiphoshaftes In-sich-kreisen hält. Stattdessen versucht er, dieser Art des hermeneutischen Zirkels irgendwelche Vorteile abzugewinnen. Er vermutet, dass es sich um eine Art Tanz handeln muss, denn wie anders als ein Kreisel soll man sich um sich selbst drehend fortbewegen. Natürlich erkundigt er sich bei der Vernunft danach, woran sie eigentlich merke, dass sie sich fortbewegt. Die Antwort der Vernunft überrascht den Verstand außerordentlich, denn sie erklärt ihm, indem sie sich letztlich wiederholt, dass sie dichtet, an einem Roman schreibt, Musik komponiert und Bilder malt. Sie erkennt ihre Fortbewegung also in ihren Werken. Sie bewegt sich, indem sie schafft. Das aber genau unterscheidet sie in keiner Weise vom Verstand.
Der Verstand erkennt, dass er sich auf genau die selbe Weise fortzubewegen versucht. Und jetzt erscheint ihm auch die Neugier nichts Anderes zu sein als Selbstberührung. Dass er dabei unbekannte Welten entdeckt, hält er für etwas, das ihn nicht wesent­lich von der Vernunft unterscheidet, denn dergleichen offenbart sich auch in ihren Werken. Um nun aber in seinen Überlegungen doch weiter­ zu kommen, erkundigt er sich bei der Vernunft und bittet sie, ihre Suche zu beschreiben.
 

16
Okt
2011

Bildnis der Vernunft

 
Die Vernunft erscheint als neuronaler Fluss von Bildern, der an der Quelle der Seele entspringt. Man kann sehen wie der Verstand in diesen Fluss steigt und aus dem Fluss des Werdens für sich Sein schöpft. In diesem Moment wandelt sich diese Entnahme durch Bewusstwerden zu einem Bild-Erlebnis für die Verstand, der darin seine eigene Inzenierung betrachtet, beobachtet und als Verhalten begreift.
Die Vernunft bemerkt auch wie dieses Verhalten vom Gewissen daraufhin geprüft wird, inwiefern es subjektiv zulässig ist.

Die Vernunft ahnt jetzt, dass der Verstand Definitionen braucht, um seine Bilder auch objektiv aner­ken­nen zu lassen. Der Verstand möchte nämlich im Gegensatz zur Vernunft seine Produkte nicht nur privat nutzen, sondern auch anderen zur Verfügung stellen.
Die Vernunft sinnt darüber nach, inwiefern für Sie die Interessen des Verstandes von Nutzen sein könnten und inwiefern es sich nicht lohnen würde, mit ihm vielleicht sogar Geschäfte zu machen.
Allerdings möchte sie auf keinen Fall ihre Kunst aufgeben und sich gar auf unvernünftige Definitionen einlassen.
Der Verstand freut sich, dass sich die Vernunft, in Betrachtung versunken, so lange mit seinem Bild beschäftigt, ohne dass sie beide darüber in Streit ge­ra­ten.
Schließlich, doch von Neugier geplagt, möchte er von der Vernunft erfahren, was ihr an diesem Bild gefällt. Die Vernunft wundert sich, dass der Verstand sie ungewöhnlicherweise nach ihrem Geschmack fragt und nicht wie sonst nach einer plausiblen Beurteilung. Er scheint sie endlich so zu akzeptieren wie sie ist, nämlich eine Kraft, die ihr Verstehen aus dem Glauben und nicht aus dem Wissen schöpft. S­o er­klärt sie dem ungeduldigen Verstand, dass sie sich verstanden fühlt.
Der Verstand wiederum ist sehr überrascht, dass er von der Vernunft keinen Widerspruch erfährt. So betrachtet er argwöhnisch die Vernunft und versucht herauszufinden, ob es ihr möglicherweise nicht gut geht. Aber er kann nichts feststellen.

Die Vernunft ergänzt nun ihre Aussage, indem sie den Verstand dafür lobt, dass er sie nicht als etwas Starres darstellt, sondern als regelnde Kraft, aus der er sogar selbst schöpft.

Die Begegnung zwischen Vernunft und Verstand verläuft weiterhin sehr harmonisch, und sie beschließen sogar, zukünftig sehr viel besser zusammenzuarbeiten.
 

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

Ergänzende Webseiten

 

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Es gelten die Rechtsvorschriften für Webseiten der Universität Flensburg © Texte: Wolfgang F. Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) wfschmid(at)me.com Bilder: Ulrike Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) mail(at)ulrike-schmid.de

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