15
Okt
2011

Logik des Vorscheins

 
Die Logik des Vorscheins oder auch Logik des Mythos ist wie Platon das im Höhlengleichnis beschreibt ein Weg zum Licht, der schrittweise durch natürliche Spiegelungen führt. Diese Spiegelungen wurden beschrieben als:

I.   (Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Tasten) = bemerken
II.  (bedenken, besinnen, verweilen) = betrachten
III. beobachten
IV. bewerten
V.  begreifen (verstehen)

1. Das Betrachten dessen, das wir bemerken, weil dessen Auffälligkeit unsere Aufmerksamkeit erregt oder sein unerwartetes Erscheinen uns überrascht, hält uns noch in der sinnenfälligen Wirklichkeit fest. Während dieses Aufenthalts sind wir vor allem damit beschäftigt, die Dinge um uns zu identifizieren und als gesichert auszumachen, um uns vor unliebsamen Ereignissen zu schützen.

2. Aber unsere Neugier schickt uns auf den Weg, indem sie uns das, was sich ereignet, unter einem anderen oder vielleicht sogar völlig neuen Aspekt beobachten lässt.

3. Aufgrund anderer Zusammenhänge und unter Einbeziehung unserer Erfahrungen gewinnen wir eine andere Einstellung. Und es verändert sich vielleicht auch unser Gefühl dafür.

4. Wir begreifen, dass sich unser Verhältnis dazu und somit wahrscheinlich auch unser Verhalten im Umgang damit verändert.

Der Weg durch die Welt der Spiegelungen wird um so schwieriger, je höher er gelegen ist. Da das Betrachten beim jeweils erreichten Aussichtspunkt aufgenommen werden kann, wechselt das Bildererleben sehr bald in sehr abstrakte Innenbilder.

Beginnt man beispielsweise bei der Wirklichkeit als solchen, dann ergeben sich folgende Wegmarken auf der spiralförmigen Bewegung nach innen zum Wesenskern:

- Wirkliche Wirklichkeit
- Mögliche Wirklichkeit
- Wirkliche Möglichkeit
- Mögliche Möglichkeit

Im folgenden Beispiel wird dieser Weg von innen nach außen vollzogen:

Von Geburt an hat das gesund geborene Kath­rin­chen die Möglichkeiten, alles zu werden (mögliche Möglichkeiten).

Aufgund von Erziehung und Bilden zeigen sich die wirklichen Möglichkeiten.

Während der Schulzeit kristallisieren sich aufgrund von Intelligenz, Begabung und günstigen Umständen die möglichen Wirklichkeiten durch die Entscheidung für ein bestimmtes Studium heraus.

Durch die Wahl eines bestimmten Berufes kommt Kathrin in ihrer Wirklickeit an, in der sie sich Tag für Tag aufs Neue verwirklichen muss.

Der Weg nach innen beginnt an unterschiedlichen Stellen, weil die Begabungen sehr verschieden sind.

Das Bilderleben bestimmt, wann aufgebrochen wird. Genauer gesagt ist es jener vorbewusste Gedanke, welcher auf sein Bild wartet, damit er sich darin zeigen kann, voausgesetzt, er hat Lust, im Bilderleben mitzuspielen.

Gedanken sind meistens unartige Kinder einer unartigen Erfahrung, die sich von anderen missachtet fühlen. In besonderen Einzelfällen sind sie nur ehrgeizig und wollen es allen zeigen. Meistens sind sie dann schöpferisch kräftig und schaffen übergewichtig.

Der Gedanke, der sich hier ins Werk setzt, hat gerade herausgefunden, dass sich die Vernunft anders in Szene setzen muss als der Verstand.

Die Vernunft mag das vor Anstrengung durchgeschwitz­te Reden des Verstandes nicht, sondern bevorzugt das leichte, gut gefühlte Sagen, welches das Gehirn wie ein sanfter Windhauch durchfrischt und die Seele wieder freier atmen lässt.

Die künstlerische Vernunft muss sich jedoch gegen eine aggressive Logik des Verstandes behaupten. So nutzt sie die helfenden Schwingungen der Transmission, um den Verstand zum Mitspielen einzuladen.

Damit kann der Verstand etwas anfangen, denn er vermag die Schwingungsdauer der geistigen Initiation im Verhältnis zur Amplitude der Emotion zu verstehen und neuronal umzusetzen.

Leidenschaftlich gern würde er nun seine Leistung in einer neurophysikalischen Formel zum Ausdruck bringen und die harmonische Transmissions-Frequenz der Künstlerin als Kehr- wert der Periodendauer (= Schwingungsdauer) mathematisch in Szene setzen.

Aber die Vernunft, die nach Höherem strebt, verweigert ihm dieses Vergnügen.

Der Verstand kennt die Vorfahrtsregeln im neurona­len Verkehrsnetz zu genau, um eine Übertretung zu wagen.

Und die Vernunft wird im Augenblick zudem noch durch mythisches Blaulicht einer vorandrängenden Leitfrage durch das Netz geleitet. Es ist die Frage nach der Logik des Vorscheins.

Der Verstand hält inne und erfährt die Bewegung der künstlerischen Vernunft als eigentümlich erzähltes Bilder-Leben, und zwar in einer Sprache, die er sich erst noch aneignen muss.

Wie aber bewegt sich die Vernunft nun durch das neuronale Netz?

Aus der Sicht des Verstandes geschieht das auf jeden Fall unüberlegt. Schließlich denkt man nicht in Bildern, sondern in Begriffen.

Die Vernunft dagegen hält Begriffe wiederum für unzumutbare Verkürzungen. Sie betrachtet den Verstand als verarmt im Geiste, obgleich sie andererseits dessen Fähigkeit, auf einfache Weise Ordnung zu schaffen, bewundert.

Aber es kommt unweigerlich zur Katastrophe, sobald der Verstand dominiert und alles Vernünftige zu unterdrücken versucht.

Die im Gehirn angelegte Widersprüchlichkeit zwischen Vernunft und Verstand zwingt der mensch­lichen Existenz ständig die Notwendigkeit einer Einigung auf.

Da solche Einigung selten in kurzer Zeit zustande kommt, ist die Vernunft wieder einmal unterwegs, um den Verstand endlich einmal zu veranlassen, darüber nachzudenken, auf welche Weise sich Wissenschaft künstlerisch gestalten lässt. Dieser versucht nämlich umgekehrt, sich aufzudrängen und die Kunst wissenschaftlich zu definieren.

So hat sich die Vernunft erneut mit dem Verstand verabredet, um zu versuchen, dieses Problem zu lösen. Laut Verabredung trifft sie sich mit ihm in der Werkstatt der Vorgaben. Dieser Treffpunkt erscheint ihr aus zwei Gründen als besonders geeignet.

Erstens liegt dieser Ort in einem Areal, in dem die Vorgaben für Vernunft und Verstand gleichermaßen entstehen. Zweitens handelt es sich als Zuständigkeitsbereich der Seele um eine versöhnliche Gegend, in der oft Einigungen durch Synchronisation erzielt werden.

Die Zeit bricht zu einer Tageszeit auf, in der sie sich noch besonders leicht tut. Es ist noch früh morgens, als sie sich auf den Weg macht. Noch unbelastet von den Verpflichtungen des Alltages geht es zügig voran. Es herrscht noch kaum Verkehr im neurona­len Netz. Nur wenige störende Gedanken kommen ihr entgegen. Zudem nimmt die Vernunft die Abkürzung über die Emotion.

Die Vernunft ist sehr erstaunt, dass die üblichen Grenzkontrollen in diesem Augenblick nicht stattfinden und sie ohne Verzögerung durch die üblichen Bedenken in das Innere der Seele eingelassen wird.

Der Verstand ist bereits anwesend, und es scheint ihm sichtlich peinlich, im intimen Bereich des Eros angetroffen zu werden. Jedenfalls gibt der Verstand unentwegt vor, Triebe und Gefühle strikt abzu­leh­nen.

Der Verstand überspielt seine Verlegenheit mit angenehmer Freundlichkeit und lädt die Venunft ein, sich sein Bild von ihr zu betrachten. Er ist stolz darauf, dass es ihm endlich gelungen ist, die Vernuft als “control circuit” darzustellen.

Die Vernunft, sichtlich überrascht über dieses Zugeständnis des Verstandes, betrachtet dieses Bild eingehend.
 

14
Okt
2011

Logik des Mythos

 
Dem Dichter Angelus Silesius[1] werden zwar die gleichen (inneren) Spiegelungen bewusst wie dem Philosophen Platon, aber er betrachtet sie nicht als göttlich, sondern als zutiefst menschlich.

Nicht nur der Glaube, sondern auch unser Wissen erscheint uns einzig und allein als Spiegelung, so dass nun die wissenschaftliche Gewissheit zur philosophischen Selbst-Gewissheit wird, und ein Axiom als nicht mehr als ein Dogma zum Vorschein gelangt. “Ich glaube an die Identität ‘a = a’ ” wie an die Dreifaltigkeit. Die Richtigkeit der Wissenschaft wandelt sich zur Wahrheit der Kunst.

Die Wahrheit der Selbst-Spiegelung offenbart aber möglicherweise auch, wie Mystiker, Dichter und Philosophen das erscheint, eine Widerspiegelung der Natur.

Dem Glauben und nicht dem Wissen nach erscheint es so, als könne das Andere vielleicht irgendwie so sein wie es sich das Wesen dank seiner Vernunft vorstellt.

Die Hoffnung wächst, dass die eigene Vorstellung mehr ist als eine Fata Morgana.

Es scheint aber sehr schwierig, auszumachen, ob das Schauen von Spiegelungen auf irgendeine Art und Weise doch die Wahrheit offenbart.
Wird davon ausgegangen, dass der Mensch vernunftbegabt ist und die mythischen Hinweise eines Sokrates, Platons oder Moses zutreffen, dann könn­te das menschliche Erbgut eine Art Gen enthalten, das religiöses Empfinden ermöglicht.

Den kanadische Neuropsychologen Michael Persinger[2] veranlasst dies zu folgender Überlegung: Wenn ich die fürs Religiöse zuständigen Hirnregionen eines Menschen stimuliere, verschaffe ich ihm damit auch religiöse Gefühle? Er entwickelte einen Helm, der ein sich bewegendes Magnetfeld erzeugt. Diesen Helm liess er Versuchspersonen zwanzig Minuten lang tragen. Vier von fünf Probanden beschrieben die ausgelösten Empfindungen als übernatürlich oder spirituell. Sie fühlten die Gegenwart eines höheren Wesens, eine Berührung Gottes, Transzendenz.
Demnach könnte ein allgegenwärtiges Wesen (“Geist in der Materie”) sich offenbaren. indem es das Gehirn beeinflusst und auf dem Weg der Spiegelungen religiöse Vorstellungen und Empfindungen erzeugt. Erscheinungen der Heiligen bekämen dann eine “natürliche” Erklärung.


Der “Umweg” über Spiegelungen sichert das kulturell bedingte, individuelle Verstehen und Auslegen des allgegenwärigen Wesens.

Der Logos des Mythos vollzieht sich dann als Phänomenologie des inneren Erscheinens.

_________
[1] nachzulesen in: https://gutenberg.spiegel.de/buch/3776/1

[2] Neuropsychological Bases of God Beliefs; Praeger Publishers; 1 edition (October 15, 1987)
 

13
Okt
2011

Glaube

 
Der Dichter und Mystiker Angelus Silesius schreibt im Cherubinischen Wandersmann:

„Gott lebt nicht ohne mich

Ich weiß, daß ohne mich Gott nicht ein Nu kann leben,
Werd' ich zunicht', er muß von Not den Geist aufgeben.

Gott ergreift man nicht

Gott ist ein lauter Nichts, ihn rührt kein Nun noch Hier:
Je mehr du nach ihm greifst, je mehr entwird er dir.

Der Mensch ist Ewigkeit

Ich selbst bin Ewigkeit, wenn ich die Zeit verlasse
Und mich in Gott und Gott in mich zusammenfasse.

Ein Abgrund ruft dem andern

Der Abgrund meines Geists ruft immer mit Geschrei
Den Abgrund Gottes an: Sag, welcher tiefer sei ?

Das Bildnis Gottes

Ich trage Gottes Bild: Wenn er sich will besehn,
So kann es nur in mir, und wer mir gleicht, geschehn.

Die Gottheit ist ein Nichts

Die zarte Gottheit ist ein Nicht und Übernichts:
Wer nichts in allem sieht, Mensch, glaube, dieser sieht's.

Man weiß nicht, was man ist

Ich weiß nicht, was ich bin. Ich bin nicht, was ich weiß:
Ein Ding und nicht ein Ding: Ein Tüpfchen und ein Kreis.

Der Himmel ist in dir

Halt an, wo laufstu hin, der Himmel ist in dir;
Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.

Wie Gott im Menschen

Gott ist noch mehr in mir, als wann das ganze Meer
In einem kleinen Schwamm ganz und beisammen wär.

Der Mensch ist Ewigkeit

Ich selbst bin Ewigkeit, wann ich die Zeit verlasse
Und mich in Gott und Gott in mich zusammenfasse.

Zufall und Wesen

Mensch, werde wesentlich; denn wann die Welt vergeht,
So fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.

Beschluss

Freund, es ist auch genug. Im Fall du mehr willt lesen,
So geh und werde selbst die Schrift und selbst das Wesen“.
[1]

____
[1] Hans Ludwig Held: Angelus Silesius. Sämtliche poetische Werke inI drei Bänden. (Band 1: Die Geschichte seines Lebens und seiner Werke. Urkunden; Band 2: Jugend- und Gelegenheitsgedichte. Heilige Seelenlust oder geistliche Hirten-Lieder der in ihren Jesus verliebten Psyche. [Enthält auch: Bonus Conciliarius und Christliches Ehrengedächtnis des Herrn Abraham von Frankenberg]; Band 3: Cherubinischer Wandersmann. Sinnliche Beschreibung der vier letzten Dinge.) 2. Aufl. München 1924
 

12
Okt
2011

Spiegelungen

 
Das lateinische Wort für Spiegelung ist “Reflexion”. “reflectere” bedeutet zurückbeugen. In der neuronalen Analyse meint das Zurückwerfen von Impulsen, die dann wiederum wie Reize, also Impuls-Auslöser wirken. Das Bewusstwerden vollzieht sich als mehrfaches Reflektieren.

I.  (Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Tasten) = bemerken
II. (bedenken, besinnen, verweilen) = betrachten

III. beobachten

IV. bewerten

V. begreifen (verstehen)

Im Wort “begreifen” steckt “zugreifen”. Das Begreifen vollzieht sich als Bild-Erleben, das auf das Bilder-Leben zugreift und ein interessantes Moment (Gesichtpunkt) bzw. einen interessanten Moment (Augenblick) festhält.

Dieses blitzartige Nacheinander von Bemerken, Betrachten, Beobachten, Bewerten und Begreifen wird gleichzeitig in eins zugleich erfahren, wenngleich diese Komponenten des Wahr Nehmens unterschiedlich dominant sind. Diese Dominanz wird durchaus bewusst:

I.  “Das kenn ich!”
II. “Da zögere ich!”
III. “Das fällt mir auf!”
IV. “Das interessiert mich (nicht)”
V. “Das kapier ich!”

Diese unterschiedlichen Momente werden bisweilen durch Interjektionen emotional ausgedrückt:

I.  Ah!
II. Hm!
III. Oh!
IV. (t)ja!
V.  Aha!

Sind alle Momente gegenwärtig, dann werden sie versprachlicht. Das Bild-Erleben wir durch das Wort repräsentiert.

Die unterschiedlichen Spiegelung des Bewusstwerdens hat Platon in seiner Ideenlehre auf andere Art und Weise dargestellt.
Platon unterscheidet die Welt der Wahrnehmung von der Welt der Ideen.

Die Welt der Wahrnehmung kann auch Sinnenwelt genannt werden. Über diese Welt können keine allgemeingültigen Aussagen gemacht werden, da sie von uns mit unseren fünf Sinnen wahrgenommen wird.

Diese Aussagen können auch nicht allgemein- gültig sein, da die Dinge, die beschrieben werden, sich ständig verändern. Platon nennt diesen Prozess wie schon Heraklit “fließen”.

Alles, was in der Sinnenwelt existiert, besteht aus einem vergänglichen Material, welches sich mit der Zeit auflöst. Im Gegensatz dazu ist alles nach dem Muster einer Form gebildet, das zeitlos ist. Alle Pferde können von uns als Pferde erkannt werden. Irgendwann wird das Pferd alt und lahm, aber es ist trotzdem noch als Pferd erkennbar. Dann stirbt es, aber die Pferdeform ist unvergänglich. Diese Urform ist also ein abstraktes, geistiges Musterbild, das, laut Platon, in einer Wirklichkeit hinter der Sinnenwelt besteht. Diese Wirklichkeit nennt Platon das Reich der Ideen. Da man das Reich der Wahrnehmung mit Hilfe der Sinne erreichen kann, kann man dort nur zu wahren Meinungen über etwas gelangen. Über das Reich der Ideen kann man sicheres Wissen erlangen, allerdings nur, wenn man die Vernunft benutzt. Die Ideenwelt läßt sich also nur vernunftmäßig, nicht aber mit den Sinnen erkennen.

Die Ideen sind ewig, unteilbar und unver-änderlich und existieren unabhängig von wahrnehmbaren Dingen. Also wird die Urform des Pferdes auch dann bestehen, wenn das Pferd tot ist. Die Ideen entstehen also weder, noch vergehen sie, und deshalb kommt ihnen Wahrheit zu. Also existieren laut Platon auch allgemeingültige Aussagen, zum Beispiel mathematische Aussagen: Die Winkelsumme im Dreieck wird immer 180 Grad betragen. Die wahrnehmbaren, vergänglichen Dinge können uns allerdings an die Ideen, dessen Abbilder sie sind, erinnern. So legt Platon dar, dass man durch relativ gleiche Dinge an die Idee der Gleichheit erinnert wird. Vollständige Gleichheit ist in der Welt des sinnlich Vernehmbaren nicht vorhanden. Ebenso ist das Gerechte, das Gute in der Welt der Wahrnehmung nicht vorhanden. Es stellt aber ein Ideal dar, nach dem man seine Handlungen ausrichten soll. Es gibt immer gültige, objektive, ethische Werte, die der Maßstab für die Beurteilung einzelner Handlungen ist. Die Kenntnis der Idee des Guten ist nach Platon eine notwendige Bedingung für moralisches Handeln. Mit Hilfe der Ideen können auch Eigenschaften der sinnlich wahrnehmbaren Dinge erklärt werden. So wird etwas schön genannt, wenn es an der Idee des Schönen teilhat, die selbst schön ist. Platon hält auch den Menschen für ein zweigeteiltes Wesen. Wir haben einen Körper, der fließt, der also aus vergänglichem Material besteht und mit der Sinnenwelt unlösbar verbunden ist (denn die Sinne sind körperlich). Unsere Seele hingegen ist unsterblich und befindet sich in der Vernunft. Demzufolge ist sie nicht materiell und kann in die Ideenwelt sehen. Platon meint, bevor die Seele in unseren Körper gelangt, existiert sie schon im Reich der Ideen, sie hat aber beim Eintritt in den Körper die vollkommenen Ideen vergessen. Wenn wir dann ein unvollkommenes Pferd sehen, sehnt sich unsere Seele nach der vollkommenen Urform, die ihr aus dem Reich der Ideen bekannt ist. Diese Sehnsucht nennt Platon Eros (Liebe).

Die meisten Menschen geben dieser Sehnsucht nicht nach, sondern klammern sich an die schlechten Nachahmungen der Ideen in der Sinnenwelt. Platon hält jene Menschen nur für Abschattungen der wahren Idee “Mensch”, welche glauben, diese Schatten seien alles, was es gibt, ohne daran zu denken, dass etwas den Schatten werfen ließ. Sie sind mit dem Leben als Schattenbilder zufrieden und erleben die Schatten demzufolge nicht als solche. Platon hält alle Phänomene der Natur für bloße Schattenbilder der ewigen Formen oder Ideen.

Platon erklärt in seinem Liniengleichnis u.a., wie sich das Denkbare, das Wahrnehmbare, die Idee, die Einzeldinge zueinander verhalten.

Platon trennt nicht nur – wie gesagt - zwischen Erkennen und Wahrnehmen, sondern er trennt ebenso streng zwischen Idee und Einzelding.
Während das Erkennen auf Dauer angelegt ist, ist die Wahrnehmung ganz auf den Augenblick ausgerichtet.

Die Wahrnehmung ist mit der Gegenwart direkt verbunden, während das Erkennen auch die Zukunft und Vergangenheit mit einschließt.

Ähnlich sieht Platon dies bei der Trennung zwischen der Idee und dem Einzelding. Während das Einzelding mit der Wahrnehmung und somit der Gegenwart verbunden ist, hängen die Ideen mit der Erkenntnis zusammen und sind dauerhaft.

Platon hat diese ontologische Entgegensetzung von Idee und Einzelding und die erkenntnis-theoretische Abgrenzung zwischen der Erkenntnis und der Wahrnehmung in seinem sogenannten Liniengleichnis veranschaulicht (Platon, Politeia 509 B ff).

Vereinfacht denke man sich eine vertikale Linie, die in zwei Teile geteilt ist, wobei der obere Abschnitt größer ist als der untere. Der obere beinhaltet auf der einen Seite das Denkbare, auf der anderen Seite das Erkennen, das Wissen. Der untere, kleinere Abschnitt repräsentiert auf der einen Seite die Welt der Erscheinungen. Die andere Seite steht für das Mei­nen. Und da Platon das Erkennen und den Bereich des Denkbaren höher einordnet, ist auch der Abschnitt dafür größer.

Das Erkennen, beziehungsweise Wissen, wird noch unterteilt in das der Vernunft und das dem Verstand Zugänglichen. Die Seite des Meinens teilt sich in etwas glauben und etwas vermuten. Die Welt des Denkbaren teilt sich in die Ideen und die Hypothesen. Die Seite der Erscheinungen teilt sich in die Einzeldinge und die sogenannten Schatten der Zukunft; der Welt des Werdens. Im Liniengleichnis denkt Platon im Grunde die Reflexionen des Bewusstwerdens, und zwar als das Erkennen (Begreifen) der allgemeinen Formen, also das Sein als solches im Bewerten des Werdenden. Zu dieser Erkenntnis führt das Beobachten und Betrachten des sinnlich Vernehmbaren, also des naturhaft Seienden.

Im Sonnengleichnis gelangt die Sonne als Ebenbild der höchten Idee zum Vorschein, wobei das Licht der Sonne für die Wahrheit steht.

Der Unterschied, ob etwas im Licht oder im Schatten liegt, bedeutet für das, was von ihm betroffen ist, einen Unterschied im Seinsrang bzw. in der Reflexionsebene!

Was im Licht der Sonne liegt, ist sichtbar. Was im Schatten liegt, ist nicht oder zumindest schwer sichtbar. Diese Beschreibung bedeutet in der Analogie für die Idee des Guten: Was im Licht der Idee des Guten liegt, an dem glänzt die Wahrheit und das Sein des Seienden. Was dagegen nicht von der Idee des Guten erhellt wird, das gehört in den Bereich des Werdenden und Vergehenden.

Auf das Linie- und Sonnengleichnis folgt das Höhlengleichnis, in dem Platon deren Bedeutung für die menschliche Existenz darstellt.

Hat man sich an die Dunkelheit der nur von einem kleinen Feuer beleuchteten Höhle gewöhnt, dann erkennt man sehr bald, dass dort gegen die Wand hin gefesselte Menschen sitzen, die sich nicht umdrehen können und deshalb nur Schatten an der Höhlenwand sehen. Es sind die Schatten der Menschen, die hinter dem Rücken der Gefangenen und dem Feuer Gegenstände und Speisen hin- und hertragen. Die Gefangenen aber kennen allein die Schatten dieser Gestalten und halten diese Schatten also für die Gestalten selbst. Deshalb ordnen sie ihnen auch sogar die Stimmen zu, die sie hören. Die Schattenwelt ist die Welt, so wie die Gefangenen sie erleben. Die Gefangenen halten ihre Erlebniswelt für die Wirklichkeit, denn sie befinden sich von Geburt an in dieser Lage. Und Platon provoziert uns, indem er uns sagt, dass unsere sogenannte reale Welt nichts anderes ist als eine Schattenwelt. Das, was wir wahrnehmen, ist nicht mehr als Abschattung von etwas, was wir selbst nicht wahrzunehmen vermögen, weil wir uns ebenfalls nicht umdrehen, unsere Sichtweise nicht verändern können.

Dabei muss es nicht bleiben. Wir sind nicht dazu verur­­teilt, unser gesamtes Leben als Gefangene unserer Schattenwelt zu verbringen. Aber Platon macht auch nachdrücklich darauf aufmerksam, dass sich niemand selbst aus seiner miserablen Lage befreien kann. Jeder braucht einen Lehrer, der ihn befreit. „Erziehung“ ist für Platon der Name für diese Befreiung. In seinem Höhlengleichnis fragt Platon, was geschehen würde, wenn einer der Gefangenen in der Höhle befreit würde. Platon sagt, dass eine solche Befreiung gewaltsam geschehen müsste, weil sich niemand freiwillig von Gewohnheiten trennt, die ihn ein Leben lang bestimmt haben.

Und wir alle spüren auch, wie sehr wir uns dagegen wehren, Platon zu glauben, dass alles, mit dem wir zu tun haben, nicht mehr ist als Schatten. Statt uns in unserer Sichtweise zu wenden, halten wir lieber Platons Auffassungen für verdreht. Und einem Verrückten braucht man nicht zu folgen.

Dennoch sollen wir uns nun vorstellen, dass einer der Gefangenen von seinen Fesseln befreit wird. Der so befreite Mensch kann sich jetzt umdrehen und plötzlich klar erkennen, dass das, was er sehen kann, überhaupt nichts mit dem zu tun hat, was er bislang für wahr gehalten hat. Allmählich gewöhnt er sich an seine Freiheit und folglich auch daran, Zusammenhänge erkennen zu können. So erkennt er die Schatten als Projektionen dieser Gestalten vor dem Feuer. Sie bewachen die Gefangenen, und er erkennt nicht nur die Schatten als Wächter, sondern er nimmt auch einen Weg wahr, der nach oben zum Höhlenausgang führt. Weil er neugierig geworden ist, folgt er diesem Weg vorsichtig nach oben, wohl darauf gefasst, dass die Höhle auch nicht die Welt ist und er jederzeit mit einer weiteren Überraschung rechnen muss.

Als er schließlich zum Ausgang gelangt, erfasst ihn ein kaum zu beschreibender Schrecken und er bekommt große Angst, weil er wegen des sehr grellen Lichts, das seine Augen blendet, nichts mehr erkennen kann. Als sich dann seine Augen an das Licht der Sonne gewöhnt haben, erkennt er wiederum ein Feuer. Das ist die Sonne, der er nun gewahr wird. Er kommt zu dem Schluss, dass es sich bei den Dingen, die er nun wahrnehmen kann, wiederum nur um Abschattungen handelt. Deshalb folgert er, dass er erneut einen Weg finden muss, der ihn aus dieser neuerlichen Welt der Schatten hinausführt. Dieser Weg wird im Sonnen- und Liniengleichnis dargestellt. Es ist der Weg, den die Metaphysik als Entbergen der Wahrheit beschreibt. Sich auf dieses unaufhörliche Suchen zu besinnen, ist der vornehmliche Zweck der philosophischen Meditation auf die Sonne.

„Nämlich in tiefes Nachdenken über irgend einen Gegenstand versenkt, blieb er (Sokrates) von frühmorgens an auf demselben Flecke stehen und wich, da er das Gesuchte nicht finden konnte, nicht von der Stelle, sondern verharrte in unablässigem Nachsinnen. Inzwischen war es bereits mittags geworden, als die Leute es merkten und staunend einander darauf aufmerksam machten, daß Sokrates nun schon vom frühen Morgen her im Nachforschen über irgend einen Gegenstand begriffen dastände. Endlich aber, als es schon Abend war, brachten einige Ionier, nachdem sie zu Abend gegessen, ihre Matratzen heraus, teils um im Kühlen zu schlafen, denn es geschah dies im Sommer, teils aber auch um ihn zu beobachten, ob er auch wohl in der Nacht dort stehenbleiben würde. Er aber blieb wirklich stehen, bis der Morgen graute und die Sonne aufging; dann aber ging er von dannen, nachdem er zuvor noch sein Morgengebet an die Sonne (hêlios) verrichtet hatte.“[1]

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[1] Vgl. auch Werner Jaeger, Paideia. Die Formung des griechischen Menschen, 2. Nachdruck 1989, S. 886

11
Okt
2011

Wahrnehmungsfehler

 
Die Wahrnehmung des 6. Sinns wird auch das Innere Auge genannt. Das innere Wahrnehmungsfeld des 6. Sinns ist das Bilderleben, und Bild-Erleben ist die Aktivi­tät des Inneren Auges, die durch das Netz des inneren Wahrnehmungsfeldes angeregt wird.

Durch das Bild-Erleben wird ein Augenblick des Bilderlebens erfasst. Das geschieht nachts im Traum ebenso wie untertags im Tagtraum.

Tagtraum, das kann eine Vorstellung der Fantasie (Spiel mit Möglichkeiten) oder Imagination (Einbildung) sein. Zwei Drittel unseres Tages verbringen wir tagträumend, meistens ohne das zu merken. Es fällt nur dann auf, wenn wir uns bei geistiger Abwesenheit ertappen. Das innere Wahrnehmen ist empfindlicher als das äussere Sehen. Wir können den anderen Menschen intuitiv wahr­nehmen und in etwa seine Gedanken und Gefühle erfahren. Als Wahrnehmungsfeld des Denkens bildet das Bilderleben die Brücke zwischen Unbewusstsein oder Vorbewusstsein und Bewusstsein.

Diese Brückenfunktion hat in der Geschichte des Menschen zu tragischen Missverständnissen geführt. Da das (innere) Wahrnehmen wie das (äußere) Sehen das Bild-Erleben ebenfalls auf das Wahrnehmungsfeld als Bilderleben zu reflektieren vermag, kann es bei Unachtsamkeiten zur Verwechslung der Wahrnehmung von Ursache und Wirkung kommen.

Um das verstehen zu können, muss man wissen, dass während des Bild-Erlebens das Bilder-Leben gefiltert und vereinfacht reflektiert wird.

Das so veränderte Bilder-Leben offenbart sich dann als Inhalt der Wahrnehmung. Auf diese Weise wird in einem rauschähnlichen Zustand das Selbst-Gespräch zur inneren Stimme, die dann als Stimme eines Gottes verkannt wird.

So sitzt beispielsweise Pythia auf einem Dreifuß im Adyton. Dieser Dreifuß steht unmittelbar über einer Erdspalte, aus der Gas austritt. Es wird angenommen, dass es sich um Ethylen oder eine Mischung aus Methan und Kohlendioxid handelt. Das Gas bzw. Sauerstoffmangel versetzt Pythia in Trance.

Man glaubt, dass in diesem entrückten Zustand der Gott Apollon aus ihr spricht, weil durch Sauer­stoffmangel ein Trancezustand hervorgerufen wird.

Mystiker versetzen sich durch besondere asketische Übungen in Ekstase und hören so in sich die Stimme Gottes oder nehmen himmlische Erscheinungen wahr.

Auf vergleichbare Art und Weise ist wahrscheinlich auch jene Sammlung von Schriften entstanden, welche Juden und Christen als Wort Gottes anerkennen und als Heilige Schrift zu Urkunden ihres Glaubens machen.

Und in welchem Bewusstseinszustand mag sich Moses, der Autor der ersten Heiligen Schriften, befinden, wenn er in der Wüste einen brennenden Dornbusch erblickt, aus dem Gott zu ihm spricht?

Problematisch wird es dann, wenn solche Eingebungen den Anspruch auf Wahrheiten erheben.

Das selbstreflektierende Bilder-Leben bringt schließlich tief nachdenkliche Mensch dazu, ihre Erfahrungen nicht mehr dem neuronalen Zusammenspiel von Impulsen zu überlassen und die selbstreflexive Kraft des Gehirns mit Hilfe einer bestimmten techne (Methode bzw. Technik) zu nutzen, um dieses Spiel selbst bewusst zu regeln.

Die Kunst dieser Regelung nennen sie sophia und sie verstehen sich dementsprechend als Freunde der Weis­heit (sophia).

Dieser Auffassung gemäß bezeichnen sie sich als Philosophen.

Sokrates, einer der ersten Philosophen versucht zunächst, einem geeigneten Zugang zur Philosophie zu finden.

Er entdeckt vor allem drei wichtige Abschnitte eines solchen Weges.
  1. Die erste Strecke besteht aus dem Bemühen um die Selbsterkenntnis gemäß der delphischen Forderung: “Erkenne dich selbst!”, denn wenn ich weiß, was ich bin, weiß ich auch, was ich soll.
  2. Die zweite Strecke besteht im Resultat der Selbsterkenntnis, das einen zum Bewusstsein verhilft, dass man nichts weiß. Diesen Zustand des Bewusstseins des Nichtwissens erklärt Sokrates als seine einzige Weisheit.
  3. Die dritte Strecke besteht für Sokrates darin, dass er sich diese Erkenntnis aktiv umsetzt. Die Stufe der Erkenntnis eigener Unwissenheit wird zum Ausgangspunkt bzw. Motiv, das wahre Wissen zu suchen.
Sokrates folgt nicht mehr dem mythologischen Weg, einfach das zu tun, was die Götter einem zeigen oder sagen, sondern er entdeckt einen eigenen inneren logischen Weg, selbst zu erkunden und zu verstehen, was sich zeigt.

Dieser Weg besteht in der Auseinandersetzung mit dem, was ihm die (innere) Wahrnehmung während des Dialogs mit anderen Menschen zeigt.

Auf diese Weise entdeckt er durch sorgfälige Vergleiche dessen, was seine Gesprächspartner sagen, dass es bei aller Verschiedenheit der Meinungen auch etwas allen Gemeinsames gibt. So entdeckt er den Begriff als das, dem alle zustimmen können. So münden die vielen Auffassungen von Gerechtigkeit in dem, was allen diesen Aufassungen gemeinsam ist. Dies allen Erscheinungen von Gerechtigkeit Gemeinsame nennt er das Allgemeine (kaq¢olou) oder Begriff.

Sokrates entdeckt dabei die Verallgemeinerung (Abstraktion) als Methode. Das zurück reflektierte Bilder-Leben des Bild-Erlebens wird zum ersten Mal in der Geschichte abstrakt und als solches in einer Art circulus vitiosus zum weiteren Gegenstand des Bild-Erlebens.

Der Mensch erfährt, dass er wahrzunehmen vermag, ohne zu sehen.

Nicht mehr der Zuspruch eines Gottes verhilft zur Orientierung, sondern der Mensch selbst.
Wegbereiter dieser Kehre vom Mythos zum Logos sind die bereits von Thales und Pythagoras entwickelten inneren Wahrnehmungen der Geometrie und Mathematik, die sich sogar in sinnlich vernehmbaren Verhältnissen von Eigenschaften sehen lassen können.

Thales inszeniert noch einmal – wie Diogenes Laertius berichtet - ein Stück Mythologie, indem er die von ihm vorausberechnete Sonnenfinsternis vor Alexander dem Großen als göttliches Zeichen ausgibt.

Dem sechsten Sinn der Philosophen eröffnet sich eine Welt jenseits des sinnlich Vernehmbaren, die Metaphysik. In Wahrheit eine Art Selbst-Spiegelung des Bild-Erlebens.
 

10
Okt
2011

Der sechste Sinn

 
Die Vernunft des Verstandes wird uns als sechster Sinn bewusst. Wir können nicht nur sehen, hören, riechen, schmecken und tasten, sondern auch denken. Das Denken ist als Sinn vollkommen in Vergessenheit gera­ten.

Aber ohne diesen Sinn wären wir Lebewesen überhaupt gar nicht existenzfähig. Trotzdem wundert uns, dass Denken zu unseren Sinnen zählt. Das ist nicht erstaunlich, da viele nicht gelernt haben, diesen Sinn so zu gebrauchen, dass er sich auch ausbilden kann. Es sind vor allem blinde Menschen, denen dieser Sinn das innere Wahrnehmen schenkt.

Blinde müssen zwar auf das Sehen, das die meisten für den wichtigsten Sinn halten, verzichten. Aber dennoch sind sie nicht weniger in der Welt als Sehende.

Denn wir hören, sehen, riechen, schmecken und fühlen, aber erst im Gehirn entsteht durch das Zusammenspiel von Milliarden von Nerven die Welt in unserem Kopf. Sie wird beeinflusst und gesteuert oder geregelt von unseren Erfahrungen, Stimmungen, Einstellungen und Erwartungen.

Was wir sinnlich erfassen, geht in ein Feuerwerk von elektrischen Impulsen über. Nur diese Nervenimpulse vermag das Gehirn zu verarbeiten. Dies geschieht in verschiedenen Bereichen zugleich in spezialisierten Gebieten. Das betrifft zum Beispiel die Frage, um welche Objekte es sich handelt und wo sie sich befinden. Doch diese spezialisierten Areale sind nicht streng voneinander abgegrenzt.

Unser Gehirn ist vielmehr ein kompliziertes Netzwerk, in dem unzählige Verarbeitungsschritte gleichzeitig ablaufen und in dem die unterschiedlichen Bereiche pausenlos miteinander Information austauschen. Dennoch lassen sich grundlegende Verarbeitungswege unterscheiden. Zum einen gibt es den Was-Pfad, zum anderen den Wo-Pfad. Sie führen in verschiedene Gehirnbereiche. Im Wo-Pfad (hauptsächlich im Parietallappen) wird unter anderem analysiert, wo genau die Objekte sind, wie groß sie sind und in welchem Abstand sie sich zueinander befinden. Die genaue Form und Art der Objekte wird dabei kaum beachtet.

Es existieren insgesamt zwölf Pfade:
  1. Was-Pfad (Sein, Wesen)
  2. Welche-Pfad (Eigenschaften)
  3. Wie-Pfad (Art und Weise)
  4. Wo-Pfad (Raum, Ort)
  5. Wann-Pfad (Zeit)
  6. Wobei-Pfad (Umstand)
  7. Wie viel-Pfad (Maß)
  8. Womit-Pfad (Mittel, Material)
  9. Weshalb-Pfad (Grund)
  10. Wofür-Pfad (Zweck, Ziel)
  11. Warum-Pfad (Ursache)
  12. Wozu-Pfad (Wirkung)
Alle diese Pfade bilden gleichsam die Wege der Vernunft und ermöglichen die mehrdimensionale Wahr­nehmung.

Benachbarte Gehirnbereiche bilden die Aspekte und/oder Perspektiven unter denen wir Personen, Objekte oder Ereignisse erfassen.

Zum Beispiel sind für die dreidimensionale Wahrnehmung die benachbarten Gehirnbereiche der Wo- und Wann-Pfade verantwortlich: Welche Tiefe haben die Objekte und wie weit sind sie vom Betrachter entfernt und wann treten sie auf? Ohne diese Aspeke würden die gesehenen Gegenstände flach wie aus Pappe ausgeschnitten wirken. Erst durch Perspektive und Tiefe entsteht bei Sehenden wie bei Blinden eine dreidimensionale Wahrnehmung.

Andere Nervenzellen sind wiederum darauf spezialisiert, Bewegungen wahrzunehmen. Dabei reagieren unterschiedliche Neuronen auf jeweils ganz bestimmte Geschwindigkeiten. Wo die Bewegung stattfindet spielt dabei kaum eine Rolle.
Bewegung wird nur sehr grob einem Ort zugeordnet.

Der Was-Pfad für optische Impulse (hauptsächlich Temporallappen) klärt, was für Gegenstände, Personen oder Landschaften das Auge da sieht. Damit das Gehirn die Objekte einordnen kann, muss es sie zunächst von ihrem Hintergrund trennen. Dabei ist es günstig, dass bereits die primäre Sehrinde besonders gut auf Kanten und Übergänge anspricht. So lassen sich die Konturen der Objekte schnell erfassen. Diese Konturen- wahrnehmung funktioniert so gut, dass das Gehirn teilweise über das Ziel hinausschießt und Formen sieht, die es eigentlich gar nicht gibt. Objekte werden mit bekannten Dingen aus dem visuellen Gedächtnis verglichen.

Innerhalb von rund einer viertel Sekunde hat das Gehirn jede relevante Information aller Pfade aus dem Bild gewonnen und verschiedene Aspekte zu einem Gesamteindruck kombiniert. Das alles geschieht innerhalb eines Augenblicks (drei Sekunden) gleichzeitig. Alle Areale tauschen mit allen in einem Netzwerk ständig Information aus. Es existiert keine Hierarchie oder Zentrum.

Offenbar werden sogar von den höheren Verarbeitungsebenen wieder Impulse zum Beispiel in die primäre Sehrinde zurück geschickt. Sie wirken wie eine Verstärkung oder Rückkopplung und machen das Bewusst­werden hoch wahrscheinlich erst möglich.

Bei Blinden werden solche Reflexionen aufgrund des Ausfalls des Sehens durch die übrigen Sinne kompensiert.
 

9
Okt
2011

Sprache der rechten Hemisphäre

 
Die Sprache der rechten Hemisphäre ist eine künst­lerische. Das künstlerische Gehirn gestaltet seine Innenbilder unmittelbar aus vorbewusst vermittelten Tiefen des Unbewussten.

Solche Innenbilder zeugen jene Gedanken, wel­che uns sagen, was wir aufschreiben sollten. Eine besondere und gewöhnlich vollkommen missverstandene Kunst­form des künstlerischen Gehirns ist das Theater.

Höhlenbilder der Steinzeitmenschen bilden die Kulissen des Urtheaters. Auf den Wandbildern werden lebens­wichtige Vorgänge wie die Jagd dargestellt.

In theatralischen Darstellungen wird die Jagd im Voraus oder im Nachhinein nachgestellt, um das Jagen reflektieren zu können und zu versuchen, das Jagen durch zeremonielle Tänze günstig zu beeinflussen.

Das Theater erscheint auf diese Weise als Urkunst des Menschen, die alle anderen Künste in sich birgt.

So entwickeln sich aus Ur-Verlautbarungen spielerisch tanzend Dichtung und Musik. Der seelische, getanzte Ausdruck wird etwa ab 7000 v. Chr. durch Masken verstärkt.

Als Darstellung einer gespielten Persönlichkeit ist die Maske geblieben und heutzutage mit dem Gesichtsausdruck eines Menschen verwachsen.
Ursprüngliche Höhlenmalerei gelangt heutzutage als digitalisierte virtuelle Welt zum Vorschein. Anders scheinen als sein ersetzt in gespielter Mimik die ursprüngliche Maske.

Die Verstellung ist so zur Gewohnheit geworden, dass vielen gar nicht mehr auffällt, dass sie ihr Leben nur noch spielen.

Zu den erfolgreichsten Kulissen des Innentheaters gehören Religion, Metaphysik und Wissenschaft.

Wissenschafter sind so vertieft in ihr angestrengtes Spiel, dass sie es inzwischen längst mit der Wirklichkeit des Lebens verwechseln.

So haben sie beispielsweise völlig vergessen, dass Be­weis­barkeit nichts Anderes ist als eine strenge bzw. rigide Form des Glaubens an gedachte Sicherheiten.

Das Urtheater gelangt als Theorie zum Vorschein. Und durch zunehmende Anzahl von Gläubigen an eine Theo­­rie wächst zugleich der Glaube daran.
Existenz wird zum persönlichen theatralischen Auftreten in einer ebenso künstlichen Welt.
 

8
Okt
2011

43 Jahr später

 
Vor 43 Jahren schloss ich mein erstes Manus­kript zu dem Buch “Totzeit” ab. Dieses Buch endet mit der Frage nach der Möglichkeit, ob die menschliche Sprache von sich her überhaupt in der Lage ist, göttlichen Worten zu genügen. Diese Frage soll nun hier noch einmal aufgenommen werden.

Ein Text dokumentiert das Denken seines Autors. Einen Text analysieren bedeutet, das dokumentierte Denken in seine Gedanken auflösen, um dem Weg folgen zu können, der zu diesem Text geführt hat.
Im Nachvollziehen des in einem Text dokumentierten Denkens wird dieses in seiner Enstehung erlebt und so erst als Geschichte verstanden.

Die Geschichte bzw. das Geschehen des Denkens vollzieht sich als erlebte Geschichte. Denken bedeutet Bilderleben im zweifachen Sinn als Bilder-Leben und Bild-Erleben.
Während die Bilder der Fantasie bewusst werden, werden sie wahrgenommen, betrachtet und beobachtet.

Das Bilderleben wird als Geschichte von Bildern bewusst, also in eine Abfolge einzelner Bilder aufgelöst, da das Bewusstsein nur Momente zu erfassen vermag, nicht aber den gesamten Prozess.

Die Sprache repräsentiert durch die verschiedenen Wortarten diesen Auflösungsprozess.

Würden wir nur in Verben reden müssen, könnten wir vielleicht auch Prozesse wiedergeben. Aber so ist nun einmal unser Bewusstsein als jeweiliges Moment des Bewusstseins nicht angelegt. Unser Gehirn löst das Werden in Entstehen, Sein und Vergehen auf, wobei es doch schon beim Sein in Schwierigkeiten gerät. Angesichts des Seins als Zugleich von Entstehen und Vergehen in eins zugleich erfindet es für uns den Augenblick.

Weil aber ein Augenblick für uns keine Zeit hat, ist er nie für uns wirklich da. Bevor wir nämlich “Jetzt!” ausgesprochen haben, ist dieser Augenblick schon ‘längst’ vorbei. Das Gehirn spiegelt uns den Augenblick vor, um uns vorzumachen, dass wir da sind. Die Gegenwart ist die neuronal und existentiell notwendige Totzeit (Spungfunktion) von Vergangenheit zur Zukunft. “Alles ist im Fluss” sagt der griechische Philosoph Heraklit und fügt erklärend hinzu: “Wir können nicht zweimal in denselben Fluss steigen!” Weil aber der Mensch ohne Bleibe nicht zu existieren vermag, täuscht ihn sein Gehirn durch die Einrichtung des Augenblicks.

Auf diese Weise vermag er paradoxerweise das Werden bzw. die Zeit als Sein bzw. als Dasein zu erfahren und sich in einem virtuellen Raum einzurichten.

Mit der Entdeckung der Schrift entwickelt er sogar den Glauben, etwas festhalten zu können. Durch Schriftstücke werden Erlebnisse sogar wiederholbar und mitteilbar.

Während der Abfassung eines Textes entdeckt das Gehirn ‘Augenblicke’, die es versprachlicht, bevor sie wieder vergessen werden.

Entsprechen diese im Text dokumentierten Erfindungen aber auch wenigstens in irgendeiner Weise dem Geschehen während der Abfassung eines Textes?
Eine andere Frage ist die, ob wir in der Lage sind, Texte überhaupt zu verstehen.
Diese Frage ergibt sich aus den Feststellungen von Unterschieden:

>> Das Bilderleben des Autors ist nicht das Bilderleben des Lesers.

>> Das Bild-Erleben des Autors ist nicht das Bild-Erleben des Lesers.

>> Die Erfahrungen des Autos sind nicht die Erfahrungen des Lesers.

Dass ein künstlerischer Text überhaupt verstanden wird, liegt daran, dass der Leser daraus seine eigene Geschichte gestaltet. Die Worte des Autors liefern dazu dem Leser entsprechenden Anregungen.

Besonders interessant wird das bei solchen gewichtigen Werken wie die Bibel, von der die Gläubigen sagen, dass sie das Wort Gottes ist.

Unabhängig vom Glauben stellt sich die Frage, ob angesichts der Bewusstseinskonstellation des Menschen Gott überhaupt in der Lage sein kann, sich durch einen Text unverfälscht bzw. nicht verfremdet mitzuteilen.

Ist es nicht eine maßlose Hybris von Menschen, die von sich her behaupten, das Wort Gottes verstehen und verkünden zu können?
Welchen Sinn macht nun eine Text-Analyse und existiert eine Methode, die Schranken aufgrund unterschiedlichen Bilderlebens und verschiedener Erfahrungen zu öffnen?
 

7
Okt
2011

Gedanke, ein "Videoclip"?

 
Aus links-rechtshemisphärischem Zusammenspiel wird der schöpferische Gedanke gezeugt. In der Vorstellung wird gleichsam als ‘Kopfkino’ eine Geschichte inszeniert.

Während die rechte Hemisphäre Regie führt, also die künstlerische Leitung der Inszenierung hat, verantwortet die linke Hemisphäre die Produktion und das Management der Dreharbeiten.

Bislang wird die Dokumentation der Vernunft des Verstandes nach tradierter Art und Weise vor allem aus der Sicht des Verstandes beschrieben. Das hat zur Folge, dass vorwiegend die einem Text innewohnende Logik zur Sprache kommt.

Aber hoch wahrscheinlich entspricht die tradierte, wissenschaftlich dominierte Vorgehensweise nicht dem natürlichen Bedürfnis des spielenden Gehirns, das es wohl bevorzugen würde, sich die Welt künstlerisch zu erschließen.
 

6
Okt
2011

Kompromiss

 
Sobald sich linke und rechte Hemisphäre synchronisieren, gehen sie einen Kompromiss zwischen Ästhetik und Logik ein.


Einer der gelungensten Kompromisse scheint sich in einem guten Kinderbuch zu dokumentieren. Dieser Kompromiss trifft jedoch nur dann zu, solange das Buch vorgelesen wird. Während des Hörens unterstützt das Hören der Geschichte das Betrachten des entsprechenden Bildes. 


Worte (Logik) und Bilder (Ästhetik) verschmelzen dabei zur Einheit des Bilderlebens. Ansonsten initiiert ein gutes Kinderbuch den harmonischen Wechsel zwischen linker  und rechter Hemisphäre. Erzählen und Betrachten wechseln sich ab. 


Aber die Einheit von Wort  und Bild bleibt auch in gut geschriebener Lyrik gewahrt.
Der Dichter äußert unmittelbare Gefühle und Gedanken, die oft Parallelen zum Autor aufweisen.

Beziehungen zwischen Subjekt und Wirklichkeit werden ätsthetisch am stärksten verallgemeinert. Lyrik ist stark sinnbildlicht und rhythmisch, oft gereimt und musikalisch komponiert ( (griechisch λυρική (ποίησις) – die zum Spiel der Lyra gehörende Dichtung).

In der Lyrik verbirgt sich der Hinweis auf Worte als verdichtete Bilder. Sprache erscheint als Vermittlerin des Bilder-Lebens.

Dahinter verbergen sich wiederum entscheidende Hinweise für einen rechtshemisphärisch gerechten Umgang mit der Analyse von Texten.


In einer zunächst paradox erscheinenden Analyse von Texten geht es vor allem darum, das verborgene Bilder-Leben zu entbergen.

Die rechtshemisphärische Textanalyse verfährt gleichsam diametral entgegengesetzt zur linkshemisphärischen Textanalyse.

Aber auch die Bilder der rechten Hemisphäre sind denen der linken Hemisphäre diametral entgegengesetzt.


Die Bilder der linken Hemisphäre werden sinnlich wahrgenommen. Die Bilder der rechten Hemisphäre dagegen werden (rein) geistig wahrgenommen.

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➢    Identifikation (zu- und einordnen: z/e) bzw. Feststellung

➢    Verhältnisse (über- und unterordnen: ü/u) bzw. Ableitungen (mögliche Maßnahmen)
➢    Entscheidung (vor- und nachordnen: v/n) bzw. Plan

➢    Bewertung (an – und beiordnen: a/b) bzw. Vergewisserung

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Feststellung



Die linke Hemisphäre nimmt den Hund auf dem Hof wahr. Die rechte Hemisphäre nimmt Erfahrungen damit wahr (Erinnerungen)

Aufgrund solcher Erfahrungen wird das Verhältnis zwischen Wahrnehmenden und Wahrgenommenen bestimmt. 


Diese Bestimmung hängt vor allem von der Absicht und gefühlsmäßigen Befindlichkeit des Wahrnehmenden ab. 

In diesem Fall ist der Hund nicht einfach ein Haushund oder auch ein Schäferhund, sondern ein Wachhund.

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Auch im Hintergrund ensteht ein Bild. Dieses Bild erlaubt eine Antwort auf die Frage:



Ist der Wahrnehmende


o    ein Nachbar ?

o    ein Spaziergänger

o    ein Dieb?


Das innere Bild der rechten Hemisphäre ist Ihre ureigene Vorstellung von diesem Hofhund und auch die Geschichte, die Sie für sich daraus machen. Aber das eigentliche Innenbild, das sich entwickelt, ist der Gedanke (Aussage-Satz), der aufgrund der Wortfolge ensteht:

Ganz klar

Hund auf dem Hof

Wachhund

Risiko

Abhauen!



Um ein Innenbild in einem Text finden zu können, muss man herausfinden:


➢    Hypothese 

➢    These 

➢    Antithese 

➢    Synthese 



Will man also erfahren, ob sich in einem Text Denken
dokumentiert, dann muss man die Entwicklung eines Gedankens feststellen können.

 

5
Okt
2011

algorithmisch

 
Algorithmisches[1] Denken ist im Grunde eine “Spezialität” der linken Hemisphäre. Dem durchgängigen Streben nach Vereinfachung (ökonomisches Prinzip der minimalen Maßnahme mit maximaler Wirkung) folgend, werden sich wiederholende Vorgänge automatisiert.

Durch besonderes  Bewusstwerden solcher Automatismen werden einzelne Schritte als Aktions-Reaktions-Muster sichtbar.

Es lassen sich neuronale Programme erkennen, die sich unter gewissen Umständen objektivieren und technisch verwirklicht simulieren lassen.

Ein Algorithmus ist demnach eine standardisierte Abfolge eindeutig aufeinanderfolgender Verhaltens- oder Handlungsmomente.

Durch Erfahrungen wird ein Algorithmus schrittweise zunehmend differenzierter. So sollen nach tradierter Auffassung Lehramtsanwärter in ihren Praktika lernen, ihren eigenen Lehralgorithmus zu finden und zunehmand zutreffender differenzieren.

Algorithmus2

Die Veranschaulichung der Algorithmusstruktur zeigt, wie mit rechtshemisphärischen (ästhetischen) Mitteln eine logische Vorgehensweise in gewisser Weise unterstützt werden kann.

Letztendlich ist ja auch eine Regelung algorithmischer Natur.

__________
[1] Der euklidische Algorithmus ist ein Algorithmus aus dem mathematischen Teilgebiet der Zahlentheorie. Mit ihm lässt sich der größte gemeinsame Teiler zweier natürlicher Zahlen berechnen. Das Verfahren ist nach dem griechischen Mathematiker Euklid benannt, der es in seinem Werk „Die Elemente“ beschrieben hat.
Wikipedia, Der euklidische Algorithmus
 

4
Okt
2011

tabellarisch

 
Tabellarisches Denken ist ein ständiges Abgleichen von Vergegenwärtigungungen und Erfahrungen. Dieser Vor­gang ist insofern nicht unproblematisch, als er mögliche Reflexionen durch Vereinfachungen aufgrund der schneller verfügbaren Identifikationen verhindert.

Tabellarisches Denken kann zu dem führen, was “Schubladendenken” genannt wird. Andererseits werden Vorgänge des Bewusstwerdens durch tabellarisches Denken beschleunigt. Entscheidend darüber, ob das zum Vor- oder Nachteil des Wahrnehmenden führt, ist die gefühlsmäßige Beteiligung der rechten Hemisphäre.

Bei hoher Motivation verhilft tabellarisches Denken zur Beschleunigung des Wahrnehmens.

Bei geringer Motivation verkommt tabellarisches Denken zum mechanisierten Beamtendenken, also zum bloßen interesselosen Vergleichen. (Paragraphenfuchserei).

Bei anhaltender Motivationslosigkeit löst sich schließ­lich die Harmonie zwischen rechter und linker Hemisphärentätigkeit auf, und zwar in der Regel zu Gunsten einer Dominanz der linken Hemisphäre.

Zufolge solcher Loslösung werden linkshemisphärische Abläufe zunehmend automatisiert.

Durch solche Automatisierungen werden Vorgänge emotional entbehrlich, und das Gehirn leitet deren neuronale Entsorgung ein, indem es diese nach und nach aus dem Verbund neuronaler Netze entfernt.

Stillgelegte neuronale Abläufe werden während des Bewusstwerdens nicht mehr berücksichtigt.
 

3
Okt
2011

zirkulär

 
Zirkuläres Denken entsteht durch Synchronisation einer linkshemisphärischen und einer rechtshemisphärischen Regelung.

Die linkshemispärische Regelung vollzieht sich als Wahrnehmung (Vorgabe), Betrachtung (Regler), Be­obachtung (Maßnahme), Begreifen (Regelung) und Bewertung (Kontrolle).

Die rechtshemisphärische Regelung vollzieht sich als Gefühl (Vorgabe), Intuition (Regler), Vision einer Idee (Maßnahme), Schaffen (Regelung) und Befriedigung (Kon­trolle).

res-2

Solange sich die beiden Regelkreise nicht synchronisieren, erzeugen sie innere Konflikte und verursachen sehr wahrscheinlich stressbedingte Krankheiten.

Umgekehrt ist wahrscheinlich das Auseinanderdriften dieser Regelkreise das Erscheinungsbild des Burnout.

res-3

Wenn sich dagegen linke und rechte Hemisphäre spontan während des Bewusstwerdens synchronisieren, dann harmonisieren sich zugleich auch deren neuronale Strukturen.

res-4

In Texten gelangt solche Harmonie durch das Ineinanderfliessen von logischen und ästhetischen Text­teilen zum Vorschein.
 

2
Okt
2011

modular

 
 
Die Bildung neuronaler Komplexe ermöglicht zugleich auch Bewusstwerden als komplexes Bilderleben.

Lineares Bilderleben splittet sich kollinar auf. Bewusst­werden geschieht mehrfach parallel zugleich als sinnliches Vernehmen, Betrachten, Beobachten und Verstehen von Situationen und besonderen Ereignissen.

Aus diesem noch emotionalen Zusammenspiel kri­stal­lisiert sich eine Art und Weise heraus, sich im Wiederholungsfall zu verhalten.

Aus einer Erfahrung entsteht so ein Modul, das sich als Verhaltensmuster in der Folge nach und nach mo­difi­ziert und unter Umständen zur Gewohnheit wird.

So spielt sich emotional unter Umständen ein Verhalten ein, dass der Umgebung als gar nicht wünschenswert erscheint.

Die Kunst der Erziehung besteht dann darin, dass gewachsene neuronale Modul in eine angepasstere Verhaltensweise zu überführen, ohne dass es zu heftigem Aufbegehren und zum alles verhärtenden Widerstand kommt.

Als solches handelt es sich bei einem Modul um eine natürliche Regelung, die fast ausschließlich affektiv (durch Stimmung) und/oder emotional (durch Einstellung) kontrolliert wird.

Aufgrund von Widerstand schlägt diese Regelung in eine Steuerung um, bei der Stimmungen oder Einstellungen Verhalten nicht mehr regeln, sondern prinzipiell steuern.

Dazu sollte es möglichst erst gar nicht kommen. Um das zu verhindern, sollte das vorhandene Prinzip der Regelung günstig beeinflusst werden. Das gelingt in der Regel durch behutsame Initiation zirkulären Bilderlebens.
 

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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