1
Okt
2011

komplanar

 
Mehrere Neuronen heißen komplanar[1], wenn sie im selben neuronalen Netz liegen.

Wörter innerhalb eines Satzes sind komplanar, obgleich sie als Satzteile gewöhnlich verschiedene Neuronen repräsentieren.

Aber außer der formalen Komplanarität existiert auch eine inhaltliche, wenn nämlich Neuronen Elemente einer Menge (Gruppe oder Klasse) sind. So sind “Kastanie” und “Kiefer” komplanar, weil es sich bei beiden um Bäume handelt.

Neuronale Komplanarität entsteht aufgrund von räumlichen und/oder zeitlichen Nähen sinnlich vernommener Ereignisse.

Indem lineare Vorgänge gleichzeitig verlaufen, also Vergleichen zu Wiedererkennen, parallel als Zu- und Einordnen bzw. als Vor- und Nachordnen, enstehen Gedächtniskomplexe. So erfährt das Baby nach und nach, was alles mit Mama zusammenhängt und was alles sie damit zu tun hat.

________
[1]Komplanarität oder Koplanarität ist ein Begriff aus der Geometrie - einem Teilbereich der Mathematik. Mehrere Punkte heißen komplanar, wenn sie in einer Ebene liegen.
 

30
Sep
2011

linear

 
Lineares Denken ermöglicht das Vergegenwärtigen nicht nur von Zuständen, sondern von Vorgängen, also Geschehen als Abfolge innerer und/oder äußerer Bilder.

Mit der linearen Organisation von Gedanken entstehen Vorstellungen von Weg, Zeit, Richtung und Ebene. Das Gedächtnis beginnt, - aufgrund der Möglichkeiten vor- und nachzuordnen - sich zu erinnern.

Vergangenes und Zukünftiges werden unterschieden. Gegenwärtiges wird als das Dazwischen erfahren und erlebt.
Linearität ermöglicht in Einwortsätzen eingeengten Neuronen, in verschiedene Richtungen aktiv zu werden und vor allem sich auf andere Neuronen zu
beziehen.

Der zureichende Grund für das Zustandekommen der Linearität ergibt sich aus dem Entstehen der biochemischen Botenstoffe (Transmitter).
Die durch Einwortsätze gebundenen Neuronen nehmen von sich her Kontakt zu benachbarten Neuronen auf. Dadurch entstehen Richtungen, und Mehr­wortsätze scheinen aus Einwortsätzen hervor.

Da die neuronalen Nachbarschaften ebenfalls durch Sinneseindrücke enstanden sind, fällt auf, dass diese Vorordnungen zu den aktuellen Zwischenordnungen gleich, ähnlich oder verschieden sein können.

Es wird so erfahren, dass sich neuronale Ereignisse wiederholen. Das wiederum veranlasst ein frühzeitiges Vergleichen und die Erfahrungen, aufgrund weniger Eigenschaften gewisse neuronale Ereignisse vorhersehen zu können (Antizipation).
 

29
Sep
2011

punktuell

 
Schlag- und Stichwörter sind Repräsentanten punktuellen Denkens. Im Idealfall sollten das auch die Punkte einer Gliederung sein.   

Die kürzeste Form punktuellen Denkens ist der Ein-Wort-Satz.

Über einen Einwortsatz äußern sich Kinder, die in der Frühphase des Spracherwerbs stehen. Mit einem einzigen Wort drücken sie eine Handlung aus.

Das Kind spricht ab 9./10. Monat Einwortäußerungen als Teile eines komplexen Handlungsschemas. Neben "Mama" und "Papa" lernt und spricht es meist Substantive.

Die Einwortsätze nutzt es wie gesagt zum Äußern von Wünschen, Befindlichkeiten oder Appellen.

Solche Äußerungen sind im Grunde Kürzel sprachlicher Handlungen, die an Intonation und Handlungskontext erkennbar ist.
 

Neonuntergang
Bläue in altmodischen Scheibengardinen.

Altbaugehäuse hinter Rauhfaser.

Zerstörtes Uhrwerk in Ebenholz.
Verkümmerte Pflanzen auf dem Fensterbrett.

Rest von starkem Kaffee in ziegelroter Keramiktasse.
Staubteilchen auf milchig brauner Brühe.
Zerknüllte Notizen. Papierknäuel auf dem
Holzfußboden.


Dieses Gedicht lässt sich auch in reinen Einwortsätzen ausdrücken.


Neonuntergang
Dämmerung.

Altbaugehäuse.

Mansardenzimmer.

Getränkereste.

Notizen.

Papierknäuel.
Leere.

Bei diesem zweiten Text muss die vorgenommene sprach­liche Reduktion durch stimmliche Modulation ausgeglichen werden.

Einwortsätze in Texten werden eingesetzt, wenn etwas besonders betont oder als Thema angekündigt werden soll.
 

28
Sep
2011

Gleichgewicht von links und rechts

 
Das Gleichgewicht wird auch aufrechterhalten, wenn die rechte Hemisphäre dominiert.
Dieser Fall der rechtshemisphärischen Dominanz dürfte wohl der von Natur aus gewollte Idealfall sein:

acht

Dieser Fall tritt ein, sobald
ein Künstler dichtet, malt, zeichnet, komponiert oder modelliert,
ein Mystiker betet,
ein Philosoph spekuliert,
ein Techniker programmiert,
ein Physiker mathematisiert,
ein Mathematiker theoretisiert.

Jeder schöpferische Prozess muss sich ordnen, um sich entwickeln zu können. Jede Gestalt braucht ihre Form, um sich ausdrücken zu können.

Die im Menschen wie in der gesamten Natur angelegte Dominanz der rechten Hemisphäre wird durch Umerziehung in der Grundschule geradezu “auf den Kopf gestellt”.
 

27
Sep
2011

Was treibt die rechte Hemisphäre?

 
Denken vollzieht sich beidseitig rechts- und linkshemisphärisch, geschieht also durch Vernunft und Verstand, als Bilder-Leben und Bild-Erleben.

Aber solche Gleichzeitigkeit stellt den Idealfall dar. Im Regelfall aber vollzieht sich Denken einseitig entweder rechts- oder linkshemisphärisch und führt dadurch auch auf verschiedenen Wegen zu wesentlich unterschiedenen Ergebnissen.
Während die rechte Hemisphäre das Bewusstwerden regelt, steuert die linke Hemisphäre diesen Prozess.
Nachfolgend sollen beide Strukturen miteinander verglichen werden:
 
Struktur der rechtshemisphärischen Arbeit:

Regelung1

Struktur der linkshemisphärischen Arbeit:

Steuerung

Schon der Vergleich der Strukturen lässt erahnen, dass die Arbeitszeit der linken Hemisphäre kürzer ist als die der rechten.
Die Verkürzung der linkshemisphärischen Verarbeitungszeit ergibt sich vor allem aus der Vorprägung der durchzuführenden Schritte.
Ein Begriff liefert ein Vorhaben nämlich gewöhnlich in Form eines Algorithmus.
Grundsätzlich versucht das Gehirn bzw. die linke Hemisphäre, das Durchführen von Handlungen durch Algorithmieren zu beschleunigen.
Die rechte Hemisphäre aber vermag dies natürlicherweise nicht, da sie bevorzugt originelle Prozesse erzeugt, also schöpferische Vorgänge, bei denen anfangs manchmal sogar noch unklar ist, was sich daraus eigentlich entwickeln soll.
Die rechte Hemisphäre geht spielerisch vor, sie liebt das Experimentieren trotz des damit verbundenen Risikos ebenso wie den günstigen Zufall.
Dennoch prägt die Arbeit beider Hemisphären die neuronale Verbindlichkeit, die sich durch Kongruenzen in Texten zum Ausdruck bringt.
Im Gegensatz zur rechten Hemisphäre vermag die linke Hemisphäre sprachlich keine rein von innen heraus entwickelten künstlerischen, philosophischen oder mathematischen Bilder zu vermitteln.
Die reine Vernunft der rechten Hemisphäre vollzieht sogar Prozesse vor aller Erfahrung (a priori). Derartige Vorgänge erscheinen der linken Hemisphäre teilweise sogar so absurd, dass sie diese schnell verwirft, bevor sie möglicherweise auch noch veröffentlicht bzw. aufgeschrieben oder ausgesprochen werden.
Der gravierendste Unterschied zwischen rechter und linker Hemisphäre liegt in der wesentl­i­chen Unterscheidung von Wahrheit. Während die linke Hemishäre Wahrheit als Richtigkeit auffasst, bedeutet Wahrheit für die rechte Hemisphäre Offenbarung im Sinne von Entbergen.
Diese wesentlichen Unterschiede führen dann auch zur Unterscheidung des Erkennens. Die linke Hemisphäre organisiert Erkenntnis aufgrund von Wissen. Die rechte Hemisphäre dagegen organisiert Erkenntnis auf der Grundlage von Glauben. Die Kluft zwischen Wissen und Glauben wird unüberbrückbar, sobald eine der beiden Hemisphären dominiert.
Und dennoch will niemand wissen, was er nicht zuvor geglaubt hat. Die linke Hemisphäre verfügt über nichts, das nicht zuvor rechtshemis­phärisch ezeugt worden ist. Das Bild-Erleben des Verstandes setzt das Bilder-Leben der Vernuft voraus.
Die Gestalt (Akzidenz) braucht die Form (Substanz), um hervorzuscheinen. Oder mit anderen Worten: Das Seiende (ens) braucht das Wesen (essentia), um sein zu können.
Die rechte Hemisphäre schöpft intuitiv aus dem Glauben ihrer Begabung, was die linke Hemisphäre mit dem Wissen verfügbarer Intelligenz nutzt.
In einem Text lässt sich das ausgewogene Zusammenspiel beider Hemisphären am Gleichgwicht zwischen Konkretion und Abstraktion erkennen.
 

26
Sep
2011

Was heißt Denken?

 
 
Bilderleben beginnt zwar mit einfachen Außen- oder Innenbild-Text-Zuordnungen, aber Identifikationen bereiten Denken nur vor. Wenn ich sage “Dieser Baum ist ein Kastanienbaum.”, dann identifiziere ich, aber denke noch nicht.

Allerdings wird mit einer Zuordnung wie zum Beispiel Baum = Kastanie schon eine wichtige Vorentscheidung getroffen, denn nicht jedes Bild eignet sich für einen Denkprozess.

Obgleich “Kastanie” sogar ein Begriff ist, also intersubjektive Bedeutung hat, eignet sich dieser Begriff nicht als Begriff zum Denken:

Die Kastanien (Castanea) oder Edelkastanien sind eine Gattung in der Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Die Gattung ist mit etwa zwölf Baum- und Straucharten in der nördlich gemäßigten Zone verbreitet. In Europa ist nur die Edelkastanie (Castanea sativa) heimisch.[1]

“Kastanie” ist ein deskriptiver und kein analytischer Begriff.

Der Verstand vermag sich zwar mit diesem Begriff zu befassen, aber umgekehrt löst dieser Begriff wie alle deskriptiven Begriffe keinen Denkprozess aus.
Wenn ich etwas charakterisiere (beschreibe), ist der Verstand zwar tätig, aber er denkt noch nicht.

Ein Begriff, der den Verstand zum Denken veranlasst, muss mindestens eine von den Sinnen unabhängige Struktur zum Inhalt haben, also ein allgemeines, analytisches (und kein konkretes deskriptives) Bild.

Eine vornehmlich intuitiv sinnlich geregelte Analyse ist eine systematische quantitative Beschreibung, bei der das beschriebene Objekt oder Subjekt in seine Bestandteile zerlegt wird und diese anschließend geordnet, untersucht und ausgewertet werden, wobei das Ganze als Beziehungsgefüge (Vernetzung der einzelnen Elemente) nicht außer Acht gelassen werden darf.

Eine vom Verstand geregelte Analyse ist eine systematische qualitative Untersuchung, bei der das untersuchte Objekt oder Subjekt durch seine wesentlichen Funktionen erfasst und definiert wird, wobei das Ganze als Regelung oder Steuerung berücksichtigt werden muss.

Eine quantitative Analye des Dreiecks:

Ein Dreieck (lateinisch: triangulum) ist eine geometrische Figur. Es handelt sich innerhalb der euklidischen Geometrie um die einfachste Figur in der Ebene, die von geraden Linien begrenzt wird. Die Begrenzungslinien bezeichnet man als Seiten. Innerhalb dieser Begrenzung spannen sich drei Winkel, die sogenannten Innenwinkel auf. Die Scheitel dieser Winkel bezeichnet man als Eckpunkte des Dreiecks. 
 
Eine qualitative Analyse des Dreiecks:

Euklid_25IX

Paradoxerweise erfolgt der Nachweis einer qualitativen Analyse oft nur quantitativ durch Messung.

Der deskriptive Begriff beschreibt ästhetisch, der analytische Begriff argumentiert bzw. beweist logisch.

“Argumentatio” (lat.) ist ein Verfahren, bei dem die Wahrheit eines Satzes durch die Zurückführung auf bereits als wahr Anerkanntes[2] sichergestellt wird.
Demnach kann gesagt werden: Denken findet statt, sobald das Bilder-Leben der Vernunft durch das Bild-Erleben des Verstandes focussiert (scharfgestellt) wird. 

____________
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Kastanien
[2] Als anerkannt gilt der auf Pythagoras zurückgehende Höhensatz des Euklid: Wenn ein Dreieck rechtwinklig ist, dann hat das Höhenquadrat zur Hypotenuse denselben Flächeninhalt wie das Rechteck aus den beiden Hypotenusenabschnitten.
 
 

25
Sep
2011

Worte werden zu Begriffen  

 
Während des Erfassens von Texten geht es vor allem um Verstehen.

Verstehen ist aber eine Angelegenheit des Verstandes, vollzieht sich demnach als Bildung von Begriffen.


Bei wissenschaftlichen Texten müssen Begriffe dagegen eher auf ihre ursprünglichen Bilder zurückgeführt werden.

Sowohl für künstlerische als auch für wissenschaftliche Texte gilt:

Begriffe sind versprachlichte Innenbilder des Verhaltens oder Handelns.

Begriffe verstehen heißt klare Vorstellungen von dem haben, was geschieht oder geschehen wird.


 

Begriffen wird zwar mit dem Verstand, erlebt oder erfahren aber mit der Vernunft!


Der Verstand schreibt das Drehbuch oder “pictureboard”, die Vernunft hat die Idee dazu und inszeniert sie.

Wie das funktioniert wollen wir an der Dreiteilung eines rechten Winkels aufzeigen.
 
Schritt 1: Wir ziehen um A einen Kreis mit einem von uns gewählten Radius, der die beiden Schenkel in B und C schneidet:


res


Schritt 2: Wir ziehen einen Kreis um B mit Radius AB, der den ersten Kreis in E schneidet.

_wsb_291x275_Drei_2


Schritt 3: Um C ziehen wir denselben Kreis, der den ersten Kreis in D schneidet.

_wsb_300x300_Drei_3


Schritt 4: Wir verbinden E und D jeweils mit A und erhalten die Geraden AE und AD bzw. deren Verlängerungen.
Die Geraden teilen den rechten Winkel in drei Abschnitte zu je 30°.

_wsb_294x283_Drei_4


Die linkshemisphärische Beschreibung verläuft zwar synchron zur rechts­hemisphärischen Abbil­dung, aber die gesamte Darstellung beruht auf reiner Imitation.
Es wird etwas gemacht, ohne zu wissen, warum so vorgegangen werden muss.

_wsb_296x292_Drei_5-1


Übrigens könnte auch auf die Abbildungen dann verzichtet werden, wenn eine entsprechende Vorstellungskraft in der Lage ist, angemessene Innenbilder zu erzeugen.
Eine innen- oder außenbildgerechte[1] Textgestaltung sagt übrigens noch nichts über die Qualität des zugrundeliegenden Denkprozesses aus.

_______________
[1] Außenbilder sind sinnlich vernehmbare Ereignisse

24
Sep
2011

Tradition des Worts als Begriff

 
Sobald Worte zu Begriffen werden, wechseln sie von der rechten zur linken Hemisphäre. Dieser Wechsel verändert auch die innere Wahrnehmung; von der linken Hemisphäre wird zum Beispiel ein Papagei wie folgt gesehen:

Klasse:Vögel (Aves)
Unterklasse:Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung:Papageien (Psittaciformes)
Familie:Kakadus (Cacatuidae)
Gattung:Eigentliche Kakadus (Cacatua)
Art:Gelbhaubenkakadu
Wissenschaftlicher Name: Cacatua galerita

Von der rechten Hemisphäre wird dagegen ein Papagei emotional (!) gesehen, also zum Beispiel als „Mr. Donald und Ms. Momo“:

Donald-Momo      
    
  
Eine rechtshemisphärische, gefühlte Sichtweise lässt sich sprachlich auch auf künstlerische Weise erreichen:
 
 

Kakadu[1]
Kein Vogel doch gescheidter ist

Als du es bist!

Du kannst dich kraulen hinter'm Ohr

Und richtest deinen Schopf empor,

Und frag' ich Dich: wie heißest du?

Antwortest du:
Kakadu! Kakadu!
Und auch kein Vogel schöner ist

Als du es bist!

Drum drehst du dich so stolz und dumm

In deinem goldnen Käfig um,

Und schreist und kreischest immerzu,

Ja immerzu:
Kakadu! Kakadu!

 
Mit der Wandlung zum Begriff geht das Wort insofern einen Kompromiss zwischen rechter und linker Hemisphäre ein als es nun die Veranschaulichung („Veräußerung“ oder „Veröffentlichung“) des Innenbildes logisch ästhetisch gestaltet.

Während die linke Hemisphäre ein Bild als Abbildung emotional unbeteiligt betrachtet, vermag die rechte Hemisphäre kein Bild zu betrachten, ohne daraus spontan eine emotionale Geschichte zu machen.

Für die logische Wahrnehmung ist die Betrachtung mit der Feststellung abgeschlossen, um welchen Baum es sich handelt und in welchem Zustand er sich befindet.

Für die ästhetische Wahrnehmung schließt die Betrachtung eine gefühlsmäßige Verbindung mit dem Baum, z.B. durch Berühren (oder gar Umarmen) mit ein.

Gleichgültig, ob es sich um eine links- oder rechtshemisphärische (logische oder ästhetische) sprachliche Gestaltung handelt, der Text muss das Gleichwicht zwischen „links“ und „rechts“ aufrecht erhalten:
 
    Wort = Bild  

oder:

  Logik = Ästhetik

Das ist keineswegs damit getan, dass man einen Text bebildert. Ganz im Gegenteil kann dadurch sogar ein künstlerischer Text beschädigt werden.

Das Bild wird als bloße Abbildung aufgefasst und die Betrachtung reduziert sich auf bloße Identifikation. Das passiert nicht, wenn der Betrachter einen emotionalrn Bezug zum Inhalt  des Bildes hat.

Kakadu-schreit

Drum drehst du dich so stolz und dumm

auf deiner Stange um,

Und schreist und kreischest immerzu,

Ja immerzu:

Kakadu! Kakadu!



In einem Gedicht wird aber die Gleichung:
 
Linke Hemisphäre = rechte Hemisphäre

in aller Regel nicht durch eine konkrete Darstellung aufrecht erhalten, sondern durch sprachlich vermittelte Innenbilder gestaltet.[2]

__________________________
[1] Hoffmann von Fallersleben
[2] Eine Ausnahme bilden künstlerische Gestaltungen für Kinder. Kinderbücher leben von Bildern. Kindern nehmen bis zur Grundschule ausschließlich rechtshemisphärisch wahr.
 

23
Sep
2011

Die Ausstrahlung eines Wortes

 
Die Ausstrahlung eines Wortes hängt von der Menge an Erfahrungen ab, die mit diesem Wort verbunden sind.

Worte, die Ereignisse vertreten, die uns allen bekannt sind, haben eine starke Ausstrahlungskraft.

So zählte das Wort „Regen“ im Sommer 2011 zu den ‚Superstars’.

Natürlich verfehlt ein Wort seine Wirkung, wenn es beim Empfänger auf Ablehnung stößt.

In der neurologischen Textanalyse gilt das Wort als neurologische Einheit.

Es wird davon ausgegangen, dass ein Wort dann, und nur dann, die Aktivität eines Neurons empirisch ausmachbar repräsentiert, wenn es sich innerhalb kurzer Zeit[1] wiederholt.


Die Sonne bringt es an den Tag[2]

Gemächlich in der Werkstatt saß
Zum Frühtrunk Meister Nikolas,
Die junge Hausfrau schenkt' ihm ein,
Es war im heitern Sonnenschein. -
Die Sonne bringt es an den Tag.


Hier ist das durch „Sonne“ adressierte Neuron aktiv. Aber auch der damit verbundene Satz „Die Sonne bringt es an den Tag“ zeichnet sich durch besondere Aktivität aus.

Dieser Satz repräsentiert eine Redewendung mit den Bedeutungen: „kundgeben, erklären, darlegen, dokumentieren, kundtun, offenbaren, ausdrücken, äußern, an den Tag bringen, ans Licht bringen, erkennen lassen, vor Augen führen, Zeugnis ablegen, charakterisieren, manifestieren“.

Diese Bedeutungen beinhalten das, was auch durch das Wort „Wahrheit“ im ursprünglichen Sinn zum Ausdruck gelangt.

Somit wird klar, dass die durch den Operator „Sonne“ initiierte Operation in der Offenbarung liegt.

Dieses dichterisch gemalte Bild zum Wort „Sonne“ weicht sehr von der üblichen Vorstellung von der „Sonne“ ab.

Die Bereitschaft, sich dieser Vorstellung anzu- gleichen, dürfte aber durch die gleichzeitig geweckte Neugier bestehen bleiben.

Das Beispiel zeigt, dass Worte exitsieren, denen von ihrer Geschichte (Tradition) her eine vorgebene Aufgabe zukommt.

Traditionell werden solche tradierten Worte Begriffe genannt.

Ein Begriff ist gleichsam ein intersubjektiv vereinbartes Wort, zu dem alle eine mehr oder weniger strenge vergleichbare Vorstellung haben.

Die Ausstrahlung von Begriffen ist deshalb neben Erfahrungen auch zumindest von Kenntnissen oder im wissenschaftlichen Bereich von Wissen abhängig.


[1] Innerhalb der Gegenwartsdauer von 10 Sekunden oder etwa 40 Silben.
[2]Adelbert von Chamisso
 

22
Sep
2011

Ein Wort im EinSatz

 
Ein Satz ist die Form, in der das Wort Gestalt annimmt. Die Gestaltung eines Wortes durch den Satz vollzieht sich als Integration des Wortes zum Bestandteil einer Operation.

Als Operation besteht ein Satz aus Subjekt » Operator, Prädikat » Operation und Objekt » Operand.

OPERATOR: Endlich stillt Regen das durstende Land.

OPERATION: Nach Wochen der Dürre regnet es endlich.

OPERAND: Schwere Wolken ziehen über das dürre Land und bringen endlich Regen.

Nach dem, was sich beobachten lässt, erscheint das Operationsmoment a priori, bevor ein Wort überhaupt bewusst wird.

Ein Antrieb weckt das Bedürfnis, etwas für sich zu setzen. Dieses Bedürnis trifft auf eine bestimmte Stimmung.

In diesem Gefühl tauchen entsprechende Worte aus dem Unbewussten auf.

Regen

Herbstende, Winter, Frühlingsschlamm und Regen,
Euch stillen Zeiten schlägt mein Herz entgegen,
Der kalte Dämmer eures Nebelgrau’s
Umhüllt wie Bahrtuch[1] mich und Totenhaus.


Hier ist es die Herbststimmung, welche Charles Baudelaire’s Gedicht Nebel und Regen u.a. mit dem Wort Regen beginnen lässt.

Wir wissen nicht, was genau dieses Herbstgefühl auslöst. Es muss uns genügen, dass der Dichter es erwähnt.

Indem das Wort „Regen“ u.a. als Subjekt erscheint, sagt es uns lediglich, dass es das Geschehen mit verantwortet.

Als Repäsentant einer sinnlichen Erfahrung lädt uns das Wort ein, sich auf das dadurch erzeugte Gefühl einzulassen.

Jenes Wort Regen, welches in uns seine eigenen Erfahrungsbilder hat, wird durch das dichterische Wort angeregt, das gerade vergegenwärtigte Bild vom Regen der dichterischen Situation anzugleichen.

Unser Gefühl bestimmt, ob wir das wollen oder nicht.

Sobald sich unsere Stimmung dabei verfinstert und unsere Neugier nicht antreibt, werden wir das nicht mehr wollen.

Unser Wort Regen schränkt sich nicht ein, sondern leistet Widerstand. Der weitere Text erscheint uns wahrscheinlich in „negativen Vorzeichen“. So werden wir uns kaum weiterhin ernsthaft damit befassen.

Auch in dieser Darstellung verliert dieses Wort seinen Reiz. Für den Zweck des Beispiels ist es ausgereizt.

Soll unser Text infolgedessen nicht selbst an Spannung verlieren, sollten wir uns jetzt davon abwenden!

An uns selbst zeigt sich, dass ein Wort durch einen „fremden“ Text durchaus sein Eigenleben bewahren und gegen einen Text durchzusetzen vermag.

Die Einschränkung eines Wortes durch einen Satz hängt von der Bereitschaft des Empfängers ab.

Da scheitert dann unter Umständen ein Wort mit so starker Ausstrahlung wie Regen.

[1] Ein Bahrtuch (auch Baartuch, Sargdecke, Sargtuch) ist das Tuch, das bei der Aufbahrung und beim Trauerzug/Kondukt über die Totenbahre gebreitet wird.
 

21
Sep
2011

Ein Wort schränkt sich ein

 
Sobald sich ein Wort auf einen Satz einlässt, muss es sich einschränken.

Ein Satz schreibt einem Wort vor, welche Aufgabe es innerhalb dieses Wortbündnisses zu übernehmen hat.

Diese Vorschriften sind älter als Sätze. Sie sind aus frühesten Erfahrungen im Umgang mit Worten entstanden.

Jedes sprachbegabte Lebewesen erlernt solche Vorschriften von neuem aufgrund erster eigener sprachlicher Erfahrungen.

Ein Satz ist ein Angebot offener Stellen zur Besetzung von Worten mit geeigneten Bildern. Erfolgreiche Bewerbungen weisen Bilder auf, die zu der vom Satz vorgesehenen Geschichte passen.

Wird von einem von einer Idee diktierten Satz eine Geschichte über Regen vorgesehen, dann kann sich das Wort Regen entweder als Subjekt, Verb oder als Objekt bewerben.

Ein Wort, drei Bewerbungen:
1. Endlich stillt Regen das durstende Land.

2. Nach Wochen der Dürre regnet es endlich.

3. Schwere Wolken ziehen über das dürre Land und bringen endlich Regen.

In allen drei Fällen schränken die Sätze das Wort Regen auf „flüssiger Niederschlag“ ein.

Die Vieldeutigkeit eines Wortes und die Vielzahl seiner unterschiedlichen Bilder wird durch einen Satz erheblich eingeschränkt.
 

20
Sep
2011

Ein Wort

 
Ein Wort, das geschrieben oder gesprochen wird, teilt einen Gedanken mit.

Ein Gedanke ist mein Bild im Kopf. Auf diesem Bild sehe ich mehr als ich mitteilen kann.

Mein Wort ist nur ein Stichwort zu dem, was ich mir vorstelle, während ich es mitteile.

Der Leser oder Hörer meines Wortes gestaltet dazu seine eigenen Vorstellungen.

Vorstellungen sind Vergegenwärtigungen von Erfahrungen.

Wir verstehen uns, weil das Gehirn das Wort des anderen nicht ernstnimmt. Es nimmt das vernommene Wort zum Anlass eines eigenen Bildes.

Wer sich zu einem Wort sein Bild macht, denkt. Denken ist das Bilderleben in meinem Kopf.

Bilderleben als Bilder-Leben, wenn die Bilder in mir auftauchen.

Bild-Erleben, wenn ich mich auf eines dieser Bilder einlasse und durch eigene Erfahrungen lebendig werden lasse.

Regen ist ein Wort, das mich an die vielen Regentage des Sommers 2011 erinnert.

Das Bilder-Leben zeigt mir einige dieser Tage. Ich wähle jenen Tag, an welchem ich mich während des Regnens beim Einkauf auf dem Wochenmarkt aufhalte.

Die Wettermoderatorin hat natürlich ein völlig anderes Bild vor Augen, wenn sie von „tagsüber öfters Regen" spricht.
 

19
Sep
2011

Gedanke nach Plan (2)

 
In der Fortsetzung unseres Beispielsatzes bildet sich der begonnene Gedanke fort, indem er von der Charakterisierung in das Definieren übergeht.

In einem neuronal folgerichtigen Text müssten nach der Charakterisierung eine Hierarchisierung und anschließend eine Algorithmierung folgen.

Wir wollen diese fortschreitende textimmanente Bewegung mit Hilfe des Beispielsatzes aufzeigen.
 
 
new_16ix_a
 
 
Die Worte im Beispielsatz ordnen sich als Momente "Jahreszeit" zu und ordnen sich dort auch ein. Auslöser ist das Wort "Herbst", durch das sich zusammen mit "Sommer" die Superierung zu "Jahreszeit" anbietet.

Tatsächlich verstärkt sich in der Folge diese Überordnung durch die zeitliche Zuordnung "Vergänglichkeit" (des Lebens).

Dass diese Zuordnung zum Reflexionsmoment wird, zeit die Invitation der Nachordnung "Tod", wobei "Leben --> Tod" die Bewegung im Hintergrund ist.
Diese verstärkt die Unterordnung zu "Jahreszeit", nämlich "Herbst", und zwar durch die Differenzierung "November" und November durch "Totengedenktage" und "Totenmonat".
Die Beobachtung der dem Text innewohnenden Tendenz lässt eine Aktion erwarten, die mit Tod oder Vergänglichkeit zu tun hat.

18
Sep
2011

Gedanke nach Plan

 
Ein Gedanke entwickelt sich nach vorgegebenen Regeln, die sich an den von Natur aus vorgegebenen Ordnungen orientieren.

Die folgende Abbildung zeigt die Struktur einer gedanklichen Organisation. Mit Hilfe dieser Struktur lässt sich in einem Text feststellen, in welchem Stadium sich die Entwickung eines Gedankens befindet.

Das geschieht einfach durch Sichten der entsprechenden Ordnungsfunktionen.

New_15IX_ordnen

Weil Denken natürlicherweise Handeln organisiert, strebt jeder Gedanke danach, sich als Folge von Schritten einer Handlung zu vollenden (Algorithmus).
 
Die Baumstrukur zeigt das gedankliche Niveau eines Textes an. Demnach stellt der kleine Beispielstext keinerlei Anforderungen, erscheint er doch auf der untersten Ordnungsstufe. Als bloße Charakterisierung leistet er nicht mehr als ein Versandhauskatalog[1].

[1]Um solche Trivialitäten zu vertuschen, benutzen viele Fremdwörter, um mehr zu scheinen als zu sein.
 
 

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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Es gelten die Rechtsvorschriften für Webseiten der Universität Flensburg © Texte: Wolfgang F. Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) wfschmid(at)me.com Bilder: Ulrike Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) mail(at)ulrike-schmid.de

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