20
Aug
2011

Ich fühle, also bin ich da : Bewusstwerden des Fühlens

 
Gefühle sind der ursprüngliche Ausdruck einer Seele, welche über intuitive Erfahrung verfügt. "Ich fühle, also bin ich!" ist mehr als eine Entsprechung zu Descartes' berühmten Ausspruch "Ich denke, also bin ich!"(1). Das Bewusstwerden des eigenen Fühlens ist mehr als Sein, es ist Leben. Ich kann denken, ohne dabei lebendig zu sein, ohne wirklich zu existieren (lat. existentia – Bestehen, Dasein); Lat. "existere" bedeutet vorhanden sein, dasein als Sosein. Wenn ich existiere und nicht nur bin, nehme ich Raum ein, gehe ich aus mir heraus, um Sein als Dasein zu gestalten.

___
(1) Cogito ergo sum (eigentl. lat. ego cogito, ergo sum, "Ich denke, also bin ich") ist der erste Grundsatz des Philosophen René Descartes, den er nach radikalen Zweifeln an der eigenen Erkenntnisfähigkeit als nicht weiter kritisierbares Fundament (lat. funda-mentum inconcussum, "unerschütterliches Fundament") in seinem Werk Meditationes de prima philosophia (1641) formuliert und methodisch begründet: "Da es ja immer noch ich bin, der zweifelt, kann ich an diesem Ich, selbst wenn es träumt oder phanta-siert, selber nicht mehr zweifeln." Von dieser Voraussetzung aus versucht Descartes dann, die Erkenntnisfähigkeit zu entwickeln.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Cogito_ergo_sum)
 

19
Aug
2011

Es geht doch! : ein tief greifender Beweggrund

 
Grundsätzlich sind ständig die gesamten Nervenzellen des Gehirns aktiv. Jede Nervenzelle (Neuron) ist ein eigenständiges Informationsverarbeitungssystem, das zugleich über die Tätigkeit aller anderen 100 Milliarden Nervenzellen vollständig informiert ist. Jedes Neuron ist ständig mit 1000 anderen Neuronen über 100 Billionen Synapsen verbunden und kann von diesen in höchstens vier Schritten erreicht werden: Wahrnehmen = Gleichschalten des Identischen, Betrachten = Gleichschalten des Gleichen, Beobachten = Gleichschalten des Ähnlichen, Begreifen = Zusammenschalten zu einem definierten Netz.

Aus ökonomischen Gründen werden allein jene 1000 Nervenzellen zusammengeschaltet, welche die Verkürzung oder Vereinfachung eines Ablaufs in Aussicht stellen, d.h. aus (gespeicherten) Erfahrungen die kürzesten bzw. einfachsten Wege anbieten.

Das lässt sich nur dann und erst dann verstehen, wenn man bedenkt, dass das Gehirn alles dreifach erfasst, und zwar als Vergangenheit bzw. Gewesenes, als Gegenwart bzw. Seiendes, als Zukünftiges bzw. Werdendes.

Das Gehirn erfasst demnach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es sind die neurologischen Zeiten des Gehirns, durch welche das Zeitempfinden erheblich beeinflusst wird. Über je mehr Zukunft das natürliche System verfügt, um so dichter wird das Zeitempfinden, wobei die Zukunft von der Gegenwart und der Vergangenheit abhängig ist. Die Vergangenheit fördert gleichsam das Erzeugen von Zukunft, und die Gegenwart fordert die Vergangenheit heraus.

Das natürliche System bedarf eines tiefgreifenden Beweggrundes. Der Pfeil der Zeit lässt sich als Vektor begreifen, der im Motiv, das uns gerade beschäftigt, seinen Ausgangspunkt hat. Die Richtung dieses Vektors wird durch die Suchbewegung des natürlichen Systems vorgegeben. Solche Bewegungen werden als Fragen versprachlicht und dadurch bewusst. Die Komplexion des dadurch maßgeblich bestimmten neuronalen Netzes oder die Weite des Bewusstseins wird durch den Betrag bzw. Energie des Vektors bestimmt.

Während des Bewusstwerdens, das wir als Bilderleben erfahren, können wir das neuronale Geschehen günstig beeinflussen. Das muss hier genauer ausgeführt werden.
 

18
Aug
2011

Es geht doch! : was das Gehirn mitbringt

 
Neben der für die Selbstorganisation erforderlichen Eigenschaft der Flexibilität ist unser Gehirn von Natur aus vorsichtig, konservativ und neugierig. Alle vier Eigenschaften sind auf das ökonomische Prinzip zurückzuführen: "Minimaler Aufwand – maximale Wirkung" oder "So wenig wie möglich und gerade so viel wie unbedingt nötig!" "Vor-Sicht", die zweitgenannte Eigenschaft, wird vor allem durch das Grundbedürfnis nach Schutz bzw. Sicherheit gesteuert. Grundsätzlich erfährt das Gehirn durch alle unsere Triebe und Grundbedürfnisse interne Impulse. Das Gebot der Selbsterhaltung ist das erste Gebot der Natur.

Das Wort "Vor-Sicht" besagt, dass unser Gehirn über die Gabe der Antizipation verfügt, also über die Fähigkeit, etwas vorweg zu sehen, um sich vorsehen zu können. Die Vorsicht ist das durchgängige Motiv, überhaupt zu lernen. Es geht darum, etwas immer besser zu machen, um sicherer sein zu können.

Um das leisten zu können, muss das Gehirn vor allem dazu in der Lage sein zu vergleichen, also Gleiches zu erfassen und Ähnliches, Unterschiedliches oder gar Gegensätzliches zu erkennen.

Das geschieht vorwiegend im Bewusstsein. Bewusstsein, das ist ein momentaner Verbund besonders erhöht aktiver Nervenzellen zu einem besonderen Netzwerk, bezogen auf ein interessantes oder ansprechendes Thema.
 

17
Aug
2011

Es geht doch! : wie Kontakt entsteht, ein Beispiel

 
Vielfach sind unterrichtliche Schwierigkeiten ganz einfach zu beheben. Ich möchte dies an einem Beispiel zeigen. Ich wurde von meinem Praktikanten gebeten, in einer sechsten Stunde eine Hauptschulklasse zu unterrichten, die als nicht mehr unterrichtbar galt. In dieser Klasse machte kein Schüler mehr mit und niemand war dazu zu bewegen, überhaupt noch nach vorn an die Tafel zu kommen. Das wurde mir jedoch vor der Stunde nicht gesagt. Hinterher erfuhr ich, dass die Mentorin vor der Stunde Kollegen eingeladen hatte, damit sie einmal sehen können, wie ein Hochschullehrer scheitert. Der Praktikant sagte zu all dem nichts. Da er mich aus der Lehre an der Hochschule kannte, meinte er wohl: "Er wird das schon richten!"

Ich begann also meinen Unterricht wie immer mit der Vorbereitung eines Experiments, mit dem ich das Phänomen "Erziehung" demonstrieren wollte. Dazu brauchte ich natürlich zwei Schüler oder Schülerinnen, die sich auf dieses Experiment einlassen. Also fragte ich: "Wer ist bereit, nach vorne zu kommen, um bei einem Experiment mitzumachen?" Und wie immer fügte ich hinzu: "Dieser Versuch tut nicht weh, und er hinterlässt keine bleibenden Folgen!" Niemand meldet sich! Intuitiv spürte ich, dass es keine Zeit zu verlieren galt. Ich schaute ein Mädchen an und sagte: "Okay, dann komm' Du nach vorn!" Sie sagte sofort: "Nein, auf keinen Fall ich!" Dann fragte sie mich: "Warum überhaupt gerade ich?!" Ich sagte ihr: "Weil wir gerade Blickkontakt hatten!" Sie entgegnete hoch erstaunt: "Blickkontakt, was ist denn das?" Ich antwortete ihr: "Ja, wir haben uns gerade angeschaut!" Sie erstaunt: "Wieso? Wir schauen uns hier nie an!" Dann stieß sie ihre Nachbarin so heftig an, dass die fast vom Stuhl fiel. Dann sagte sie zu ihr: "Okay, komm wir gehen nach vorn!"

Alle arbeiteten die ganze Stunde fleißig mit und niemand sah mehr ein Problem darin, nach vorn zu gehen. Am Schluss der Stunde fing die Mentorin zu heulen an. Ich glaube vor Wut, weil der erhoffte Reinfall des Hochschullehrers nicht stattfand.

Mit diesem Beispiel möchte ich nur zeigen, was geschehen kann, wenn man den Antrieben der Jugendlichen, Kontakt zu haben, nicht folgt. Ich hätte hier durch nichts motivieren können. Und so wurde aus der Desorganisation einer Klasse Selbstorganisation.
 

16
Aug
2011

Es geht doch! : Antriebe basieren auf Trieben

 
Selbstorganisation beruht auf der Selbsttätigkeit des basic instinct, ein naturgegebenes Arrangement von Grundbedürfnissen, das durch Triebe gesteuert wird. Ohne diese veranlagungsbedingte triebhafte Steuerung würde das Gehirn sich nicht entwickeln können bzw. es stellt diese Entwicklung sofort ein, wenn dieser Antrieb ausfällt.

Die Triebe ergeben sich wiederum aus der Notwendigkeit, körperliche Spannungen aufzulösen. Diese werden bewusst, damit wir entsprechende Aktivitäten entfalten können. Lernen vollzieht sich dabei als ein Verändern der Verhaltensstrategie, wenn sich eine Verhaltensweise als nicht erfolgreich herausstellt. Wenn etwas eine Verbesserung der augenblicklichen Situation verspricht, dann entsteht auch die Bereitschaft zu lernen.

Solange ein Unterricht solche Verbesserung nicht erwarten lässt, kann ein Lehrer nicht mit der Lernbereitschaft seiner Schüler rechnen. Deswegen legen viele, die Lehrer ausbilden, Wert darauf, dass Schüler vor allem motiviert werden. Und nur allzu oft haben Lehrer das Problem, wie sie das anstellen sollen. Mancher stellt dann zwar fest, dass die Schüler viel zu antriebslos sind, als dass er sie noch motivieren könne, er bedenkt aber dann schon nicht mehr, dass fehlende Antriebe überhaupt keine Motive mehr zulassen. Welchen Beweggrund soll denn auch ein Schüler noch haben, sich eine grammatische Regel anzueignen, wenn er nicht sieht, inwiefern er seine Situation dadurch verbessert.
 

15
Aug
2011

Basic instinct : Interhemisphärische Kommunikation

 
Wir müssen die Enge unseres Bewusstseins überwinden, um die sich daraus ergebenden Verengungen in unserem Handeln auflösen zu können.

Mit anderen Worten: Durch ästhetische, d.h. gestalterische Maßnahmen im umfassenden Sinne wird die linke Hemisphäre dazu in die Lage versetzt, genauer und präziser logisch zu denken. Umgekehrt regt es unsere gestalterischen Kräfte an, wenn wir durch linkshemisphärisch orientierte Übungen Objekte, Situationen und Prozesse logisch strukturieren. Diesen wechselseitigen Vorgang nennen wir Interhemisphärische Kommunikation.

Selbstverständlich fällt dieser ungewöhnliche und doch so einfache Weg nicht leicht, denn die rechte Hemisphäre wurde durch Schule und Hochschule nicht gerade gefördert und verfügt von daher über zu geringe Erfahrung in der Initiation ästhetischer Prozesse. Gezielt wird die interhemisphärische Kommunikation bisher fast nie unterrichtet. Deshalb braucht es Zeit, um genau wahrzunehmen, geduldig zu betrachten, sorgfältig zu beobachten, klar zu begreifen und wirksam handeln zu können.
 

14
Aug
2011

Basic instinct : Balance zwischen ästhetischen und logischen Kräften

 
Zunächst aber wollen wir darüber berichten, wie es zur Entdeckung dieses keineswegs neuen, aber im Laufe der Geschichte in Vergessenheit geratenen Weges kam.

Seit Jahrtausenden arbeiten wir Menschen daran, unser Denken besser zu verstehen. Dabei ergeben sich eine Reihe von Fragen, z.B. warum wir unser Denken so sehr vernachlässigen, dass wir massiv gegen unsere eigenen Interessen handeln.

Wir wissen heute, dass das Gehirn nicht von sich aus in der Lage ist, so komplexe Vorgänge wie das Denken ohne Strategien und ein spezifisches Training zu bewältigen. Uns ist klar, dass wir mehr und genauer wahrnehmen, beobachten, deuten und verstehen können, wenn wir besser ausgebildet werden. Das bedeutet z.B. die Förderung der stets vernachlässigten rechten Hirnhemisphäre durch ästhetische Erziehung und Bildung, und zwar in Kooperation mit der linken, für logische Prozesse verantwortliche Hemisphäre. Es geht also wesentlich darum, die Balance zwischen ästhetischen und logischen Kräften herzustellen. Tun wir dies nicht, wird es sprichwörtlich zu 'eng' in uns.
 

13
Aug
2011

Basic Instinct : Möglichkeiten der Einflussnahme

 
Möglichkeiten und Grenzen, Intelligenz zu verändern, ergeben sich aus den vorhandenen künstlerischen, wissenschaftlichen, handwerklichen, technischen, politischen oder sozialen Begabungen und entsprechenden im jeweiligen soziokulturellen Kontext gegebenen Bedingungen.

Zwischen Basic Instinct, Intelligenz, Begabung und Umweltbedingungen bestehen also äußerst differenzierte und meist schwer zu durchschauende Wechselwirkungen. Auf dem Zusammenspiel dieser Wirkungen beruht unser Denken. Es handelt sich dabei um einen Vorgang mit körperlichen, geistigen und seelischen Anteilen.

Zunächst mag es überraschen, dass sich bei vielen Menschen das Denken nur zum geringen Teil entfaltet. Für den Alltag werden auch gewöhnlich nicht mehr benötigt als erfahrungsbedingte Identifikationen und Reaktionen. Für ein umfassendes Lehren und Lernen reicht das aber nicht aus. Wir schreiben, um Wege aufzuzeigen, wie wir die Grenze des Alltages überschreiten können, um die gesamten Kapazitäten der Organisation des Bewusstseins kennen und schätzen zu lernen.

Wir fanden einen einfachen und auch relativ leicht gangbaren Weg zu dieser Grenzüberschreitung. Die Darstellung und Erläuterung dieses Weges bildet den Kern dieses Buches.
 

12
Aug
2011

Basic Instinct : der gestalterische Grundtrieb

 
"basic instinct" ist der gestalterische Grundtrieb in allen Lebewesen. Durch Steuerung der Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken, Berühren, Schlafen, Bewegen, Sichern, Schützen regelt der Ur-Instinkt die Existenz der Lebewesen.

Diese Einflussmöglichkeit hängt von unseren Fähigkeiten ab, uns logisch und ästhetisch zu organisieren. Diese Fähigkeiten sind zum einen in unseren Genen verankert, zum anderen aber auch durch die Umweltbedingungen gegeben, wie wir sie vorfinden und verändern. Dieser Prozess wird außerdem durch unseren Willen gesteuert und durch die Art und Weise, wie Anlagebedingtes und Gelerntes miteinander verknüpft werden.

Je besser dieses Netzwerk entwickelt ist und sich kongruent zu unseren Gefühlen verhält, desto eher vermögen wir den basic instinct zu beeinflussen. Weil aber Intelligenz keine feste Größe, sondern veränderbar ist, können wir sie erheblich beeinflussen, sowohl zum Guten als auch zum Schlechten.
 

11
Aug
2011

Hilf mir, es selbst zu tun : Sketch "Schwäbische Kehrwoche"

 
(Beispiel zur Selbstorganisation)

Petersen: „Grüß Gott Herr Schätzle. An meiner Tür hängt ein Schild „Hausordnung“. Was bedeutet das?“
Schätzle: „Das hän i hinghängt. Sie habet nämlich diese Woche Kehrwoche!“
Petersen: „Ja, und was bedeutet Kehrwoche?“
Schätzle: „Ha, dass Sie jetzt dro sin mit Kehre’. Die Woche, wo Sie dran sin, müsset Sie s’Treppenhaus kehre un putze’, die Stroß un den Hof un auch die Mülleimer ausspüle’ un reinige’. Am Samstag hänget Sie obends des Schildle an d’ nächst Tür!"

 

10
Aug
2011

Hilf mir, es selbst zu tun : Schülerunterricht

 
Wir haben viele Jahrzehnte an verschiedenen Schulen in Schleswig-Holstein Schülerunterricht gezeigt und erklärt, warum der selbstorganisierte Unterricht so einfach ist und so viel mehr Freude bringt. Denn: „Niemand lässt sich gern gängeln!“
 
Selbstorganisation
 
Wer hat vor allem das Sagen bei dieser Unterrichtsform? Es ist die Intuition, die allen Beteiligten unterrichtliche Einfälle schenkt. Es darf allerdings eine ganz wichtige Voraussetzung nicht verschwiegen werden: Die Art und Weise dieses Unterrichts funktioniert erst dann und wirklich nur dann, wenn Lehrende und Lernende sich mögen! Nur wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, ist die verlorene Kraft der Intuition zurückzugewinnen und Verhaltensregeln zu finden, um sie uns zu erhalten.

Intuition ist ein Geschenk der Natur. Um das begreifen zu lernen, müssen wir uns zunächst mit dem befassen, was "basic instinct" genannt werden kann.
 

9
Aug
2011

Hilf mir, es selbst zu tun : Selbstorganisation

 
Für das Thema "Selbstorganisation" nimmt man am besten ein alltägliches Beispiel, z.B. das Organisieren eines Einkaufs oder das Verhalten von Verkehrsteilnehmern im Kreisverkehr. Im Plattdeutschen gibt es sogar einen Spruch für Selbstorganisation "Dat lüppt sik allns torecht!" (Das läuft sich alles zurecht). Damit ist gemeint, dass etwas, was in Unordnung geraten ist, sich gleichsam wieder von selbst ordnet.

Der Kreisverkehr repräsentiert das einfachste Muster für Selbstorganisation. Es zeigt das, was Selbstorganisation wesentlich auszeichnet, nämlich ein Vorgang, der schrittweise nach vorgegebenen Regeln abgearbeitet wird. Wenn sich also ein Ablauf selbst organisieren soll, dann ist er gewöhnlich standardisiert, damit der Verlauf nicht jedes Mal erneut organisiert werden muss.

Weitere Beispiele neben Straßenverkehrsordnung sind Gottesdienstordnung, Hausordnung, Schulordnung. Ordnungen, mit denen wir es täglich zu tun haben und die der Selbstorganisation dienen.
 
 

8
Aug
2011

Hilf mir, es selbst zu tun : ein Appell

 
"Hilf mir, es selbst zu tun!" gilt Maria Montessori als Offenbarung des Kindes aufgrund ihrer Beobachtung des spielerischen kindlichen Lernverhaltens. Und sie macht diesen inneren Zuspruch zum Grundgedanken ihrer Pädagogik.

Das bedeutet, alles dafür zu tun, um dafür die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen, also eine vorbereitete Lernumgebung zur Verfügung zu stellen (1). Obgleich jeder Lehrerstudent sich im Laufe seines Studiums mit Maria Montessori beschäftigt, setzen die meisten Lehrer die didaktischen Prinzipien der Maria Montessori in ihrer Praxis nicht um, weil dies aufgrund der Klassengrößen schlicht unmöglich ist. Mehr als sieben Kinder lassen diese Prinzipien scheinbar einfach nicht zu, wenn sie so wie ursprünglich gemeint umgesetzt werden sollen.

"Hilf mir, es selbst zu tun!" sagt das kindliche Gehirn, das sich unbedingt gemäß seiner Fähigkeit, sich selbst zu organisieren, entwickeln möchte. Diese Chance wird in der Schule bildungspolitisch gnadenlos zerstört. Aber kein deutscher Lehrer bekommt eine Klasse, deren Größe überhaupt an Selbstorganisation denken ließe.

"Hilf mir, es selbst zu tun!" würde bedeuten, dass der Lehrer möglichst wenig erklärt und auf keinen Fall mehr als für das eigenständige Verstehen unbedingt erforderlich ist.

___
(1) Maria Montessori ist 1870 in Italien geboren und schloss als eine der ersten Frauen ein Medizinstudium mit Promotion ab. Sie kam aus gutbürgerlichem, christlichem Hause, war weit gereist und engagierte sich stark für die Frauenrechte. Auf der psychiatrischen Station eines Krankenhauses arbeitete sie mit geistig behinderten Kindern. Im Laufe der Therapie stellte sich jedoch heraus, dass diese Kinder keineswegs schwachsinnig waren, sondern ihnen bislang nur jegliche Förderung gefehlt hatte. Maria Montessori entwickelte spezielle Arbeitsmaterialien, das "Sinnesmaterial", mit dem es ihr gelang, die Kinder zu stimulieren, ihre Neugier zu wecken und ihre Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit anzuregen.
 

7
Aug
2011

Pausenzeichen

 
Pausenzeichen stehen unter dem Motto "repetitio est mater studiorum" ('die Wiederholung ist die Mutter aller Studierenden'). Um das Merken zu erleichtern bzw. zu verstärken, wird jedes Pausenzeichen mit einer kleinen Gedächtnisübung verbunden.

Hier ein Beispiel zum letzten Kapitel. Stellen Sie sich zu diesem Zweck einen Obstbaum vor.
  1. Ansicht des Obstbaumes aus der Perspektive eines kleinen Kindes. Was sieht es, wenn es unter dem Obstbaum steht und hinaufschaut?
  2. Aussicht: Ein kleiner Junge klettert auf den Baum. Wie weit kommt er, und was kann er von dort aus sehen?
  3. Einsicht: An welcher Stelle hört er auf, noch höher zu klettern?
  4. Nachsicht: Die Mutter des kleinen Jungen beobachtet ihn. Warum lässt sie ihn gewähren?
  5. Rücksicht: Welche Bilder gehen ihr dabei durch den Kopf?
  6. Umsicht: Welche Vorsichtsmaßnahmen trifft sie jetzt?
  7. Übersicht: Sie will nun im Garten arbeiten. Was wird sie dabei beachten?
  8. Vorsicht: Würden Sie sich vorsichtiger als die Mutter verhalten?
Suchen Sie nun die einzelnen Antworten als zusammenhängendes Geschehen in Ihrer Vorstellung zu inszenieren, zu vergegenwärtigen und zu merken!
 

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

Ergänzende Webseiten

 

Archiv

Mai 2021
April 2021
März 2021
Februar 2021
Januar 2021
Dezember 2020
November 2020
Oktober 2020
September 2020
Juni 2020
Mai 2020
April 2020
März 2020
Februar 2020
Januar 2020
Dezember 2019
November 2019
Oktober 2019
Juni 2019
Mai 2019
April 2019
März 2019
April 2018
März 2018
Februar 2018
Januar 2018
Dezember 2017
November 2017
Oktober 2017
September 2017
August 2017
Juli 2017
Juni 2017
Mai 2017
April 2017
März 2017
Februar 2017
Januar 2017
Dezember 2016
November 2016
Oktober 2016
September 2016
August 2016
Juli 2016
Juni 2016
Mai 2016
April 2016
März 2016
Februar 2016
Januar 2016
Dezember 2015
November 2015
Oktober 2015
September 2015
August 2015
Juli 2015
Juni 2015
Mai 2015
April 2015
März 2015
Februar 2015
Januar 2015
Dezember 2014
November 2014
Oktober 2014
September 2014
August 2014
Juli 2014
Juni 2014
Mai 2014
April 2014
März 2014
Februar 2014
Januar 2014
Dezember 2013
November 2013
Oktober 2013
September 2013
August 2013
Juli 2013
Juni 2013
Mai 2013
April 2013
März 2013
Februar 2013
Januar 2013
Dezember 2012
November 2012
Oktober 2012
September 2012
August 2012
Juli 2012
Juni 2012
Mai 2012
April 2012
März 2012
Februar 2012
Januar 2012
Dezember 2011
November 2011
Oktober 2011
September 2011
August 2011
Juli 2011
Juni 2011
Mai 2011
April 2011
März 2011
Februar 2011
Januar 2011
Dezember 2010
November 2010
Oktober 2010
September 2010
August 2010
Juli 2010
Juni 2010
Mai 2010
April 2010
März 2010
Februar 2010
Januar 2010
Dezember 2009
November 2009
Oktober 2009
Juni 2009
Mai 2009
April 2009
März 2009
Februar 2009
Januar 2009
Dezember 2008
Oktober 2008
Februar 2007
Januar 2007
Dezember 2006
November 2006
Oktober 2006
September 2006
Dezember 2005
November 2005
Oktober 2005
September 2005
August 2005
Juli 2005
Juni 2005
Mai 2005
April 2005
März 2005
Februar 2005
Januar 2005
Dezember 2004

Aktuelle Beiträge

. . .
Man muss alle Bewegungen der Natur genau beobachten,...
wfschmid - 25. Mai, 09:45
Unsichtbare Welt
Neuronale Dämmerung im Dunkel des Unbewussten. Der...
wfschmid - 24. Mai, 06:44
glaub' oder glaube nicht was...
glaub' oder glaube nicht was geschehen ist schuf dich ich...
wfschmid - 15. Mai, 04:07
Annähern
Loslassen können Es erinnern Leuchtende Bilder An diesen einzigartigen...
wfschmid - 14. Mai, 08:30
Magische Linien 1
Magische Linien 1 Geschützte Markierung Gefühle der...
wfschmid - 13. Mai, 09:26
Magische Linien 1
Geschützte Markierung Gefühle der Atem die Energie ein...
wfschmid - 13. Mai, 09:23
Sehr schön
Lieber Wolfgang, meine Emails kommen offenbar nicht...
snafu - 6. Mai, 10:55
. . .
So offenbart sich im Stillleben Vincent van Goghs „Ein...
wfschmid - 30. April, 10:52

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 7773 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 24. Juli, 02:02

Suche (AND, OR erlaubt) - Nächste (leere) Zeile anklicken!

 

Credits

 

 

Es gelten die Rechtsvorschriften für Webseiten der Universität Flensburg © Texte: Wolfgang F. Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) wfschmid(at)me.com Bilder: Ulrike Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) mail(at)ulrike-schmid.de

 wfs


development