Es geht doch! : wie Kontakt entsteht, ein Beispiel

 
Vielfach sind unterrichtliche Schwierigkeiten ganz einfach zu beheben. Ich möchte dies an einem Beispiel zeigen. Ich wurde von meinem Praktikanten gebeten, in einer sechsten Stunde eine Hauptschulklasse zu unterrichten, die als nicht mehr unterrichtbar galt. In dieser Klasse machte kein Schüler mehr mit und niemand war dazu zu bewegen, überhaupt noch nach vorn an die Tafel zu kommen. Das wurde mir jedoch vor der Stunde nicht gesagt. Hinterher erfuhr ich, dass die Mentorin vor der Stunde Kollegen eingeladen hatte, damit sie einmal sehen können, wie ein Hochschullehrer scheitert. Der Praktikant sagte zu all dem nichts. Da er mich aus der Lehre an der Hochschule kannte, meinte er wohl: "Er wird das schon richten!"

Ich begann also meinen Unterricht wie immer mit der Vorbereitung eines Experiments, mit dem ich das Phänomen "Erziehung" demonstrieren wollte. Dazu brauchte ich natürlich zwei Schüler oder Schülerinnen, die sich auf dieses Experiment einlassen. Also fragte ich: "Wer ist bereit, nach vorne zu kommen, um bei einem Experiment mitzumachen?" Und wie immer fügte ich hinzu: "Dieser Versuch tut nicht weh, und er hinterlässt keine bleibenden Folgen!" Niemand meldet sich! Intuitiv spürte ich, dass es keine Zeit zu verlieren galt. Ich schaute ein Mädchen an und sagte: "Okay, dann komm' Du nach vorn!" Sie sagte sofort: "Nein, auf keinen Fall ich!" Dann fragte sie mich: "Warum überhaupt gerade ich?!" Ich sagte ihr: "Weil wir gerade Blickkontakt hatten!" Sie entgegnete hoch erstaunt: "Blickkontakt, was ist denn das?" Ich antwortete ihr: "Ja, wir haben uns gerade angeschaut!" Sie erstaunt: "Wieso? Wir schauen uns hier nie an!" Dann stieß sie ihre Nachbarin so heftig an, dass die fast vom Stuhl fiel. Dann sagte sie zu ihr: "Okay, komm wir gehen nach vorn!"

Alle arbeiteten die ganze Stunde fleißig mit und niemand sah mehr ein Problem darin, nach vorn zu gehen. Am Schluss der Stunde fing die Mentorin zu heulen an. Ich glaube vor Wut, weil der erhoffte Reinfall des Hochschullehrers nicht stattfand.

Mit diesem Beispiel möchte ich nur zeigen, was geschehen kann, wenn man den Antrieben der Jugendlichen, Kontakt zu haben, nicht folgt. Ich hätte hier durch nichts motivieren können. Und so wurde aus der Desorganisation einer Klasse Selbstorganisation.
 

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