19
Dez
2010

Reise




2 x wöchentlich 800 km in 4O Jahren
zwischen Stuttgart und Flensburg gefahren.
Viele denkwürdige Erfahrungen mit der Bahn,
schöne Begegnungen neben des Stresses Wahn.

Dann mit der Pensionierung alles vorbei,
bunter Wechsel statt graues Einerlei.
Aber auch weg all die netten Leute,
entfallen ihres Egoismus' Beute.

Große Enttäuschung macht sich breit,
scheinbare Freundschaften sind entzweit.

Größte Enttäuschung von allen Verdrüsssen,
"Verdammt! Ich hätte das doch merken müssen!
Mein Gott, trotz deulicher Anzeichen völlig verkannt,
geheuchelt geschleimte Freundschaft, weil scharf auf das Amt!"

Ein fadenscheiniger Anlass, um mich los zu sein,
bloß keine Verpflichtung und Verantwortung obendrein.
Aber bedauerlicherweise verstärkt sich der Knall,
wegen meiner Gutmütigkeit gar kein Einzelfall.

Die haben meine Sicht wieder sehr klar geputzt:
Sie haben mich nach Strich und Faden ausgenutzt!
Am liebsten würde ich jetzt Namen nennen,
aber die gemein(t)en werden sich erkennen!


18
Dez
2010

Einladung




Für ganz wenig Geld
gehen wir heute in Zirkuszelt.
Das wird in der Fantasie geschehen,
um neuronale Spiele zu sehen.

Es ist eine Reise hinter die Stirn,
eine Exkursion ins Gehirn.
Es bleibt noch völlig offen,
was wir uns davon erhoffen.

Erinnerungen an einen Gehirnschlag,
Schlaganfall heißt sie auch diese Plag.
Was ist da denn plötzlich los,
der Schaden ist ziemlich groß.

Die Stimme hat die Sprache verloren,
Bewegungen der rechten Seite eingefroren.
Alle Hoffnungen sind beinahe gestrandet
als Stück ohne Wesen in der Stroke Unit gelandet.

Bewegungslos im Bett, an Geräten angeschlossen,
überlebt es stark angehauen, aber unverdrossen
allen Einschränkungen heftig widerstehend,
um bald wieder die ersten Schitte zu gehen.

Doch hilflos muss das Stück sich helfen lassen,
bezahlte Hilfe und Dienst von den Kassen.
Die Beträge sind streng hierarchisiert,
der Chefarzt wird mit Scheinen dekoriert.

Aber daran denkt sie nicht die arme Sau,
heißt es doch: "Geh unter oder vertrau!"
Du liegst nicht allein in diesem Raum da,
fünf andere teilen mit Dir das Trauma.

Wie auf einem Verschiebebahnhof wird rangiert,
nachts werden Betten mit Neuzugängen arrangiert.
So bleiben sich alle Mitleidenden fremd,
keine Zeit, damit einer den anderen kennt.

Der Tod schaut rein mit warmherzigen Gesicht
und gibt dem Leben ein ganz anderes Gewicht.
Es ist doch nun überhaupt nicht zu fassen,
der Tod lässt Dich jetzt ziemlich gelassen.

Und doch unbegreiflich schöner Trost,
da ist ein Mensch, der Dich liebevoll kost!
Zum ersten Mal erfährst Du in Deinem Leben

Nehmen ist seliger denn Geben!


17
Dez
2010

Machen



Was sind das für Sachen,
die wir immer machen.
Warum Feuer entfachen,
Bedürfnisse vervielfachen,
statt Leben zu vereinfachen.

Tragikomödien zum Lachen!


16
Dez
2010

Sichten




Einsicht = Alles Gemeinsame in Einem,
Ansicht = Eines von Vielem meinen,
Rücksicht = Mehr als Eines gelten lassen,
Vorsicht = Zu Vieles auf einmal hassen.

Umsicht = Alle Möglichkeiten behutsam sichten,
Aussicht = Alles nach seinen Möglichkeiten gewichten,
Übersicht = Alles geordnet und möglichst klar sehen,
Nachsicht = Trotz Unvollkommenheiten aufrecht gehen.

Sichten,
belichten,
gewichten,
verdichten!


15
Dez
2010

Selbstbetrug




Wer es in Selbstüberschätzung wagt,
behauptend, dass er Wahres sagt,
den jagd am besten ganz weit fort,
denn er lügt doch mit jedem Wort!

Wer schmeichelnd, heuchelnd spricht,
der achtet den anderen nicht,
sondern will nur Vorteile erschleichen.
Notfalls flennt er auch zum Herzerweichen.

Wer aber Schleimer nicht erkennt,
Verstand nicht sein eigen nennt.
Und wer diese Deppen gar genießt,
aus dessen Hirn nur Dummheit sprießt.


14
Dez
2010

Vor-Sicht




Das gereimte Wort
ist nicht der Ort,
Offenheit zu wagen,
um Wahrheiten zu sagen.

Ich möchte niemanden vergrellen,
aber Reime können auch verstellen,
schönen unter Umständen Worte.
Das wären dann die falschen Horte!

Gedichtete Wahrheiten werden Lügen
und können ihrem Anspruch nicht mehr genügen.
Hallo, aber wer kann es überhaupt wagen,
wirklich unverdeckt die Wahrheit zu sagen?


13
Dez
2010

Abgehauen




Jedes Jahr dasselbe: das Kind kommt zu spät, um sich zu erbauen,
das Christkind ist längst durch das Fenster fliegend abgehauen.
Ein schadenfroh zynisches Lächeln huscht über des Vaters Gesicht.
Kinder, die Bescherung ist eröffnet, nun sagt endlich Euer Gedicht.

Puh, wie langweilig tut das selbst gedichtete Zeug nur klingen,
während doch die Nachbarn wieder einmal längst schon singen.
Das war doch wieder einmal von den Kindern voll daneben,
lange Gedichte voller gequälter Verse nur um anzugeben!


12
Dez
2010

Nein hier!



Aus...

...raus...

fort

das Wort

an seinen Ort

genau dort!

11
Dez
2010

Weg gleich Ziel gleich Augenblick




Gedanken, die aus Gefühlen geboren werden und darin leben, existieren nach innen. Gefühlte Gedanken vertiefen sich, ohne sich dabei veröffentlichen zu müssen. Aus Gefühlen geborene Gedanken brauchen also keine Worte, um den Verstand zu befriedigen. Wenn sie aber die Vernunft berühren, dann werden sie über Jahre körperlich erfahren, machen gesund oder krank.

Reflexionen werden, für den Verstand unzugänglich, unbewusst erfahren. Manches Mal lässt sie ein geglückter Traum bewusst werden. Dem Bewusstsein erscheint das dann vielleicht in Gestalt einer Idee. Der Verstand empfindet sich zum Denken herausgefordert. Die Seele lässt tiefe Fragen suchen, um den wesentlichen Beweggrund zu ergründen. Der Vorhang zur Sprache öffnet sich und die Nachgeburt einer hemmungslos ichbezogenen Mutter fällt als lebenslänglicher Zweifel ab. Manche Wesen erfahren sich dabei nie nur als Schatten einer unbarmherzig gefräßigen Mutter.


10
Dez
2010

Neuronale Konferenz




Eines Tages taucht ein Neuron aus der Tiefe neuronaler Strukturen auf. Es erfährt dieses Erscheinen wie das Erwachen aus einem intensiven Traum. Woher sollte es denn auch wissen, dass aus ihm soeben ein höchst schöpferisches Teilchen des Gehirns entstanden und zu Bewusstsein gekommen ist? Jedenfalls kommt dieses Neuron des Gehirns soeben zu sich. Da es über keinerlei Verbindungen zu Erfahrungen verfügt, vermag es mit der Situation überhaupt nichts anzufangen. Der einzige Gedanke besteht in der Frage, warum es eigentlich glaubt, geträumt zu haben. Das Neuron überlegt, dass es ein Traum gewesen sein muss. Schließlich hat es doch das Gefühl, sich in einer anderen Wirklichkeit befunden zu haben. Da ihm aber bei aller Anstrengung keine Bilder bewusst werden, die helfen könnten, zu zeigen, was sonst geschehen sein könnte, versucht das Neuron gleichsam instinktiv, sich zu beruhigen und die Gefühle von tiefer Gelassenheit zuzulassen.

Es wäre falsch anzunehmen, dass das neu geborene Neuron bereits über das Wort „Traum“ verfügt. Natürlich dient dieses Wort allein der Beschreibung, um wenigstens in etwa von außen her zu vermitteln zu können, welche gefühlsmäßige Situation die Erfahrung der neuronalen Geburt bestimmt.

Das ist Spekulation! Natürlich, ich war ja nicht dabei! Es ist also introspektive Spekulation. Ich nehme einfach das wahr, was mir das Spiel der Neuronen an Erinnerung vorstellt. Ich nehme sogar an, dass es bei allen neuronalen Geburten vergleichbar zugeht.


9
Dez
2010

Alle Tage Zirkus




Manegen unseres Zirkus finden wir überall. Akrobatik, Clownerei, Zauberei, Dressuren, Träume touren durch unser Dasein. Der Zirkus gastiert in Jedermann’s Kopf. Unseren Auftritt im Zirkus der Welt erfahren wir zumeist ahnungslos als Existenz. Clowns philosophieren über unser Dasein und spielen uns unsere Rollen vor. In ihrem Spiegel kommen wir uns selbst so lächerlich vor, dass wir unwillkürlich über uns lachen, ohne das zu merken.

Unter dem Zirkuszelt des Alltags spielen wir unsere Rollen. Wir inszenieren uns selbst. Der Zirkusdirektor betrachtet amüsiert, wie unglaublich wichtig wir uns nehmen. In unserer Eitelkeit haben wir allein das Sagen. So glauben wir und tragen mit großem Ernst uns und anderen unsere Rollen vor.

Lange bevor der Bus kommt, behaupten deutsche Clowns ihren Platz, drängeln sich zum Ergötzen ihrer englischen Kollegen dann auch noch vor. Betreten sie mit ihrer Karte des bezahlten Anspruchs den Großraumwagen eines ICE, in dem noch alle Plätze außer ihrem frei sind, dann freuen sie sich auf ihren Auftritt. Genüsslich rechthaberisch fordern sie das alte Rentnerpaar auf, ihre unberechtigte gerade mit Kaffee und selbst gebackenen Marmorkuchen eingerichtete Gemütlichkeit aufzugeben und zwei andere der vielen noch freien Plätze einzunehmen. Die beiden altersweisen Artisten lächeln angesichts solch grandioser eitler Sturheit und räumen schwerfällig das Feld. Kein Publikum applaudiert den heruntergekommenen Inhabern ihres fragwürdigen, ungezogenen Anspruchs. Eine ganz gewöhnliche zirzensische alltägliche Demonstration eines verlorenen Machtanspruchs.
Eines Tages saß ich im großen leeren Lehrerzimmer einer Flensburger Gesamtschule, um auf meinen Praktikanten zu warten. Da betrat ein Lehrer den Raum, steuerte auf mich zu: "Entschuldigen Sie bitte, Sie sitzen auf meinem Platz!"


8
Dez
2010

Dichten




Worte Bilder schenken,
Bilder Gedanken lenken,
mehr als Augen sehen,
in des Seins Wesen gehen.

Worte Einsichten geben,
Bilder nach Offenheit streben.
Gedichte Ideen tragen,
die Dich zu wecken wagen.

Worte und Bilder zusammen,
die stärkste Mauer rammen,
bis der Widerstand fällt
und inneres Licht die Nacht erhellt.

Worte aus Wörtern dichten,
Bilder aus Träumen lichten,
Visionen wie aus Nichts heben,
damit Totgeglaubte wieder leben.


7
Dez
2010

Kunst




Kunst schafft mehr als Wissenschaft,
weil sie auch anschaulich macht.
Denn Gedanken brauchen Bilder
und nicht nur Worte als Schilder.

Worte weisen Gedanken Wege.
Gedankenwege sind Stege,
die über den Strom der Zeit führen
und das zeitlose Unendliche berühren.

Aber erst Bilder schaffen Welten,
die mehr als Begriffe gelten.
Und doch sind auch Bilder Definitionen,
die Gedanken mit Leben belohnen!


6
Dez
2010

Der Clown




Im Zirkus eine wichtige Gestalt,
der Spaßmacher für Jung und Alt.
Spiele mit Möglichkeiten,
nur unverbindliche Kleinigkeiten!

Ernsthafte Spiele des Lebens
lächerlich und vergebens,
Probehandeln doch nur,
im Chaos dem Zufall auf der Spur!

Akrobat der schönen Möglichkeiten,
geträumt verspielte Eitelkeiten.
Manche gebären vielleicht Ideen,
andere wie im Winde verwehen.

Es ist wirklich gar nicht sehr viel,
was der Clown zaubert aus seinem Spiel.
Und dann er fröhlich lacht,
wenn er sich 'was ausgedacht!


Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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