3
Jul
2010

Zen - Lehrgespräche (5)


Gesang der Geister

Vor allem Anfang von allem existierte nur die Einheit von Information und Energie: Information = Energie. Das war auch die für uns unvorstellbare Einheit von Geist und Materie: Geist = Materie. Diese Einheit war die Gestalt des Nichts. Als der Geist mehr als die Materie wurde, begann alles aus Nichts zu werden: Geist > Materie = Schöpfung aus dem Nichts, indem mögliche Möglickeiten zu wirklichen Möglichkeiten werden, aus denen sich mögliche Wirklichkeiten gestalten und zu Wirklichkeiten werden, indem Energien informiert werden. Da alles Seiende aus informierter Energie besteht und infolgedessen als Materie erscheint, offenbart jedes Phänomen auch diese Information. Während sich die Materie verändert und vergeht, bleibt deren Information natürlich erhalten. Das bedeutet: Indem Materie vergeht, nimmt sie sich wieder als Geist an und kehrt als Einheit von Geist und Materie in ihren Ursprung zurück, um dann wieder geboren zu werden!



Yiya sann immer wieder über dieses schöne Gebet nach und währenddessen erfuhr er die Wahrheit des Gebets als tiefe Verehrung der inneren und äußeren Natur. Während ihn diese Besinnung beschäftigte, bemerkte er gar nicht, wie sich ihm eine wunderschöne schwarzhaarige junge Frau genähert hatte. Erst als er sie ansieht, bemerkt er ihren tiefen überaus bösen Blick und dann auch die ganze Hässlichket, die sie ausstrahlt. "Wer bist Du?", fragt Yiya erschrocken. "Yiya, Du brauchst Dich vor mir nicht zu erschrecken. Ich bin YinYan, Deine Mutter. Man nennt mich die Frau mit dem bösen Blick!" Da erinnert sich YiYa an das, was ihm über seine Mutter erzählt wurde. Sobald aber diese Erinnerungen bewusst werden, vergisst er seinen auserwählten Namen als Novize und kehrt in die verlassene Gegenwart zurück. Völlig irritiert betrachtet Yi seine Mutter. Diese, hoch erfreut darüber, dass die verhassten Mönche ihren Novizen an sie verloren haben, umarmt ihr Kind voller Hassliebe. Und sie hegt schlimme Gedanken über die Zukunft ihres Sohnes.

2
Jul
2010

Zen - Lehrgespräche (4)


Viertes Lehrgespräch

Yiya sitzt am Ufer des Flusses und ist in Gedanken über das Loslassen versunken. So sehr er sich auch bemüht, diese Gedanken loszulassen, es will ihm einfach nicht gelingen. Schließlich verfällt er auf den Gedanken, sich mit möglichst vielen Gedanken auf einmal zu beschäftigen. Zwar verschwammen sie alle in seiner Vorstellungen, aber er wird sie dennoch nicht los. Schließlich kommt der Zen-Meister des Weges und spricht ihn an:

"Yiya, was fesselt Dich denn so sehr?" "Nichts!" antwortet Yiya. Ensô erstaunt: "Du sahst nicht aus wie jemand, der in tiefer Meditation versunken ist!" "War ich nicht, denn mich beschäftigte das Loslassen so sehr, dass es mich nicht mehr losließ!" Ensô leicht irritiert: "Du hast offensichtlich nicht verstanden, was ich gesagt habe. Denn um loslassen zu können, muss man im Nichts zu Hause sein!" Yiya will selbstverständlich erfahren, welcher Weg dorthin führt. Ensô: "Es ist derselbe Weg, der den Urknall erzeugt hat. Ich will Dir diesen Weg wenigsten kurz schildern. Vor allem Anfang von allem existierte nur die Einheit von Information und Energie: Information = Energie. Das war auch die für uns unvorstellbare Einheit von Geist und Materie: Geist = Materie. Diese Einheit war die Gestalt des Nichts. Als der Geist mehr als die Materie wurde, begann alles aus Nichts zu werden: Geist > Materie = Schöpfung aus dem Nichts, indem mögliche Möglickeiten zu wirklichen Möglichkeiten werden, aus denen sich mögliche Wirklichkeiten gestalten und zu Wirklichkeiten werden, indem Energien informiert werden. Da alles Seiende aus informierter Energie besteht und infolgedessen als Materie erscheint, offenbart jedes Phänomen auch diese Information. Während sich die Materie verändert und vergeht, bleibt deren Information natürlich erhalten. Das bedeutet: Indem Materie vergeht, nimmt sie sich wieder als Geist an und kehrt als Einheit von Geist und Information in ihren Ursprung zurück, um dann wieder geboren zu werden!"

Yiya ist sehr beeindruckt von dieser kurzen Schilderung von der Wiederkehr des immer Gleichen. Und er erkennt jetzt, dass Loslassen in Wahrheit empfangen bedeutet.

1
Jul
2010

Zen - Lehrgespräche (3)


Drittes Lehrgespräch

Leidenschaft schafft Leiden. Sinneseindrücke hinterlassen Spuren im Gedächtnis. Diese Spuren erzeugen unter Umständen Gefühle, die wieder an diese Sinneseindrücke erinnern und Wünsche schaffen, diese Sinneseindrücke noch einmal zu erfahren. Die Sehnsucht nach Erleben wächst.

Yiya: "Warum ist es so wichtig, sich im Loslassen einzuüben?"
Ensô: "Deine Frage schon belehrt mich, bei der Beantwortung sehr behutsam vorzugehen. Deine Frage erkundigt sich nach dem Sinn. Dein Denken ist noch nicht im Augenblick. Es geht über das Jetzt hinaus in ein Danach. Dein Sinn- und Zweckdenken lässt Dich noch nicht im Augenblick verweilen. Und weil Du noch nicht loszulassen vermagst, kannst Du das Loslassen als Vorgang nicht erfahren, geschweige denn begreifen, und Du musst Dich nach dem Sinn und Zweck erkundigen.

Gut, ich will Dir trotzdem zu antworten versuchen. Loslassen von allem bedeutet Freiheit. Nur der Mensch ist wirklich frei, der nichts begehrt. Aber das ist Utopie, denn schon das Streben nach Freiheit widerspricht dem Loslassen. Aus diesem Grund wird der Weg, Nichts zu denken, nach einiger Zeit des Einübens einfacher. Das kommt dann letztlich dem Loslassen des Loslassens nahe."

30
Jun
2010

Zen - Lehrgespräche (2)


Zweites Lehrgespräch

Ensô liebt die frühen Stunden des Morgens. Noch bevor die Sonne hinter den Bergen hervorlugt, macht sich Yiya auf den Weg, weil der Zen-Meister ihn zu einem weiteren Lehrgespräch eingeladen hat. Unterwegs überlegt sich Yiya, ob er die Frage zum Unterrichten auch seinem Zen-Meister stellen kann und was ihm dieser wohl dazu antworten wird.
Nach der Tee-Zeremonie fragt Ensô den jungen Novizen, warum er die Frage nicht stelle, mit der er sich schon die ganze Zeit beschäftige. Yiya errötet und stellt dann doch die Frage nach dem Unterrichten. Statt diese Frage zu beantworten, erzählt Ensô ihm eine Geschichte von einem ebenfalls sehr jungen Novizen, der ihn zum Lehrer haben wollte: „Als dieser Novize nach einer sehr sehr langen Wanderung endlich bei mir ankam, um erleuchtet zu werden, befahl ich ihm den Hof zu kehren. Als er damit fertig war und wiederum fragte, was er tun soll, sagte ich ihm: ‚Kehre den Hof!‘. Das wiederholte sich so lange, bis der junge Novize verstand, dass er die Erleuchtung nicht von mir empfangen konnte, sondern allein in sich selbst finden musste. Da bedankte er sich, verabschiedete sich, um den langen Rückweg nach Hause anzutreten.“

Yiya sann darüber nach, was diese Geschichte mit seiner Frage zu tun haben könnte. Ensô erkennt diese Gedanken Yiyas und sagt zu ihm: "Wenn Du den Anspruch erhebst, andere zu unterrichten, beanspruchst Du zugleich, ihnen voraus zu sein. Andere dürfen Dir nicht nachlaufen, um sich von dir unter eine Richtung zwingen zu lassen. Nichts Anderes will uns das Wort 'Unterricht' sagen. Unterricht unterdrückt die Fähigkeit der Selbst-Bildung. Wenn Du Dich als Novize in die Hände eines Mönches begibst, verzichtest Du ausdrücklich auf Dein Selbst und unterwirfst Dich, um Dich von Dir selbst zu befreien. Denn Mönch werden bedeutet Selbst-Befreiung. Wer sich unterrichten lässt, will aber nicht Mönch werden, sondern den Zielvorstellungen einer Gesellschaft nachlaufen. Diesen Lebenslauf nennt man Karriere. Der junge Novize, von dem ich Dir erzählte, wollte die Karriere als Mönch haben. Diesen Widerspruch musste er selbst erkennen. Und Dir möchte ich sagen, dass Du mehr Achtung vor Dir haben sollst. Höre und achte mehr die Fragen, die sich Dir stellen. Es sind deutliche Regungen Deines Selbst. Die Selbst-Regung der Frage nach Unterricht weckt in Dir die Frage nach einer Möglichkeit der Eitelkeit. Schon dass Du Dich mit dieser Frage beschäftigst, sagt Dir und mir alles. Denke darüber nach!" Nach diesen Worten begibt sich Ensô in den Tempel, um zu beten.

"Die Zeit heilt keine Wunden, sondern lässt die Spuren der Erinnerung verblassen!
Die schlechte Tat eines Menschen wird nicht dadurch besser, dass Zeit vergeht!
Vergessen heilt nicht, sondern vergiftet das Jetzt!
Lass unser Ich sein Selbst klären, statt zu vergessen!"

29
Jun
2010

Zen - Lehrgespräche (1)


Zen bedeutet meditative Versenkung. Das visuelle Symbol ist der Kreis, das japanische Symbol für Erleuchtung, Stärke, Eleganz. Es steht für das Universum und die Leere. Der Zen-Meister Ensô schöpft seine Leere aus der Kraft der Erleuchtung, in der er die vollkommene Leere schaut. Seit Jahren hat er Schüler, die ihn von überall in der Welt her besuchen. Der Novize Yiya erhielt von ihm als erster Novize in Kyoto die Erlaubnis, die Lehrgespräche des Meisters aufzuzeichnen. Einige dieser Lehrgespäche dürfen hier wiedergegeben werden.


Erstes Lehrgespräch

Yiya: "Meister, ich habe Dich vor Jahren aufgesucht, weil ich die Fülle der Leere nicht mehr ertragen konnte!  Du hast mir das Dritte Auge geöffnet und mich schauen lassen, was mich so sehr belastet. Und ich habe erfahren, dass Niedergeschlagenheit das innere Leben zu Boden drückt bei dem, der versucht, das Wesen ohne die Liebe zur Kunst zu schauen!"
Ensô: "Den stärksten Halt schenkt uns das Frei-Sein von allem. Den stärksten Halt findest Du, indem Du nichts mehr festhälst. Es ist ein langer Weg des Loslassens, bis Du endlich, frei von allen bindenden Gedanken, das Nichts schauen darfst!"
Yiya: "Woran erkenne ich, dass ich so weit bin?"
Ensô lächelt und sagt: "Das ist überaus einfach. Wenn Du die Sprache der Tiere und Pflanzen verstehst, dann bist Du auf dem wahren Weg!"

Ensô setzt voraus, dass er von Yiya auf Grund von Erfahrung verstanden wird. Das ist auch der Fall, denn Yiya vermag in den Augen eines Tieres intuitiv zu lesen, was es zum Ausdruck bringen möchte. Aber er ist unzufrieden, weil er nicht zu vermitteln vermag, was er ganz deutlich empfindet, was ihm ein Wesen mitteilt, dem er in die Augen blickt. Nie empfindet er einen Augenblick so intensiv wie bei diesem Augen-Blick. So beschließt er, seinen alten Lehrer aufzusuchen, um diesen um Hilfe zu bitten. Dieser alte Lehrer fragt den jungen Novizen zuerst nach dem Beweggrund für den Wunsch, überhaupt vermitteln zu wollen. Nachdem ihm Yiya das zu erklären versucht hat, erklärt ihm der Lehrer, dass viele in jungen Jahren glauben, anderen etwas Wichtiges aufdrängen zu müssen. Wenn diese langen Jahre des Predigens endlich vorbei sind, fangen sie an bockig und trotzig zu argumenieren, ohne damit auzufallen. Das sind die Jahre des engagierten Verkaufens, nach denen die meisten von ihnen aufgeben. Nur wenige erkennen, dass sie weder als Prediger noch als Vertreter erfolgreich sein können. Die hohe Kunst des Unterrichtens besteht darin, nichts zu sagen. Unterrichten können bedeutet, zu zeigen vermögen. Zeige anderen solche Augen-Blicke, denn sie haben wie Du von der Natur die Gabe zu verstehen.

28
Jun
2010

Das andere Bewusstsein Folge 8


Die Illusion allen Seins

Die Eremitin geht auf Ur zu. "Mit wem hast du gesprochen?
Ich habe hier nämlich noch nie jemand angetroffen, mit dem ich hätte sprechen können!"
"Hast du den weißen Vogel nicht gesehen?"
"Ach, du meinst meinen Papagei, dieser kleine Schalk! Ja, er ist ein großer Geschichtenerzähler. Sein Hobby sind Anekdoten aus dem Jenseits. Die hat ihm der alte Buddhist, der dort drüben auf einem Baum wohnt, beigebracht. Der alte Schelm hat es wirklich hinter den Ohren!"
Ur schämt sich dafür, dass er auf den Kakadu hereingefallen ist. Andererseits findet er auch, dass es ihm ganz recht geschieht, so leichtgläubig wie er ist. Die Eremitin fragt ihn, ob er auch etwa so mit den Vorspiegelungen seiner Fantasie umgeht. Ur befürchtet, dass es so ist und fragt die Eremitin, was er gegen Täuschung tun kann.
"Warum willst Du dagegen etwas tun? Das Leben des Menschen gestaltet sich als Illusion. Wahrnehmen ist ein das Wahre Nehmen und was richtig Gutes daraus machen. Was glaubst du denn, warum ich als Eremitin lebe? Ich möchte in Ruhe träumen, wozu ich Lust habe, ohne mich von denkfaulen und fantasielosen Menschen beklauen zu lassen. Manche finden meine Einsamkeit so großartig, dass sie in Verehrung verfallen. Dabei habe ich außer Nichts nichts, das ich ihnen geben könnte. Aber bedenke, gerade das Nichts macht die Unschuld des Werdens aus!"

27
Jun
2010

Das andere Bewusstsein Folge 7


UR und der weiße Vogel

Während der Heilige doch von der Schrift der Eremitin sichtlich enttäuscht sich auf den Heimweg macht, lässt sich ein großer weißer Vogel auf einem Busch am Rand des Feldweges nieder und spricht Ur an: "Ur, was hast du von einer gottlosen Eremitin erwartet. Weil Du selbst voller Zweifel bist, hofftest Du, von ihr etwas Zuverlässigeres über Deinen Gott zu erfahren. Und sie? Stattdessen zeigt sie Dir das älteste Buch aus dem alten Indien über die Zwölf Gebote über die menschliche Natur. Warum also zeigst Du Dich unzufrieden?" Ur muss für sich erst einmal klarmachen, dass da ein Vogel zu ihm gesprochen hat. In seiner Niedergeschlagenheit ist er schon wieder in Gefahr, an ein Wunder zu glauben. "Wer bist Du, dass Du zu mir sprechen kannst?" "Störe Dich nicht an der Oberflächlichkeit meiner Gestalt. Ich bin eine buddhistische Seele aus der Welt danach. Ich sehe Dein großes Problem. Du möchtest irgend etwas ganz Besonderes sein und so hast Du Dich aufgrund Deiner religiösen Erziehung tüchtig verlaufen und möchtest so ein eitler Heiliger sein. Aber ich kann Dir versichern, dass das, wonach Du suchst, nirgendwo in der Welt danach existiert. Dort existieren wir alle rein geistig und gestaltlos. Ich habe nur die Gestalt eines weißen Vogels angenommen, weil Du Vögel magst. Das war ein Tipp des buddhistischen Mönches Franz von Assisi, den Du ja auch sehr verehrst." Der Heilige war zu überrascht, als dass er diesem Wesen widersprechen wollte. Aber Franziskus als Buddhisten zu bezeichnen, das schien ihm doch zu großzügig ausgelegt. Stattdessen wollte er von diesem Wesen sehr viel lieber wissen, warum es denn in der Welt keinen Gott finden könne. Also erkundigte er sich. Und das Wesen antwortet ihm: "Um in dieser meiner jetzigen Welt etwas finden zu können, musst Du ganz genau wissen, wonach Du suchst. Und was Ihr in Eurer Welt noch Gott nennt, das kann hier niemand finden. Das jedenfalls scheint es hier nicht zu geben. Selbst Platons sehr viel bescheidenere Gestalt der höchsten Idee des Guten ist hier vollkommen unbekannt. Ich empfinde es hier überhaupt als äußerst angenehm, dass die ganzen irdischen Spinnereien sich ins Nichts aufgelöst zu haben scheinen. Hier gibt es nämlich absolut nichts, woran irgend jemand glauben würde. Selbst Eure Heiligen konnten ihren irdischen Glauben an einen Gott mit himmlischer Leichtigkeit ablegen und keiner von ihnen erwartet noch so etwas wie einen Vater oder eine Mutter im Himmel. Nein, nein der Himmel ist gottlos und engelfrei!"
Ur fiel es schwer, das anzunehmen, was er hier hörte.
Da der Heilige sich noch ganz in der Nähe der Eremitage befindet, hört die Eremitin das Gespräch. Der Vogel spürt, dass sie sich nähert und entschwindet gleichsam ins Nichts.

26
Jun
2010

Das andere Bewusstsein Folge 6


Buch UR Kapitel 1

In den ersten Stunden des frühen Morgens begibt sich Ur zur Arche der Prophetin. Sie hat ihm ein heiliges Buch versprochen, das ihm helfen sollte, seine Seele und seinen Geist zu vereinen, damit das Glück in sein Herz einzukehren vermag. Ur fühlte sich nicht unglücklich, bevor er die Prophetin zum ersten Mal traf. Diese aber sagte ihm, dass ihm das innere Licht dazu fehlt und er so keine Einsicht haben könne. Und er erfuhr von ihr, dass das Glück in der Einicht bestehe, so wie es in ihrem Buch der Weiseit geschrieben steht: "Das Glück ist die eine Sicht, dass alles eins ist." Ur wollte daraufhin mehr über dieses Buch in Erfahrung bringen. Und so brach er in den frühen Morgenstunden dieses ersten Sommertages auf, um sich auf den Weg zur Arche zu machen. Unterwegs sammelte er Beeren in seinem selbst geflochtenen Korb, denn er wollte nicht ohne Geschenk bei der alten Prophetin erscheinen. Gegen Abend endlich näherte er sich der Höhle der Einsiedlerin, die ihn bereits mit einem kleinen Abendessen erwartet. Danach begeben sie sich in die kleine Kapelle neben der Höhle, in der die alte Einsiedlerin haust. Nach ihrer Abendmeditation überreicht sie Ur die Bibel. Gleich im 1. Kapitel liest er über die Gebote des Lebens:

Erstes Gebot: Du sollst das Wesen einer jeden Erscheinung wahren, also alles genau wahrnehmen, sorgfältig betrachten, geduldig beobachten, eindeutig begreifen und sehr kritisch prüfen.
Zweites Gebot: Du sollst alle Eigenschaften einer Erscheinung unvoreingenommen und in großer Gelassenheit annehmen.
Drittes Gebot: Du sollst Dich stets einer Erscheinung gemäß angemessen verhalten und ein natürliches Verhälnis zu allem haben.
Viertes Gebot: Du darfst Dich niemals grundlos verhalten.
Fünftes Gebot: Du darfst Dich von niemanden nur als Mittel zu seinem Zweck einsetzen lssen.
Sechstes Gebot: Du sollst alles verantworten können, was Du verursachst.
Siebtes Gebot: Du sollst die Wirkungen Deines Verhaltens mit gutem Gewissen vertreten können.
Achtes Gebot: Du sollst stets den Umständen angemessen handeln.
Neuntes Gebot: Du sollst deine Methoden und Strategien sorgfältig auswählen und bescheiden einsetzen.
Zehntes Gebot: Du sollst über alles maßvoll entscheiden.
Elftes Gebot: Du sollst niemals die Flüchtigkeit allen Seins vergessen.
Zwölftes Gebot: Du sollst alles an seinem eigenen Ort belassen, weil nichts ohne Boden seine Höhe erreichen kann.

Ur schließt das heilige Buch des Lebens, um über das nachzudenken, was er gerade gelesen hat. Die alte Eremitin bemerkt seine Überraschung und fragt ihn nach dem Grund. "Ich habe die Gebote des Gottes erwartet und finde die Gesetze natürlichen selbstverständlichen Verhaltens!" Die Eremitin sagt zu ihm: "Ich kenne keinen Gott, der Menschen Gebote aufbürden würde! So etwas wünschen sich zwar manche Menschen in ihrer Hybris, aber alle Gebote dieser Art haben sie selbst erfunden!"

25
Jun
2010

Das andere Bewusstsein Folge 5


Gebet der Eremitin

Komm Schöpfer Geist, kehr bei mir ein,
Lass mich, die Kunst, die Künstlerin sein.
Zeige mir, der so ganz und gar unfrommen,
woher alle meine verrückten Ideen kommen!

Lass mich weiter besessene Künstler schaffen
und Wissenschaftler, die irritiert ihr Nichts begaffen.
Lass viele viele Philosophen ihre Wahrheiten kriegen
und mit all den anderen Evangelien die Welt belügen!

Lass uns weiterhin Vertraute und Geliebte bleiben.
Lass uns weiterhin Irrlichter und Lügen vertreiben.
Lass uns weiterhin machen, dass Menschen glauben.
Lass uns sie weiterhin ihres bisschen Seins berauben!

Amen.

24
Jun
2010

Das andere Bewusstsein Folge 4


Bekenntnis einer Eremitin

Ich bin vor Urzeiten und vor jedem Gott geboren. Ich bin die Seele aller schöpferischen Kräfte. Ohne mich lässt sich zwar alles schaffen, aber nichts gestalten. Ich lasse Menschen feige verstummen oder mutig reden. Als Mutter einer jeden Möglichkeit bestimme ich, was wie wirklich werden kann. Alle behaupten, mich zu kennen, aber die meisten wollen ihr Leben nicht mir teilen. Es ist ihnen zu mühselig. So habe ich für die faulsten und wirklich verlogenen von ihnen die Ausrede für ihre Lebenslüge geschaffen. Damit können sie vor jeder Anstrengung flüchten und andere auch noch dafür verantwortlich machen.
Wer aber die Schönheit des inneren Lichts nicht scheut, der bleibt bei mir, wenn der Tag sich neigt und der Abend wieder einmal die Nacht ohne die Sonne der Ideen verkündet. So habe ich der schönsten Jahreszeit alle Lebensfreude geschenkt. Damit Ihr mich nicht vergesst, lasse ich die schönen Tage immer mehr schwinden, bis Euch der Winter endlich sagt, dass ich wiederkomme und alles neu gestalte.
Viele halten mich für eine Rabenmutter, weil ich Euch die Wahrheit genommen habe. Viele nehmen mir übel, dass ich dafür die falsche Richtigkeit der Wissenschaften erfunden habe. So können sie sich mühen so viel wie sie wollen. Sie bleiben im schönen Schein ihrer Einbildung verfangen, gefangen und gefesselt von den Irrlehren ihrer verlogenen Wahrheiten. Das, was Euch allein zu befreien vermag ist die Liebe, die mich, die Kunst, gezeugt hat.

23
Jun
2010

Das andere Bewusstsein Folge 3


Die Eremitin

Ich habe mich dem Umtrieb des Alltäglichen entzogen.

Angezogen vom tiefen Schweigen der Natur, sehe ich jene, welche zu mir kommen.

Sie beschenken mich in der Einsamkeit des zurückgezogenen Lebens mit dem göttlichen Licht des Schöpferischen.

Du fragst um Rat, weil Du nicht glaubst, dass alles einst in ewiger Dunkelheit versinken soll.
Heilige, denen ich begegne, flüstern mir zu, dass sie ihrem Gott noch nie begegnet sind. Sie vermuten, dass er sich nicht schauen lassen will, damit sie überleben können.

Warum sonst?

22
Jun
2010

Das andere Bewusstsein Folge 2


Das andere Bewusstsein verflüssigt sich
… ins Werden der Zeit zerflossen ...

das Ich von den Energien des Selbst umflossen,
inmitten eines Strudels willkürlicher Erziehung.

In sich durch sich so sich entdeckend.
Halt in der Haltlosigkeit, Wesen im Werden.

Ich bin, indem ich unaufhörlich werde!

21
Jun
2010

Das andere Bewusstsein Folge 1


Unsere Wirklichkeit zeigt sich einzig und allein durch jenen Spalt, welchen wir Bewusstwerden nennen. Eine Zeittäuschung gaukelt uns die drei Zeitformen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vor. In Wahrheit ist die Zeit ein Fluss, von dem schon Heraklit vor zweieinhalb Jahrtausenden sagt, dass jeder Augenblick unwiederholbar erscheint. Ein Augenblick ist die kürzeste, unbenennbare Zeitspanne des Bewusstwerdens. Bervor wir auch nur „jetzt“ sagen können, ist das Jetzt auch schon längst vorbei. Dennoch spiegelt uns das Gehirn 'Dauer' vor und lässt uns sogar von „Bewusstsein“ statt „Bewusstwerden“ reden. Wir fantasieren von Aufenthalten in der Zeit, aus denen wir sogar Termine gestalten. Das Terminieren und damit das Erstarren-Lassen von Zeit macht aus Sowerden Dasein und schafft endgültig einen Eindruck von Bleibe im Strom der Zeit. Wir vergessen gar, dass wir uns inmitten eines schnell fließenden, sich rasant verändernden Raumes fortbewegen und dabei selbst große Mühe haben, Halt zu finden. Das gelingt allein mit Hilfe der Fantasie. Der Mensch markiert seine Zeit durch Zeichen. Er nennt diese Zeichen Sprachzeichen. Indem der Mensch zur Sprache kommt, findet er ein Medium, um für sich wertvolle Augenblicke fließender Zeit in seinen nun wiederholbaren Vorstellungen festzuhalten. Er kann jetzt von seinem Leben sogar erzählen. Er kann sagen, wie alles gewesen ist, ohne auch nur einen Augenblick wirklich voll und ganz erlebt zu haben. Der zur Sprache gebrachte Traum vom eigenen Erleben erlaubt als Biografie sogar das Taxieren und Bewerten durch andere. Bei guten Noten gibt es die Zulassung zu einer Karriere. Manche verweigern sich diesem Notendienst und unterwerfen sich keinem Machtgehabe. Sie versagen sich dem Frondienst und pflegen einen seltsamen tiefen Glauben an persönliche Freiheit. Trotzdem, manche entgehen dem Versagen, obwohl sie sich selbst versagen und allem sonst so Wichtigen entsagen. Einigen gelingt es sogar, in den natürlichen Fluss der Zeit einzutauchen, um sich darin sich selbst werdend zu verwirklichen. Von einem solchen Eremiten lassen wir uns vom „anderen Bewusstsein“ erzählen.

20
Jun
2010

Jenseits (5)


Schutzengel betreuen Seelen nicht nur im Jenseits, sondern begleiten sie auch durch das Diesseits. Aber sie geben sich dabei gewöhnlich nicht zu erkennen. Doch es gibt Menschen, die behaupten Engel sehen und sogar für ihre Ziele einsetzen zu können. Sie schreiben darüber sogar mehrere Bücher. Aber so wie man den eigenen Geist nicht sehen kann, so lassen sich auch nicht reine Geistwesen wie Engel anschauen. Folglich handelt es sich bei der Schau von Engeln um reine Fantasien. Grundsätzlich ergeben sich auch Visionen allein aus einem asketischen oder streng beschaulichen Leben. Auch strenge Wissenschaft ist gewohnt, insbesondere als Naturwissenschaft bzw. theoretische Physik, über die Grenzen des Diesseitigen hinaus zu sehen. Philosophen tun das sogar von Berufs wegen. Die Prüfung, ob jemand klar sieht, ist die Antwort auf die Frage, ob er klar denkt. In Bezug auf mich lässt sich die Antwort hier im Begriffskalender leicht finden. Manche, die mich nur oberflächlich kennen, werden meinen, dass das alles nicht zu mir passt; dann mögen sie sich durch folgenden Link eines Besseren belehren lassen und das nachlesen, was über Totzeit im Begriffskalender steht.

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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