16
Mrz
2009

Das Kopfschmerzmittel DT oder A.H.S.

lebensmittel_information
Täglich erscheinen Tausende  wissenschaftlicher Publikationen in der Welt und das Wissen verdoppelt sich alle paar Jahre. Im Internet existieren viele derartiger Statistiken mit recht unterschiedlichen Zahlen. Was haben wir eigentlich davon zu wissen, dass täglich vielleicht 100.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen erscheinen und dass das gesamte Wissen in der Welt sich alle ein oder zwei Jahre verdoppelt. Warum stellen wir eigentlich solche Statistiken auf mit Zahlen, mit denen niemand etwas anzufangen weiß. Und wenn wir jeden Monat mehrere Bücher lesen und brav alle wissenschaftliche Dokumentationen im Fernsehen anschauen, werden wir im Grunde auch kaum schlauer.

Warum also nehmen wir Information überhaupt auf? Das geschieht nicht etwa, um das Gehirn zu beschäftigen, sondern vielmehr deshalb, weil unser Gehirn Information braucht, um sich am Leben erhalten zu können. Information ist also ein Lebensmittel für unser Gehirn. Diese Lebensmittel sind überall dort zu haben, wo sich viele Menschen aufhalten. Und wie alle Lebensmittel so richtet sich auch bei diesen der Preis nach der Qualität. Wer diese Lebensmittel bewusst verzehrt, weiß auch zu sagen, wie sie schmecken. Da man nicht immer am Geschmack erkennen kann, ob Information einem bekommt oder nicht, existieren Lebensmittelgesetze, die zwar nicht von Behörden, aber immerhin doch in dafür eigens vorgesehenen Einrichtungen verwaltet werden. Wie bei Lebensmitteln für den Körper kann auch der Verzehr von Information dazu führen, dass wir zunehmen oder abnehmen. Wir können sogar verhungern, wenn wir gehaltlose Information zu uns nehmen. Weil wir Information zum Leben brauchen, sollten wir uns schon darüber Gedanken machen, was wir eigentlich zu uns nehmen.

Unter den Lebensmitteln gibt es solche, welche Stoffe enthalten, die abhängig machen. Ist der Anteil abhängig machender Stoffe sehr hoch, dann werden diese Mittel nicht mehr Lebensmittel, sondern Rauschmittel oder Drogen genannt. Ich möchte das einmal an einem Mittel klar machen, dass gemeinhin als Heilmittel gilt. Es handelt sich um das Kopfschmerzmittel A.H.S., das auch unter der Markenbezeichnung DT vertrieben wird. Besonders beliebt ist dieses Mittel unter jungen Lehrern und Lehrerinnen, die ihr sogenantes Referendariat absolvieren.

Um die Wirkung von DT verstehen und es dann gegebenenfalls selbst einnehmen zu können, soll ein sehr häufig vorkommender medizinischer Fall herangezogen werden. Aus rechtlichen Gründen wurde der Name des Referendars verändert. Nennen wir ihn also einfach Hans-Peter. Ich habe mich für Hans-Peter deshalb entschieden, weil sein Fall unter den Fachleuten als typisch oder ganz normal gilt.

Um die Wirkung von DT bei Hans-Peter zu verstehen, muss man etwas auf dessen Verhalten eingehen. Hans-Peter hat vor kurzem sein erstes Staatsexamen an der Universität mit Erfolg abgelegt. Während seines Studiums ist Hans-Peter nie sonderlich aufgefallen. Er hat brav seine Praktika absolviert und sich fleißig gezeigt. Hans-Peter hat den Beruf des Lehrers weniger aus Überzeugung als vielmehr aus Verlegenheit gewählt. Er betrachtet diesen Beruf als Existenzgrundlage und meint zukünftig existentiell ganz gut abgesichert zu sein. Hans-Peters Begabung und Intelligenz sind durchschnittlich, und so zeigt er sich wenig motiviert, Leistungen über das geforderte Maß hinaus zu erbringen. Die Ausbilder und Ausbilderinnen bezeichnen Hans-Peter als nicht gerade einfallsreich.

Hans-Peter befindet sich im Augenblick wenige Tage vor seiner ersten Prüfungslehrprobe und ist voller Furcht, diese nicht hinzubekommen. Er hat inzwischen so viele Unterrichtsentwürfe angefertigt, dass er nicht mehr weiß, wo ihm eigentlich der Kopf steht. Da ihm inzwischen auch nicht mehr einfällt, gerät er in eine Art panische Angst, die schließlich dazu führt, dass er sich dem kommenden Ereignis gegenüber völlig ohnmächtig fühlt. In seiner Not bittet er seine Mentorin um ein Gespräch. Er schildert ihr seine Situation ausführlich und endet mit der Klage, dass er inzwischen nicht einmal mehr weiß, wie Unterricht eigentlich abläuft.

Als ihm seine Mentorin das Mittel "AHS" verabreicht, beruhigt sich Hans-Peter rasch. Endlich hat er etwas ganz Einfaches, woran er sich orientieren und festhalten kann. Begeistert wiederholt er nach diesem Gespräch immer wieder: A.H.S... . A.H.S... Anfang - Hauptteil - Schluss.  Eine banalere Information ist nicht möglich, und es ist gerade diese Banalität, die wirkt. Inmitten des Chaos wirkt diese Information wegen ihrer Einfachhheit so sehr erleichternd, dass sie Langzeitwirkung erreicht. Diese verheerende Wirkung der Vereinfachung merkt Hans-Peter gar nicht, wenn er seinen Unterricht zukünftig in A H S gliedert.

15
Mrz
2009

Ohne Kontakt

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Wenn Sie auf irgendeine Weise schreibend tätig sind, dann haben Sie schon die Erfahrung gemacht, dass das Schreiben sich zu verschiedenen Tageszeiten auch sehr unterschiedlich gestaltet. Sie schreiben am frühen Morgen anders als am späten Abend, und Sie können unter Umständen spät abends nicht mehr verstehen, was Sie früh morgens geschrieben haben. Es ergeht Ihnen so ähnlich wie mit dem Abfassen eines umfangreichen Textes, das Sie wegen eines Urlaubs unterbrochen haben. Da reicht meistens auch schon ein Kurzurlaub. Was geschieht da eigentlich? Das Gehirn beschäftigt sich zwischenzeitlich mit ganz anderen Dingen und verändert damit auch gleichzeitig die neuronalen Strukturen für das Verstehen Ihres Textes.

Nun kann man dagegen einwenden, dass dann der abgefasste Text nicht sonderlich geeignet ist, unterschiedlichen Strukturen des Verstehens ausgesetzt zu werden. Er ist schlichtweg zu schwierig, weil zu subjektiv oder zu individuell strukturell. Einen solchen Text können nicht nur Sie selbst kaum mehr verstehen, sondern alle anderen auch nicht. Ein Text, der nicht wirklich gut geschrieben ist, wird mit der Zeit unwahr, indem er sich seiner eigenen Offenheit entzieht.

Sehr viele Beziehungen scheitern dadurch, dass es an Bemühungen fehlt, das Verhalten des anderen Menschen mit dem in Einklang zu bringen, was er einmal gesagt hat. So entpuppt sich ein 'Schwur' auf ewige Treue scheinbar durch Untreue als Lüge. Wer so verfährt, hat entweder den Schwur nie verstanden oder niemals wirklich geliebt. Es sind Bedeutungsverschiebungen, die "in schlechten Tagen" zur Beziehungsfalle werden und schließlich Scheinliebe in Hass umschlagen lassen. Die Rede von "enttäuschter Liebe" ist also ein Widerspruch in sich. Der Partner hat sich nicht verändert, sondern die eigene Bedeutungsstruktur, mit der er wahrgenommen wird.

So in etwa verhält es sich mit Ihrem eigenen Gehirn, zu dem Sie den Kontakt verloren haben, um mit ihm umzugehen wie in ihrer Kindheit. Was ist da anders geworden? Es spricht niemand mehr mit Ihnen. Die Stimme der Fantasiegestalt aus Ihrer Kindheit schweigt schon lange! Das ist Ihnen nie aufgefallen! Auch die innere Stimme schweigt! Das fällt ebenfalls erst dann auf, wenn man darüber spricht. Manches Mal unterhält man sich mit der inneren Stimme unbewusst. Das geschieht, wenn man ein Selbstgespräch führt. Das Sprechen der inneren Stimme hängt nicht vom Zufall ab.

Es existieren verschiedene Möglichkeiten, die innere Stimme anzusprechen.

14
Mrz
2009

Die Natur ist wesentlich Wissenschaftlerin!

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Das lässt sich bei allem, was sie hervorbringt, feststellen.

Und man braucht nur in sich hineinzuschauen, um die Natur wesentlich wahrzunehmen und diese Wissenschaftlichkeit zu entdecken. Das lässt sich an der Wissenschaftlichkeit des Gehirns zeigen. Das Gehirn nimmt natürlicherweise alles unvoreigenommen wahr und beobachtet es auf Gemeinsamkeiten hin. Gleiche Verhaltensweisen zeichnen sich durch gemeinsame Merkmale aus. Dadurch entwickelt sich eine Regel, nach der sich Wahrnehmungen ordnen lassen. So lassen sich auch Wiederholungen des immer Gleichen erfassen und als Gesetz ('Regel ohne Ausnahme') formulieren. Weil das Gehirn zunehmend mehr verarbeitet und erfährt, ist es auf fortwährende Vereinfachung angewiesen, ein Prinzip, dem auch alle Entwicklungen des Menschen möglichst folgen. Weil dem Gehirn wesentlich an Vereinfachung gelegen ist, versucht es auch den Menschen, dessen Leben es regelt, davon zu überzeugen. Dieser Trend der Vereinfachung erklärt, warum die Askese die hirngerechteste Form des Lebens ist. Unter dieser Voraussetzung vermag es am besten zu arbeiten.

Um die Vereinfachung auch für sich zu erreichen, macht das Gehirn dem Menschen, dessen Dasein es bestimmt, das Angebot der Selbstauskunft. Das bedeutet, dass jeder Menschen die Möglichkeit hat, das Gehirn nach dem für ihn einfachsten Weg zu befragen. Es ist deshalb wahrscheinlich interessant, erst einmal die Selbstauskunftei des Gehirns aufzusuchen. Der Name des Weges, der zu dieser Auskunftei führt, heißt "Introspektion". Introspektion, das bedeutet das Vermögen, in sich hineinzusehen, um wahrzunehmen, zu beobachten, um möglichst zu begreifen, was da vor sich geht.

Obgleich dieser Weg allen offen steht, finden ihn die meisten nicht und Erkundigungen in einer entsprechenden Bibliothek oder auch im Internet gestalten sich schwierig. Im Klartext:  Viele ahnen zwar, dass es einen solchen Weg gibt, aber zeigen sich völlig ahnungslos, wenn es darum geht, diesen Weg auf der neuronalen Karte des Gehirns zu entdecken.

Mich wundert das überhaupt nicht, weiß ich doch, wie schwierig es ist, diesen Weg zu beschreiben, selbst dann, wenn man ihn kennt. Ich habe deshalb folgenden Gedanken. Wenn man gedanklich einfach diesem Weg folgt, dann werden diese Erfahrungen die entsprechenden eigenen Gangstrukturen aktivieren und immer deutlicher erfahren und immer besser verstehen lassen, was Introspektion tatsächlich bedeutet.

Denken lernt man nur durch Denken (oder: "Übungen machen den Meister!"). Mir ist kein anderer Weg bekannt, aber mir ist auch bekannt, warum es diesen anderen Weg nicht gibt. Ganz kurz gesagt: Die Sensibilität für diesen Weg geht durch die Erziehung in der Schule verloren. Und wenn man diesen Weg aus der frühen Kindheit wieder entdeckt hat, dann kann man auch sagen, warum man ihn aus den Augen verloren hat.

13
Mrz
2009

Wissenschaft ohne Wissenschaft?

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Das Wort "Wissenschaft" gehört zu jenen Wörtern, von welchen die meisten, die es in den Mund nehmen, nicht zu nennen vermögen, was sie damit eigentlich sagen. Oberflächlich verbindet man Wissenschaft mit Logik oder Zahlenlogistik. Eine wissenschaftliche Aussage - so meint man naiv - stützt sich auf ein Zahlenwerk und empirische Untersuchungen. Irgendwie trifft das auch zu. Aber der Wissenschaft kann man sich nicht irgendwie, sondern allein trennscharf nähern.

Wissenschaft ist die Kunst, das Besondere allgemein bestimmen und analysieren zu können. Das Wissen um das Allgemeine gibt dem Wissenschaftler die Sicherheit einer systemischen Bestimmung im Sinne des "pars pro toto". Wissenschaftliches Denken ist, wenn es sich wesentlich vollzieht, immer ein Weg des Aufdeckens und Entdeckens. Der Naturwissenschaftler, der im Idealfall philosophisch vorgeht, denkt das Wesen der Natur und offenbart es an einem besonderen Ereignis.

Der geregelte wissenschaftliche Weg besteht aus den Strecken: Phänomen - Idee - Modell - Experiment - Kurzbeschreibung als Formel - Nachweis durch das Verhalten des Originals. In der Geisteswissenschaft erscheint die Formel in Gestalt eines Grundsatzes (Prinzips).

Die Gangart, um die genannten Strecken gehen zu können, beruht auf dem Rhythmus: Wahrnehmen - Betrachten - Beobachten - Begreifen - Anwenden.

Schnelltest zur Frage: Bin ich wesentlich ein Wissenschaftler?

Antwort: Wenn Sie nicht nachweisen können, etwas Neues entdeckt zu haben, dann sind Sie kein Wissenschaftler, sondern Imitator, Restaurator, Transporteur oder einfach Expeditionskaufmann für Information.
Grund: Wahrscheinlich fehlt es an Neugier!

12
Mrz
2009

Pars pro toto

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Das Gehirn ist als selbstorganisierendes Organ ein ganzheitliches System, das nach dem Prinzip pars pro toto arbeitet. Das bedeutet, dass alle Module des Systems nach den selben Regeln arbeiten oder auch die selben Störungen aufweisen. Will man also diesem selbstreparierenden Organ gerecht werden, und systemische Korrekturen vornehmen, dann muss man nur an einem(!) Modul bzw. an einer Verhaltensweise arbeiten, um zugleich ineins auch alle anderen Module zu korrigieren.

Beispiel: Manche Menschen behaupten von sich, dass sie nicht in der Lage sind, eine Fremdsprache in einer akzeptablen Zeit zu erwerben. Bei genauer Prüfung muss man der Annahme dieser Leute zustimmen. Es trifft zu, dass sie die von ihnen gewählte Fremdsprache nicht erwerben können, weil sie sich überhaupt nicht intensiv mit ihr befassen. Sie täuschen sich in der Zeit, die sie in den Spracherwerb investieren. In Wahheit bringen sie es pro Tag nicht einmal auf eine halbe Stunde. Um solcher Selbsttäuschung, die natürlich auch auf andere Verhaltensweisen zutrifft, zu entgehen, müssen sie sich ihr Zeitmanagement erst einmal sorgfältig bewusst machen. Anschließend müssen sie die Zeiteinheiten, die sie investieren wollen, für sich selbst sinnvoll und vor allem(!) regelmäßig festlegen, etwa nach dem Motto: "Mäßig, aber regelmäßig!" Wenn sie dann ihrem Zeitplan konsequent folgen, beginnen sich auch Unregelmäßigkeiten in anderen Modulen allmählich aufzulösen.

Man sollte die Korrektur allerdings mit einem Modul beginnen, das man noch relativ leicht auf Regelmäßigkeit hin trainieren kann. Man sollte also nicht gerade mit einem abhängigkeitsbedingten Verhalten beginnen.

11
Mrz
2009

Entstören

entstoeren
Letztlich ist es für wünschenswerte Verhaltensänderungen nie zu spät, aber auch nie zu früh. Es stellt sich allerdings die Frage, wie eine solche Verhaltensänderung zu bewerkstelligen ist. Dass eigenes Versagen sehr viel weniger mit einem "schwachen Willen" zu tun hat als vielmehr mit "Programmen", welche das Fortkommen stören, dürfte deutlich geworden sein. Solche Programme lassen sich durch ein geeignetes "Meta-Programm" geschickt aushebeln. Ein Meta-Programm ist ein anderen Programmen übergeordnetes Programm, welches zugleich auch die untergeordneten Programme regelt.

Ein solches Programm muss nicht erst eingerichtet werden. Es existiert bereits, allerdings ohne akzeptable Effektivität. Es geht folglich darum, die verlorene Wirksamkeit wieder herzustellen. Zu diesem Zweck ist ein konsequentes Training unabdingbar.

10
Mrz
2009

Selbstwahrnehmung

selbstwahrnehmung
Der Mensch versucht auf sehr vielen Wegen, einen erfolgreichen Zugang zu sich selbst zu entdecken. Nicht wenige übergeben diese Aufgabe Therapeuten. Sie nehmen an, dass ein Therapeut in der Lage ist, die wichtigsten Störungen zu entdecken und zu beseitigen. Aber wie erkennt der Therapeut, welcher Weg für einen Menschen erfolgreich ist?

Der Therapeut untersucht die Aktivitäten eines Menschen und prüft, ob diese noch den Normen entsprechen. Eine Norm des Verhaltens gibt an, was ein Mensch in einer bestimmten Situation zu tun hat. Der Therapeut vergleicht die Norm mit dem Verhalten seines Klienten. Weichen Norm und Verhalten zu sehr voneinander ab, dann muss der Therapeut nach den Ursachen und Gründen für diese Abweichung suchen.

Nicole ist eine außerordentlich erfolgreiche Diebin. Sie ist noch niemals bei einem Diebstahl erwischt worden. Aber Nicole will nicht stehlen. Sie spürt einen inneren Zwang, die Dinge aus dem Kaufhaus ohne Bezahlung mitzunehmen. Eines Tages erzählt Nicole ihrer Mutter von ihrem Problem. Nach einem eingehenden Gespräch meldet die Mutter ihre Tochter zur Therapie an. Der Therapeut entdeckt in dem langweiligen Leben, das Nicole führt, den Grund für das Stehlen. Die Ursache für den einzelnen Diebstahl besteht also in dem Risiko, das Spannung erzeugt und die Langeweile unterbricht.

Hätte Nicole das nicht selbst erkennen können? Eine positive Antwort würde voraussetzen, dass Nicole ihre Langeweile erkannt hätte. Zudem hätte sie ihre Diebstähle als Mittel zum Zweck einer Beseitigung ihrer Langeweile sehen müssen. Dem Therapeuten ist selbstverständlich klar, dass die Störung bei Nicole nicht allein darin besteht zu stehlen. Eine solche intensive Störung der Selbstkontrolle tritt nicht isoliert auf.

9
Mrz
2009

Regel der Identität:

identitaet
Ein Verhaltensmuster wird übernommen, um emotionale Übereinstimmung zu erreichen. Da es in diesem Fall zu einer Simulation des Originals kommt, die wegen der fehlenden Strategie im Hintergrund nicht aufrechterhalten kann, gelangen solche Imitationsmuster später dadurch zum Vorschein, dass viele Handlungen zwar begonnen, aber nicht erfolgreich zu Ende geführt werden. So kommt es, dass viele hoch begabte Menschen erfolglos bleiben, weil sie trotz hoher Begabung nicht in der Lage sind, ihre Anfänge zu koordinieren.

Neben unreflektierten Übernahmen von Verhaltensmustern gibt es auch solche Muster, welche auf Überhöhung des Gewissens beruhen und somit gar nichts mehr mit der eigenen Person zu tun haben. "Gewissen" meint hier die Gesamtheit anerzogener Werte bzw. Bewertungen wie:

Ideologien und Normen,
Gebote und Verbote,
Regeln und Gesetze,
Vereinbarungen und Verträge,
Vorbilder und Autoritäten.

Haben nun Bezugspersonen solche Wertungen leidenschaftlich mit nicht mehr nachvollziehbarer Gewissenhaftigkeit durchzusetzen versucht, dann sind entsprechende Grundmuster vorprogrammiert, damit Kinder unter Umständen zu Ende führen, was ihre Eltern nicht geschafft haben. Der intensive Wunsch, eine bessere Ehe zu führen, ist oft schon der Anfang vom Ende einer solchen Beziehung, und zwar deshalb, weil es keine Erfahrungen dazu gibt. So werden Mädchen alleinerziehender Mütter mit hoher Wahrscheinlichkeit wiederum alleinerziehende Mütter.

Es stellt sich die Frage, wie man einer gewissen Zwangsläufigkeit bestimmter Grundmuster entgehen kann.

8
Mrz
2009

Regel des zureichenden Grundes:

zwangsverhalten
Ein Verhaltensmuster wird übernommen, wenn die Verhaltensvorlage nicht adaptiert werden kann.

Beispielsweise können elterliche Zwangsverhaltensweisen nicht adaptiert sondern nur kopiert werden. So kann eine Mutter, die ständig demonstriert, auf was sie alles verzichtet, ein starkes Verlangen nach Vermeidung solchen Verzichts initiieren. Da aber die Mutter selbst Schaden nimmt, muss auch die Konfiguration des Verlangens mit Schädigung verbunden sein.

7
Mrz
2009

Ersatzhandlung

ersatzhandlung
Sucht entwickelt sich in der Regel nicht aufgrund körperlicher sondern seelischer Schwierigkeiten und stellt eine Ersatzhandlung dar. Demzufolge muss sich der Abhängige zuerst einmal fragen, welches Verhalten eigentlich durch das Suchtverhalten ersetzt werden soll. Dabei ist es gleichgültig, ob der Ersatz durch einen Stoff oder eine Verhaltensweise geliefert wird. "Die Übergänge von Genuss, Konsum, Missbrauch, Gewöhnung und Abhängigkeit sind fließend, bauen aber nicht zwingend aufeinander auf. Jedes individuelle Suchtverhalten hat seine eigene Geschichte, in der individuelle und gesellschaftliche Faktoren, suchtmittelunspezifische und suchtmittelspezifische, ihre Bedeutung haben." (HLS/Manual Suchtprävention Hessen 1/06.00) (zitiert nach: Sucht und Abhängigkeit - Was ist das?)

Es existieren Regeln, nach denen sich Abhängigkeiten von relativ resistenten Programmen bilden.

6
Mrz
2009

Unlock möglich?

unlock
Lassen sich sehr frühe unerwünschte Verhaltensmuster eigentlich ausschalten (unlock)? Wie gesagt, diese Programme sind sehr stabil, und es bedarf schon eines intensiven Trainings, um sie wieder loszuwerden.

Wahrscheinlich interessiert weniger diese Tatsache als vielmehr die Beschreibung des Ablaufs eines solchen Trainings. Man hört häufig sagen, dass dies lediglich eine Frage des guten Willens sei. Aber die Feststellung "Ich will..." ist in den seltensten Fällen ausreichend, um sich eine Verhaltensgewohnheit wieder abzugewöhnen! Das, was sehr häufig mit dem Wort "Wille" gemeint wird, ist die innere Einstellung zur beabsichtigten Verhaltensänderung. Wenn sich jemand zum Beispiel den unmäßigen Konsum von Schokolade abgewöhnen will, dann genügt es keineswegs zu entscheiden: "Ich esse keine Schokolade mehr!", sondern diese Entscheidung muss mehrfach abgesichert sein, wenn ihre Durchsetzung überhaupt eine Chance haben soll.

Zunächst eine wirkliche Schokoladensucht: "Ich bin echt am Verzweifeln: Ich bin wirklich schokoladensüchtig! Ich halt es keine Std ohne sie aus, und wenn ich dann welche esse, dann auch gleích 2-3Tafeln. Insgesamt esse ich vielleicht 15Talfeln am Tag. Zum Teil hab ich ja nicht einaml apetit darauf, aber mein Kopf befielt mir schokolade zu essen, ich fühl mich sooo machtlos!! Habt ihr vielleicht nen Tipp für mich, wie ich das wieder unter konrolle kriege? BITTE!!!!!!" Oder in etwas abgeschwächter Form: "Hallo, bei mir ist das wohl nicht ganz so schlimm. ich habe jeden morgen meinen kakao ud versuche ohne normale schokolade auszukommen. Wenn ich keine hab werd ich aggressiv oder depressiv. Werd das mit dem magnesium auch mal versuchen. Das schlimme ist, wenn ich was gegessen hab nin eine weile satt und hab nach ca einer stunde wieder hunger. liegt nur am appetit auf schokolade und ich wette ich hab letztes Jahr mehr als 100 t schokolade gegessen. dass sind 2 tafeln am Tag." (ebd.)

Gewöhnlich wird nun eine Sucht durch Entzug nebst körperlichen Maßnahmen behandelt, um mit den Entzugserscheinungen besser fertig zu werden und je nach therapeutischer Strategie funktioniert das auch. Allerdings hilft das wenig, solange der eigentliche Grund für eine Sucht nicht aufgelöst wird.

5
Mrz
2009

Prägung

praegung
Das oberste Prinzip, nach dem die Natur erschafft, besteht darin, alles Seiende mit der Fähigkeit, sich selbst zu organisieren, auszustatten. Das Seiende verfügt also von Anfang an über das Vermögen, alle Signale als Code für die Organisation des Selbst zu nutzen.

Von Natur aus ist jedes Wesen mit dem Vermögen zu ordnen (Intelligenz) ausgestattet. Kann diese Fähigkeit nicht genutzt werden, weil die Folgen der Signale nicht ausgemacht werden können, übernimmt das natürliche System jene Struktur, welche durch die eingehenden Signale dargestellt wird. Diese Struktur wird allerdings als solche insgesamt ausgeprägt und bleibt als relativ resistentes Verhaltensmuster bestehen.

Wegen der hohen Konsistenz früher Muster wird es später schwer, sich gegen diese zu wehren. Es entsteht so etwas wie zwangsläufiges Verhalten. Solches Verhalten ähnelt dann dem Suchtverhalten.

4
Mrz
2009

Schicksalssinfonie

neuronale_komposition
Die Signale, welche das Gehirn in den ersten beiden Jahren seiner Entwicklung empfängt, sind akustische Notierungen, mit deren Hilfe sich das Gehirn neuronal komponiert. Die erste Sinfonie des Lebens ist eine Art Schicksalssinfonie, vergleichbar mit der Schicksalssinfonie und späteren Filmmusik zu "Schindlers Liste". Vielleicht habe ich, ahnungslos, deshalb später die 5. Sinfonie Beethovens so gern gehört? Und während ich dieses gerade schreibe, höre ich diese Sinfonie, um herauszuspüren, was der Komponist mitzuteilen versucht.

Auch die schlimmsten Signale können schön klingen, wenn sie sich schöngetönt wohlklingend in Musik wandeln. Vielleicht teilt die Musik mit, was das Leben aus Niederungen zu gestalten vermag?

3
Mrz
2009

Unzustellbare Entwicklungsprogramme

entwicklung
Erziehung, das ist ein Programm, dessen Annahme wir nicht verweigern können. Wir haben keine Wahl. Es wird uns wahrscheinlich während der ersten beiden Jahre unserer Kindheit aufgedrängt, um fortan unsere Entwicklung entscheidend zu bestimmen.

Ich überlege, durch welches Programm ich wohl gesteuert werde. Zum Zweck solcher Überlegungen muss ich vergegenwärtigen, was ich aus der Zeit der ersten beiden Jahre meiner Entwicklung mitbekommen habe.

Die entscheidende Mitteilung war, dass jeder Augenblick durch den nächsten vollkommen aus den Fugen geraten kann. Hoch aggressive Rufe, sich doch endlich zu beeilen, um sich in Sicherheit zu bringen, schrille Schreie voller Todesangst, unterdrückt durch den alles übertönenden Lärm zusammenkrachender Mauern während eines verheerend zerstörerischen Luftangriffs, lieblos in aller Eile wie ein Paket eingewickelt und unwirsches Klagen, das man diese Last auch noch mitzuschleppen hat, wo man sich selbst doch erst einmal in Sicherheit bringen muss. Gespür für kraftlosen Halt einer ohnmächtigen Mutter, die furchterfüllten Hasses eine weitere Last hinter sich herzieht - wirkliche Hindernisse auf dem Weg in die eigene Sicherheit. Und immer wieder aus der Ruhe vermeintlicher Sicherheit gerissen auf einem Weg für die nächste kurze Atempause. Was sind gellende Schreie, lärmende Fliegerangriffe, krachende Mauern, Leben erstickender Staub des Schutts für Signale, um der Entwicklung eines kleinen Lebens etwas über die zukünftige Welt mitzuteilen?

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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