8
Nov
2006

Stolpersteine

stolpersteine

liegen überall auf dem Weg. Jeder Stein kann mich stolpern lassen, wenn ich ihn nicht sehe. Ich muss schauen, wohin ich meine Füße setze. Erkennen, wohin es mich drängt. Was mich antreibt und was mich vor allem stark sein lässt. Erst dann weiss ich, welche Steine für mich zu Stolpersteinen werden können. Und dann weiss ich auch, wie ich sie für mich gewinne. Denn sie sind wichtig, meine ganz persönlichen Stolpersteine. Sie bergen das Potenzial, mich einen guten Schritt weiter zu bringen.

Stolpern hat etwas mit einem Zu-viel oder einem Zu-wenig zu tun. Es entsteht ein Ungleichgewicht. Der leichte entspannte Gang, die elegante gekonnte Drehung verrutscht, misslingt. Meistens kein 'Beinbruch', sondern nur eine Störung mit Verweischarakter. Schau hin und du siehst die Ursache - in dir. Manchmal reicht es bereits, dem Klang der eigenen Stimme nachzuspüren. Das Zu-viel oder das Zu-wenig schwingt hörbar nach.
(urs)

7
Nov
2006

Die Phasen des Lernens gehören den Lernenden

lernphasen

Gegen die herkömmlichen Unterrichtsverlaufsskizzen anzukommen, gleicht einem Kampf gegen Windmühlen. Diese Planungsraster bestechen durch ihren vordergründigen Erfolg, der letztlich völlig schülerunabhängig darin besteht, dass alles gut läuft. Verführerisch an diesen Excel-Tabellen ist, dass sie wie echt aussehen, weil sie doch zeilenweise dem folgen, was man über die Phasen des Lernens weiß, nämlich:

1. Wahrnehmen
2. Betrachten
3. Werten
4. Experimentieren
5. Beobachten
6. Begreifen
7. Probieren
8. Bewerten/Beurteilen

Die Zeilen der Tabelle sind ja auch gar nicht so unzutreffend, sondern das Ausfüllen dieser Zeilen in einer falschen Spalte. Die Festlegung von Lehrenden auf ein bestimmtes, zu erwartendes Verhalten der Lernenden darf nämlich überhaupt nicht vorgesehen werden, weil ansonsten Lernende in dem aufgehen, was Lehrende wollen. Die Phasen des Lernens gehören den Lernenden und nicht den Lehrenden.

Eine lernkorrigierte Orientierung für den Unterricht kann im Grunde nur eine Spalte enthalten. Diese Spalte steht für den Fortschritt in der Sache.
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6
Nov
2006

Unterrichtsverlaufsskizze als Atrappen

unterrichtsverlaufskizze-atrappen

In seinem Werk "Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben" schreibt der Philosoph Friedrich Nietzsche: "...wir sind zum Leben, zum richtigen und einfachen Sehen und Hören, zum glücklichen Ergreifen des Nächsten und Natürlichen verdorben und haben bis jetzt noch nicht einmal das Fundament einer Kultur, weil wir selbst nicht davon überzeugt sind, ein wahrhaftiges Leben in uns zu haben." Kurzum: Wir haben das Gespür für das Leben verloren!

Nietzsche erklärt auch den zureichenden Grund für unser unnatürliches Verhalten: "Zerbröckelt und auseinandergefallen, im ganzen in ein Äußeres und ein Inneres halb mechanisch zerlegt, mit Begriffen wie mit Drachenzähnen übersät, Begriffsdrachen erzeugend, dazu an der Krankheit der Worte leidend und ohne Vertrauen zur eigenen Empfindung, die noch nicht mit Worten abgestempelt ist: als eine solche unlebendige und doch unheimlich regsame Begriffs- und Worte-Fabrik habe ich vielleicht noch das Recht, von mir zu sagen cogiti, ergo sum, nicht aber vivo, ergo cogito. Das leere 'Sein', nicht das volle und grüne 'Leben' ist mir gegegeben."

Und im 'Versuch einer Selbstkritik' zur 'Die Geburt der Tragödie' (1886) beschreibt Nietzsche den entscheidendenden Aspekt, unter welchem "sich jenes verwegene Buch zum ersten Male herangewagt hat, - die Wissenschaft unter der Optik des Künstlers zu sehn, die Kunst aber unter der des Lebens..."

Ein Rückgang in die Anfänge der abendländischen Kultur zeigt, dass dieser Zusammenhang in den Anfängen bereits gedacht worden war, denn nicht von ungefähr gaben die Griechen der Kunst des Wahrnehmens und Lernens den Namen "mathematiké téchne": Mathematik. Bis heute ist die Mathematik jene Geisteswissenschaft geblieben, welche Abstraktion und Konkretion bzw. Theorie und Praxis einer Anwendung in sich vereint. Die Schwierigkeit (höhere) Mathematik zu verstehen, besteht vor allem darin, dass sie philosophisch gedacht und künstlerisch angewendet werden muss. Wer mathematisches Denken im Unterricht nicht über Anschauungen initiert, kann von Lernenden nicht erwarten, dass sie mathematisch verstehen.

Kunst, Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften spielen ständig mit dem Wechsel von Möglichkeit und Wirklichkeit bzw. Theorie und Praxis. Diese Spiel kennt nur Entscheidungen zwischen einem eindeutigen Ja oder einem ebenso klaren Nein. Unser Gehirn kommt deshalb mit diesem Spiel am besten zurecht, weil es zu seinen neuronalen Regeln und Strategien kongruent ist. Mit allen anderen Vorgehensweisen bekommt das Gehirn natürlicherweise Schwierigkeiten.

Wir wollen uns einmal ein Fach ansehen, das die natürlichen Spielregeln des Gehirns am wenigstens beherrscht. Interessant dabei ist, dass dieses Fach für sich beansprucht, junge Menschen zu Lehrern auszubilden. Schauen wir uns das einmal an einem Fall an.

Studierende, die sich auf das Unterrichten vorbereiten, werden beinahe in allen vorbereitenden Veranstaltungen mit der Planung ihres Unterrichts vertraut gemacht. Es werden sogenannte Planungspapiere verteilt, die Studierende bei ihrer Vorbereitung auf den Unterricht unterstützen sollen, und zwar unabhängig vom einzelnen Fach und der zu erwartenden Gruppe der Lernenden.

Dieses Planungspapier, das auch noch im Referendariat eingesetzt und gefordert wird, ist eine Excel-Tabelle. Diese Tabelle weist gewöhnlich in etwa folgende Zeilen auf: 1. Kontrolle der Hausaufgaben, 2. Einführung, Hinführung oder Einstieg, 3. Information, 4. Übung oder Experiment, 5. Auswertung, 6. Hausaufgaben. Die Bezeichnungen der Spalten können zwar andere sein, aber inhaltlich fordern sie einen vergleichbaren Vorgang. Die Spalten dieses Planungsrasters werden wie folgt bezeichnet: 1. Zeit, 2. Lehrerverhalten, 3. Schülerverhalten, 4. Sozial- oder Unterrichtsform, 5. Medieneinsatz. Auch hier können die Bezeichnungen je nach Geschmack der Lehrenden wiederum abweichen. Vereinfachend wird diese kleine Tabelle "Unterrichtsverlaufsskizze" genannt.

Wird nun der Ablauf einer Unterrichtstunde nach dieser Unterrichtsverlaufsskizze überprüft, dann geschieht es sehr oft, insbesondere bei Anfängern, dass das unterrichtliche Geschehen für gut befunden wird. Schließlich ist ja alles so verlaufen, wie es vorgesehen war, vorausgesetzt, die Lernenden haben dabei nicht nennenswert gestört.

Aber ganz im Gegensatz zur angenommenen Unterrichtsverlaufsskizze kann der Unterricht fachlich voller Fehler sein. Das ist sogar gewöhnlich so, weil eine inhaltliche Betreuung außerhalb der Fachpraktika und Mentorengepräche nicht stattfindet. Es geht nicht um d e n fehlerfreien Unterricht, sondern um einen Unterricht, der von Anfang an fachlich fehlerhaft organisiert wird. Es liegt in der Natur der Sache, dass fachliche Fehlentscheidungen kaum in Sportstunden auftreten oder in Stunden, in denen es um handwerkliche Geschicklichkeits- oder Bestimmungsübungen geht.

Was läuft denn so schief bei der Handhabung der üblichen Unterrichtsverlaufsskizze?
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5
Nov
2006

Totzeit

totzeit

Totzeit beschreibt die Dauer einer Grenzüberschreitung. Totzeit ist der Moment zwischen zwei Systemen: das bereits Verlassen-haben des einen Systems und das Noch-nicht-angekommen-sein im anderen System. Totzeit ist tote Zeit für beide Systeme, zwischen denen sie sich vollzieht.

Totzeiten trennen Energie und Materie, Möglichkeit und Wirklichkeit, Leben und Tod. Totzeit ist die Zeit zwischen Ja und Nein.

Die Totzeit können wir im Augenblick als Gegenwart erfahren, also als Zeit zwischen Vergangenheit und Zukunft. Angesichts dieser Erfahrung wird uns bewusst, dass Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft zwar Zeiten sind, aber darüber hinaus wenig gemeinsam haben.

Sprüche wie "Heute ist das Morgen von gestern!" oder "Morgen ist gestern von heute!" sind nicht mehr als Wortspielereien. Die Annahme, heute das Morgen vorbereiten zu können, entspringt einem toten Winkel, einem Blickwinkel, unter dem das Leben nicht erscheint.

Der Glaube an das Vorhersehbare entspringt einer mechanisierten Auffassung vom Leben. Diese Auffassung orientiert sich allein an dem, was uns materiell erscheint. Dieser Glaube ist so stark, dass wir in der Gefahr stehen, die materielle Erscheinung mit Wirklichkeit gleichzusetzen, etwa unter dem Motto: "Wirklich ist allein das Materielle!"

Das Materielle ist plan- und programmierbar. Die Entwicklung des Materiellen ist technisch steuerbar und vorhersehbar. Techniker wissen, wann ihre Fertigung abgeschlossen ist. Naturwissenschaftler erkennen am Fortschreiten ihrer Experimente, wann sie mit deren Erfolg rechnen können. Und Medizinern trauen wir dann, wenn sie den Verlauf von Behandlungen zu prognoszieren vermögen.

Es ist keine Frage, die materielle Seite des Lebens haben wir Menschen im Griff. Aber diesen Griff beherrschen wir nicht. Das Leben erstickt uns unter diesem Griff. Wir bemerken das sehr wohl. Die Natur bricht unter dem Würgegriff der Technik zuammen. Unter dem extrem gestörten natürlichen Gleichgewicht zwischen Erde, Wasser und Luft zerfallen Lebensräume und vernichten jene Lebewesen, die in ihnen zu Hause sind.

Der Irrglaube, alles im Griff zu haben, lebt von der Verdrängung des Lebens. Wir leben nicht mehr, sondern wir vegetieren dahin, indem wir uns von einem Fortschritt zum nächsten konstruieren. Nicht der Wert des Lebens bestimmt uns maßgeblich, sondern der Gewinn, den unser Fortschreiten einbringt. Das Fort-Schreiten aus der Mitte des Lebens ist zur gesellschaftlich anerkannten Selbst-Entfremdung geworden.

Das Weglaufen vor sich selbst fällt spätestens dann auf, wenn wir uns auf einer nicht mehr abgesicherten Strecke fortbewegen. Die Unfallgefahr ist gewachsen, weil Mittel- und Leitlinienmarkierungen fehlen. Angesichts ausbleibender Wegmarken in den Abständen von Totzeiten rennen wir nur noch blind gerade aus. Augenblickliche Entscheidungen werden nicht mehr gefällt.

Zeit, innezuhalten!

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4
Nov
2006

(K)Eine Schöpfung aus dem Nichts

schoepfung-aus-dem-nichts

Verstehen können wir alles, aber wirklich begreifen können wir nur das, was wir auch fühlen. Die wichtigsten Prozesse unseres Gehirns werden über das limbische System geregelt. Gefühle und nicht etwa Gedanken regeln unsere Bilder und Worte.

Die drei wichtigsten Gefühle sind Wahrheit, Freiheit und Sicherheit. Freiheit ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Wahrheit und Sicherheit. Wir können nur so frei sein, wie wir wahr und unserer sicher sind. Während uns die Philosophie den Weg zur Wahrheit finden lässt, eröffnet sie uns zugleich den Weg in die Mathematik, um das als wahr Genommene gestaltend zu sichern. Die Geburt der Mathematik aus dem Geist der Philosophie ist der Beginn der Wissenschaft, gleich gültig, wo immer dieser Anfang stattfindet. Aufgrund ihrer Herkunft aus der Kunst bleibt Philosophie auf anschauliches Denken angewiesen. Verleugnen Wissenschaften diese ihre Herkunft, dann zerfallen sie in bloße Meinungen. Nietzsche zählt die Pädagogik zu jenen angeblichen Wissenschaften, die sogar über etwas reden, das es gar nicht gibt.

In der Tat geschieht etwas sehr Merkwürdiges. Studierende werden für ihren zukünftigen Beruf ausgebildet und legen eine Prüfung in Pädagogik ab. In der nächsten Phase ihrer Ausbildung aber werden sie von den Praktikern nicht selten mit den Worten empfangen: "Nun vergesst erst einmal alles, was Ihr in der Hochschule gelernt habt, denn in der Schule sieht alles völlig anders aus."

Hoch bedauerlicherweise aber halten sich diese Praktiker nicht an das, was sie selbst sagen. Vielmehr treiben sie dann das noch sehr viel extremer weiter, was bereits an der Universität getrieben wurde. Sie lassen die Organisation des Unterrichts in reine Verwaltungsarbeit aufgehen. In dieser Entfremdung von Unterricht werden dann die Referendare wiederum geprüft.

Nur begabte Leute überstehen diese Tortur und vergessen dann sehr schnell, was sie an bloßem Schein erworben haben. Seltsamerweise aber reden sie dennoch weiterhin von Pädagogik, vor allem dann, wenn sie nicht weiterwissen. Sie nutzen dieses Wort gleichsam als Lückenbüßer.

Die Pädagogik leitet ihren Namen zwar stolz aus der griechischen Sprache ab, verschweigt aber, dass bei den Griechen die Aufgabe der Pädagogen lediglich darin bestand, die Kinder zum Unterricht zu führen und auch wieder abzuholen. Es besteht demnach weiterhin keinerlei Einwand, zum Beispiel Schulbusfahrer als Pädagogen zu bezeichnen.
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3
Nov
2006

Nähe und Abstand

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Ein guter Gedanke braucht Zeit, sich zu entwickeln. Ereignisse, die scheinbar nicht miteinander in Beziehung stehen, tragen zu seiner Entwicklung bei. Fragen tauchen auf, ziehen sich wieder zurück. Gute Gedanken sind zugleich wesentliche Gedanken. Sie bevorzugen Räume, die noch nicht vollständig ausgestattet ist. Sie zeigen sich, wenn sie nicht bedrängt werden. Eine behutsame Annäherung ist entscheidend.

Das angemessene Verhältnis von Nähe und Abstand wirkt sich unmittelbar auf das Gefühl aus. Wenn ich sage, dass mir jemand 'auf die Pelle rückt', dann wehre ich mich damit gegen einen Anspruch auf Nähe. Nähe ist eine intuitive Antwort auf eine gute Verbindung. Sie kann nicht gefordert werden. Wird sie eigens thematisiert, dann liegt wahrscheinlich schon eine Verletzung vor. Damit Nähe sich einstellen kann, ist auch Abstand notwendig. Er sichert den Raum zum freien Atmen und zur klaren Sicht.
(urs)

2
Nov
2006

Unterstützung

unterstuetzung

Wer sich verläuft und ohne Kompass durch die Gegend irrt, hat es schwer, die Orientierung wieder zu finden. Irgendwann tritt er auf seine eigenen Füße, in der Dunkelheit ist die Sicht miserabel. Um im Bild zu bleiben - wenn dann plötzlich jemand auftaucht, der gut ausgestattet ist und sich auskennt - natürlich würde man ihm folgen.

Woher erhalten Menschen ihre Energie? Wie entstehen die Kräfte, die auch unter widrigen Umständen erfolgreiches Handeln möglich machen? - Durch erfolgreiches Handeln! Das ist ein wesentlicher Verstärker. Entscheidend ist, die jeweils passenden Aufgaben zu wählen, flexibel zu reagieren, die Schritte der Erfahrung anzugleichen. Ein Energieverlust muss genau betrachtet werden. Kommt er überraschend, dann wurde Wichtiges übersehen.

In der Kindheit und Jugend haben Vorbilder eine große Bedeutung. Sie sind Maßstab und Ansporn zugleich. Unabhängig vom Alter und von der Erfahrung ist es sehr förderlich, die Nähe von Menschen zu suchen, die die eigenen positiven Kräfte stärken.
(urs)

1
Nov
2006

Durchlässigkeit

durchlaessigkeit

Kinder spüren mit vollkommener Sicherheit, wenn Erwachsene ihnen offen begegnen. Sie verlassen sich spontan auf sie, trauen ihnen. Sie lieben sie. An der Hand eines solchen großen Gefährten lernen sie zu unterscheiden. Es gibt helle und dunkle Räume. In den hellen Räumen kann ich mich frei bewegen. In den dunklen muss ich erst für Licht sorgen. Oder ich betrete sie lieber nicht. Das lässt sich auch zusammen klären.

Die 'Großen' sind ebenso auf Gefährten verwiesen. Kinder mahnen, daran zu denken, wie verletzlich Leben ist. Also auch das eigene. Zu viele Häute sind vielleicht in den Jahren gewachsen. Dicke Häute. Kaum dringt Licht hindurch. Die Verletzlichkeit scheint damit herabgesetzt. Das ist eine untaugliche Sicherheit. Leben ist ständige Bewegung vom Hellen zum Dunklen und wieder zum Licht. Empfindsamkeit macht durchlässig.
(urs)

31
Okt
2006

Mit weniger mehr sehen

weniger-ist-mehr

Die Enge des menschlichen Bewusstseins bewirkt, dass wir nicht alles mitbekommen, was für uns wichtig sein könnte. Aber wir haben die Möglichkeit, die Inhalte unseres Bewusstseins zu komprimieren, um so dessen Kapazität zu vervielfachen.

Die Methode des Komprimierens wird Definieren genannt. Definieren bedeutet - aus dem Lateinischen ins Deutsche übertragen: mit minimalem Aufwand so abstrahieren, dass möglichst viel Konkretes erfasst werden kann. Begreifen vollzieht sich als Verallgemeinern vieler erfolgreicher einzelner Wege.

Definieren heisst, sich gute Vorlagen für alle möglichen Fälle verschaffen. Das geschieht nicht, wie Amateure meinen, durch Erfahrungen, sondern allein durch das Denken. Nicht die Erfahrung spielt mögliche Wirklichkeiten durch.

Wer dieses Spiel beherrscht, erkennt schneller, was tatsächlich der Fall ist. Der ADAC ermahnt zum vorausschauenden Fahren. Die Philosophie der Natur weitet das aus auf das Leben schlechthin.

Das Leben wird um so freier, je mehr Begriffe sich an seiner Gestaltung beteiligen.
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30
Okt
2006

Balance

balance

"Große Uhren gehen tick-tack, tick-tack, kleine Uhren gehen tck-tck, tck-tck und die kleinen Taschenuhren gehen tickitickitick." Dieser kleine Kanon für Kinder macht die Zeit hörbar. Wir schauen auf die Uhr, wenn wir die Zeit wissen wollen. Dieses Wissen terminiert unser Leben. Die natürliche Zeit schenkt uns nicht nur das Licht sondern auch den Atem der Natur. Wenn sich unser Körper in den kommenden Wochen weniger durch Licht aufladen kann, dann lassen Sie ihn sich über das Atmen des Lebens aufladen. Auf diese Weise können Sie fehlendes Licht kompensieren.

Unser Gehirn lädt vor allem über das Gehör auf. Hören Sie also auf den Klang des Lebens, das Sie umgibt. Schließen Sie öfter einmal Ihre Augen und gestalten Sie innere Bilder aus den Geräuschen, die Sie umgeben. Selbst Verkehrsgeräusche können Ihnen erzählen, was das für Menschen sind, die da unterwegs sind. Oder achten Sie einmal auf das, was Ihnen die Schritte eines Menschen über ihn erzählen.

Bewahren Sie Ihre körperliche Stabilität, indem Sie das innere Gleichgewicht halten. Auf der Balkenwaage heute finden Sie in der einen Waagschale das Licht des Lebens. Halten Sie die Waagerechte, indem Sie mit kürzer werdenden Tagen mehr auf den Ton des Lebens achten.
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29
Okt
2006

Nichts wächst in den Himmel

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Begriffe sind wie Bäume. Sie wurzeln in Intuitionen für das Machbare. Ihr Stamm ist genau so kräftig wie die Methode, deren Anwendung in unterschiedliche Vorhaben verzweigt. Das Abstraktionsniveau entscheidet über die Höhe seines Wachstums. Aber diese Bäume können Widerwärtigkeiten nur standhalten, wenn der Geist ihnen die Nährstoffe der Gedanken nicht vorenthält. Das Blattwerk besteht aus vielen kleinen neuronalen Netzen, die das Licht der Phantasie und des inneren Auges einfangen.

Der Mythos spricht von einem Baum der Erkenntnis. Und dieser Baum erzählt uns, dass alle Schöpfung aus dem Nichts erwächst und auch wieder in das Nichts hinein zerfällt. Begriffe können so alt wie Bäume werden. Aber irgendwann werden sie gefällt. Sie fallen einer geschichtlich veränderten Vernunft zum Opfer.
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28
Okt
2006

Sensible Mitteilungen

sensible-mitteilungen

brauchen einen geeigneten Raum. Sie fallen sonst scheinbar in sich zusammen und wirken demoliert. Tatsächlich sind sie unbeschädigt. Die Wahrnehmung ist getäuscht. Das ist der Selbstschutz. Wesentliche Information verschließt sich bei Störungen. Die Oberfläche spiegelt einfache Muster, eine Resonanz auf die getäuschte Wahrnehmung.

Was aber sind geeignete Räume? Geeignet - wofür? Räume lassen sich auf ganz unterschiedliche Weise erfahren. Höre ich jemanden sprechen und nehme ich zugleich den Klang als Schwingung wahr, dann erfahre ich für diesen Augenblick den Raum des Sprechenden. Vermeide ich schnelle Benennungen, dann werde ich mit einer sensiblen Mitteilung beschenkt. Es ist die selbe Offenheit, die mir auch etwas von mir mitteilen kann.
(urs)

27
Okt
2006

Kommunikations-Hygiene

kommunikation1

Früher schrieben wir einander Briefe. Das verlangte zumindest Aufmerksamkeit. Ein unbedachter Augenblick und das Papier war verdorben. Auf eine Antwort musste man warten. Tage in jedem Fall. Heute zappen wir durch TV-Programme oder klicken uns durch Internetseiten, oftmals ohne noch wahrzunehmen, was da vor unseren Augen aufflackert. Mails, Foren, Chat, Weblogs - Angebote gibt es reichlich, um einzuhalten, nachzudenken, sich mitzuteilen und zu antworten, gemeinsam ein Thema zu diskutieren und so vielleicht voneinander zu lernen.

Das klingt gut. Doch ein Mehrwert entsteht damit nur, wenn mit diesen Möglichkeiten verantwortungsbewusst umgegangen wird. Weblogs haben eine Kommentar-Funktion, die ein- und ausgeschaltet werden kann. Ist sie, wie es die Regel ist, für Leser verfügbar, bedeutet dies eine Einladung. Das Thema liegt vor, dafür steht die Webseite. Der Wert der Inhalte kann für alle wesentlich gesteigert werden, wenn diese Möglichkeit mit Bedacht genutzt wird.
(urs)

26
Okt
2006

Brücken bauen

bruecken-bauen

Isoliertes verkümmert. Manchmal wehrt es sich, bricht auf. Die meiste Zeit maschiert es einfach weiter, für sich, ohne zur Seite zu schauen. Deshalb hat es auch kaum ein Gespür dafür, dass dieses Fortschreiten unproduktiv ist.

'Begriffskalender' - das Wort verspricht scheinbar schnelle Lösungen. Gib mir eine Definition eines bestimmten Begriffes und ich kann wieder gehen. Ich habe sie ja. Ja? Das funktioniert nicht. Deshalb gibt es sie hier auch nicht. Worte, zusammengefügt zu einem Satz, nach den Regeln der Grammatik mit einer Satzaussage, kann ich mir wieder holen, auch laut vorsprechen... nichts geschieht, wenn nicht etwas Neues entsteht. In mir, in dem Menschen, der verstehen will. Ich muss also etwas tun mit diesen Inhalten, damit ich etwas gewinne.

Diese Texte stehen im Internet. Ein naheliegender Brückenbau wäre ein Kommentar. Wer den Link 'Kommentar verfassen' wählt, verspürt sofort, was gemeint ist. Alle tradierten Aktivitäten bleiben erhalten. Ich kann dazu einen eigenen Text entwickeln. Oder ich male. Oder...
(urs)

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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