25
Okt
2006

'Sag mir wo die Blumen sind'

sag-mit-wo-die-blumen-sind

Der Antikriegssong 'Where have all the flowers gone?' von Pete Seeger ist weltweit bekannt und es gibt ihn in vielen Sprachen. 'When will they ever learn, oh when will they ever learn?' endet jede Strophe - 'Wann wird man je verstehn? Wann wird man je verstehn?'. Krieg ist immer noch die letzte Antwort, wenn Verständigung misslingt - 'Krieg' in allen Lebensbereichen, als Selbstverleugnung, Missachtung grundlegender Bedürfnisse, fehlendem Mitgefühl, mangelnder Fantasie und einer Vernunft, die diese Bezeichnung nicht verdient.

Ein guter Song spricht unmittelbar das Gefühl an. Traurigkeit empfinde ich bei diesem Song. Doch ich kann mich nicht lange darin aufhalten. Sofort stellen sich Fragen ein, die auch das gestern dargestellte Thema 'Lebensfreude' berühren. Wie kann ich mich meines Lebens freuen, wenn es so viel Leiden gibt, für das Menschen verantwortlich sind? Es ist nicht legitim, die Geschichte oder die vermeintliche Natur des Menschen anzuführen. Notwendig ist es dafür zu sorgen, dass das Bewusstsein für die Zusammenhänge gestärkt wird. Dass mehr und anders in Bildung und Ausbildung investiert wird. Nur wer Alternativen kennen lernt, kann sich auch für sie entscheiden. Das gilt im persönlichen Bereich ebenso wie in der Politik.
(urs)

24
Okt
2006

Lebensfreude

lebensfreude

Warum, um alles in der Welt, sollten wir hier auf der Erde sein, wenn nicht dazu, uns des Lebens zu erfreuen! Dieser spontan entstandene Satz ist das Ergebnis eines Vormittags, an dem 'alles stimmte'. Einfache Erlebnisse, freundliche Begegnungen auf der Straße, beim Einkauf von Obst und Gemüse... aufmerksame Menschen, Ältere auch. Und beim Zahnarzt war ich. Stunden mit einem Lächeln.

Und wie gelangt das Lächeln zu uns? Wo bleiben die vielen Sorgen, die Zweifel, diese schwere lastende Athmosphäre, die wir offensichtlich seit längerer Zeit abonniert haben? Haben Menschen mit ungewöhnlichen Einfällen zu Verbesserung der Lage - politisch, gesellschaftlich - eine Chance, wahrgenommen zu werden? Gibt es sie überhaupt?

Natürlich gibt es sie. Doch es macht wenig Sinn, nach Menschen zu rufen, die etwas ausrichten sollen. Das Rufen geht zunächst an mich. Was kann ich heute - jetzt - tun, um mit mir im Einklang zu sein? Welche Aufgaben stehen an? Gibt es eine dabei, die mir am schwersten fällt? Dann habe ich Glück. Wenn ich diese sofort erledige, habe ich den kräftigsten Schritt zur Aufhellung der Athmosphäre getan.
(urs)

23
Okt
2006

Wie komme ich zu einem Bild von mir?

bild-von-mir

Eine vertraute Situation: Eine Bekannte sagt beiläufig in einem Gespräch etwas über mich. Sie benennt mit großer Selbstverständlichkeit eine Eigenschaft oder eine Verhaltensweise. Sie ist sich sicher, dass sie mir nichts Neues mitteilt. Deshalb ging es ihr auch so leicht über die Zunge. Einen Spiegel hat sie mir unwissentlich hingehalten. Ich muss nun genau hinschauen, um mich in diesem Bild zu erkennen.

Das Bild von sich, das jeder täglich mit sich trägt, ist kein Standbild. Es ist eher eine unscharfe Filmaufzeichnung. Die meiste Zeit passiert garnichts. Es ist müssig, sich ständig selbst zu beobachten. Das, was ich tue, ist ein brauchbarer Spiegel. Geschieht jedoch etwas, das der Erwartung zuwiderläuft, dann frage ich nach. Jetzt kann ich nachträglich Sequenzen abrufen, sie mir mehrfach unter unterschiedlichen Perspektiven und Aspekten anschauen. Korrekturen können geplant werden, wenn es eine ähnliche Konstellation gibt.

Damit habe ich auch noch kein Bild von 'mir'. Ich kann aber schon Auskunft geben. Wahrscheinlich kann ich entscheiden, ob das Bild, das mir ein anderer zeigt, treffend oder überbelichtet, unscharf ist oder gar einen ganz anderen Menschen abbildet.
(urs)

22
Okt
2006

Kurzsichtigkeit

kurzsichtigkeit

Warum ist es ungewöhnlich, wenn sich jemand nicht daran interessiert ist, möglichst viel Geld oder Eigentum zu besitzen? Es ist nicht einleuchtend, dass es sich lohnen soll, viele Bedürfnisse und Wünsche weit zurück zu stellen mit dem Ziel, irgendwann richtig wohlhabend zu sein. Natürlich lassen sich Gründe nennen. Doch sie sind zu einfach. Das Bedürfnis nach Sicherheit: 'Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt!' Wann aber bin ich beruhigt? Wieviel Besitz muss ich ansammeln, damit ich mich - endlich - anders ausrichten kann? Dieser Zustand ist auf diesem Weg nicht zu erreichen. Es liegt eine Täuschung vor. Besitz ist außerdem sehr flüchtig - das Gegenteil von Sicherheit.

Ich greife dieses Bedürfnis auf und frage erneut: Warum wird so wenig in die Sicherheit investiert? Es ist augenscheinlich, dass es vielen Menschen, gerade auch älteren, nicht gut geht. Sie wissen nicht, wie sie etwas für sich selbst tun können. Zu wenig wird investiert in Einsicht, Vernunft und natürlich auch Geld in die Entwicklung der Kinder und ihre Ausbildung. Wer in jungen Jahren nicht erfährt, wie viel sicherer und glücklicher er ist, wenn er lernt, sich zu fordern - zu lernen lernt - der wird als Erwachsener nur mühevoll diese Lücke schließen. Es lohnt, darüber gründlich nachzudenken.
(urs)

21
Okt
2006

Lichtverhältnisse

lichtverhaeltnisse

Solange ich mich erinnern kann, hat mich die Frage beschäftigt, warum Menschen, die ich kenne, sich damit abfinden, dass sie 'nichts machen können'. Eine solche Aussage kann vieles bedeuten. Die Auswirkungen sind dieselben. Ich muss mich abfinden. Alle Ereignisse bestätigen mich. Die Welt ist grau.

Sicher liegt hier eine kräftige Täuschung vor. Doch sie ist nicht leicht aufzudecken. Argumente rufen Gegenargumente auf. Besser ist es, ein kräftigeres Bild gegenüber zu stellen.

Auf jeden Tag folgt eine Nacht. Auf jede Nacht folgt wieder ein Tag. Mein Tag folgt dem Rhythmus der Natur. 'Nacht' und 'Tag' zu benennen, ist unser Erleben. Licht ist da und es entzieht sich wieder. Mein eigenes Licht, die Sehkraft, ist einmal größer, dann nimmt sie wieder ab. Ich kann sehr gut beobachten, wann und wie ich besser sehen kann. Im hellen Licht gelingen feine Arbeiten viel besser. Ich achte auf die Lichtverhältnisse. Das feine Gespür für die Differenzierungen kann sich entwickeln; es hilft, genauer zu werden. Ich verstehe immer besser, warum dieses Sehen-Lernen niemals enden kann.
(urs)

20
Okt
2006

Anders als die anderen

anders

Eingrenzen und ausgrenzen. Wer gehört dazu, zu uns, wer gehört nicht dazu. Erkennungsmerkmale festlegen, Übereinstimmung herstellen. Regeln bestimmen, Gebote und Verbote ableiten. Ein geschlossenes System.

Das ist eine gefährliche Situation für diejenigen, die am Rande stehen, weder zu dem einen noch zu dem anderen System gehören. Sie fallen durch die Maschen der Netze oder sie verhakeln sich. Das ist noch problematischer, weil die Hilflosigkeit eigens auf das Andere verweist.

Es ist schwierig genug, die richtigen Strategien zu entwickeln, um nicht unablässig in Konflikt mit anderen zu geraten. Jeder ist anders. Jeder Mensch hat Versagensängste, Unsicherheiten, auch Eigenschaften, die ihn vielleicht nur schwer integrierbar machen in ein System von Vereinbarungen und gewachsenen Strukturen. Die seelische Notwendigkeit, irgendwo zu Hause zu sein, sich einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen, Anerkennung zu finden gerade mit den ganz persönlichen Merkmalen und Eigenschaften sichert bis zu einem gewissen Grad das Lernen. Dazu gehört auch, mehr und mehr zu verstehen, dass jeder eben vollkommen anders ist. Dass diese Andersartigkeit einen Reichtum darstellt, auch wenn sie manchmal so schwer zu akzeptieren ist.
(urs)

19
Okt
2006

Die eigenen Gedanken hören

gedanken-hoeren

Alles hat eine sinnliche Qualität. Das lässt sich zeigen. Dazu eine kleine Inszenierung. Sie gehen auf einen Raum zu. Die Tür ist noch geschlossen. Sie achten auf den Weg. Es ist ein besonderer Raum. Wie jeder Raum. Da ist die Tür. Sie treten ein.

Hörend, riechend, schmeckend... das Berühren der dickbauchigen Keramiktasse, der Blick aus dem Fenster zum Horizont oder auf einen Baum in der Nachtmittagssonne, das Rascheln der Buchseite, die sanfte Schwingung in einer Stimme, Wasser fließt kühl in eine Schüssel, der Apfel schmiegt sich in die Hand...

Wahrnehmen. Was für ein sprödes, aller Kraft beraubtes Wort für diese außergewöhnlichen Räume.
(urs)

18
Okt
2006

Die eine und die andere Seite

zwei-seiten

Wo bleibt der Begriff? Es ist doch schließlich ein Begriffskalender! Geduld. Ich werde ihn entwickeln oder besser auswickeln. Da ist er in einer noch ursprünglichen Weise. Über den Weg bis hierher ließen sich mit Leichtigkeit Seiten füllen. Und ich bin beim Thema - nicht bei einem Begriff! Das wäre eine plumpe Verführung zum Abschalten. Wenn ich dagegen Sie verführe weiter zu lesen, dann habe ich erreicht, was ich anstrebe. Verständigung. Über Grenzen hinweg.

Grenzen, das sind zunächst einmal Reviere. Es ist hinreichend bekannt, dass das Revierverhalten ein grundlegendes Bedürfnis nach Sicherheit ist. Das gilt es im Auge zu behalten, um nicht unsinnige Forderungen aufzustellen. Doch es ist eine ziemliche lange Strecke von einer solchen wörtlichen Anerkennung eines Bedürfnisses bis zum verbindenden Verhalten. Das dann auch Verbindlichkeiten möglich macht.

Streckenbeschreibung:

1. Einsicht in die Notwendigkeit. Behauptung: Wahrscheinlich würde es kaum noch Kriege geben, wenn Schule = Lebensschulung sein könnte. Das beinhaltet eine Aufklärung über grundlegende Bedürfnisse und ihre angemessene Befriedigung. Aufklärung meint vor allem Erleben, also Tun. Wer erfolgreich handeln kann, verspürt wenig Lust, andere bei demselben Ziel zu stören. Im Gegenteil. Er erkennt, wie viel besser es ist, zusammen erfolgreich etwas wirklich werden zu lassen.

2. Fremde Reviere kennenlernen. Ist die Einsicht vorhanden, dann wird schnell deutlich, dass es sehr viel zu lernen gibt. Projekte misslingen, weil die mit bester Absicht und fantastischen Ideen begonnene Zusammenarbeit scheitert, wenn ich die Sprache des anderen nicht beherrsche, nicht verstehe, warum er gerade jetzt dies oder jenes tut, nicht weiss, wie ich es herausfinden kann, nicht gelernt habe, Konflikte zusammen zu lösen.

3. Das Gelernte weitergeben. Wenn ich erfahre, wie Wege kürzer werden, dann kann ich schlecht zusehen, wie andere weiterhin die beschwerlichen Umwege nehmen. Sie sagen vielleicht: 'So ist das eben!' Oder: 'Damit muss ich mich abfinden!' Möglich, dass manche nicht erreichbar sind. Wahrscheinlich ist auch, dass sie in diesem Augenblick ganz andere Unterstützungen brauchen. Alles hat seine Zeit und jeder Mensch lernt dann, wenn es für ihn richtig oder notwendig ist. Trotzdem: Verstummen sollte deshalb niemand. Die einzelnen Reviere sind zu eng und der Boden wird unfruchtbar, wenn immer dasselbe angebaut wird.
(urs)

17
Okt
2006

Es is so schwer, die Wahrheit zu erkennen!

wahrheit-erkennen

Wahrheit - das signalisiert einen hohen Anspruch. Die im Titel enthaltene Emotion spricht da viel 'wahrer'. Es ist vollkommen müßig, sich ständig selbst zu erforschen, zu grübeln, 'nach zu denken' - den eigenen Antrieben hinterher zu laufen. Sie sind bereits vergangen. Doch gemeint ist eine Diskrepanz zwischen Gefühl und Verstand. Die Vernunft ist noch nicht aufgewacht.

Ich riskiere einmal einen Blick in den Tag hinein. Was ich sehe, ist faszinierend. Sei unverstellt und alle Verstellungen lösen sich im selben Augenblick auf. Verschiebt dieser Satz nicht nur die Ausgangsfrage, die indirekte, etwas verstellte Suche? Ja und nein.

Wenn ich einem Menschen begegne, dann ereignet sich etwas. Das ist sehr schwer in Worten zu fassen. Zum Glück versteht jeder das Gemeinte. Der Blickkontakt ist das Bild dafür. Wir erkennen einander und wissen, dass es so ist. Wir wissen ganz genau, ob ein solches Ereignis stattfand oder ob wir uns auswichen. Das geschieht und läßt sich nicht manipulieren. Es ist nicht schwer, die Wahrheit zu erkennen. Sie geschieht.
(urs)

16
Okt
2006

Gespenster verscheuchen

gespenster

Die Trennwand ist hauchdünn. Nur die Oberfläche scheint schier undurchdringlich. Scheint. Denn oftmals genügt eine kleine Geste und diese aus Schutzmassnahmen und missverstandenen Pflegeanweisungen geformte engmaschige Hülle bricht auf. Was kommt zum Vorschein? Eine verletzliche Seele, jetzt, in der Offenheit und im hellen Licht ungewohnten Tiefenblicks. Ein Wesen, das unmittelbar das Gefühl sprechen lässt.

Diese Erfahrung ist wichtig. Je mehr Vorkehrungen zur Abschirmung, desto bedeutender das Erleben von Verletzlichkeit und Ungeschütztheit. Jetzt kommt es darauf an. Kleinen Kindern, die voller Angst in die Dunkelheit starren, hilft die liebevolle körperliche Zuwendung ihnen Nahestehender. Die Schimären lösen sich auf. Die offene Tür hin zu den Eltern erzeugt später die Spannung, die ausreicht, um selbst hilfreiche Energien zu aktivieren. Wir lächeln vielleicht. Kinder! Doch es ist vergleichbar. Gespenster, das sind immer meine Gespenster, sie gehören ebenso zu mir wie mich stärkende Bilder, die auch ich erzeuge. Helligkeit und Dunkelheit bedingen einander. Das, was sie beinhalten, verändert sich ebenso wie die Intensität des Erlebens. Gespenster verscheuchen, das ist der gute Kontakt zu Kraft spendenden Energien.
(urs)

15
Okt
2006

Klimawechsel

klimawechsel

Vernünftige Argumente bedrängen nicht. Sie sprechen die Vernunft an. Und die bleibt ja genau in dem Raum, in dem es sich gut aushalten lässt - wohltemperiert.

Die Vernunft hat eine mächtige Schwester, die Fantasie und einen Bruder mit Gewicht, den Verstand. Als Team sind die drei fasst unschlagbar - wenn sie selbst gut sind. Dazu brauchen sie Verstärkung: klare Vorstellungen von ihrem Einsatz und vor allem so etwas wie eine seelische Betreuung - eine Haltung, die für ein ausgezeichnetes Klima sorgt.

Woran liegt es wohl, dass ich mich kaum traue, das hier einzig passende Wort zu nennen? Visionen sind erforderlich, um etwas wesentlich zu bewegen. Ein klares Bild von einer wirklich möglichen, wünschenswerten und vielleicht sogar notwendigen Wirklichkeit. In diesem Bild sind die persönlichen Beweggründe enthalten, verdichtet und damit auch von blossen Träumen bereinigt. Visionen sind erforderlich, wenn aus der Begabung zur Vernunft vernünftiges Handeln werden soll.

Das Elend in grossen Teilen der Welt, eigenes Misslingen im Alltag - sie müssen nicht mehr verdrängt oder verurteilt werden; die Hinwendung zu klar formulierten, aus Visionen abgeleiteten Zielen zeigt gehbare Schritte. Nur oberflächlich betrachtet widersprechen sie 'aller Erfahrung'. Es ist gerade die Erfahrung, die dies bestätigt.
(urs)

14
Okt
2006

Trampelpfade oder neue Wege

trampelpfade

Ziele machen es möglich, Wege zu wählen und zu bestimmen. Ohne Ziele fehlt die Orientierung, also auch die Grundlage für Entscheidungen. Wenn ich nicht weiss, wohin ich will, kann ich nicht sagen: dies ist ein guter Weg. Oder: das ist ein Irrweg, ich verlaufe mich gerade. Das vorgestellte Ziel werde ich in dieser Richtung nicht erreichen. Ohne Ziel bin ich in der Gefahr, nur zu wiederholen, was schon gelingt. Ich sehe nicht darüber hinaus.

Eltern überlegen sich, wie sie ihren Kindern 'den Weg ebnen' können - hin zu einem gelungenen Leben. Häufig bestimmt sie der Wunsch, die Kinder sollen es 'einmal besser haben' als sie selbst, die Eltern. Gelungene Kinder = gelungene Eltern. Diese Gleichung kann nicht aufgehen, wenn sie einem Mangel entspringt, der nicht so guten Bewertung des eigenen Lebens. Für die nachfolgende Generation ist es zudem schwer herauszufinden, in welcher inneren Gegend viel gute Luft gegeben ist, um eigene Lebensentwürfe zu gestalten.

Die schönen Wegstrecken, die leichten Fußes gegangen werden können, wären gut für einen gelassenen Weitblick geeignet. Genau dann entsteht selten ein solches Bedürfnis. Erst ein Mangel motiviert oder zwingt gar zum Nachdenken. Wege sind selten eben. Also eigentlich viele Gelegenheiten nachzudenken! Gute Ziele sind jedoch sehr anspruchsvoll. Sie setzen eine starke Motivation, Fantasie und einen geschulten Blick - Erfahrungen im Denken - voraus. Sie sind höchst persönlich und sie gedeihen auch nur im Schutz einer geistig-seelischen Intimssphäre.
(urs)

13
Okt
2006

Spiegelbilder

spiegelbilder

Sie gehen in der Stadt durch eine belebte Straße. Kurze Blickkontakte, ein Lächeln, verschlossene Gesichter, eine unabsichtliche Berührung, Ausweichen, Lücken nutzen und schnell an jemandem vorbeihuschen. Oder ein Café. Sie sitzen allein an einem Tisch, warten auf das bestellte Getränk, schauen sich um... dasselbe Spiel von Nähe und Distanz, Zustimmung und Ablehnung. Menschen, denen Sie begegnen, spiegeln sich in Ihrer Pupille - Ihre Erscheinung nimmt für kurze Augenblicke oder auch länger das Bewusstsein anderer in Anspruch. Die Gefühle spiegeln wiederum, was Sie erleben. Sie tragen Ihr Selbstbild spazieren und reflektieren es an dem anderer.

Diese beiläufigen Selbstwahrnehmungen laden geradezu zu einer spielerischen Inszenierung ein - vorausgesetzt, man fühlt sich innerlich frei genug und ist 'gut drauf'. Bin ich unfrei, an mich gefesselt, dann sehe ich überall dasselbe, nämlich negative Abbilder meiner Innenschau. Mehr oder weniger bewusst läuft diese Selbstbetrachtung auch ohne die Gegenwart anderer ab. Vollkommen ausgeblendet wird sie allerdings bei sehr engagiertem Arbeiten. Das ist zugleich eine Art Selbstbefreihung. Vollkommen aufgehen im Tun, das ist der beste Spiegel, in den ich - später - glücklich schauen kann.
(urs)

12
Okt
2006

Bedürfnisse

beduerfnisse

Für dieses Wort muss ich zunächst etwas tun. Ich muss es frei machen von einem 'Beigeschmack'. Die unmittelbar auftretenden Assoziationen verschieben es in die Ecke des Tabuisierten. Wer von seinen Bedürfnissen spricht, ist bei uns in der Gefahr, seltsam angeschaut zu werden. Das nicht Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse bewirkt den leicht verschleierten Blick.

Bedürfnisse zeigen einen Mangel an. Bin ich hungrig, dann verspüre ich die mir mangelnde Nahrung. Das Gefühl zeigt mir, dass sich ein Ungleichgewicht anbahnt. Ich brauche etwas zu essen und zu trinken. Dieses naturgegebene Hungergefühl kann ich für eine Weile unterdrücken. Ich weiss, im Augenblick gibt es keine akzeptable Lösung oder ich habe jetzt keine Zeit, keine Lust, mich mit meinen körperlichen Bedürfnissen zu beschäftigen. Andere Bedürfnisse sind gerade viel mehr bestimmend.

Die von Abraham Maslow entwickelte Bedürfnispyramide zeigt eine Rangfolge. Die grundlegenden körperlichen Bedürfnisse, die das Überleben sichern, müssen befriedigt sein, damit die 'höheren' geistig-seelischen Bedürfnisse motivierend in Erscheinung treten können. Wer seit Tagen nichts gegessen hat, ist nur unter extremen Bedingungen bereit und in der Lage, an anderes zu denken und entsprechend zu handeln wie es beispielsweise die Rettung von Menschen aus einer Notlage erfordern kann. Ein Mensch, dem es nicht gelingt, andere für sich zu gewinnen und liebevolle Zuneigung zu erfahren, kann schwer von diesem Mangel abstrahieren.

Wir kompensieren Bedürfnisse. Ein Mangel, für den es scheinbar keinen Ausgleich gibt, versuchen wir durch erfolgreiches Handeln in einem anderen Bereich auszugleichen. Wer ohne liebevolle Kontakte leben zu müssen meint, versucht vielleicht, besonders gute Leistungen zu erbringen, um in einem anderen Rahmen Anerkennung zu erlangen. Bedürfnisse werden oft verdrängt, also gar nicht wahrgenommen. Wer gelernt hat, Anstandsregeln einzuhalten und vor allem hoch zu halten, vergisst und übersieht vielleicht, dass er dabei 'Hunger' leiden kann. Es sind vor allem die nicht oder nicht mehr wahrgenommenen Bedürfnisse, die helfen zu lernen, zu wachsen, sich und die Anforderungen des Lebens besser zu verstehen.
(urs)

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

Ergänzende Webseiten

 

Archiv

Mai 2021
April 2021
März 2021
Februar 2021
Januar 2021
Dezember 2020
November 2020
Oktober 2020
September 2020
Juni 2020
Mai 2020
April 2020
März 2020
Februar 2020
Januar 2020
Dezember 2019
November 2019
Oktober 2019
Juni 2019
Mai 2019
April 2019
März 2019
April 2018
März 2018
Februar 2018
Januar 2018
Dezember 2017
November 2017
Oktober 2017
September 2017
August 2017
Juli 2017
Juni 2017
Mai 2017
April 2017
März 2017
Februar 2017
Januar 2017
Dezember 2016
November 2016
Oktober 2016
September 2016
August 2016
Juli 2016
Juni 2016
Mai 2016
April 2016
März 2016
Februar 2016
Januar 2016
Dezember 2015
November 2015
Oktober 2015
September 2015
August 2015
Juli 2015
Juni 2015
Mai 2015
April 2015
März 2015
Februar 2015
Januar 2015
Dezember 2014
November 2014
Oktober 2014
September 2014
August 2014
Juli 2014
Juni 2014
Mai 2014
April 2014
März 2014
Februar 2014
Januar 2014
Dezember 2013
November 2013
Oktober 2013
September 2013
August 2013
Juli 2013
Juni 2013
Mai 2013
April 2013
März 2013
Februar 2013
Januar 2013
Dezember 2012
November 2012
Oktober 2012
September 2012
August 2012
Juli 2012
Juni 2012
Mai 2012
April 2012
März 2012
Februar 2012
Januar 2012
Dezember 2011
November 2011
Oktober 2011
September 2011
August 2011
Juli 2011
Juni 2011
Mai 2011
April 2011
März 2011
Februar 2011
Januar 2011
Dezember 2010
November 2010
Oktober 2010
September 2010
August 2010
Juli 2010
Juni 2010
Mai 2010
April 2010
März 2010
Februar 2010
Januar 2010
Dezember 2009
November 2009
Oktober 2009
Juni 2009
Mai 2009
April 2009
März 2009
Februar 2009
Januar 2009
Dezember 2008
Oktober 2008
Februar 2007
Januar 2007
Dezember 2006
November 2006
Oktober 2006
September 2006
Dezember 2005
November 2005
Oktober 2005
September 2005
August 2005
Juli 2005
Juni 2005
Mai 2005
April 2005
März 2005
Februar 2005
Januar 2005
Dezember 2004

Aktuelle Beiträge

. . .
Man muss alle Bewegungen der Natur genau beobachten,...
wfschmid - 25. Mai, 09:45
Unsichtbare Welt
Neuronale Dämmerung im Dunkel des Unbewussten. Der...
wfschmid - 24. Mai, 06:44
glaub' oder glaube nicht was...
glaub' oder glaube nicht was geschehen ist schuf dich ich...
wfschmid - 15. Mai, 04:07
Annähern
Loslassen können Es erinnern Leuchtende Bilder An diesen einzigartigen...
wfschmid - 14. Mai, 08:30
Magische Linien 1
Magische Linien 1 Geschützte Markierung Gefühle der...
wfschmid - 13. Mai, 09:26
Magische Linien 1
Geschützte Markierung Gefühle der Atem die Energie ein...
wfschmid - 13. Mai, 09:23
Sehr schön
Lieber Wolfgang, meine Emails kommen offenbar nicht...
snafu - 6. Mai, 10:55
. . .
So offenbart sich im Stillleben Vincent van Goghs „Ein...
wfschmid - 30. April, 10:52

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 7778 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 24. Juli, 02:02

Suche (AND, OR erlaubt) - Nächste (leere) Zeile anklicken!

 

Credits

 

 

Es gelten die Rechtsvorschriften für Webseiten der Universität Flensburg © Texte: Wolfgang F. Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) wfschmid(at)me.com Bilder: Ulrike Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) mail(at)ulrike-schmid.de

 wfs


development