11
Okt
2006

Chaos und Ordnung

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Es ist eine Täuschung. Das weiss jeder. Doch immer wieder tritt sie ein. Wenn alles gut geordnet ist, dann ist alles gut! Nein. Alles bewegt sich zwischen den beiden Grenzzuständen Ordnung und Chaos. Erkenntnisse, Wissen, unablässig sich weiter entwickeln. Da gibt es eine Triebkraft, die umso stärker wird, je mehr sie angenommen wird. Das Bewusstsein läßt sich nicht ausschalten - das Bewusstsein davon, dass es nicht möglich ist, alles auf einmal zu erkennen, überhaupt sicher zu sein, bei einer einzigen Erkenntnis, dass diese umfassend, gänzlich, erschöpfend ist.

Der Glaube hat hier seinen Grund. Erkenntnisse sind beschränkt, letzten Endes relativ zu den nicht mehr hinterfragbaren Grundannahmen, auf denen sie fussen. Axiome der Wissenschaften stehen dafür. Die heute kleinstdenkbare Einheit erweist sich wahrscheinlich irgendwann als zerlegbar. Dieser Prozess selbst kann mit bedacht werden. Die abstrahierte kleinste Einheit wird formuliert und einbezogen. Für sie gibt es kein nachweisbares natürliches Äquivalent. Eine faszinierende Modellierung. Sie treibt das Denken weiter. Existieren können wir jedoch nur mit erfahrbaren Sicherheiten, erlebter 'Wirklichkeit'.

Also müssen wir diesen Wechsel aushalten, die Bewegung vom Chaos zur Ordnung und wieder zur Auflösung. Aushalten, das meint in diesem Zusammenhang: bewusst erleben, annehmen und den nächsten Schritt tun.
(urs)

10
Okt
2006

Wir können nur aus Fehlern lernen! - Lernen wir wirklich daraus?

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Im Alltag funktioniert fast alles reibungslos. Fast alles. Kleine Unachtsamkeiten können schwerwiegende Folgen haben.

So half eine Frau einem Autofahrer, der an ihrer Haustür klingelte. Er hatte eine Panne, sein Tank war leer. Die Frau fuhr ihn in den nächsten Ort zur Tankstelle. Als sie zurückkam, stand ihr Haus in Flammen. Sie hatte vergessen, den Herd abzustellen.

Dass wir im Alltag gewöhnlich gut zurechtkommen, sagt das Wort Alltag selbst: alle Tage Wiederholung des Gleichen, Routinen eben.

Aber sobald wir etwas nicht mit Routine bzw. großer Erfahrung machen, wird es kritisch. Und wenn wir gar anfangen zu denken, wird es problematisch. Ich meine nicht die Gedanken, welche künstlerisch erzählend, intuitiv daherkommen, sondern jene anstrengenden Gedanken, die auf einen klar vorgeschriebenen Weg geschickt werden sollen. Man geht 'nach allen Regeln der Kunst' methodisch vor, um dann zu erkennen, welche methodischen Fehler einem unterlaufen sind.

Das ist ein typisches Bild von geisteswissenschaftlich Arbeitenden, die nicht über die strengen, hilfreichen Wegmarken der Naturwissenschaften verfügen.

Wenn man liest, was häufig gedankenlos zusammengeschrieben wird, dann lässt sich kaum verstehen, wie so etwas geschehen kann. Studierende trichtern sich das vor Prüfungen ein. Sie glauben an den Sinn solchen Unsinns, denn schließlich werden sie doch darüber geprüft.

Niemand kann den Unsinn, der verfasst wird, aus der Welt schaffen und gewisse Geisteswissenschaften abschaffen. Nein, da muss jeder versuchen, aus Zitronen Limonade zu machen.

Aber wie gesagt, die Herstellung eines geistig wohlbekömmlichen Getränks ist nicht einfach. Einen klaren Informationsfluss zu erzeugen ist sehr aufwendig. Das weiß jeder, der es immer wieder versucht und andere dazu einlädt, weil er von Berufs wegen zu informieren hat.

Es gab viele Versuche, anderen beim Denken zu helfen. Der bekannteste Versuch dieser Art ist in den "Regulae ad directionem ingenii" des Philosophen René Descartes dargestellt. Diese hilfreichen Regeln sind nahezu in Vergessenheit geraten. Die Philosophie bietet viele hilfreiche Strategien des Denkens an. Aber meistens sind diese so kompliziert geschrieben, dass sie kaum jemand zu verstehen vermag.

Ich bin im Anbau des Rohstoffes Information tätig und ich bemühe mich auch, mit diesem Rohstoff wirtschaftlich umzugehen. Deshalb habe ich mich aus ökonomischen Gründen entschieden, die wichtigsten Regeln aus der Informationswirtschaft zusammenzustellen.

Selbstverständlich darf das nicht auch wieder ein langweiliges Regelwerk werden, das schon deshalb niemanden interessiert. Ich beschränke mich auf die Regeln, welche letztlich von der Naur abgeschaut sind.

Im Gegensatz zum Menschen bringt die Natur samt allen anderen Lebewesen nichts Langweiliges hervor. Außer dem Menschen verfügt kein Lebewesen über eine naturfeindliche Technik. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das den eigenen Lebensraum und den anderer Lebewesen zerstört. Es ist ganz offensichtlich, dass da mit uns Menschen etwas nicht stimmen kann. Wir bezeichnen uns stolz als vernunftbegabte Lebewesen. Aber es ist unsere Vernunft, die der Natur zuwiderhandelt.

Wir Menschen haben für alles Ordnungen, die uns vorgeben, wie wir uns zu verhalten haben. Wenn wir zu Hause sind, haben wir die Hausordnung. Unterwegs haben wir die Straßenverkehrsordnung. Wenn wir im Dienst sind, haben wir die Dienstordnung. Wer studiert, hat die Studien- und Prüfungsordnung. Es gibt die Geschäftsordnung, Tagesordnung, Sitzordnung usw. usf. Nur die allerwichtigste Ordnung, die haben wir uns nicht geschaffen. Das ist die Ordnung des Denkens.
(swf)

9
Okt
2006

Gegen den Strich bürsten

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Heute fällt mir absolut nichts ein. Das ist eine faszinierende Situation. Falsch wäre es, von Blockade zu sprechen. Das trifft nicht zu; und jede negative Bestimmung verschließt nur angelehnte Türen. Klick. Den Schlüssel müsste ich mühevoll wieder ausfindig machen. Ich lasse mich ein. Was geschieht? Etwas geschieht immer. Die Situation ergründen? Ähnlich unergiebig. Spazieren gehen, bei anderen Anreize suchen? Falsch, ganz falsch. Jeder Impuls würde sich auf der Stelle verabschieden. Du traust mir nichts zu. Also schau, wie du zurecht kommst.

Die Frage nach dem 'Gegenstand' stellt sich ebenso wenig. Er ist da. Sobald auch hier das 'Gegen' weggenommen wird, kann er sich - wieder - zeigen. Ich spüre ihn schon. Dieses Kribbeln ist untrügliches Anzeichen. Schau, du bist Teil eines kleinen Experiments. Ich variiere. Mein Blick ist längst frei. Die Lösung ist bereits in den Sätzen enthalten...
(urs)

8
Okt
2006

Auf Sand gebaut

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Das ist bitter. Plötzlich die Einsicht: alles ist nichts! Nicht einmal für die Katz. Nichts ist nichts.

Erlebnisse, die alles bisher Angestrebte, für wichtig und bedeutungsvoll Angesehene vollkommen auflösen, sind Grenzsituationen. Es fehlen die Worte. Vertraute Erklärungsketten fallen aus. Untauglich, ohne Bezug.

Niemand weiss, was geschehen wird. Ich kann überhaupt nichts aussagen über Erfahrungen, die ich nicht gemacht habe. Was ich tun kann, ist wachsam sein. Mich ernst nehmen. Gründlich prüfen, was ich tue, warum ich genau dieses tue und nicht etwas vollkommen anderes - wie ich mich einsetze, meine Fähigkeiten entwickle. Ich kann feststellen, ob ich in der Gefahr bin, rückwärts zu gehen oder ob ich erfolgreich bin. Ich kann meine Vernunft stärken, meine Lebensenergie unterstützen. Ich kann jeder Zeit Bilanz ziehen. Das Gewissen gibt mir genaue Auskunft, mit meinem Gefühl kann ich mich erfahren. Machen können wir nur Weniges - doch damit sind wir ausgelastet.
(urs)

7
Okt
2006

Sind Kinder glücklich?

energie

'Wenn du groß bist, dann...' Was wird nicht alles in die Zukunft verschoben. Oftmals aus Bequemlichkeit. Wäre es nicht vielmehr angebracht, die Kinder zu warnen? Genießt diese Zeit. Später wirst du wie ich vielleicht 1 + 1 nicht mehr zusammen bringen.

1 = eine Wahrnehmung, 1 = eine Erinnerung. 1 + 1 = meine Antwort als gelingendes Handeln. Kinder verfügen über die Fähigkeit, angemessen zu antworten. Trennscharfe Wahrnehmungen führen zu genauen Beobachtungen und zu gezielten Versuchen, etwas daraus entstehen zu lassen. Aufrecht erhalten wird dieses Geschehen durch Interesse. Weil Entdeckungen Freude bereiten, entfallen alle Erholungsschleifen. Langeweile kennen Kinder zunächst nicht. Irgendwann überfällt sie der Schlaf als Antwort der Natur.

Wenn Interesse ausbleibt, braucht es viel Kraft, um 'am Ball' zu bleiben. Doch was ist das für ein Ball, wenn er ohne Begeisterung gespielt wird? Lustlos schieben Erwachsene in ihrer 'Freizeit' - die sie nun wirklich brauchen - Kugeln über die Billardbahn. Das Lachen ist dabei manchmal etwas zu laut.
(urs)

6
Okt
2006

Grundmuster

grundmuster

In jedem Augenblick treffen uns äußere Signale. Ohne Unterlass durchfließen uns innere Reize. Weniges davon wird bewusst. Ein geringer Bruchteil beeinflusst uns so sehr, dass wir es überhaupt aufgreifen. Eine geringfügige Veränderung der Befindlichkeit oder der Stimmung führen bereits zu ganz anderen Reaktionen.

Ich sitze vor dem Notebook, um diesen Beitrag zu schreiben. Ich habe eine Vorstellung von dem Inhalt, suche den Anfang. Zugleich höre ich draussen starke Windgeräusche. Eine Plastiktüte wirbelt in Bodennähe über den Balkon. Ich schaue unwillkürlich hinaus und überlege kurz, ob ich etwas unternehmen muss. Diese kurze Unterbrechung kann ganz unterschiedlich wirken. Ich entscheide schnell: alles in Ordnung! und schreibe weiter. Ich bin interessiert, meine Gedanken zu binden. Oder ich stehe auf, gehe hinaus, ergreife die Tüte, schaue mich ein wenig draussen um, vergesse meinen Text... dann fällt mir mein Vorhaben wieder ein. Nun brauche ich schon einen zusätzlichen Verstärker, um meine Gedanken wieder zu finden und - verändert - fortzusetzen. Es werden jeweils andere Texte entstehen. Meine Stimmung wird durch die auffälligen Windgeräusche verändert. Meine Einstellung zu meiner Tätigkeit wird einer kleinen Prüfung unterzogen: weiterschreiben oder dem Impuls nach Ablenkung nachgehen?

Wenn Sie dem Text bis hierher gefolgt sind, dann läßt sich daraus schließen: Das Thema spricht Sie irgendwie an. Sie sind gerade in der Stimmung, sich auf die Gedankengänge einzulassen. Die Darstellung selbst bietet hinreichend konkrete Bilder, um eigene Gedanken entstehen zu lassen.
(urs)

5
Okt
2006

'Textgeruch'

textgeruch

Texte haben eine eigene 'Körpersprache'. Sie kann nur intuitiv erfasst werden. Körpersprache ist nicht eindeutig. Die Auslegung ist persönlich. Sie ist aber nicht beliebig. In der Poesie spielt die Anmutung eine entscheidende Rolle. Sprachmelodie und Sprachrhythmus erzeugen eine Einstimmung auf Sprachbilder. Schwingungen entstehen. Lesend schwinge ich mit. Sprache hat hier eine Nähe zur Musik oder auch zur Malerei.

Gelungene Texte machen es dem Lesenden möglich, zu sich zu kommen. Dazu müssen es nicht einmal poetische Texte sein. Auch ein wissenschaftlicher Text kann dies leisten, wenn Genauigkeit mit Verständlichkeit und liebevoller Hinwendung zum Inhalt verbunden sind. Zu sich kommen bedeutet, in mich hineinhören, die Bilder betrachten, die durch die Sprachbilder im Inneren entstehen. Ich lasse meine Gedanken los und lasse mich ein. So erfahre ich etwas.

Gelungene Texte wirken nach. Wie ein besonders schmackhaftes Essen oder eine herzliche Umarmung trägt mich das Gefühl noch eine Weile, bis es allmählich schwächer wird. Doch sie bewirken mehr. Das Gefühl ist der Schlüssel für den Zugang zu den Inhalten. Nehme ich diesen in die Hand, erschließe ich mir den Inhalt durch analoge, aus mir erzeugte Strukturen und Inhalte. Mit dieser Übersetzung wird aus Geschmack ein Anker für den Gehalt.
(urs)

4
Okt
2006

Mitgefühl

mitgefuehl

Das Wort klingt 'alt'. Etwas hat sich verändert. Ich denke darüber nach. Gibt es für das Gemeinte andere Worte? Oder ist das Gefühl nicht mehr gegenwärtig?

Mit einem anderen Menschen fühlen, das geschieht eher ohne Worte. Es läßt sich ablesen an dem Verhalten und der Art und Weise des Handelns. Ein Anzeichen kann die Aufmerksamkeit sein. Zuhören, zugreifen, unterstützen. Ohne Aufheben zu machen. Eine Selbstverständlichkeit.

Bilder aus dem Alltag passen hierher. Begegnungen auf der Straße, im Supermarkt, in der Straßenbahn. Was mir auffällt: ein aufmerksames, andere wahrnehmendes Verhalten fällt deutlich aus dem Rahmen, es fällt tatsächlich auf. Wenn das zutrifft, dann ist es müßig, über 'größere' Gefühle zu sprechen. Wichtiger ist es, darüber nachzudenken, wie und ob dieser einschränkende Zustand aufzulösen ist.

Wer sich darum bemüht, sich selbst unvoreingenommen wahrzunehmen, erkennt auch, wie wichtig andere Menschen sind. Wenn mein Gefühl für mich 'in Ordnung' ist, ich mir gestatte zu sein wer ich bin und mich annehme, dann fühle ich bereits mit, erkenne im anderen das gleiche Bemühen. Mein Blick für andere wird gelassener und klarer. Ich erkenne schneller, wann und wie ich gefragt bin.
(urs)

3
Okt
2006

Einheit

einheit

Viele Worte fallen mir dazu ein, Worte die an-sprechen. Verbindung, Eins-Sein, Vereinigung. Angesprochen wird unmittelbar das Fühlen. Wir wünschen uns die Verbindung, die Aufhebung des Getrenntseins, die Harmonie... das Ende allen Fragens?

Wenn eins und eins (1+1) zu einer Einheit werden sollen, dann bedarf es eines Dritten. Für die Bindung muss es einen Grund geben. Ohne diesen gäbe es nicht einmal das Streben nach Verbindung. Ein wesentlicher Grund, der Entwicklungen vorantreibt, ist die Neugier, die tiefe Sehnsucht nach Erkenntnis, Lernen, mehr, gründlicher verstehen und das Erkannte anwenden.

Derjenige, der sich dieser wesentlichen Bewegung anvertraut, erfährt auch, dass es keine Auflösung gibt. Da ist die Freude über Erreichtes. Der Augenblick großer Zufriedenheit, der intensiv nachwirkt. Doch zugleich hat sich im Erkannten das Noch-nicht eingestellt. Es bewegt sich mit, beschleunigt sich ohne Unterbrechung. Harmonisch kann nur die Bewegung selbst sein.

Anmerkung zum heutigen Tag: Für eine 'Deutsche Einheit' muss es einen Grund geben, eine Begründung, die menschlich ist, also Vernunft und Gefühl bewegt, diese Verbindung lebendig zu gestalten.
(urs)

2
Okt
2006

Das gelangweilte Gehirn

das-gelangweilte-gehirn

Gähnen. Schon wieder so eine... matt machende... Überschrift. Leser, klapp die Seite zu! Mach selbst etwas. Jetzt. Ein kleiner Klick rechts oben auf dieser Seite und Spannung tritt auf. Das Folgende nur für Hartnäckige:

Das Gehirn kann sich gar nicht langweilen. Wie könnte ein Fluss Langeweile erfahren oder eine Wolke? Wir bauen ein Gegenüber auf und spiegeln diese Konstellation. Das Gehirn wird getrennt betrachtet. Körper ungleich Gehirn. Gehirn gleich Denken. Der Un-sinn ist perfekt. Oder: alles ist Körper, Materie. 'Darüber hinaus': nichts. Modelle über Modelle. Im Grunde sind es Glaubensbekenntnisse. Das Gefühl trifft die Wahl und entscheidet, wenn die Wahrnehmung nicht stimmt.

Was sich feststellen läßt: Der Gesamtzustand des Systems wird instabil, wenn es nicht gefordert wird. Ein Anzeichen dafür kann Langeweile sein. Als Ankündigung einer möglichen umfassenderen Verstimmung ist sie ernst zu nehmen.

Wenn mir nichts einfällt, dann kann ich doch etwas tun, was mir zumindest nützt: ein gutes Essen zubereiten, einem anderen eine Freude machen, einige Vokabeln lernen, einen Fachartikel durcharbeiten und das Ergebnis in einer Mindmap festhalten... Die Unterforderung ist verschwunden, das Gefühl antwortet schon auf die Entscheidung. Statt Lethargie die Wirkung von Glückshormonen. Diese Belohnung verstärkt sich sogar selbst. Mir fällt etwas ein. Plötzlich fällt mir wieder etwas ein!
(urs)

1
Okt
2006

Einflüsse

einfluesse

Ratschläge. Ich kenne mich aus. Hör zu. Die Haltung stört. Ohren zu! Wie Kinder. Ich meine es doch nur gut... Doch - das ist eine Verstellung. Bewusstsein und Beweggrund sind gegeneinander verschoben. Das Gehör ist hochsensibel. Die Sprache teilt mehr mit als bewusst wird.

Das gilt auch für diese Texte. Als Leserin weiss ich manchmal nicht, warum mich Texte besonders ansprechen oder warum ich mich auf eine subtile Weise angegriffen fühle. In den Worten finde ich die Antwort dann nicht so schnell. Ich setze mich einem Einfluss bewusst aus - und warte ab. Dass die Antwort nicht sofort kommt, kann darauf hindeuten, dass ich einen besonders interessanten 'blinden Fleck' angesprochen fühle.

Als Schreibende erfahre ich Entsprechendes. Wohl wissend, dass die Sprache mehr mitteilt als mir bewusst wird, bewegt mich besonders dieser nicht umgrenzte Sprachraum. Grobe Grenzüberschreitungen wie Belehrungen werden bei der Überarbeitung des Textes - so hoffe ich - erkannt. Die subtileren Mitteilungen sind ein Grund für das Fortfahren. Ich warte ab.
(urs)

30
Sep
2006

Grenzgänger

grenzgaenger

Wir gehen von Grenzen aus. Erfahrungen belegen das offensichtlich. Ich - ich bin - handle, denke, fühle innerhalb eines Bezirks. Ich kann, werde, war: das Bild, das wir uns von uns selbst präsentieren, bestimmt die Ausdehnung und Differenziertheit des Raums, der als das Eigene erscheint. Diese Person, das bin ich. Auch wenn es manchmal schwer fällt, exakte Aussagen über dieses Wesen zu machen. Schon ein unverhoffter Blick in den Spiegel, eine Video- oder Audioaufnahme sprechen von fließenden Grenzen.

Gehen wir von Grenzen aus, dann teilen Grenzgänger etwas von der Beschaffenheit solcher Modelle mit. Viele haben ausschließlich die Aufgabe, darauf zu achten, dass Grenzen wahrgenommen und nicht oder nur nach bestimmten Regeln überschritten werden. Sie schreiten berufsmäßig Grenzen ab. Ordnungshüter aller Art gehören hierher. Regeln und Normen, Gebote und Verbote bestimmen die Wahrnehmung, ihre Bewertung und das sich daraus ergebende Handeln - gemäß des Grenzziehungskatalogs.

Andere Grenzgänger verweisen darauf, dass Grenzen ein Moment sind. Hilfreich zur Feststellung des Erreichten. Herausforderung für die nächsten Schritte. Außergewöhnliche Menschen zeigen dies. Je öfter Grenzen erfolgreich überwunden werden, desto mehr löst sich die Wahrnehmung von Grenzen auf.
(urs)

29
Sep
2006

Grenzen

grenzen

Jedes Lebewesen markiert deutlich sein Revier. Innen und außen - Sicherheit. Hier kann ich mich frei bewegen, dort stelle ich feine Sensoren auf. Das entspricht der Natur.

An Grenzen wird es schnell kompliziert. Emotionen, aus dem Gleichgewicht geraten, täuschen Grenzüberschreitungen vor. Oder sie haben tatsächlich stattgefunden, ohne dass sie bemerkt wurden. Die Antennen wurden nicht gepflegt.

Grenzen sind auch Sprachgrenzen. Fremd-sprachen. Außen bin ich fremd. Anderen erscheine ich als Fremde. Oder ich bin mir fremd und damit auch für andere. Missverständnisse ohne Ende. Hohe Investitionen zur Grenzsicherung, Grobheiten, sogar Waffengebrauch. Das sind verbreitete Reaktionen. Die Begründungen orientieren sich stets an der Grenze. Wenn sie auch noch nachweisbar existiert wie ein Gartenzaun oder eine Ländergrenze, dann hat es die Vernunft häufig schwer. Eine Betrachtung der täglichen Nachrichten unter diesem Gesichtspunkt zeigt den Stellenwert des Denkens in Grenzen - die Folgen sind schier 'grenzenlos'.

Die Umkehrung gilt. Das ist die Zuwendung zum anderen, der sensible Austausch. Die Erfahrung, dass Grenzen sich in nichts auflösen, wenn die Bereitschaft da ist, sich selbst zu öffnen, wahr zu nehmen und damit auch dem anderen Menschen zu zu hören. Fremde Sprachen werden Schritt für Schritt vertraut.
(urs)

28
Sep
2006

Lass' dir etwas einfallen...

lass-dir-etwas-einfallen

Das sagt sich so leicht! Doch das Erstaunliche ist: wenn es darauf ankommt oder wenn der Wunsch stark genug ist, dann kommen sie, die Ein-fälle, die leuchtenden Ideen, die eine neue Sicht ermöglichen. Deshalb beleben sie auch sofort, sie erfrischen geradezu. Sogar ein zuvor eher erschöpfter Körper strafft sich, die Gesichtszüge werden freundlich und hell, die Augen glänzen. Zwei Momentaufnahmen könnten den Unterschied aufzeigen: 'vorher - nachher'.

Ja, wenn das so ist! Der Nachher-Zustand spricht für sich. Wieder holbar? Einen externen Druckerzeuger engagieren? Das geht nicht. Schon die erste Wiederholung würde dies zeigen. Es kommt nicht mehr darauf an. Aus Ansporn ist Druck geworden. Der verschlingt verfügbare Energien schneller als die Missachtung körperlicher Bedürfnisse.

Das Wünschen ist es. Wenn das Gehirn nicht tut, was es am liebsten macht - Ideen zu erzeugen - dann stimmt das Angebot nicht. Die Vernunft kann Vorschläge machen. Eine einfache Massnahme wirkt schon Wunder: Gewohnheiten anschauen. Eine oder mehrere wegnehmen und ersetzen. Behutsam vorgehen. Schmackhafte Angebote machen. Ich lass' mir etwas einfallen...
(urs)

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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