27
Sep
2006

Missverständnis

missverstaendnis

Die Standards sind hoch. Wer mithalten will, muss investieren. Das Outfit muss stimmen, der Körper wird trainiert. Vieles ist selbstverständlich geworden. Wir sind aufgeklärt, kennen uns aus. Was der Körper braucht, wie die Ernährung funktioniert und vieles mehr.

Das technisch Mögliche bestimmt oftmals Wunschvorstellungen. Und so schieben wir die Angst zu altern, körperlich unattraktiv - nicht mehr jung - zu sein, hilflos und krank vielleicht, vor uns her.

Nicht so selbstverständlich ist es, dass der Geist und die Seele ebenso der Zuwendung bedürfen. Wir haben sogar Wissen von diesen Zusammenhängen verloren. Diese Zuwendung braucht auch ein Medium, Inhalte, die überprüfbar sind. Ich muss etwas selbst erzeugen. Dieses Etwas muss mich ansprechen. Es erschließt sich nur leidenschaftlich. Schreiben ist ein Weg, den eigenen Bezirk zu gestalten und auszubauen.
(urs)

26
Sep
2006

Bild + Wort

bild-und-wort

Die Beziehung zwischen Bild und Wort ist vorgegeben. Sobald Sprache den Raum des Bewusstseins zu prägen beginnt, wir also Sprache erlernen, sind Bild und Wort miteinander verknüpft. Etwas begreifen heißt, in Sprache verflüssigte begründete Bildfolgen zu sehen.

Bilder müssen für sich sprechen können, sofern sie etwas mitteilen wollen. Sprache bedarf der Bilder, die durch Worte gerufen werden, um Gemeintes zu vermitteln. Bild und Wort begleiten uns unablässig. Sogar im Schlaf erscheinen sie. Wir können die Logik dieser Verknüpfung weniger steuern als im wachen Zustand. Deshalb deuten wir Traumbilder eher gefühlsmäßig. Das macht ihren Reiz aus. Sie können sogar magische Wirkungen erzeugen, wenn wir diese Bilder wörtlich nehmen und sie nur mit anderen gefühlten Bildern verknüpfen. Intuitives Verstehen ist vielleicht möglich. Ein Bild steht für ein anderes Bild, für eine Folge von Bildern.

Bildhaft sprechen erleichtert das Verstehen. Eine bilderreiche Sprache macht es einfacher, eigene Bilder zu sehen. Es entsteht der Eindruck einer persönlichen Ansprache, sofern der Geschmack zustimmt. Wir sprechen von gemeinsamer Wellenlänge, also einer gefühlten Verständigung. Durch die vermittelte gefühlte Verbindung erleben wir uns gestärkt. Dies kann sogar Aufforderungscharakter haben.

Etwas verändern, bewegen, beeinflussen, das setzt wiederum Begreifen voraus, eine klare Vorstellung von den Zielen und den dazu notwendigen Schritten. Dies muss sogar mitteilbar sein. Denn nur das, was ich ausdrücken kann, verstehe ich selbst. Was ich verstehe, kann ich umsetzen.
(urs)

25
Sep
2006

Geglückter Augenblick

augenblick

Jetzt. Nicht warten. Alles wirkt sich aus. Also auch das, was in diesem Augenblick geschieht - getan, gedacht, gefühlt oder unterlassen wird. Ein Ausscheren ist nicht möglich. Eine Nebenspur ist nicht vorhanden. Tagträume, ja. Die sanfte Erholung, die die Fantasie schenkt. Und der Schlaf natürlich, wenn er gut gelingt. Er muss sich halt einrichten in dem, was er vorfindet.

Ich habe keine Zeit. Ich sorge dafür, dass mein Gehirn beschäftigt ist. Ich mag dieses Innehalten nicht. Vielleicht begegne ich mir auch noch unverhofft selbst. Das läßt sich verhindern. -- An der Peripherie begegnet mir wahrscheinlich nichts Wesentliches. Das Glück bleibt aus. Schweigen vielleicht. Doch das höre ich nicht.

Jeder Augenblick birgt die Fülle des Möglichen in sich. Jetzt. Vorbei... nicht warten.
(urs)

24
Sep
2006

Bewegt

bewegt

Tasse, Wasserglas, scharfes Klicken: Feuerzeug, Teller klappern, Rufe draussen: Mann, Husten, Tasten scheppern: meine Finger...

Beispiele - nur wahrnehmen, was ich wahrnehme während ich schreibe. Doch ich merke auf, wähle, halte fest. Die Dynamik ist aufgehoben. Gleichzeitiges erscheint hier nacheinander. Das meiste ist verschwunden. Ereignisse sollten nur benannt werden. Eine erste Deutung war unvermeidbar: Ein Mann hat gerufen. Frauen- oder Kinderstimmen klingen anders. Er ist mittleren Alters.

Die Sprache hat aus gleichzeitig wahrgenommenen Ereignissen Momente eingefroren, mit einem 'Sprachgriff' versehen. Doch der enthält überhaupt nicht das, was geschah. 'Tasse' läßt nicht einmal ahnen, wie charmant dieses Keramikgefäss links von mir auf dem Tisch seine Bestimmung erfüllt - für mich. Das Wort taugt zur einfachen Verständigung, es benennt einen Gegenstand.

Erleben bewegt. Bewegtsein ist anspruchsvoll. Es zerfällt, wird beliebig ohne Pflege und Gestaltung.
(urs)

23
Sep
2006

Denklaune

denklaune

Wie kann ich erreichen, dass diese Sätze unvoreingenommen gelesen werden? Wie kann ich selbst offen sein für das Denken? Das läßt sich nicht machen. Jedes Wort, das ich schreibe, ruft Bilder. Die verdichteten Erlebnisse und Erfahrungen überlagern unmittelbar alles. Sie enthalten sogar die Anleitungen zu ihrer Performance. Die Sehschärfe spielt dabei eine Rolle, der Grad der Aufgeklärtheit, die Denkerfahrung. Der Geschmack ist sehr wichtig. Welche Flusen auf der Pupille übersehe oder tätschele ich sogar? Der Geruch, den Geschriebenes erzeugt. Mag ich mich gern in diesen Worträumen aufhalten? Schreibend muss ich mich wohlfühlen, damit mein Gehirn nicht nur kooperiert sondern begeistert eine unterstützende Eigenbewegung gestaltet. Wenn wir gut miteinander können, sind die Chancen für Lesende schon mal gut.

Wer das, was er tut, liebt, läßt sich leicht verführen. Er meint doch tatsächlich, andere Menschen müssten dies auch so erleben. Lust erzeugt Lust. Lust selbst zu schreiben - nach dem ersten Absatz? Wie gesagt: eine Verführung...
(urs)

22
Sep
2006

'ich habe doch nur gedacht...'

ich-habe-nur-gedacht

Dieser unvollständige Satz ist die Einleitung einer Rechtfertigung. Die Aussage ist möglich, ohne dass der Zusammenhang, in dem die Worte stehen, bekannt ist. 'Ich habe gedacht...' würde eine solche Deutung nicht zulassen. 'doch' ist eine Entgegnung, eine Emotion; 'nur' eine Einschränkung. Beides zusammen kehrt 'ich habe gedacht' fast in das Gegenteil. Ich habe nicht gedacht. Ich habe mich (ver-)leiten lassen. Von Gefühlen vor allem. Das Dumme ist nur: Wer diesen Satz ausspricht, befindet sich gerade in dem Widerspruch. Er nimmt ihn deshalb nicht wahr. Sonst würde er sich bestimmt, peinlich berührt, sofort korrigieren.

Die Umgangssprache lebt von solchen Unschärfen. Missverständnisse entstehen so. Doch in der Regel findet eher gar nichts statt. Austausch von Worten als diffuses Rauschen. Ein Ping-Pong von nicht Gedachtem, das weder wahr noch unwahr ist.

Wenn es also darum geht, denken zu lernen, dann hilft es sehr, die eigene Sprache genau anzuschauen und sich selbst zuzuhören.
(urs)

21
Sep
2006

U n t e r r i c h t

unterricht

Ein schillerndes Wort. Es wird sogar gesagt, dass es sich um einen Begriff handelt. Ein Begriff weist sich durch seine Definition aus. Wie also lautet die Definition von Unterricht?

Bilder stellen sich ein. Jeder sieht sich wieder auf der Schulbank sitzen. Zumeist sind es schwer wiegende Erinnerungen. Eher Bilder belastender Erfahrungen als geglückter Augenblicke.

Eine Definition von Unterricht gibt es nicht. 'Unterricht', das ist vielmehr der Name für ein Begriffslexikon. Das Wort ist ernst zu nehmen, denn es deckt etwas auf: Wer unterrichten möchte, muss zunächst denken lernen, wenn er helfen und nicht schaden will.

31
Dez
2005

a wie anfang

werden5

a wie der anfang des abc.
das c, das gab es schon,
doch z,
das letzte kleine zeichen,
bleibt wie im leben auch
dem ende vorbehalten,
das es nicht geben kann,
weil jeder anfang schon ein ende ist
und jedes ende längst von vorn begonnen hat.

a wie anfang,
hoffnung setzt hier ein.
es wird doch alles anders werden.
ein neues jahr,
ein ganzes jahr.
was da doch alles möglich ist.

auch hier, wie mit dem abc,
bleibt nichts zu tun
als jeden einzelnen tag,
als jeden einzelnen moment
für sich allein zu sehn,
ohnen seinen nachbarn in der zeit,
ohne alles zubehör,
nackt beinahe
wie ein neugebornes kind.
(urs)

30
Dez
2005

Technik

technik

Technik verwandelt das unterrichtliche Schlafzimmer in eine Ideen-Werkstatt

Technik wird über das Unterrichten in den nächsten Jahren nachhaltig verändert. Weil sich die Lernenden via Internet Informationsquellen selbst erschließen werden, wandelt sich das Unterrichten vom Vermitteln von Informationen zum Diskutieren über Informationen.

Regel T

Trainieren Sie sich im Umgang mit zeitgemäßen Techniken, bevor es die Lernenden mit Ihnen tun.

29
Dez
2005

Sprache

sprache

Sprache bildet Denken ab.

Sprache ermöglicht Gedanken, im Bewusstsein anzukommen. Sie können sich dort nur so klar zeigen, wie die Sprache ist, die sie beim Namen ruft.
Im Gegensatz zum Sprechen verlangt das Schreiben die Pflege im Umgang mit Gedanken. Sprechen nutzt das Denken, Schreiben nutzt dem Denken.

Regel S

Sorgen Sie dafür, dass nur Worte benutzt werden, zu denen die Lernenden auch Bilder haben. Sprechen und Schreiben muss Bild-er-leben gewährleisten.

28
Dez
2005

Reflexionen

reflexionen

Reflexionen spiegeln neuronale Vorgänge

Reflektieren bedeutet, innere Vorgänge versprachlichen. Die Reflexionen sind nur so gut wie die Sprache klar ist. Reflexion setzt entweder philosophisches, mathematisches und/oder künstlerisches Geschick voraus.

Regel R

Reflektieren bedeutet die Gedanken kommen lassen. Wer sich auf das Reflektieren versteht, braucht sich um Einfälle nicht zu sorgen! Reflexionskraft bzw. Einfallsreichtum sind Merkmale jeden pädagogischen Grundprofils.

27
Dez
2005

Qualität

qualitaet

Qualität > Quantität oder "Weniger ist mehr!“

Qualität vor Quantität: Das Prinzip des Exemplarischen regelt die Entscheidung für Lehrinhalte bzw. Lernmaterialien. Qualität setzt die Kunst der Abstraktion voraus, denn das exemplarische Einzelnes muss Vieles vertreten können (Forderung der Übertragbarkeit).

Regel Q

Die Qualität Ihres Unterrichts erhalten Sie nicht durch viel Üben, sondern durch gute Übungen. Die Notwendigkeit zu wiederholen schwächt sich mit der Qualität der Vermittlung von Informationen ab.

26
Dez
2005

Perzeption

perzeption

Perzeption ist Wahrnehmen ohne etwas davon zu merken

Perzeption (unbewusstes Wahrnehmen) und Flexion (unbewusstes ‚Denken‘) machen den größten Teil unserer Entscheidungen aus. Wir apperzepieren nur, wenn uns etwas auffällt. Wir reflektieren nur, wenn sich uns etwas aufdrängt. Apperzeptionen (bewusstes sinnliches Wahrnehmungen) und Reflexionen (bewusstes geistiges Wahrnehmen) bestimmen unsere Interessen.

Regel P

Perzeptionen und Flexionen lassen sich durch Pausen günstig beeinflussen (Nachwirken von Apperzeptionen und Reflexionen bzw. Nachlernen).

25
Dez
2005

Ordnung

ordnung

Ordnung ist das halbe Leben –
Unordnung ist die andere Hälfte

Ordnung braucht das Gehirn, um Aufgaben erfolgreich zu lösen. Un-Ordnung dagegen braucht das Gehirn, um spielerisch zu arbeiten (schaffen). Ordnung beschleunigt das Fortkommen auf seinem Weg. Un-Ordnung hilft, Umwege zu vermeiden.

Regel O

Ordentlich unterrichten bedeutet dem schöpferischen Chaos Spielräume schenken. Wer alles wohl geordnet hat, kann nichts mehr erleben. Wer nicht nach Ordnung strebt, vermag es auch nicht.

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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Es gelten die Rechtsvorschriften für Webseiten der Universität Flensburg © Texte: Wolfgang F. Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) wfschmid(at)me.com Bilder: Ulrike Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) mail(at)ulrike-schmid.de

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