28
Okt
2005

Probe aufs Exempel

probe-aufs-exempel

Kein Text ist durch sich selbst gut.
Worte werden durch andere geboren.

Texte sind nur so gut wie sie andere ansprechen.
Sätze werden Aussagen durch Lesen, nicht durch Schreiben.

27
Okt
2005

Das Gehirn tut nur, was es liebt

gehirn

Durch die Gefühle teilt uns das Gehirn mit,
was uns gut tut und was nicht:

Wahrnehmungen erzeugen Stimmungen,
Erinnerungen vergegenwärtigen Einstellungen,
Betrachtungen gestalten Atmosphäre,
Beobachtungen wecken durch Neugier, Lust auf Neues,
Verstehen gewährt Gelassenheit
und Handeln ist die engagierte Probe aufs Exempel.

Das Gehirn braucht Emotionen, um sich zu aktivieren.
Die Grundbedürfnisse schaffen die Motive:

Hunger auf helfende Worte,
Durst auf neue Gedanken,
Bewegung durch andere Bilder,
Schutz durch gegenseitiges Verstehen,
Liebe zu allen Wesen.

26
Okt
2005

Alles fließt

alles-fliesst2

Alles befindet sich in ständiger Veränderung.
Wiederholung des immer Gleichen erscheint
nur oberflächlich Wahrnehmenden so;
sie lassen Arbeitstage zu Alltagen verkommen.

In der Natür wiederholt sich nichts,
unser Gehirn wiederholt nichts.
Was uns als Bewusstsein erscheint,
sind Momente neuronaler Spiele des Gehirns.

Du kannst nicht zweimal in den Fluss steigen,
sagt Heraklit angesichts ständigen Wechsels.
Du kannst nicht zweimal den selben Gedanken haben.
Deshalb zeigt sich jeder Gedanke dir nur einmal.

Wenn du ihn nicht sogleich beim Wort nimmst,
wenn du ihn nicht sofort sprachlich fasst,
wenn du ihm nicht spontan ein Bild schenkst,
wendet er sich ab und ist für immer entschwunden.

Wenn du deinen Gedanken anbietest, gibt du ihn frei,
damit andere ihre Gedanken daraus gestalten.
Ein guter Text liefert Material zum Nachdenken
und kommt nicht mit Ansprüchen des Vorgefertigten.

25
Okt
2005

Alles fließt

alles-fliesst

Im Augenblick gibt es kein Zuhause.

Augenblick, die Zeit zwischen zwei Schritten:
entweder hinauf oder hinab, vorwärts oder rückwärts.

Jede Religion lebt von einer großen Lüge:
eine dieser Lügen ist die Lüge vom Augenblick.

Sein ist nicht der Gegensatz zum Werden,
sondern dessen Wesen.

24
Okt
2005

Fassen

fassen

Wahrnehmen oder sich öffnen:
Wahrnehmen fordert Offenheit

Betrachten oder werten
Betrachten sucht Sinn

Beobachten oder ordnen
Beobachten fragt Zusammenhang

Begreifen oder sehen
Begreifen bestimmt Sichtweite

Entstehen - Vergehen
Hinzufügen - wegnehmen:
Ordnen - durcheinanderbringen
Angleichen - unterscheiden
Binden - lösen

23
Okt
2005

Ordnen

ordnen

zu- und einordnen: beziehen

unter- und überordnen: stufen

vor- und nachordnen: reihen

an- und beiordnen: gruppieren

22
Okt
2005

Einfallslos

einfallslos

Mir fällt nichts ein!
Möchtest du das?

Ja, ich warte darauf!
Dann tue das.

Wie ist das gemeint?
Einfälle zögern nicht!
Sie kommen spontan
oder überhaupt nicht!

Warum warte ich dann?
Das weiß ich doch nicht!

Ich habe keine Einfälle!
Dann braucht du nicht zu warten!

Hast du denn Einfälle?
Ich warte nicht!

Also hast du welche?
Nein, nicht die deinigen!

Und wie machst du das?
Ich mache gar nichts!

Und wie kommst zu Einfällen?
Welche Frage! Ich habe sie!

21
Okt
2005

Körperliche Deformation

koerperliche-deformation

Die Wiederholung der immer gleichen Information
führt zur Angleichung der Bewusstseinsorganisation.
Bei einem Kind mit viel zu hohem Fernsehkonsum
wird das Wahrnehmungsfeld eingeschränkt
Die Mitte des Wahrnehmungsfeldes wird erfasst
und die Randbereiche werden vernachlässigt.
Durch dieses Einengen des Gesichtsfeldes
verliert das Kind die Seitenorientierung.

Kinder ohne Seitenorientierung, mit Tunnelblick also;
können nicht mehr problemlos rückwärts gehen.
Diese Kinder sind durch Fernsehen darauf konditioniert;
dass alles in der Mitte des Wahrnehmungsfelds passiert.

20
Okt
2005

Hirnvirus

hirnvirus

Hirnvirus ist das Ergebnis von Deformation.
Informationen lösen Störungen aus.
Die neuronale Regelung wird instabil.
Sprachzeichen können nicht geortet werden.
Ein Wort erzeugt kein Bild,
ein Satz ergibt keinen Sinn.
Eine Vorstellung entsteht nicht.
Das Mitgeteilte sagt nichts aus.

Erziehen bedeutet Intelligenz fördern.
Bildung bedeudet Intelligenz fordern.

Beide Sätze scheitern an dem Wort Intelligenz:
bildlos und deshalb auch ohne Aussage.

Warum das? Die Sätze sind verstehbar.
Dann ist völlig klar, was Intelligenz ist?
Nein, aber so ungefähr doch schon!
Ungefähres Verstehen ist unmöglich.

Wer die Annahme unklarer Sätze nicht verweigert,
verstellt die Trennschärfe seines Bewusstseins.
Geschieht das wiederholt oder gar regelmäßig,
dann wird Oberflächlichkeit zur Gewohnheit.

19
Okt
2005

Worte sind Nahrung

worte-sind-nahrung

Worte sind leicht oder schwer,
nahrhaft oder nährstoffarm;
gesund oder krank machend,
lebendig oder abgestorben.

Wörter, die nicht klären,
sind unverdaulich.
Sie werden weder ausgeschieden
noch erbrochen.
Stecken gebliebene,
weil unverarbeitete Wörter
entwickeln sich zu Fresszellen,
die nach Verdorbenem hungern.
Der Hunger nach Oberflächlichem wächst
und die Tiefen versiegen.
Verringertes Denken
wächst unbemerkt.

Information tut das, was sie vorgibt;
Informationen formieren oder deformieren,
formatieren betroffene neuronale Bereiche.

Information ist das Ergebnis von Nachrichten
und nur so gut wie die Mitteilung selbst.

Mitteilungen können verletzen und krank machen:
Wer etwas mitteilt, trägt auch die Verantwortung.
Unwissenheit über die Wirkung von Nachrichten
ist kein Alibi für Gedankenlosigkeit und Leichtsinn.

Information enthält die Form der Regelung:
Klares Bild - eindeutiges Wort - einfacher Satz.
Satz für Satz, Abschnitt für Abschnitt, Text für Text,
Geschichte für Geschichte: Erleben, um zu erfahren.

18
Okt
2005

Der Philosoph

der-philosoph

Entschuldigen Sie, haben Sie mich nicht gesehen?
Haben Sie nicht gesehen, dass ich nachdenke?

Jetzt, wo Sie es sagen. Sie waren abwesend.
Das kann nicht sein. Sie haben mich angesprochen!
Sie waren jedoch geistesabwesend..

Wollen Sie mich beleidigen? Ich war gegenwärtig!
Aber nicht in meiner Gegenwart.

In Ihrem Leben habe ich auch nichts zu suchen.
Verzeihen Sie, dass ich Sie überhaupt ansprach.

Ich fühle mich von Ihnen nicht angesprochen.
Dann habe ich Sie ja auch gar nicht gestört!

Ich habe über das Nichts nachgedacht. Das ist nun weg!

17
Okt
2005

Vorsicht - starke Steigung

starke-steigung

Wörter können sich vom Konkreten entfernen.
Induktion ist der vornehme Ausdruck hierfür.
Das Wort Verallgemeinern trifft es eher.

Das Verallgemeinern der Sonnenblume zur Blume
löscht das konkrete Bild unbemerkt, weil vertraut.

Die meisten kennen die konkreten Namen nicht.
Blumem sind Blumen und Bäume sind Bäume.
Um sie konkret zu benennen, müsste man hinschauen.

Wer Menschen nicht anspricht, sieht deren Gesicht nicht.
Wer verallgemeinert, verzichtet auf das Konkrete.
Um mehr zu sehen, begibt er sich auf sprachliche Höhen,
damit er am Ende alles sieht und nichts mehr wahrnimmt.

16
Okt
2005

Nomen est omen

nomen-est-omen

Nomen rufen Bilder beim Namen.
Weil sie die Hauptsache inszenieren,
werden sie auch Hauptwörter genannt.

Nomen rufen Bilder ins Bewusstsein.
Weil sie die Rolle der Inszenierung haben,
müssen sie das gemeinte Bild klar nennen.

Undeutliche Namen erzeugen vage Bilder.
Nomen dürfen keine Bilderrätsel sein,
Vorstellungen müssen sich spontan aufdrängen.

Das Wort Sonnenblume erzwingt das Bild
Das Wort Interdependenz verwehrt es dagegen.
Das Wort Bildung liefert schlechtes Bildmaterial.

15
Okt
2005

Zeichen

zeichen

Hinweise auf eintretende Ereignisse
wie Anhaltspunkte für einen Hurrikan.

Eigenschaften einer Erscheinung
wie Erkennungszeichen durch Kleidung.

Kriterien für wahrhaftiges Verhalten
wie Beweise von Freundschaft.

Merkmale einer Gruppe
wie Kennzeichen der Zugehörigkeit.

Vorzeichen einer Entwicklung
wie Symptome einer Krankheit.

Chiffre oder Code einer Nachricht
wie Kenn- oder Passwörter.

Neuronale Gebärden des Gehirns
wie in künstlerischen Kompositionen.

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

Ergänzende Webseiten

 

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