14
Okt
2005

Verkehrte Texte

verkehrte-texte

Du siehst sehr gelangweilt aus.
Ich lese einen schwierigen Text.

Warum tust du dir das an?
Der Titel reizt meine Neugier!

Und jetzt hält der Text nicht,
was der Titel verspricht?
Das weiß ich nicht!
Der Text spricht ja nicht.
Die Sprache des Textes ist mir fremd.
Ich beherrsche diese Sprache nicht.

Hast du keine Übersetzungshilfen
wie ein Wörter- oder Handbuch?
Ich komme damit nicht weiter.
Ein Begriff verweist auf den nächsten,
ohne selbst erwas zur Klärung beizutragen.
Ich sehe vor lauter Bäumen keinen Wald.
Ich drehe mich im Kreis.

Du machst einen entscheidenden Fehler!
Und welcher sollte das denn bitte sein?

Du versuchst, den Text zu verstehen.
An diesem Versuch scheiterst du!
Ein Text, der nicht sofort verständlich ist,
lässt sich überhaupt nicht verstehen.
Die fremde Sprache verschließt den Zugang,
Fremdwörter werden nicht übersetzt.

Wer so schreibt, kann es nicht.
Ein nicht spontan verständlicher Text,
ernstgenommen, sollte gründlich
auf Fehler untersucht werden.
Die Schwergängigkeit von Texten
wird durch Gedankensprünge verursacht.
Der Autor teilt aus Schlamperei nicht alles mit,
was er während des Schreiben durchdacht hat.

Die Lektüre von Lücken-Texten verlangt
gründliches Suchen und detektivische Begabung.
Das lohnt sich dann, wenn zu vermuten ist,
dass zwischen Lücken wertvolle Gedanken stehen.

13
Okt
2005

Drehbuch

drehbuch

Gelungene Texte sind Szenarien,
die uns klare Bilder zeigen.

Der Text wird zum pictureboard,
Satz für Satz gekonnt komponiert.

12
Okt
2005

Tickets

tickets

Gute Texte sind Eintrittskarten
für Vorstellungen im Kopfkino.

Das Lesen projiziert einen Film.
Bilder-Leben, Bild-Erleben.

Kunst setzt Bilder ins Werk,
eröffnet dem Betrachter Welt.

Kunst setzt Wahrheit ins Werk,
Wahrnehmen wird Wahr-Nehmen.

Wer das Theater bevorzugt,
lauscht der Sprache der Musik.

Schwingungen treffen die Seele
und öffnen das innere Auge.

11
Okt
2005

Versäumt

verdraengung

Verdrängung ist die Ausrede für das Jetzt.
Morgen, morgen nur noch nicht heute,
sagen jene, welche noch nicht sein wollen,
aber glauben, dass sie es jetzt schon sind.

Verdrängung ist ein Sprung in der Zeit,
das Verstecken in einer Lebenslücke.
Verlorene Zeit schafft Selbst-Lügen Raum,
verwehrt die Begegnung mit der Wahrheit.

Verdrängung ist die Liebe zum Abgrund;
die Lust, Zeit und Sein zu verlieren,
die Ausrede für den freiwilligen Stillstand
die Angst vor dem eigenen Leben.

Wer sich nicht bewegt, bleibt stehen.
Wer stehen bleibt, fällt zurück.
Wer zurückfällt, altert verkehrt herum
und entgeht unbemerkt seinem Leben.

10
Okt
2005

Deklination

deklination

Morgen ist das Gestern von Heute.
Heute ist das Morgen von Gestern.
Gestern war das Morgen von Heute.
Nachher ist das Vorher von Jetzt.
Jetzt ist das Nachher von Vorher.
Vorher war das Nachher von Jetzt.
Der Tod ist das Jenseits des Lebens.
Das Leben ist das Diesseits des Todes.
Diesseits ist das Jenseits des Nichts.

9
Okt
2005

Selbst-Befriedigung

selbst-befriedigung

Befriedigst du dich selbst?
Das sage ich nicht!
Hast du keine Bedürfnisse?
Ach so!

Warum: Ach so?
Ach, ich dachte etwas Anderes.
Nicht an Bedürfnis-Befriedigung?
Ja, nein, ich meine nein.
Befriedigen ohne Bedürfnis?
Nein, das ist auch ein Bedürfnis.
Also doch!

8
Okt
2005

Nichtskönner

nichtskoenner

Wie viele Begriffe schaffen Sie?
Ich bin nicht im Training.

Bewegen Sie sich gar nicht?
Sie meinen geistig?

Rede ich so undeutlich?
Sie sprechen vom Begreifen!

Also wie viele Begriffe können Sie?
Ich kenne viele, aber können ...?

7
Okt
2005

Ein Blick

ein-blick

Ein Blick. Einblick.
Eine Sicht. Einsicht.
Ein Klang. Einklang
Einkehr. Kehre

6
Okt
2005

Bekenntnis

bekenntnis

Ein verwirrter Begriff begegnet einer Formel.
Ich habe dich gesucht, sagt er zu ihr.
Du sieht ja vollkommen angegriffen aus!
Die Meinungen sind über mich hergefallen.

Woher kommst du, dass du so aussiehst?
Ich komme aus der Geisterwissenschaft!
Und jetzt weisst du nicht mehr, was du bist.
Ja, jeder nennt mich mit anderen Namen.
Und was erwartest du arme Worthülse von mir?
Ich möchte dich nur anschauen, deine Klarheit,
deine Strenge und Aufrichtigkeit betrachten.
Ich bin kein Vorbild für Begriffe von Geistern.

Ich möchte nicht länger mehr Begriff bleiben.
Es macht mich völlig niedergeschlagen,
nicht zu wissen, wer ich eigentlich bin.
Ich möchte zur Natur, dorthin, wo du bist.

5
Okt
2005

Ärgernis

aegernis

Ich kann dich nicht durchlassen!

Ich bin ein Begriff, sagt das Wort.

Du hast dafür keinen Ausweis!

Ich bin als allgemein gültig anerkannt.

Das macht nichts. Du hast keinen Pass!

Ich bin doch eindeutig und abstrakt.

Genau das ist es. Dir fehlt das Bild!

Ohne Passbild kannst du alles sein,
sagt das Neuron und schickt ihn zurück!

4
Okt
2005

Vorsatz

vorsaetze

Vorsatz ist der Satz vor einem Satz.
Vorsatz ist noch kein Einsatz.

Dazwischen liegen viele Sätze.
Die Ausrede ist der häufigste Nachsatz.

Vorhaben bedeutet: noch nicht haben.
Vorstellen heißt: sich noch nicht stellen.

Absicht ist keine umgesetzte Einsicht.
Pläne schmieden braucht keine Kraft.

Weich gefasste Sätze sind Stolpersteine,
Ausreden, die für uns im Weg liegen.

Vorsätze pflastern den Weg ins Versagen,
weil wir uns vornehmen, statt anzunehmen.

3
Okt
2005

Lesen

lesen

Lesen bedeutet Übersetzen
von Worten in Bilder,
von Bildern in Erfahrung,
von Erfahrung in Sehen.

Lesen öffnet das innere Auge.
Lesen braucht Zeit.
Besinnung erzeugt inneres Licht.
Inneres Licht schafft Einsicht.

2
Okt
2005

Klang

klang

Der Klang eines Wortes ist gefühltes Sagen.
Der Ton bringt den Sinn in das Wort.

Auf den Klang einer Stimme achten,
bedeutet mehr als nur hören: Zuhören.

Der Klang des geschriebenen Wortes
wird durch die innere Stimme erzeugt.

Lesen komponiert das geschriebene Wort
als neue, tief empfundene Erfahrung.

1
Okt
2005

Wörter und Worte

woerter-worte

Wörter sind Zeichen.
Nicht immer.

Wörter sind Leerzeichen.
Nicht immer.

Wörter sind Laute.
Immer.

Worte schenken Bilder.
Immer.

Worte sind Aussagen.
Immer.

Worte helfen.
Nicht immer.

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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