15
Apr
2005

Begegnung mit Deuter

Mit Deuter ist nicht der Musiker gleichen Namens gemeint, sondern jener 'Regler', welcher versucht, Unschärfen von Bewusstseinsinhalten mit Hilfe von Deutungsversuchen zu verschärfen. Sie können jede Regelung des Bewusstwerdens unmittelbar ansprechen und so in Erfahrung bringen, ob der entsprechende Regler noch einwandfrei arbeitet oder ob Sie sich Schlampereien 'gönnen'.

deuter

Prüfen Sie nun den Regler "Deuter" und schauen Sie, ob dieser Regler die Regelung "Deuten" beherrscht. Diese Prüfung vollzieht sich, indem Sie sich sehr genau szenisch vorstellen, was die folgenden Verben aussagen: andeuten, bedeuten, deuten, hindeuten, umdeuten.

14
Apr
2005

Bewegungen des wahr Nehmens IV

Das Filmen brauchen wir weder zu lernen, noch müssen wir uns um irgendeine Ausstattung kümmern. Allerdings ist die natürliche 'Technik' für Erwachsene gewöhnungsbedürftig. Es wurden bereits einige Bewegungen angesprochen wie "auf und ab, rückwärts und vorwärts, links und rechts". Diese Hinweise auf Entsprechungen zwischen körperlichen und geistigen Prozessen kündigen die Aufgabe an, geistige Vorgänge so zu gestalten, dass sie auch körperlich fassbar, also sinnlich erfahrbar und greifbar werden.

wahr-nehmen4

Dieser Anforderung genügt der einfache Vergleich zwischen "Auf und Ab" bzw. "Induktion und Deduktion" (vgl. Bewegungen des wahr Nehmens I) nicht. Wir selbst müssen nun die Texte so gestalten, dass aus wahrnehmendem Lesen wahr nehmendes Lesen werden kann.

13
Apr
2005

Bewegungen des wahr Nehmens III

Im Wort begreifen steckt das Greifen der Hand. Ein Begriff, der nicht handgreiflich wird (!), verrät sich als Attrappe.

wahr-nehmen3

Begriffe sind Kurzfilme fürs Kopfkino, die zeigen, wie's geht. Begriffe sind Filme mit einer Spieldauer von etwa drei Sekunden. Nicht nur Begriffe, sondern alle Texte sind Drehbücher, die während des Lesens oder Hörens abgedreht werden. Texte, die keine Bilder ins Bewusstsein inszenieren, sind verlorene Texte.

Als Beispiel für das Vorführen eines Kurzfilms wird Ihnen der Kurzfilm mit dem Titel Freundschaft ausgeliehen. Sobald Sie das Wort Freundschaft lesen, läuft der Kurzfilm an. Sie sehen Menschen, mit denen Sie befreundet sind. In Ihnen regen sich die Gefühle der Zuneigung für diese Menschen...

Das Entscheidende ist aber nun, ob Sie den Film auch wirklich wahr genommen haben. Das lässt sich einfach überprüfen. Sprachvermittelte Filme lassen sich nur mit dem Dritten Auge wahr nehmen. Ob Sie wahr genommen oder nur wahrgenommen haben, können Sie prüfen, indem Sie sich fragen, ob Sie während der Betrachtung des Kurzfilms über die Freundschaft auch das Wesen der Freundschaft 'gesehen' (!) haben. Sie erinnern sich an den Kleinen Prinzen: "Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar, Man sieht nur mit dem Herzen gut!"

Philosophischer Tipp zum Film über die Freundschaft: Schneiden Sie alle Szenen, in denen Personen auftreten, die Sie nicht berühren mögen. (Ersparen Sie sich die Ausreden, die jetzt möglicherweise kommen! Gehen Sie lieber einige Schritte zurück: in diesem Begriffskalender!)

12
Apr
2005

Bewegungen des wahr Nehmens II

Das folgenreichste Missverständnis des Denkens verführt zu der Annahme, dass das Denken ein Vorgang ist, der sich allein im Kopf abspielt. Zufolge dieses Missverständnisses zerbrach das Denken in Theorie und Praxis.

wahr-nehmen2

Ursprünglich bilden Theorie und Praxis die unauflösbare Einheit von Vorstellungen, wie zu handeln ist (gr. teoreîn) und dem Umsetzen dieser Vorstellungen durch Handeln (gr. pratein). Die Definition des Menschen als vernunftbegabtes Lebewesen beinhaltet immer schon die Forderung vernünftig zu handeln.

Wer behauptet einen Menschen zu lieben, muss diese Behauptung auch durch liebevolles Verhalten belegen: köperlich, seelisch, geistig. Das Auseinanderbrechen des Wahr-Nehmens in Theorie und Praxis hat zur Folge, dass wir Menschen allen Ernstes glauben, Aussagen machen zu können, ohne uns entsprechend zu verhalten. Zum Wort Liebe gehört das Wissen um die Liebe, die liebevolle Berührung und jenes tiefe Gefühl einer Einkehr des Ichs im Du des anderen.

Das Wort Liebe gehört zu den berührenden Worten. Ohne Berühung sollte man es nicht aussprechen. Der Ausdruck "Platonische Liebe" ist ein hilfreiches Beispiel für einen gebrochenen Menschen, der sich in seinem Kopf sitzend bewegt, weil er seinen Körper verloren hat.

11
Apr
2005

Bewegungen des wahr Nehmens I

Bewegungsrichtungen des wahr Nehmens sind u.a.: auf und ab, vor und zurück, links und rechts...

grundbewegungen1

Als geistige Bewegung oder Bewegung des Denkens gelangt 'auf und ab' als Induktion (vom Besonderen zum Allgemeinen) und Deduktion (vom Allgemeinen zum Besonderen) zum Vorschein.

Die Richtungen 'vor und zurück' erscheinen im Denken als Antizipation (sich einen Ablauf vorstellen) und Reflexion (sich einen Ablauf vergegenwärtigen).

Die Richtungen 'links und rechts' verweisen dagegen eher auf links- oder rechtshemisphärisch beeinflusste Bereiche. So wird die 'Gedankenlandschaft' eher logisch abstrakt, wenn die linke Hemisphäre das Denken dominiert, und umgekehrt zeigt dich die 'Gedankenlandschaft' zunehmend ästhetisch anschschaulich, wenn die rechte Hemisiphäre das Denken maßgeblich bestimmt.

10
Apr
2005

Natürliche Einheit

Das Gehirn arbeitet systemisch (alles in eins zugleich). So wäre es außerordentlich problematisch, die überlieferte Unterscheidung von geistigen, seelischen und körperlichen Prozessen beizubehalten. Diese gekünstelten Unterscheidungen sind vor allem durch körperfeindliches Denken in die Welt gesetzt worden.

natuerliche-einheit2

In Wahrheit sind Körper, Seele und Geist Namen für die Art und Weise, wie neuronale Momente uns erscheinen: sinnlich gefühltes Innenbild. Neuronale Momente erscheinen als Zusammenspiel von Sehen, Fühlen, Denken. Diese Formulierung erweckt immer noch den Anschein, dass es sich um drei Prozesse handelt. Um diesen Eindruck zu vermeiden, werden Sehen, Fühlen und Denken zusammengeführt in dem Ausdruck wahr nehmen. Wir nehmen etwas wahr, wie es uns sinnlich gefühlt erscheint. Im Ausdruck wahr nehmen (nicht wahrnehmen!) schwingt das Wort Wahrheit in seiner ursprünglichen Bedeutung mit als sehr persönliche Offenbarung der Natur. Der bewusst erfahrbare Ort dieser Offenbarung ist das Sonnengeflecht (Solarplexus), das 'Gehirn im Bauch'.

9
Apr
2005

Anfänger-Geist

Westliches und östliches Denken haben einen gemeinsamen Ursprung. Das ist der Augenblick, in dem Natur durch Wahrnehmen, Betrachten und Beobachten gedacht wird. Die Sprache dieses sinnlichen Denkens ist die Musik. Gedanken bringen sich in diesem schöpferischen Augenblick rhythmisch klangvoll zum Ausdruck. Diese Sprache ist allen Lebewesen gemeinsam. Kinder unterschiedlicher Kulturen bringen auf diese Weise ihre spielerisch gestalteten Gedanken zum Ausdruck.

anfaenger-geist

Philosophieren ist ein Kinderspiel. Alle Kinder sind Philosophen. Das kindliche Philosophieren wird angetrieben durch eine kaum zu bändigende Neugier. Die Gedanken entstehen unverbindlich spielerisch. Nicht die Absicht zu strukturieren und zu systematisieren steuert das Denken, sondern die pure Lust phantastische Möglichkeiten durchzuspielen. Kindliche Philosophie hat nichts von der Ernsthaftigkeit des Denkens von Erwachsenen. Kinder lachen, wenn sie etwas entdeckt haben, Erwachsene machen dagegen eher ein bedenkliches Gesicht.

Eine Philosophie, die ebenso wissenschaftlich wie religiös zu denken beabsichtigt, kommt nicht umhin, das Geheimnis kindlicher Philosophie zur Sprache zu bringen. Im Zen-Buddhismus wird ein solches Vorhaben "Anfänger-Geist" genannt, gemeint ist die Bereitschaft, alles unvoreingenommen von Anfang an zu denken.

8
Apr
2005

Werden VII

Westliche und östliche Philosophie berühren sich: das Nirvana und das Nichtige sind zwei Namen für dieselbe Erscheinung. Aber während in der östlichen Philosophie das Nirvane das Denken maßgeblich bestimmt, erwähnt die westliche Philosophie das Nichtige so selten, dass den meisten dieser Begriff unvertraut ist.

werden7

Eine Annäherung an das Nichtige ermöglichen die Begriffe "Nichts" und "Sein". Das Sein ist das allen natürlichen Erscheinungen (Seiendes) Gemeinsame. Als das Wesen alles Seienden erscheint das Sein dem Denken als reine Möglichkeit. Wird das Sein gedacht, dann wird nicht die Wirklichkeit bedacht, sondern deren Möglichkeiten, Wirklichkeit zu werden. Als Abwesenheit aller sinnlich vernehmbaren Erscheinungen lässt sich das Sein insofern auch als Nichts begreifen. In diesem Sinn betont Hegel: Sein und Nichts ist dasselbe.

Unter naturwissenschaftlichem Gesichtspunkt erscheint das Sein in der Elementarteilchenphysik als die Einheit von Information und Energie (Zustand vor aller Materie).

Das Seiende ist verwirklichte Möglichkeit der Natur. Das Sein ist die Fülle aller möglichen Wirklichkeiten. Das Nichts izeigt sich dem Denken als Spiel mit wirklichen Möglichkeiten. Das Nichtige dagegen ist der Reichtum aller möglichen Möglichkeiten und so, was die Wirklichkeit angeht, die vollkommene Leere.

Das Werden wird vom Nichtigen über das Nichts, das Sein und das Seiende zum Nichtigen. Das ist westlich und östlich gedacht dasselbe.

7
Apr
2005

Werden VI

Nirvana als mögliche Erfahrung setzt die Anerkennung der Nichtigkeit des Ichs und die Erkenntnis voraus, dass der Alltag von einer krampfhaften Fixiertheit auf das Ich bestimmt ist. Es kommt alles darauf an, sich aus dieser Fixiertheit zu befreien.

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Metaphysik dagegen hebt das Ich als Subjekt des Denkens hervor und versucht dieses in seinem Denken zu erfassen. Das westliche Denken ist immer ein Ich-Denken. Das östliche Denken ist dagegen immer ein Nicht-Ich-Denken. Das östliche Denken ist der unentwegte Versuch, in den Abstand zu sich selbst zu gelangen, um das Ich in seiner Nichtigkeit zu schauen. Die Befreiung aus der Ich-Haft ist das wesentliche Anliegen östlicher Philosophie.

Nirvana vollzieht sich als das Irrelevantwerden von Gegensätzen. Metaphysik aber ist von ihrem Grund her auf Gegensätzen aufgebaut, vor allem auf dem Gegensatz zwischen Subjekt und Objekt. Das östliche Denken verneint diese Gegensätzlichkeit nicht, sondern erfasst sie als Beleg für die Brüchigkeit des Ichs. Aus der Einsicht in die Leere von allem erwächst die Verbundenheit mit allem. Das Aushalten von Leere bedeutet Freiheit, wenn sie nicht mehr auf dem Hintergrund der Sehnsucht nach Sicherheit ausgelegt wird. Wenn die Vernunft nicht mehr anhaftet und alles ergreift, erwacht der Mensch zur Weisheit (Prajna), mit der alle Menschen geboren werden.

Der Philosoph Arthur Schopenhauer versucht die östliche und westliche Philosophie zu verbinden und kommt zu einer umfassenden Philosophie des Mitleids. Die Grenzen einer Welt, die im Grunde durch den Willen, den Drang zur Selbststeigerung und Machtvergrößerung, geprägt ist, werden überschritten.

Sowohl Maurice Merleau-Ponty als auch Martin Heidegger nehmen Bezug auf östliches Denken, ihre Philosophie wird dementsprechend häufig im Lichte der östlichen Philosophie bzw. des Zen-Buddhismus interpretiert.

6
Apr
2005

Werden V

Der Metaphysik der westlichen Philosophie steht das Nirvana der östlichen Philosophie gegenüber. Das Nirvana östlicher Weisheit ist anders als das Sein westlicher Weisheit nicht das Bleibende angesichts ständiger Veränderung, sondern das Vergehen der ständigen Veränderung selbst. Das Denken dieses Vorgangs prägt alle asiatischen Religionen und Philosophien, sowohl des Hinduismus, des Buddhismus wie des Zen-Buddhismus.

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Anders als die Liebe zur Weisheit im Verständnis westlicher Philosophie ist das Nirvana gleichsam das Aufgehen in der Harmonie mit dieser Liebe selbst. Während Fühlen und Denken in der westlichen Philosophie getrennt erscheinen, bilden Fühlen und Denken in der östlichen Philosophie eine Einheit. Aus diesem Grund erscheinen westlich geprägtem Denken die philosophischen Aussagen östlich geprägten Denkens oft eher religiöser als philosophischer Natur zu sein. Östliche Philosophie erscheint als Einheit von Fühlen und Denken als Religion. Mit anderen Worten: Philosophie und Religion sind für das östliche Denken ein und dasselbe.

Nirvana (aus dem Sanskrit) bedeutet »Erlöschen«, »Vergehen«. Nirvana als Verlöschen liegt die Vorstellung des Zur-Ruhe-Kommens einer Bewegung zugrunde, die Vorstellung einer endgültigen Heimkehr in den Urgrund. Das Verlöschen einer Flamme, deren Wachs aufgebraucht ist, oder das Verglimmen von Funken sind beispielhafte Bilder hierfür.

Im Buddhismus bedeutet Nirvana vor allem das Verlöschen des Leidens, das aus dem Lebensdurst und den Leidenschaften entsteht. Als drei Ursachen des Leidens gibt der Buddhist die Begierde, den Hass und das Nichtwissen an.

Die östlichen Religionen und Philosophien ersehnen für den Menschen die Rückkehr zum Einen, die letztliche Vereinigung aller Vielheiten und Versöhnung mit dem göttlichen Urprinzip; und diese Rückkehr ist für den Menschen das Nirvana.

5
Apr
2005

Werden IV

Die Geschichte des Bilderlebens gelangt als Geschichte der Philosophie zum Vorschein. Das Wort 'Philosophie' wird ursprünglich als Gabe der Göttin der Weisheit empfunden. Die Freundschaft mit dieser Göttin erweist sich als Liebe zur Weisheit.

werden4

Die Liebe zur Weisheit, das ist das maßgeblich Bestimmende der Philosophie geblieben. Allein die Liebe gewährt das unvoreingenommene Betrachten, Beobachten und Begreifen der Erscheinungen so wie sie sind. Die Liebe vereinnahmt nicht, sondern bewahrt die Offenheit für das, was sich zeigt.

Um überhaupt versuchen zu können, diesem Anspruch zu genügen, dürfen die Gedanken der Philosophen nicht losgelöst (absolut) betrachtet werden. Die unterschiedlichen Gedanken sind verschiedene Beiträge zu dem, was uns als Bilderleben erscheint. Die Geschichte der Philosophie zeigt sich uns als Wechselspiel zwischen Natur (Werden) und Geist (Sein). Die griechischen Philosophen denken das Sein des Werdens. Ihre Leitfrage sucht nach dem Bleibenden angesichts ständiger Veränderung. Sie entdecken es, indem sie über das sinnlich Vernehmbare (Physik) hinausgehen (Metaphysik) und das denken, was alles sinnlich Vernehmbare ermöglicht.

Aus der Metaphysik entwickeln sich Mathematik und Naturwissenschaften. Der sinnlich vernehmbare natürliche Vorgang erscheint als Ableitung der Regelung des Wachstums aus dem sinnlich nicht vernehmbaren regelnden Naturgesetz.

4
Apr
2005

Werden III

Das Erwachen des Bewusstseins durch das Bilder-Leben des Mythos verändert sich zunehmend durch das Bild-Erleben des Logos. Der Mensch beginnt, die gestalterisch ins Werk gesetzten Gestalten seiner Götter nicht nur ästhetisch, sondern auch logisch auszulegen. Mit dem Erwachen der Vernunft erweitert sich das Wahrnehmen und Betrachten zum Beobachten und Begreifen.

werden3

Indem der Mensch der Göttin der Erde gleichsam bei ihrer Arbeit zuschaut, entdeckt er, dass sie zum Beispiel Überschwemmungen nutzt, um die Ernte der Gottlosen zu vernichten. Indem der Mensch versucht, die Geheimnisse der Göttin der Erde zu entbergen, entdeckt er, dass sie die Flüsse ansteigen lässt, um fruchtbares Land zu überschwemmen. Wiederholte Beobachtungen zeigen die Regelmäßigkeiten von Überschwemmungen und damit deren Vorhersagbarkeit. Das Fallen und Steigen des Wasserpegels wird berechenbar. Die Göttin der Erde verliert ihren Einluss. Es sind nicht göttliche Einwirkungen, welche die Flüsse über die Ufer treten lassen, sondern gewaltige Niederschläge. An die Stelle des Opferns für die Göttin der Erde tritt die Berechnung des Verhaltens der Flüsse.

Der aufkommende Zweifel an der Macht ihrer Götter treibt die Menschen an, nach natürlichen Erklärungen für das göttliche Wirken zu suchen. Noch erfahren sie diesen Antrieb als Geschenk der Göttin der Weisheit. Für kurze Zeit erklären die Griechen deshalb die Göttin der Weisheit zu ihrer Lieblingsgöttin.

3
Apr
2005

Werden II

Die Vergänglichkeit des Lebens schickt den Menschen auf die Suche nach Zeichen von Unvergänglichkeit. Mit der Entdeckung solcher Zeichen beginnt seine Geschichte. Die Menschen gestalten im Verlauf ihrer Geschichte die Suche nach Möglichkeiten, Daseinsgrenzen lebend zu überschreiten, recht unterschiedlich. Das Bilderleben des Unbewussten zeigt sich dem erwachenden Bewusstsein als Bild-Erleben.

clara

Alle Erscheinungen der Natur erfährt er als göttliches Geschick. Der Alltag des Menschen wird von der Welt der Götter bestimmt. Der Göttin der Erde obliegt alles, was die Natur an Pflanzen hervorbringt. Sie entscheidet über Erfolg oder Misserfolg der Ernte. Die Göttin der Gerechtigkeit legt fest, was gerecht und ungerecht ist. Die Göttin der Weisheit offenbart die Geheimnisse des Lebens. Sie verfügt über die Möglichkeiten und Grenzen allen Erkennens.

Als göttliche Offenbarung beeinflusst der Mythos bis heute das Leben der Menschen. Aus den Welten der redseligen Götter ist die Welt eines schweigsamen Gottes hervorgegangen. Die Ablösung des Mythos (Welt der Bilder) durch den Logos (Welt der Begriffe) wirkt sich auf diesen einen Gott maßgeblich bestimmend aus. Dieser Gott zeigt sich nicht mehr unmittelbar in Bildern, sondern offenbart sich mittelbar durch das Wort. Die Worte des Gottes der Christenheit werden in der katholischen Kirche durch dessen Stellvertreter auf Erden geschützt.

2
Apr
2005

Werden I

Die Natur zeigt sich uns in ständiger Veränderung. Entstehen und Vergehen wechseln. Jede Erscheinung ist gleichsam eine Momentaufnahme natürlichen Geschehens. Der Mensch findet sich in dieser ständigen Veränderung nicht zurecht. Angesichts ständigen Wechsels sucht er eine Bleibe. Die Natur kommt diesem Bedürfnis entgegen, indem sie Veränderungen zeitlich unterschiedlich gestaltet. Auf diese Weise entsteht der Eindruck von Bleibendem. So erfährt der Mensch zwar sein Leben als unaufhörliches Vergehen, aber dieser Schwund vollzieht sich für ihn so langsam, dass es ihm gelingt, sich für eine Weile einzurichten.

franziskus

Das Werden erscheint ihm wie Sein. In dieser Täuschung richtet sich der Mensch ein und nennt dieses Festhalten Dasein. Indem er die Veränglichkeit des Daseins verdrängt, glaubt er sich fest einrichten zu können. Um diese Art von Einrichtung abzusichern, schafft er sich Systeme, die den Eindruck von Dauer verstärken.

Angesichts des Sterbens wird aber die Vergänglichkeit des Lebens immer wieder augenscheinlich. Statt diese Flüchtigkeit zu bejahen, versucht der Mensch sein Dasein zu verlängern, indem er nach Möglichkeiten sucht, sich über den Tod hinaus einzurichten. So begibt er sich auf die Suche nach Zeichen jenseits seiner Daseinsgrenzen.

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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