4
Feb
2005

Funktionen des Bewusstseins - Die Inneren Augen

Die Inneren Augen haben wie die äußeren Augen die Aufgabe, innere Wahrnehmungen zu sehr differenzierten Mustern von Nervenimpulsen auszugestalten.

innere-augen1

Der äußere Bereich des Inneren Auges besteht aus drei schützenden Hüllen, die Grobheiten und damit Verletzungen abwehren:

Ganz außen liegt das schützende Gleichmachen (idem facere = identifizieren), das alle automatisierten oder routinierten Muster abweist. "Das haben wir immer so gemacht, das machen wir jetzt so, und das werden wir auch in Zukunft nicht anders machen!" Oder: "Ich habe schon immer nichts von Mathematik verstanden. Das geht mir heute genauso. Warum soll ich mich also irgendwann mit Mathematik beschäftigen?"

Dieser Vorgang geht unter gewissen Umständen in Interaktion mit dem zweiten Schutzmechanismus über, der die Störungen von Automatismen und Routinen ausgleicht, indem er alternative Interpretationsmöglichkeiten anbietet. Dieser zweite Schutzmechanismus ist das Modellieren auf der Grundlage verfügbarer Modelle. "Beamte sind faul." Oder: "Politiker sind machtgeil."

Der dritte Schutzmechanismus ist das Ausreden bzw. Abweisen von Wahrnehmungen, die sich nicht einfach und spontan abwehren lassen. Ein kleiner Junge zu seiner Mutter: "Ich möchte nur wissen, wer mir in die Hose geschissen hat, ich hatte sie doch an!"

Gleichmacherei, Vorurteile (Modelle) und Ausreden schützen die Schlafenden Augen vor versehentlichem Aktivieren. Solange diese drei Schutzbereiche die Verarbeitung von Informationen bewältigen können, öffnen sich die Schlafenden Augen nicht.

Diese drei wichtigsten Schutzmechanismen schützen die Schlafenden Augen im Alltag vor unergiebigen Strapazen. Weil das Innere Auge auf Grund interhemisphärischer Kommunikation aktiviert wird, bleibt es geschlossen, solange das Gehirn einseitig arbeitet.

3
Feb
2005

Erfolg - So einfach kann das doch nicht sein!

Zufall und Begabung sind die Eltern des Erfolgs. "Ich sehe 'was, was du nicht siehst!", das ist die Geburt jedes Erfolgs. Es wird ein bislang nicht beobachteter Zusammenhang entdeckt. Die meisten Entdeckungen überraschen die Entdecker selbst am meisten. Das Entdeckte erscheint einfach, viel zu einfach zu sein.

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Zuerst ungläubiges Staunen, dann Irritation ob der Banalität des aufgedeckten Zusammenhangs. Zweifel: "So einfach kann das doch alles nicht sein! Da wären dann doch schon längst andere 'draufgekommen!".

Solcher Zweifel muss durch den Glauben an sich selbst überwunden werden. Ohne Selbstvertrauen fehlt der Mut zum Erfolg. Zögerlichkeit läßt jeden Einfall verkommen. Er verschwindet aus dem Gesichtsfeld, zumeist auf Nimmerwiedersehen.

Der Erfolg ist höchst empfindlich. Er will behutsam angenommen und gepflegt werden. Jeder Erfolg macht zu Anfang einen recht schwächlichen Eindruck. Sich um ihn zu kümmern, das erscheint sehr risikoreich. Der überaus anspruchsvolle Geselle scheut zu Anfang das Licht der Öffentlichkeit. Wer zu früh über seinen wahrscheinlich sehr erfolgreichen Einfall erzählt, schwächt seine Idee so, dass sie sogar daran zugrunde gehen kann. Der gerade entstandene Einfall braucht Einsamkeit und Verschwiegenheit, um sich optimal entwickeln zu können. Ein möglicher Erfolg ist zunächst wie ein Geheimnis. Wahrscheinlich kennen Sie selbst das Gefühl, das Sie überkommt, wenn Sie wieder einmal den Mund nicht halten konnten. Meistens belächeln Sie andere ohnehin nur, wenn Sie ihnen von einem wirklich guten Einfall erzählen.

Die meisten Erfolge scheitern, weil der Glaube an sie fehlt. Das zeigt, dass das Gehirn unser Handeln vor allem auch emotional regelt. Gefühle steuern das, was uns nicht unmittelbar bewusst wird. Sind wir auf etwas günstig eingestimmt oder eingestellt, dann wirkt sich das positiv aus.

2
Feb
2005

Erfolg - Zeit kann man sich nicht besorgen, aber besser nutzen

Viele verbinden mit Erfolg einen gelungenen Umgang mit der Zeit. Sie kommen auf diesen Gedanken, weil sie das Gefühl nicht loswerden, ihr Leben wird von der Zeit diktiert. Sie fühlen sich unter Zeitdruck, können selten ausschlafen und haben es schwer, Verabredungen einzuhalten.

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Umfragen zeigen immer wieder, dass die meisten Menschen gern mehr Zeit hätten für den Schlaf, für Reisen, für Besuche von Freunden und Verwandten, für das Faulenzen, für das Lesen, für sportliche Betätigungen, für das Hören von Musik, für Theater und Kinobesuche oder das Fernsehen. Die meisten Menschen wünschen sich also mehr freie Zeit zur eigenen Gestaltung ihres Lebens.

Diesem Wunsch steht die Fremdgestaltung der eigenen Zeit entgegen. Pflichten, Verpflichtungen und unnötige Wartezeiten takten das Leben nach Terminen bzw. anstehenden Aufgaben. Die meisten von uns haben ständig etwas zu tun. Weil sie ihr Pflichtenheft immer bei sich tragen, können sie nicht abschalten, um einmal einfach nur so in den Tag hineinleben zu können. Folglich überlegen sie, ob sie überhaupt richtig mit ihrer Zeit umgehen oder ob es da nicht Verbesserungsmöglichkeiten geben könnte.

Also suchen sie nach Möglichkeiten, wie sie sich ihre Zeit besser einteilen können. Vielleicht erwerben sie besondere Organizer, um das zu schaffen.

Allerdings laufen sie dabei Gefahr, den Sinn von Terminkalendern in Unsinn zu verkehren, denn diese Zeithelfer sind nicht dazu da, möglichst viel Zeit zu verplanen, sondern genau umgekehrt möglichst viel Zeit freizuhalten.

Ein voller Terminkalender ist in der Regel ein Armutszeugnis.

1
Feb
2005

Erfahrung

Erfahrung ist letztlich das deutsche Wort für lateinisch ‚Information'. Jemanden zu informieren, das ist etwas völlig Anderes als ihn zu benachrichtigen.

erfahrung

Nachrichten sind Mitteilungen, durch die Fakten und Daten vermittelt werden. Informationen dagegen sind Auskünfte, die jemanden in die Lage versetzen, etwas zu tun.

Echte Informationen ermöglichen Erfahrungen, versetzen also in die Lage, sich selbst durch Tun zu unterrichten. Erfahrung steht für ‚unterrichtet sein'. Im Unterricht wird folglich erst dann und nur dann informiert, wenn Möglichkeiten geschaffen werden, etwas durch Ausprobieren selbst herauszufinden. Die meisten Lehrer sprechen Nachrichten statt zu informieren.

Die Bestandteile einer Information sind: Beschreibung eines Vorgehens, Anleitung für die Umsetzung und Definition des Erfolgsfalles.

Übung: Geben Sie den Leuten, mit denen Sie tagtäglich zu tun haben, Nachrichten oder Informationen?
Warum bemisst sich Professionalität nicht an der Menge von Informationen?
Warum behandelt ein Nachrichtenredakteur im Gegensatz zum Nachrichtensprecher Nachrichten, bevor sie gedruckt oder gesendet werden, als Informationen?

In welchen der folgenden Fälle benachrichtigen und in welchen informieren Sie?
Sie werden nach der Uhrzeit gefragt.
Ihr Kind fragt Sie nach dem Lösungsweg einer Aufgabe.
Sie werden um einen Termin gebeten.
Sie erkundigen sich nach Reisemöglichkeiten.
Sie werden nach dem Weg zum Bahnhof gefragt.
Sie erkundigen sich nach einem Kochrezept.
Erklären Sie die Berechnung des Flächeninhaltes eines Quadrates in Form einer Nachricht und dann in Form einer Information.
Sie berichten über einen Film und Sie erzählen von einem Film. Wann benachrichtigen und wann informieren Sie?

31
Jan
2005

Denken - Was Fächer dazu beitragen

Höhere Mathematik und Theoretische Physik als anschauliche Mathematik prägen sowohl die linke als auch die rechte Hemisphäre harmonisch aus.
Dies schaffen die beiden Fächer durch Bereitstellen allgemeiner Bilder für alle besonderen Fälle - Kunst und Naturwissenschaften prägen vor allem jene Bereiche des Gehirns, welche wir als Bewusstseinsbasen vermuten. Fremdsprachen schulen die Sprache als Gedankenbildung durch die Auseinandersetzung mit anderen Sprachen. Philosophie zielt vor allem auf die Schulung unseres Verstandes ab. Der Leistungssport fördert alle Formen der sensumotorischen Intelligenz und Begabung.

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Alle anderen Fächer stellen Mischformen dieser Fächer dar. Interessant ist dabei die Frage, ob ich selbst feststellen kann, welcher Struktur bzw. Strategie ich persönlich zuneige. Das hat nur zum Teil etwas mit den Fächern zu tun, die mich interessieren. So ist zum Beispiel längst nicht gesagt, dass jeder Didaktiker der Physik auch mathematisch zu denken in der Lage ist, obgleich er ja im Rahmen seines Studiums Veranstaltungen der Mathematik besuchen muss.

Denken braucht klare Vorstellungen. Ein wahrgenommenes Stoppschild erzeugt die klare und eindeutige Vorstellung: "Ich muss anhalten!" Das Zeichen für Tilde "~" erzeugt dagegen bei den meisten gar keine Vorstellung.

Denken braucht klare Worte. "Stopp" ist ein ebenso klares Wort wie "Hunger". Interjektionen wie "Au" oder "Aua" werden sogar von Tieren verstanden. "Haus" oder "Bildung " sind dagegen wegen ihrer Vieldeutigkeit unklar.

Denken braucht Bewegung. Ohne Ausprobieren läuft 'gedankenmäßig' nichts. Nachdenken im Sinne des Nachvollziehens braucht diese Bewegung auch. Das Verhalten vor einem Stoppschild üben wir in der Fahrschule.

30
Jan
2005

Bilderlose Texte

"Fehlschaltung" ist zwar ein gängiges Wort, aber im Zusammenhang mit der Betrachtung der Hirntätigkeit erweist es sich als zu umgangssprachlich. Im Wort "Fehlschaltung" steckt das Wort "Schaltung" und das verführt allzu leicht zu einer mechanistischen Betrachtungsweise.

Was wir aus dem Alltag als "Fehlschaltung" kennen, wenn wir beispielsweise die Haare mit Rasierschaum statt mit Schaumfestiger behandeln, hat natürlich nichts mit Fehlschaltung im Gehirn zu tun. Wir waren lediglich unaufmerksam und haben die ähnlich aussehenden Behälter miteinander verwechselt.

feuersee

Das Gehirn kennt keine Fehlschaltungen, solange nicht besondere Erkrankungen vorliegen. Das, was wir als Fehlschaltung erleben, geht gewöhnlich auf mangelnde Aufmerksamkeit oder Konzentration zurück.

Wenn wir aufmerksam sind, dann achten wir auf alles, was entweder um uns herum oder mit uns selbst körperlich geschieht. Wenn wir aufmerksam lesen, dann lesen wir einen Text genau. Wir nehmen sorgfältig Satz für Satz auf. Wenn wir auf uns selbst aufmerksam werden, dann nehmen wir körperliche Bedürfnisse wahr oder wir beschäftigen uns einfach nur mit unserem Aussehen.

Wenn wir uns dagegen konzentrieren, dann achten wir auf alles, was in uns gedanklich geschieht. Wenn wir uns auf einen aufmerksam aufgenommenen Text konzentrieren, dann versuchen wir, uns dessen Inhalte besonders deutlich vor Augen zu führen. Das Verhältnis zwischen Aufmerksamkeit und Konzentration lässt sich als Wechselwirkung auffassen.

Aber nicht nur unsere Aufmerksamkeit und Konzentration beeinflussen unseren Umgang mit Texten, sondern umgekehrt wirken sich auch Texte auf unsere Aufmerksamkeit und Konzentration aus. Auf diesen Zusammenhang wollen wir kurz eingehen.

Anschauliche Inhalte von Texten sorgen dafür, dass sich in mir etwas bildhaft ereignet. Allein Bildergeschichten können von uns so klar vergegenwärtigt werden, dass wir sie auch wirklich wahrnehmen, betrachten und verstehen.

Es sei anmerkend eingefügt, dass wir das Wort "Vergegenwärtigung" dem Wort "Bewusstsein" vorziehen. Das Wort "Bewusstsein" trifft nämlich nicht ganz das, was sich im Gehirn ereignet. Das Wort "Bewusstsein" drückt eher einen Zustand aus und verführt allzu leicht zur Vorstellung von einem Raum, in dem etwas geschieht. Hirngerechter ist es, das Wort "Bewusstsein" durch das Wort "Wachheit" zu ersetzen.

Bilderlose Texte führen nicht jene Wachheit herbei, die erforderlich wäre, um sich mit Texten auseinander zu setzen. Texte, die keine Bildergeschichten vermitteln, schläfern uns ein und wir bekommen nichts mit. Texte, die müde machen, schützen das Gehirn auf natürlich Weise davor, sich auf nutzlose Auseinandersetzungen einzulassen. Bilderlose Texte werden zwar irgendwie bewusst, aber deren Inhalte werden eben nicht klar vergegenwärtigt sondern eher übergangen. Bilderlose Texte werden mit geringer Aufmerksamkeit bzw. Wachsamkeit überflogen oder gar überlesen.

29
Jan
2005

Sprachliches Blendwerk (Textattrappe)

Texte lassen sich mit noch nicht entwickelten Filmmaterial vergleichen. Sobald wir gute Texte lesen oder hören, entwickeln sich text-vermittelte Bilder.

blume

Schlechte Texte zeigen entweder überbelichtete, unterbelichtete oder gar keine Bilder.

Schauen wir uns das am Beispiel eines Satzes einmal an. Der Satz lautet: "Das kleine Mädchen pflückt Blumen." Dieser Satz vermittelt ein klares Innenbild. Jeder sieht das kleine Mädchen Blumen pflücken. Aber jeder sieht ein anderes Mädchen andere Blumen pflücken. Das satzvermittelte Innenbild lässt also Spielraum für die eigene Gestaltung. Ich kann dem Mädchen einen Namen geben und mir zum Beispiel Gartenblumen, Wiesenblumen oder Feldblumen vorstellen. Durch das eigene Gestalten wird das Innenbild zu einem Ereignis.

Schlechte Texte oder schlechte Sätze dagegen lassen keine Innenbilder entstehen. Schauen wir uns nun einen solchen schlechten Satz einmal an. Der Satz lautet: "Unter Deduktion wird die Umkehrung der Abstraktion verstanden." Das satzvermittelte Innenbild ist unterbelichtet. Aber immerhin, es lässt sich noch erahnen, was gemeint sein könnte. Noch schlechter ist der folgende Satz: "Dem Substrat inhärieren Akzidenzien." Es dürfte sich wohl kaum mehr ein Innenbild entwickeln.

Sätze, die keine Entwicklung von Innenbildern ermöglichen, infizieren das Gehirn erst dann und nur dann, wenn es sich um Lehrsätze handelt, die jemandem aufgezwungen werden. Wenn also Studierende in ihrer Prüfung zum Beispiel mit der Frage rechen müssen, was denn "Inhärenz" bedeute, dann sehen sie sich zuvor gezwungen, Sätze einzuprägen, die für sie keinen Sinn machen.

Treten bildlose Sätze häufig auf, dann können sie dazu führen, dass sich im Gehirn ein Hirnvirus entwickeln und auswirken kann.

Es gibt verschiedene Arten von Hirnviren. Im Fall des Einprägens und Wiedergebens auferzwungener Lehrsätze wird im Gehirn eine ‚Fehlschaltung’ ausgelöst. Diese ‚Fehlschaltung’ führt dazu, das Lehrsätze nicht mehr interpretiert, sondern nur noch identifiziert werden, etwa unter dem Motto: "Lehrsätze kann man nicht verstehen, die muss man einfach aufsagen können!" Hat sich dieser Irrtum erst einmal eingenistet, dann hat sich folgendes Vorurteil verfestigt: "Das ist ein Lehrsatz! Da gibt es nichts zu verstehen!" Wiederholen sich dergleichen Erfahrungen von Unterricht zu Unterricht, dann weitet sich das Vorurteil unter ungünstigen Bedingungen aus und kann sich auf die gesamte Schulzeit beziehen.

28
Jan
2005

Emotionen – Botenstoffe für Eilzustellungen

Aufregung, Erregung, Begeisterung, Leidenschaft sind Emotionen. Emotion ist gefühltes Wahrnehmen, Beobachten, Begreifen oder Tun. Diese körperlich, geistig seelische Bewegung ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Stimmung und Einstellung, Pflicht- bzw. Verantwortungsgefühl und sachlichem Engagement.

emotionen

Positive Emotionen wie Freude, Glück oder Liebe beschleunigen das Verarbeiten von Informationen durch Freisetzen zusätzlicher Kräfte bzw. Ressourcen.

Ohne Emotionen sind künstlerische Aktionen wie Musik, Tanz oder Schauspiel überhaupt nicht möglich. Aber auch Reden oder Vorträge werden erst durch positive Emotionen erfolgreich.

Negative Emotionen wie Aggression oder Depression verlangsamen dagegen das Verarbeiten von Informationen durch Störungen des normalen Ablaufs. Diese Emotionen sind gewöhnlich gefühlsmäßige Reaktionen aus persönlicher Motivation heraus. Ich bin gefühlsmäßig aus dem Gleichgewicht geraten, erregt bzw. aufgeregt und wehre mich dagegen.

Positive emotionale Impulse sorgen für Spannung und beschleunigen das Bewältigen von Ereignissen und Situationen. Negative emotionale Impulse dagegen wirken hemmend oder gar blockierend. Solche Gemütsbewegungen dienen der Aufforderung, das innere Gleichgewicht möglichst rasch wieder herzustellen, beispielsweise durch sorgfältiges, aber abständiges Erledigen einer schwierigen Aufgabe. Emotionen sind Zeichen, dass mir persönlich etwas wichtig ist.

Emotion bedeutet: Wichtiges steht in Frage. Das Gehirn sucht beschleunigt nach Antworten. Besonders emotional reagieren wir, wenn wir persönlich betroffen oder gar in unserem Selbstbild verletzt werden. Dann ärgern wir uns kräftig. Am andern Menschen ärgern uns ganz besonders jene eigenen Fehler, welche wir an uns nicht wahrhaben wollen.

27
Jan
2005

Dialog der Hemisphären

Der Dialog der Hemisphären überrascht uns bisweilen, wenn wir uns bei einem Selbstgespräch ertappen. In der Regel handelt es sich um eine ganz banale Alltagssituation.

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In einer schwierigen Situation findet das Selbstgespräch, gewöhnlich unbemerkt, als innerer Dialog statt. Sokrates hat für diese Erscheinungsform des Bewusstseins den Namen „Innere Stimme“ geprägt. In der religiösen Erziehung wird diese bisweilen auch als „Stimme des Gewissens“ bezeichnet.

Es gibt einen recht zuverlässigen Ausdruck der Hemisphärentätigkeit, nämlich das Sprechen und Schreiben eines Menschen.

Eine bilderreiche, konkrete Sprache ist in der Regel Ausdruck der Tätigkeit der rechten Gehirnhälfte. Umgekehrt drückt eine bilderarme, abstrakte Sprache vorwiegend links-hemisphärische Aktivität aus.

Lyrik, Philosophie, Mathematik (!) und modulares Programmieren verlangen eine extrem intensive Arbeit der rechten Hemisphäre. Das, was sich da für ‚Außenstehende’ wie Abstrakta ansieht, sind für Lyriker, Philosophen, Mathematiker in Wahrheit sehr komplexe Bilder.

Dagegen stehen alltäglicher Austausch, Nachrichten oder Aussagen der ‚weichen’ Wissenschaften eher für die Aktivität der linken Hemisphäre. Der Grund für den Wechsel der Hemisphären-Dominanz liegt in der Mitteilungsgeschwindigkeit. Die rechte Hemisphäre braucht gewöhnlich mehr Zeit, um etwas zur Sprache zu bringen.

Übung: Hören Sie sich einmal beim Reden zu. In welchen Situationen dominiert welche Hemisphäre? Sie können diese Frage intuitiv beantworten, rechtshemisphärisch do-minant also.

26
Jan
2005

Philosophie

Die vorsokratische Philosophie ist die intuitive Seite der Wissenschaft.

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Philosophie ist der griechische Name für die Liebe zur Weisheit. Weisheit ist jener Zustand unseres Bewusstseins, welcher uns den Zugang zur Wahrheit schenkt. Der weise Mensch begegnet der Wahrheit, indem sich ihm das Werden selbst eröffnet und er das Wesentliche schaut.

Philosophie ist sowohl der Weg zur Offenheit des Seins als auch der Aufenthalt in diesem Licht des Denkens.

Jeder muss diesen Weg für sich allein gehen. Es ist sein Weg, den er entdecken muss.

Gedicht "Schicksalstage" aus "Zarathustras Wiederkehr"

Wenn die trüben Tage grauen,
Kalt und feindlich blickt die Welt,
Findet scheu sich Dein Vertrauen,
Ganz auf sich allein gestellt.
Aber in dich selbst verwiesen,
Aus der alten Freuden Land,
Siehst Du neuen Paradiesen,
Deinen Glauben zugewandt.
Als dein eigenstes erkennst du,
Was dir fremd und feind erschien,
Und mit neuem Namen nennst du,
Dein Geschick und nimmst es hin.
Was dich zu erdrücken drohte,
zeigt sich freundlich atmet Geist,
Ist ein Führer ist ein Bote,
Der dich hoch und höher weist.

Friedrich Nietzsche

25
Jan
2005

Sinnliches und geistiges Wahrnehmen

Sinnliches und geistiges Wahrnehmen vollziehen sich natürlicherweise als Wechsel- bzw. Zusammenspiel.

intuition2

Dominiert sinnliches Wahrnehmen, dann regelt es Betrachten, Beobachten und Bestimmen von Zusammenhängen (Begreifen).

Dominiert geistiges Wahrnehmen, dann regelt es Fantasie, Spiel und Gestalten von Zusammenhängen ((an-)schauen).

Mit Hilfe sinnlicher Wahrnehmungen werden Erscheinungen durch die Wissenschaft in Gesetze überführt.

Mit Hilfe geistiger Wahrnehmungen werden Erscheinungen durch die Kunst ins Werk gesetzt.


Intuition

Sehen statt sichten,
Fühlen statt gewichten.

Schauen statt betrachten,
Kein Beobachten.

Wahrheit statt Richtigkeit,
Offenheit statt Wichtigkeit.

Spielen statt vereinnahmen,
Außerhalb statt im Rahmen.

Fühlen und berühren,
zum Leben verführen!

24
Jan
2005

Intuition - Frauen haben Intuitionen statt Definitionen

Definitionen sind eingefrorene Intuitionen. Definitionen erfassen das Sein von etwas, Intuitionen das Werden.

intuition1

Intuitionen sind Gebilde, die im Unbewussten bzw. Unterbewussten wachsen und als Eingebungen bewusst werden. Definitionen geben Antworten, Intuitionen schenken Fragen.

Antworten erscheinen als fertige, linear angeordnete Gedanken. Der Algorithmus (Steuerung der Folge, in der Gedanken und deren Umsetzung als Handlungen ablaufen) ist der Prototyp des Definierens. Definitionen liefern Ausschnitte oder Aspekte von Welt.

Fragen erscheinen als offene, verzweigte Gedanken. Die Mindmap (Regelung des Wachstums von Gedanken) ist der Prototyp intuitiven Erfassens. Intuitionen verhelfen zu einer ganzheitlichen Wahrnehmung von Welt.

In der männlich bestimmten Welt der Philosophie des Abendlandes wurde das Wesen der Intuition nicht gedacht. Die Folge ist, dass ein Denken dominiert, das einseitig von der linken Hemisphäre gesteuert wird.

Definitionen und Intuitionen bilden zusammen die Einheit des Gegensätzlichen, das in dem Wort Bild-er-leben zum Ausdruck gelangt.

Soll "Intuition" philosophisch nutzbar gefasst werden, dann ist das Wort "(gefühlte) geistige Wahrnehmung" besser geeignet als "Eingebung".

„Intuitives Denken ist wahrnehmungsähnlich, schnell und mühelos.“ (Daniel Kahnemann, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 2002)

23
Jan
2005

Denken - Denkend bin ich Ich (nach Descartes)

Unser Gehirn denkt zuerst, bevor es redet. Das, was wir gewöhnlich als Denken bezeichnen, ist schon immer das Mitteilen von längst Gedachtem.

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Gewöhnlich aber haben wir doch den Eindruck, als wären wir es, die das alles zustande bringen. So betont Descartes geradezu "Ich denke, also bin ich." Die Überzeugung „Ich-Bewusstsein“ ist so tief in uns verwurzelt, dass jede Kritik daran erst einmal absurd erscheint.

Aber erinnern Sie sich. Die besten Einfälle sind Ihnen gleichsam zugeflogen. Sie mussten nur noch die Gelegenheit nutzen, um etwas daraus zu machen. Im Nacht- und Tagtraum gar haben Sie überhaupt keine Chance mehr einzugreifen. Da spielt das Hirn nun ganz offensichtlich ohne Sie.

Und was geschieht eigentlich im Augenblick? Ich schreibe. Genau genommen werden Ergebnisse der vom Gehirn durchgespielten Vorgänge bewusst und sofort von mir aufgeschrieben.

Das Spielen des Gehirns wird fortdauernd als Ich bewusst. "Ich denke.", das bedeutet das Wahrnehmen eines inneren Geschehens.

Das Spiel des Gehirns vollzieht sich vielfach zugleich. Deshalb erfährt sich das Ich räumlich und zeitlich. Diese Raum-Zeit-Erfahrung erlebt es als seine Geschichte. Aus der persönlichen Lebensgeschichte kristallisieren sich durch viele Versuche und Irrtümer schließlich bleibende Verhaltenseigenschaften heraus. Die Verlässlichkeit solcher Merkmale bezeichnen wir als die Persönlichkeit eines Menschen.

Für das Gehirn ist dies das allen Verhaltensweisen gemeinsame Grundmuster. Als Ich erfasst es dies als Sein, als das Bleibende in allem. Auf diese Weise in sich zu Hause widersteht das Ich leichter den Widerwärtigkeiten alles Vergänglichen.

22
Jan
2005

Denken – Was man dazu braucht

Um denken zu können, müssen mindestens folgende drei Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Denken braucht klare Vorstellungen. Denken macht innere und äußere Wahrnehmungen eindeutig. 2. Denken braucht klare Worte. Worte sind klar, sobald sie für Bilder stehen. 3. Denken braucht Bewegung. Ohne Ausprobieren läuft gedanklich nichts.

denken

Als Grundbedürfnis treibt uns Denken unterschiedlich an: Wenn es uns veranlasst, nur einmal kurz hinzuschauen, um das Auffällige (...was interessiert) zu erfassen (Apperzeption), wenn es uns einlädt, uns Zeit zu nehmen, um uns mit Wahrnehmungen eingehender befassen zu können (Reflexion), wenn es uns drängt, Zusammenhänge festzustellen, um zu begreifen (Induktion), wenn es uns ermuntert, Annahmen in der Praxis zu überprüfen, um herauszufinden, was zutrifft und was nicht (Deduktion), wenn es uns auffordert, die Sache auf den Punkt zu bringen, um uns das Ganze leichter merken zu können (Definition).

Eine Definition ist: 1. eine Erklärung, die für alle Fälle zutrifft, 2. ein allgemeingültiger Inhalt, der sich versinnlichen, also demonstrieren lässt, 3. eine Anwendung, die ich selbst vorführen kann. Allem Reflektieren intendiert das Definieren, also Zeigen, Demonstrieren, Vorführen. Das Grundbedürfnis Denken treibt den Menschen als Abenteurer in die Welt. Gewöhnlich aber dringt Denken nicht so weit ins Bewusstsein vor. Es wird in der Regel schon durch vorhandene Modelle daran gehindert, über das bloße Erfassen von Wahrgenommenem hinauszugehen.

Es gibt dafür sogar einen sehr plausiblen Hinderungsgrund. Wenn wir modellieren, sobald wir wahrnehmen, beschleunigen wir unsere Auseinandersetzung. Vorhandene Modelle und verfügbare Erfahrungen sparen Zeit. Diese Zeiteinsparung hat ihren Preis.

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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