Lücke
© urs
Auf und ab, eine emporsteigende und eine fallende Linie. Die nicht bestandene Zerreißprobe im rückwärts gewandten Fall hinterlässt eine prägende Lücke, die auch während des Aufstiegs trotz aller Anstrengung nicht mehr zu schließen war. Die Biografie eines ins Werk gesetzten immer wiederkehrenden verletzten Gedankens mahnt das Aufnehmen und Abgeben vor dem nur scheinbar Halt gebenden Bruch im Grund des Gedankens. Die von Harmonie träumenden Linien lenken davon ab, in Wahrheit in ihrer Tiefe gebrochen zu sein. Und was wäre, wenn es sich in Wirklichkeit um zwei emporrankende Hopfenstauden handelt, die sich am durch Weglassung gezogenen Draht festhalten? Was wäre dann?
Die Quelle allen Denkens ist die Kunst. Fantasie und Gefühle gestalten den Wunsch, der sich durch das Denken offenbaren soll. Vor aller Mal-, Modellierungs-, Bild-, Ton- , Spiel- oder Sprachkunst wirkt das Geheimnis des verborgenen Unbewussten. Der natürliche, wahre Gedanke wird durch den sanften Hauch der Intuition geweckt. Sobald er sich offenbart, wird er auch empfunden. Bewusstwerden muss empfindsam genug sein, um sich als Denken entfalten und gestalten zu können. Nur wer sich in der schöpferischen Welt der Fantasie zu Hause fühlt, vermag sich später in der abstrakten Kunst der Wissenschaft zurechtfinden. Die ersten Mathematiker haben ihre Lehrsätze durch Naturbeobachtungen gefunden.
Es bleibt dabei: Ein Gedanke, der nichts entdeckt, ist eine Verwechslung. Gedanken lassen sich auch nicht erinnern, sondern müssen wieder entdeckt werden. Denken ist kein Sein, sondern immer nur Werden. Denken vollzieht sich künstlerisch, indem es Geschichten, die berühren, erfindet. Alles, was künstlerisch ins Werk gesetzt wird, scheint nicht unmittelbar hervor, sondern bedarf der Vermittlung durch das Betrachten. Erst in der Betrachtung offenbart sich die Intuition des Künstlers.
wfschmid - 22. März, 05:00
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