ALIBI

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Sync: Alibi ist ein "Störneuron", das Nachrichten zwischen bewusst aktivierten Neuronen unbewusst umleitet. Mich interessiert, wann genau und wie das geschieht. Aus diesem Grund interviewe ich ein Alibi.

(A)libi: Neuronen haben unterschiedliche Funktionen. Es gibt günstige und ungünstige Einflussnahmen. Man sagt uns Alibis nach, dass wir eher Einflüsse ausüben, die sich auf die Entwicklung des Systems ungünstig auswirken. Ich bin nicht der Auffassung der übrigen Neuronen. Ich sehe unsere Einflussnahme eher als Schutzfunktion im Blick auf das System.

Sync: Ein Beispiel würde mir da sehr helfen.

A: Mein Lieblingsbeispiel ist der Entschluss, an einem wichtigen Tag wie Silvester, Geburtstag, Hochzeitstag oder am Valentinstag das Rauchen aufzugeben.

Sync: Wie kommt ein solcher Entschluss überhaupt zustande?

A: Meistens setzt das eine Beschwerde organischer Zellen voraus, welche sich im neuronalen Zentrum über mögliche gesundheitliche Schäden beklagen und trotzdem weiterhin nach transmitterlähmenden Nikotin verlangen. Dieser Verhaltenswiderspruch macht es uns sehr leicht, entsprechende Abwehrimpulse solcher Zellen umzuleiten.

Das geht in etwa so vor sich. Wir richten sowohl für Rauchimpulse als auch für Abwehrimpulse je eine Umleitung ein. Die Abwehrimpulse leiten wir in Richtung "Unbewusstsein" weiter und die Rauchimpulse in Richtung "Bewusstsein"! Auf diese Weise kommen keine ernsthaften Warnungen mehr im Bewusstsein an.

Syn: Das ist einleuchtend. Aber was unternehmt Ihr genau bei einem Drogenabhängigen, der den Entschluss gefasst hat, mit dem Rauchen endgültig aufzuhören?

A: Nehmen wir an, an Silvester soll Punkt 0 Uhr mit Rauchen ein für allemal Schluss sein! Und genau zu Beginn des neuen Jahres wird die letzte Zigarette energisch ausgedrückt. Von Anfang an müssen wir wirklich sehr rasch handeln. Zu diesem Zweck ändern wir die Umleitungen. Wir schicken ab sofort die Rauchimpulse nicht einfach nur ins Bewusstsein, sondern geben ihnen auch noch schöne Bilder über angenehme Rauchsituationen mit auf den Weg. Gleichzeitig geben wir ihnen Begleiterinnen mit, welche das ganze Unternehmen mit überraschenden Fragen in Frage stellen. Es ist nichts verblüffender als etwas vollkommen Selbstverständliches in Frage zu stellen.

Der Raucher hält genau den Nullpunkt für wichtig. Wenige Augenblicker danach taucht schon die Frage auf "Warum hörst du eigentlich genau um Null Uhr auf? Warum setzt du dich damit unnötig unter Druck? Es wäre doch sehr viel progessiver und mutiger, nicht um Null Uhr aufzuhören. Schließlich tun das doch die meisten!" Diese Frage ist unverschämt, weil sie die getroffene Entscheidung überhaupt nicht Ernst nimmt. Sie bewirkt deshalb etwas für diesen Entschluss Gefährliches. Sie macht aggressiv und erzeugt Kampfstoffe, die sich auf jene Neuronen auswirken, welche die Entscheidung tragen. Diese werden kurzfristig geschwächt und geben somit die Lust, wieder zu rauchen, für einige gefährliche Augenblicke frei. Dabei kann es geschehen, das Zellen erregt werden, welche für motorische Impulse zuständig sind. Es wird aufgrund langjähriger Erfahrungen unbewusst zur Zigarette gegriffen und diese angesteckt.

Der Rest ist ein Kinderspiel. Wir schicken umgehend einige Depressionen los, welche dieses 'Unglück' beklagen und gleichzeitig darauf aufmerksam machen, dass es nun bis zum nächsten wichtigen Tag wieder eine längere Phase des Rauchens geben wird.

Sync: Und was habt Ihr davon, wenn Ihr Euch so mies verhaltet?

A: Wir haben das System vor Stress aufgrund von Nikotinentzug bewahrt!

Sync: Ich finde, das ist eine gemeine Lüge, gibt es doch Nikotinentzug überhaupt nicht.

A: Werbung lebt nun einmal von der schön umgeschminkten Wahrheit. Natürlich existiert kein Entzug von Nikotin, sondern lediglich von Gewohnheit. Aber ein Trugschluss dieser Art ist das beste Alibi für eine Tatsache!

Sync: Und was haben Alibis davon?

A: Wir können das Gehirn für uns einnehmen und unsere Macht ausweiten!

Sync: In der Tat, es gibt nicht wenige Menschen, die ein Alibi-Leben führen. Sie sind eine andere Person als die, die sie sein könnten!

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