Wenn man will, kann man das sehen

Verstehen können bedeutet tun wollen


Unser Gehirn erledigt ständig mindestens vier Aufgaben zugleich:

1.es ist kritisch, indem es Vorhandenes daraufhin überprüft, wie es sich verbessern oder gar erneuern lässt,
2.es ist kreativ, indem es vorhandene Ideen weiterzuführen und vielleicht sogar auszuführen versucht,
3.es ist ökonomisch, indem es laufende und gespeicherte Abläufe zu vereinfachen und dann in vereinfachter Form erneut anzubieten versucht,
4.es ist aktuell, indem es anstehende Aufgaben oder gar Probleme zu lösen versucht.

Je nach dem, unter welchem Aspekt man die neuronale Aktivität des Gehirns darstellt, kommt man auf eine unterschiedliche Anzahl von Prozessen. Die neuronale Vielfältigkeit ließe sich auch von den neuronalen Funktionen her darstellen und dann könnte man sagen, dass das Gehirn ständig:

1.perzipiert: Außenreize filtert,
2.apperzipiert: ausgefilterte Außenreize in Innenreize überführt,
3.flektiert: Innenreize filtert,
4.reflektiert: ausgefilterte Innenreize bewusst werden lässt,
5.affiziert:äußere bzw. sinnliche Wahrnehmungen fühlt,
6.emotionalisiert: zueinander in Beziehung gesetzte Außen- und Innenreize gefühlsmäßig auf Verträglichkeit hin gefühlsmäßig kommentiert, also Lust oder Unlust erzeugt.

Manche vergleichen die neuronalen Funktionen des Gehirns mit Berufen, und dann ergeben sich beispielsweise wiederum folgende ebenfalls zugleich ablaufende Tätigkeiten.

1.Das Gehirn arbeitet künstlerisch, wenn es Wahrnehmungen komponiert oder Betrachtungen gestaltet,
2.das Gehirn arbeitet philosophisch, wenn es neue Gedanken erzeugt,
3.das Gehirn arbeitet wissenschaftlich, wenn es vorhandene Verhaltens- oder Handlungsmuster und Erfahrungen zu vereinfachen versucht,
4.das Gehirn arbeitet psychologisch, wenn es innere Abläufe kommentiert,
5.das Gehirn arbeitet spielerisch, wenn es Vorhandenes neu arrangiert oder neue Kombinationen ausprobiert,
6.Gehirn entscheidet, wenn es Prioritäten setzt.

Gleichgültig, unter welchem Aspekt man auch die neuronale Aktivität des Gehirns betrachtet und zu welcher Aufschlüsselung man auch gelangt, es bleibt letztlich eine Frage des Geschmacks, wie man das darstellen möchte. Unbefriedigend dabei bleibt die Zufälligkeit der Auswahl, denn es zeigt sich weder eine befriedigende Begründung für die Wahl der Darstellung wie für die Entscheidung über die Anzahl der zu behandelnden Prozesse. Da ein gewisser Grad an Willkürlichkeit nicht abzustreiten ist, drängt sich die Frage auf, ob es denn nicht eine verlässlichere Grundlage gibt, auf der entschieden werden könnte, welche Darstellung wirklich zutreffend ist. Diese Frage lässt sich deshalb sehr leicht beantworten, weil unser Gehirn selbst uns die Möglichkeit anbietet, ihm bei der Arbeit zuzuschauen und das auch zu beschreiben, was es uns beobachten lässt. Das Wissen um diese Möglichkeit ist schon lange bekannt und ist unter dem Begriff der Introspektion in die Geschichte der Wissenschaft eingegangen.1 Introspektion [lateinisch] bedeutet wörtlich Selbstbeobachtung, also die nach innen, das heißt auf das eigene Bewusstseinsgeschehen, gerichtete Beobachtung. Letztlich vollzieht sich das Philosophieren auch als Introspektion, nämlich als das Versprachlichen des Betrachtens der eigenen Gedanken. Dass wir dem Gehirn bei seiner Arbeit zuschauen können, hat vor allem den großen Vorteil, dass wir den Prozess der neuronalen Tätigkeit beeinflussen können. Und da sind wir inmitten der Praxis, denn Introspektion lässt sich nun einmal nicht erklären, man muss diese Beobachtung selbst üben, um sie verstehen zu lernen.

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Wolfgang F.A. Schmid

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