Buch Arete

 
Sokrates fasst zusammen: "Wir stimmen also darin überein, dass Vernunft eine natürliche Gabe ist. Geburtshelfer der Vernunft sind Vorbilder und Fragen. Wahre Lehrer sind jene, welche beides in sich vereinen!"
"Wenn dem so ist, dann dürfen Lehrer nicht bestellt werden, sondern müssen von jenen, welche ihre Schüler sein wollen, ausgesucht werden dürfen!" Und Platon verweist dabei auf seinen Lehrer Sokrates, der das genau so handhabt.

Protagoras jedoch hat Bedenken bei diesem Vorschlag. "In Athen gibt es keine Schulpflicht. Wohlhabende Bürger schicken ihre Kinder zur Schule, damit später die Karriere gesichert ist. Die Schüler werden im Haus des Lehrers unterrichtet. Der Schüler wird während seiner Ausbildung von einem Sklaven (Paidagogos) des Hauses betreut. Der Paidagogos bringt den Schüler zur Schule und zurück. Er bringt ihm Benehmen bei, wobei er auch berechtigt ist, seinen Schützling zu züchtigen. Diese Lehrer werden schlecht bezahlt und sind wenig angesehen. Ich meine also, dass Ihr an der Wirklichkeit vorbeiredet, denn die Möglichkeit der Auswahl, von der Ihr träumt, existiert nicht. Nicht ohne Grund begeben sich viele Lehrer auf die Wanderschaft, um sich nicht Kinder für wenig Geld aufdrängen zu lassen!"

Sokrates verweist darauf, dass die Schüler der Wanderlehrer ja bereits zumindest schreiben und lesen können müssten, also zuvor doch der Lehrer bedürfen, die sie darin unterrichten. Und darin läge das eigentliche Problem. Die Schüler lernen lesen, indem sie zunächst die einzelnen Buchstaben lernen. Erst danach werden die Wörter gelehrt. Die Schüler lesen stets laut vor. Still lesen ist nicht üblich. Lesen ist schwierig, weil zwischen den Wörtern keine Satzzeichen und Leerstellen sind. Die Schüler schreiben auf Wachstafeln oder auf Papyrus. Dazu benutzen sie Griffel oder Federn. Die Lehrer schreiben die Texte auf einer Tafel oder auf dem Papyrus vor, und die Schüler zeichnen die Buchstaben nach. Als Texte werden vorwiegend die Epen Homers verwendet. Diese dienen auch gleichzeitig der Erziehung der Kinder. Wenn wir uns diese Art von Schule näher betrachten, dann bleibt nirgendwo Raum für die Entwicklung eigenen Denkens. Denken ist nicht mehr als Hinterher- oder Nachdenken. Bevor Schüler sich einen Lehrer aussuchen können, haben sie kritisches Verhalten doch eigentlich schon längst verlernt.

Protagoras kommentiert das lediglich mit einem "Es ist wie es ist. Das lässt sich doch nicht ändern! Ich werde jedenfalls niemals die Aufgabe von Elementarlehrern übernehmen!"
 

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