Rolf

Zu Rolf, dem Führhund seines Vaters, hatte David eine besondere Beziehung. Oft lag er mit dem Schäferhund zusammen auf dem Flur, damit dieser nicht so allein war.Einmal in der Woche fuhr er zum Schlachthof, um für den Schäferhund Fleisch zu besorgen. Anfänglich lernte David von Rolf allein durch das Mitgehen, wie man einen blinden Menschen führt, z.b. einer Markise auszuweichen.
David bewunderte vor allem, dass Rolf stundenlang im Büro in der Ecke auf seinem Platz lag und geduldig das Ende der Bürozeit abwartete.

Zweimal am Tag hatte Rolf Ausgang. Er streifte dann durch die Gegend. Seine Lieblingsbeschäftigung war das Jagen von Katzen. Ein unvergesslich schönes Erlebnis war für David die Begegnung Rolfs mit Herrn Sernatinger. David beobachtete öfters, wie Herr Sernatinger Rolf ärgerte, ohne dass sich dieser wehren konnte. So bewarf er Rolf, wenn dieser seinen Vater führte mit kleinen Kieselsteinen. Der Führhund reagierte überhaupt nicht, so dass der blinde Mann nichts zu merken schien. Aber eines Tages kam für Rolf der Tag der Rache und David durfte das zufällig miterleben. Als er nämlich den Schäferhund aus dem Haus ließ, kam er Sernatinger auf seinem Fahrrad des Weges. Bevor David sich versah, saß Rolf auf dem Gepäck des Fahrrads, die Vorderpfoten auf Sernatingers Schultern, zog ihn, ohne zu beißen vom Fahrrad und trottete von dannen. Wenig später erschien die Polizei und David erzählte den beiden Beamten Geschichte und Vorgeschichte. Rolfs Maßnahme hatte daraufhin keine weiteren Folgen.

Jedenfalls hatte sich Rolf durch diese artistische Aktion ziemlichen Respekt im Niederhof verschafft. David war stolz auf ihn. Jedoch sollte ein Ereignis eintreten, das Davids Aufnahmeprüfung ins Gymnasium sehr stark gefährdete. Einige Tage vor dem Prüfungstag kehrte Rolfe nicht von seinem morgendlichen Auslauf zurück. Als sich David mit seinem Vater auf die Suche nach ihm machten, fanden sie ihn schließlich hechelnd am Straßenrand liegen. Er war wahrscheinlich von einem Motorrad angefahren worden. David gelang es, Rolf zuzureden, sich mühsam nach Hause zu schleppen. Der sofort gerufene Tierarzt stellte einen Lungenriss fest und erklärte, dass der Hund nicht mehr zu retten war. David und Marie mussten zwischenzeitlich im Kinderzimmer bleiben. Der Arzt musste ein zweites Mal zur Apotheke fahren, weil die erste Spritze zu schwach war, um den Hund zu töten. Dann war alles vorbei. Als David und Marie aus dem Kinderzimmer durften, war Rolfs Platz im Flur bereits leer. Davids Vater und sein Freund hatten ihn weggebracht und beerdigt, ohne zu verraten wo. Da David und Marie unaufhörlich darum bettelten, Blumen zu Rolfs Grab bringen zu dürfen, wurde schließlich beschlossen, dass sie das beim kommenden Sonntagsspaziergang tun dürfen. Das sollte für die beiden ein schreckliches Erlebnis werden, denn als sie zu Rolf Grabs am Rand eines nahe liegenden Waldes kamen, hatte eine Fuchs das Grab geöffnet und das verwesende Tier gerissen, so dass David und Marie das Gerippe sahen. Und hier bricht Davids Erinnerung zu disem Ereignis ab.
In seinem Deutschaufsatz zur Aufnahmeprüfung, in dem über ein wichtiges Erlebnis geschrieben werden sollte, hat sich David die ganze Trauer und wohl auch Wut von der Seele geschrieben. Die Bestbewertung dieses Aufsatzes hat ihn dann auch durch die kritische Aufnahmeprüfung gezogen.

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