12
Jun
2013

Philosophieren entdecken

Katathymes Spielen bereitet das Philosophieren vor. Als kindliches, katathymes Bilderleben spielt sich Denken bereits im Vorhof der Philosophie ab. Sobald das fantastische Bilder-Leben der Vernunft in das Bild-Erleben des Verstandes übergeht, existiert eine Spielfigur, die über kurz oder lang zum Philosophieren herausgefordert wird. Der kleine Friedrich sieht sich durch seine Erste Kommunion herausgefordert, die in der Hostie anwesende göttliche Gegenwart im katathymen Spiel Gestalt werden zu lassen. Folglich formt der Verstand die Gestalt Jesus, welche die Vernunft in der katathymen Welt erscheinen lässt. Fortan begegnet Friedrich in der Stille des ganz für sich Seins vor dem einschlafen Jesus, mit dem er über alles spricht.

11
Jun
2013

Pädagogik = Kunst der Erziehung

Erziehung ist intuitive Hilfe zur Selbsthilfe zur Selbstbefreiung des Ichs.
Um das zu ermöglichen, muss ein Pädagoge intuitiv sowohl praktisch als auch theoretisch denken können.
Er muss intuitiv fühlen können, was jemand braucht.

10
Jun
2013

"Der Geist ist frei von Geist. Die Natur des Geistes ist Klares Licht"

Es ist das innere Licht, von dem Buddha wie Platon sprechen. Weil wir dieses Licht verloren haben, tastet unser Geist im Dunklen. Der Philosoph Friedrich Nietzsche beschreibt die Folge dieser Dunkelheit so: "Wir sind ohne Bildung, noch mehr, wir sind zum Leben, zum richtigen und einfachen Sehen und Hören, zum glücklichen Ergreifen des Nächsten und Natürlichen verdorben und haben bis jetzt noch nicht einmal das Fundament einer Kultur, weil wir selbst davon nicht überzeugt sind, ein wahrhaftiges Leben in uns zu haben."

9
Jun
2013

Was unterscheidet pädagogisches und philosophisches Denken?

Pädagogisches Denken ist konkret und praktisch. Philosophisches Denken ist abstrakt und theoretisch.
"konkret praktisch" denken bedeutet, Möglichkeiten zu handeln sehen.
"abstrakt theoretisch" denken bedeutet, Möglichkeiten zu definieren sehen.

Ein allgemeiner Fall für alle besonderen Fälle ist "abstrakt theoretisch".
Ein besonderer Fall als Beispiel ist "konkret praktisch".

8
Jun
2013

Künstlerische, unterrichtliche Gestaltung

Künstlerische Gestaltung des Unterrichts beinhaltet 1. Antizipation einer Kinder und Jugendlichen gemäße sachkompetente, soziale Moderation der Vermittlung, 2. spielerischer Umsatz mit Hilfe aktueller Medien, 3. gesunde seelische, geistige Atmosphäre untereinander. Künstlerisch gestalteter Unterricht bringt ein emotionales Spiel schöpferischer, seelischer, geistiger Kräfte zum Vorschein. Spielerisches Lernen erzeugt Freude und lässt Anstrengungen gar nicht merken. Zu dieser Art freiheitlicher unterrichtlicher Gestaltung gehört auch, dass sie wenigstens mäßig, aber regelmäßig von Kindern und Jugendlichen selbst übernommen wird.

7
Jun
2013

Wissenschaft unter der Optik der Kunst, Kunst aber unter der Optik des Lebens

Paul Klee ist ein philosophischer Künstler. Ihm gelingt es, geistige Formen künstlerisch gestaltend ins Werk zu setzen. Letztlich verwirklichte Paul Klee das, wovon große Philosophen schon immer träumten. Der Philosoph Friedrich Nietzsche fasst diese Vision in der Forderung zusammen, die Wissenschaft unter der Optik der Kunst, die Kunst aber unter der Optik des Lebens zu sehen. Wird diese Forderung an die Pädagogik gestellt, dann bedeutet das formelhaft ausgedrückt eine Ästhetik der Erziehung, letztlich die Delegation der Pädagogik an die Kunst. Dass das funktioniert, haben Künstler oft genug gezeigt, wenn sie Schulen mit nicht mehr unterrichtbaren Kindern und Jugendlichen, geprägt durch Gewalt, übernommen haben.

6
Jun
2013

Was tun?

Was kann man tun, wenn der multimedial, mehrdimensionale Mensch keine Geduld mehr hat, um sich auf Texte zu konzentrieren?
Solche Ungeduld ist nicht seine Schuld.
Die SMS-Generation ist im Verfassen kurzer Texte trainiert. Folglich ist er ungeübt im Lesen längerer Texte.
Einen Text als Folge von SMSs zu verfassen, das geht nicht!
Eine SMS dient der kurzen Mitteilung über ein Ereignis.
Ein wichtiger Gedanke aber verbraucht in der Regel mehr Text als eine SMS.
Das ständige Training im Verfassen von Kurznachrichten aber verringert die Leistung des Kurzzeitgedächtnisses.
Das hat letztlich ökonomische Gründe.
Das Gehirn stellt gerade nur so viel Energie zur Verfügung, wie unbedingt nötig. Eine SMS braucht nicht viel Konzentration.
Schon das SMS-Signal weckt so viel Aufmerksamkeit, dass man sich natürlicherweise auf den Inhalt konzentriert.
Hieraus folgt die Forderung nach einem kurzen reizvollen Satz. "Temperatur morgen 26-30°" ist ein reizvoller Satz. Warum? Die SMS vermittelt das Bild von einem herrlichen Sommertag. Jeder versteht das!

Also der Text muss nicht nur kurz sein, sondern auch ein klares Bild vermitteln.

5
Jun
2013

Kommentare zu den Geboten der Natur

Die innere Stimme ist eine sich selbst versprachlichende Intuition, die sich entweder als schöpferische Idee künstlerisch oder wissenschaftlich Gehör verschafft. Sie sagt dem Künstler, was er zu schreiben, zu gestalten oder zu komponieren hat. Künstlerisches Fotografieren steuert sie beispielsweise durch die Wahl der Einstellungen und der Motive.
Das innere Licht lässt künstlerischen oder wissenschaftlichen Menschen einen Weg zu schaffen oder eine Methode sehen.
Der schöpferische Verstand glaubt, ohne zu wissen, was er suchen soll. Im Bewusstsein der Enge seines Bewusstseins, wird ihm deutlich, dass Erfahrung ein Mehr- bzw. Vielfaches von dem beinhaltet, was er zu erfassen vermag.
Aus diesem Grund bevorzugt er den Glauben als intuitives wahrnehmen von Erfahrungen.
Die Unterscheidung zwischen Lebewesen beruht entweder auf mangelnder Sensibilität oder auf mangelnder Erfahrung.
Als Denken der Seele ist der Vernunft die Endlichkeit und Relativität aller Logik bewusst. Schließlich erfährt die Vernunft mehr als ihr der Verstand zu sagen weiß.
Als Gesamtheit aller Werte und Normen, Regeln und Gesetze, Gebote und Verbote ist das Gewissen das allumfassende Licht und die innere Stimme aller Kulturen, ursprünglich geeint durch und in den Gesetzen der Natur. Das Gewissen verrät durch Körpersprache, was der Verstand verschweigt oder die Vernunft unterdrückt oder verdrängt. Das Gesicht eines Menschen ist das biografische Bild seines Lebens. Der Schönheitschirurg kann Form und Kosmetik und Farbe verändern, um die Biografie des Gesichts zu fälschen, aber dennoch schützt diese Verpuppung vor der Offenbarung einer Lebenslüge nicht.

4
Jun
2013

Zehn Gebote der Natur

1. Du sollst auf Deine innere Stimme hören.
2. Du sollst das innere Licht bewahren.
3. Du sollst den Verstand durch Deine Seele ernähren und nicht umgekehrt.
4. Du sollst immer darauf achten, dass Erfahrung mehr ist als man denkt.
5. Du sollst Wesentliches mit dem Herzen sagen.
6. Du sollst das Streben, Vorbild zu sein, niemals aufgeben.
7. Du sollst Glauben Wissen vorziehen.
8. Du sollst die Gleichwertigkeit aller Lebewesen bejahen.
9. Du sollst die Vergänglichkeit und Verhältnismäßigkeit allen Seins bejahen.
10.Du sollst Dein Gewissen als Deine höchste Instanz akzeptieren.

3
Jun
2013

Die natürliche Begabung zu lehren wird heutzutage nicht akzeptiert

Die gegenwärtige Ausbildung von Lehrern gewährt heutzutage einer natürlichen Begabung zu lehren keinen Raum. Die natürlichen Begabungen von jungen Leuten, die Lehrer werden wollen, werden nicht einmal erkannt. Infolgedessen werden deren unterrichtliche Ideen als unüblich verworfen. Pädagogische Praktika dienen der Anpassung und ideenreiche unterrichtliche Versuche werden nicht geduldet. Durch Bürokratisierung unterrichtlichen Verhaltens wird Lehre standardisiert und das ideengebende innere Licht erstickt. Aber es existieren Lehrer und Lehrerinnen, die ihre Ausbildung seelisch überleben. Durch ihr Vorbild tragen sie wesentlich zur Rekonvaleszenz natürlicher Pädagogik bei.

2
Jun
2013

Natürliche Antizipation

Die erste natürliche Antizipation des Unterrichtens geschieht im Spiel. Bevor die Bärin, welche in einer Klasse der Bärenschule unterrichtet, den selbst eingerichteten Unterrichtsraum betritt, überlegt sich das kleine Mädchen sehr genau, was es als Bärenlehrerin den kleinen Bären beibringen möchte. So ist heute eine Exkursion in den kleinen Kaufladen nebenan vorgesehen. Die kleinen Bären sollen lernen, wie man einkauft. Als Vorbilder dienen der kleinen Lehrerin natürlich die Einkäufe der Erwachsenen sowie ihre eigenen Einkaufserfahrungen. Da sich das Mädchen spontan zum Spielen mit ihrer Bärenschule entschlossen hat, bleibt kaum Zeit, sich über die Vorgehensweise Gedanken zu machen. Aber das ist auch nicht erforderlich, da seine Fantasie eine ausgezeichnete Beraterin ist. Schon nach Sokrates' und Platons Auffassung bezieht sich die Fantasie immer dann auf die Gesetze der Natur, wenn es in einer Situation an Orientierung mangelt. Eines dieser Gesetze besagt, dass etwas immer etwas vorausgeht, und umgekehrt etwas immer auf etwas folgt. Also erkundigt sich die Lehrerin bei den kleinen Bären, wer von ihnen schon eingekauft hat. Der kleine Otto meldet sich und erzählt, dass er am liebsten Honigbonbons einkauft. Otto nennt dann auch zwei Cent für ein Bonbon als Bezahlung. Wie im Bärenunterricht üblich, darf jeder, der eine Frage beantwortet hat, auch selbst eine Frage stellen. Otto erklärt, dass in einer kleinen Tüte fünf Bonbons sind und will wissen, wie viel er bezahlen muss. Der kleine Per meldet sich und antwortet richtig "Zehn Cents!" Hier folgt die Fantasie im Spiel dem Gesetz, dass jedes Ganze aus Teilen besteht, und umkehrt Etwas immer auch Teil von Etwas ist. Jetzt will die Lehrerin von den Bären wissen, was man bedenken muss, bevor man einkaufen geht. Heidi meldet sich und erklärt stolz, dass man einen Einkaufszettel braucht und fragt die Klasse, warum das so ist. Mia meldet sich: "Damit man nicht vergisst, was man braucht!" Peter meldet sich, weil er noch etwas dazu sagen möchte. Heidi ruft ihn auf, und Peter erklärt stolz: "Wenn man einen Einkaufszettel hat, dann kauft man nichts Unnötiges!" "Sehr gut!", lobt Mia. Hinter dieser Spielszene verbirgt sich das Gesetz des Vergleichens, denn bei sorgfältigem Vorgehen befindet sich im Einkaufswagen das, was auf dem Einkaufszettel steht. Da Mia keine Frage mehr hat, ruft sie eine Mitschülerin auf, um mit Lilly zusammen den Unterricht fortzusetzen. Lilly fordert nun die Klasse auf, einen Einkaufszettel zu schreiben und sich in der gewohnten Ordnung auf den Weg zum Kaufladen zu machen. Die kleinen Bären stellen sich vor der Bushaltestelle ordentlich in einer Schlange auf, um auf den Bus zu warten. Nach kurzer Zeit fährt der Bus vor, vom Bruder der Lehrerin geschoben. Die Bären steigen ein, und nach sehr kurzer Zeit kommen sie beim Kaufladen an. Heidi ist als erste an der Reihe. "Ich brauche neue Turnschuhe!" Die Verkäuferin sagt freundlich zu Heidi: "Wir haben keine Schuhe! Die bekommst Du im Schuhgeschäft. Hier kannst Du nur Lebensmittel bekommen!" Nachdem alle Bären eingekauft und die Erfahrung gemacht haben, dass es in einem Laden nicht alles zu kaufen gibt, fahren sie zur Bärenschule zurück, um ihre Erfahrungen auszutauschen und Konsequenzen daraus zu ziehen. Da die kleinen Bären der Meinung sind, noch nicht gut genug rechnen zu können, beschliessen sie, das im Mathematikunterricht noch zu üben. Der Bruder, der seine Schwester beim Schule Spielen beobachtet hat, meint, dass das kein richtiger Unterricht gewesen sei, weil man in der Schuhe so etwas nicht macht. Die Bärenlehrerin wehrt sich mit dem Hinweis, dass sie das selbst von ihrer Lehrerin gelernt hat.
Kinderunterricht zeigt in der Regel, dass Kinder gewöhnlich zunächst ihre Lehrer nachahmen, dann aber sehr schnell zu ihrem eigenen Stil finden. Kinder bereiten sich auf Unterricht vor, indem sie dessen Verlauf antizipieren. Antizipationen ergeben sich für Platon aufgrund von Innenbildern, das sind fantasierte Wiedererinnerungen ursprünglicher Ideen zur Bewältigung einer Situation. Ein schöpferischer Lehrer erkennt das, was zu tun ist, durch das innere Licht.

1
Jun
2013

Die Natur offenbart uns die Gesetze des Lebens.

Tradierte Lehrer begreifen nicht, dass Lernen nicht ihre Angelegenheit ist, sondern die der Lernenden. Diesen Lehrern verengten Bewusstseins scheint Unterricht ohne sie undenkbar. Sie planen Unterricht sehr akribisch linear, weil Nebenwege sie mangels fachlicher und sozialer Kompetenz ängstigen würden. Ein Lehrer aber muss um so genauer planen, je weniger fachlich und sozial kompetent er ist. Bei ihm sind auch keine Fragen erlaubt, die seiner Meinung nach nicht in seinen Unterricht gehören. Der fachlich arme und sozial inkompetente Lehrer vertraut weder seinen Schülern noch traut er ihnen etwas zu. Ein solcher Lehrer bzw. Leerer darf nicht unterrichten. Der wahre Lehrer aber fördert Lernende, indem er von ihnen unterrichtliche Selbstorganisation fordert. Förderungen durch solche Forderungen aber vermögen Lernende erst dann und nur dann anzunehmen, wenn sich ihr Lehrer in ihren Augen nicht nur als Persönlichkeit, sondern auch als vorbildlicher sehr kompetenter, mediengerechter Vermittler von Information erwiesen hat. Angesichts dieser Anforderungen wird offensichtlich, dass der Beruf des Lehrers maßlos unterschätzt wird und von daher nur geringe Anforderungen an die Ausbildung gestellt werden. So entsteht bei Studierenden häufig der Eindruck, dass man schließlich, wenn man zu anderen Fächern nicht taugt, immer noch Lehrer werden kann. Aber Lehrer ist weniger Beruf als vielmehr Berufung. Es ist die innere Stimme, die zu dieser anspruchsvollen Aufgabe ruft. Eine solche Berufung erfolgt nur bei hinreichender Begabung und Intelligenz. Es ist die innere Natur eines Menschen, die ihm diesen Ruf erteilt. Und es ist auch die innere Natur, die dem Bewusstwerden während des Unterrichtens spontan offenbart, was im Augenblick anliegt und was gerade zu tun ist. Der schöpferische Lehrer organisiert Lernen intuitiv. Natürlich muss er sich in Gruppendynamik und Sozialverhalten von Lernenden auskennen. Dieses Wissen erwirbt er sich nur durch Erfahrung im Umgang mit Lernenden. Deshalb sollte das Studium der Pädagogik durchgängig von Praktika begleitet werden, denn Erfahrung in der Praxis zeigt immer mehr, als man in der Theorie denkt.

31
Mai
2013

Grundlagen der Neurologik

Die vorgeburtliche neuronale Organisation des Gehirns beruht auf natürlicher Veranlagung der neuronalen Struktur. Dank der natürlichen Fähigkeit der Selbstorganisation vermag das Gehirn effektive Verhaltensmuster zu entwickeln.
Geburt bedeutet dann die radikale Reorganisation dieser Struktur, die sich nach und nach aufgrund äußerer Einflüsse durch die Umgebung modifiziert. Eines der ersten durch Lernen erworbenen Grundmuster lässt sich durch die Funktion Verhalten = Reaktion auf einen äußeren (Reiz) und/oder internen (Impuls) als Aktion bestimmen.
An der Verlautbarung einer solchen Reaktion durch Schreien, muss die Bezugsperson intuitiv den Grund dafür erschließen. Spracherwerb ermöglicht nach und nach die Konkretisierung der Verlautbarungen. Die neuronale Grundstruktur bildet dann auch die Grundstruktur eines einfachen Satzes, wobei das Subjekt den Verhaltensregler, das Prädikat die Verhaltensregelung und das Objekt den Grund des Verhaltens nennt. Das Bilden von Sätzen ermöglicht das Fassen von Gedanken, die einfache Bilder vor allem sensitiv reflektieren. So wird "Die Mutter wechselt die Windeln." nicht einfach abgespeichert, sondern zugleich auch gefühlsmäßig vermerkt.
Als Kunst neuronale Verbindungen zu ordnen ist die Neurologik gleichsam angeboren. So wird durch die Duplizität von Zu- und Einordnung Vergleichen ermöglicht, durch die Duplizität von Vor- und Nachordnung das Algorithmieren, durch die Duplizität von Über- und Unterordnung das Hierarchisieren und durch die Duplizität von An- und Beiordnung das Systematisieren und Strukturieren. In diesem neurologischen Geschenk der Natur liegt der zureichende Grund für jenes innere Gespür Platons, welches dieser Philosoph "idein" nennt und dem er vertraut, wenn er von Wiedererinnern spricht. In diesem Licht der Intuition erkennt Platon den geheimen Weg der Philosophie zur Wahrheit. Diese Quelle ist für ihn zugleich die Bedingung der Möglichkeit aller Bildung und schöpferischer Erziehung. Das ist auch der wesentliche Grund, warum wir bei der Organisation unseres Lernens auf die Vernunft unserer Natur vertrauen. Sie ist die wahre Leiterin unseres Lernzentrums.

30
Mai
2013

Wiederkehr ästhetischer Erziehung als Pädagogik der Zukunft

Ein Erfahrungsbericht aus einer Schule in Utopia erscheint uns sehr viel anschaulicher als eine eher theoretisch gehaltene Wiederholung des zurückgelegten Gedankenganges. Die freie Schule oder Zentrum des Lernens liegt in einem Park zwischen hohen alten Bäumen. Auf den ersten Blick fällt das noch von Friedensreich Hundertwasser gestaltete Gebäude kaum auf. Das farbenfroh gestaltete künstlerische Haus verbirgt sich hinter dicht gewachsenem Efeu. Das Innere der Schule gestaltete der Künstler gemeinsam mit Schülern. Das mag der Grund dafür sein, dass man sich in dem Gebäude nicht sogleich zurechtfindet. Betritt man das große Foyer, so hat man zuerst das Gefühl, sich in einer buntbemalten Tropfsteinhöhle zu befinden, von der bunt beleuchte Gänge abzweigen. An einem Stand, den man zunächst für einen Informationsstand hält, verkaufen Kinder und Jugendliche Gemüse und Früchte aus dem eigenen Garten. Daneben bieten sie frisch gepresste Frucht- und Gemüsesäfte an. Gewohnheitsmäßig sucht der Besucher heimlich nach Preisschildern. Aber es sind nirgendwo Auszeichnungen von Preisen zu finden. Ein Besucher nimmt sich ein Glas Möhrensaft, greift zum Portemonnaie, um zu bezahlen. Aber die kleine Verkäuferin winkt ab. Der Besucher fragt völlig überrascht, ob denn die Angebote Geschenke sind. Das Mädchen aber zuckt nur mit den Schultern. Unschlüssig bedankt sich der Besucher und wendet sich zögernd ab, nachdem er das leere Glas zurückgestellt hat. Aber das Mädchen hält ihn auf, deutet auf eine Spülschüssel neben dem Stand, und gibt ihm das leere, ungespülte Glas zurück. Der Besucher hat verstanden. Nachdem er das Glas gespült und abgetrocknet hat, erkundigt er sich nach der Schulleitung. Das kleine Mädchen nennt ihm Schulen, an denen es noch Schulleitungen gibt, bedauert aber, dass ihre Lernstätte nicht über eine solche Einrichtung verfügt. Verständnisvoll beruhigt sie anschließend den Besucher, indem sie ihm erklärt zu wissen, was er meint. Sie bedeutet ihm freundlich, ihr zu folgen. Sie betreten einen der geheimnisvoll erscheinenden Gänge, der stark abfällt. Aus Rücksicht auf die elektrisch motorisierten Rollstuhlfahrer weist das Gebäude keine Treppen auf, wohl aber mehrere Aufzüge. Auf der nächsten Ebene verlassen sie den mit bunten Glasfenstern durchsetzten Flur. Sie betreten einen großen hellen Raum, und das Mädchen verabschiedet sich von dem Besucher mit den Worten, dass er nun selbst auswählen und entscheiden könne. Der Besucher entdeckt eine Vielzahl runder Tische, um die Kinder, Jugendliche und Erwachsene sitzen und zu diskutieren scheinen. Der Besucher spricht einen der Erwachsenen an, um zu erfahren, wo er sich hier eigentlich befindet. Der Erwachsene erklärt ihm, dass er sich im großen Beratungsraum befindet. In den einzelnen Lerngruppen hier geht es darum, welchem Thema sich die Gruppe als nächstes zuwenden möchte. Und der Erwachsene erklärt, dass er selbst zur Zeit der Interessengruppe Naturwissenschaften angehört. Interessengruppen finden sich für eine gewisse Zeit zu einem Thema zusammen, dem sie sich besonders widmen wollen. Bei seiner Gruppe geht es gerade um das Thema Demenz. Dieses Thema wurde von Jugendlichen angeregt, die an einigen Tagen der Woche Demenzkranke betreuen und sich über diese Krankheit selbst informieren wollen. "Sind Sie einer der Lehrer hier?", will der Besucher wissen. Der angesprochene verneint. "Soweit ich weiß, gibt es es hier keine Lehrer, sondern nur beratende Fachleute, Wissenschaftler, Künstler, Philosophen und Pädagogen." Und er fügt hinzu, dass er selbst in seiner Eigenschaft als Wissenschaftsjournalist eingeladen worden ist. Die Jugendlichen wollen gemeinsam mit Medizinern und Hirnforschern in einigen Serien von dieser Krankheit berichten. Der Besucher will vom Journalisten wissen, wer denn eigentlich für ein solches Projekt finanziell aufkommt. "Jedes Projekt hier finanziert sich selbst, Unkosten werden von dem von Wirtschaft und Industrie stark gesponserten Förderverein dieser Einrichtung vorgestreckt." Der Journalist betont, dass es dank des enormen Ansehens dieser Einrichtung keinerlei finanzielle Probleme gibt. "Und womit beschäftigt sich diese Gruppe im Augenblick?", will der Besucher wissen. "Setzen Sie sich doch einfach dazu!", fordert der Journalist den Besucher auf. Ein etwa fünfzehnjähriges Mädchen fasst gerade Zwischenergebnisse der Gruppe zusammen. "Die im Augenblick von Karlheinz geleitete Gruppe "Alt und nicht Basta!" hat bei Demenzkranken, mit denen sie gemeinsam flippern, festgestellt, dass sie nach dem Spiel sehr viel fröhlicher und flexibler wirken. Die Demenzkranken haben Spass an diesen Spielen, bei denen sie durchaus gewinnen. Nach mehreren Besuchen in der Abteilung Neurologik des Instituts für Neurologie hat diese Lerngruppe die Hypothese entwickelt: Grund für die Ursache von Demenz ist vor allem das alte Ästhetik feindliche Schulsystem, denn mangelnde Betrachtung während des Lernens führt zu mangelnder Bindefähigkeit neuronaler Verbindungen. Dadurch kann sich im Gedächtnis keine stabile Neurologik ausbilden. Eine stabile Neurologik des Gehirns gewährleistet aber störungsfreie Vergegenwärtigungen und Erinnerungen!" Die Fünfzehnjährige verweist auf ihren Artikel "Grundlagen der Neurologik" und gibt den Link dazu an.
Der inzwischen sehr beeindruckte Besucher muss bedauerlicherweise wegen eines wichtigen Termins aufbrechen, verspricht aber am anderen Tag wiederzukommen.

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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