15
Mai
2013

Epoche des Werdens (4)

 
Fluchtverhalten
 
Jeder von uns kann sein Fluchtverhalten selbst überprüfen, denn sobald er erwacht, ist er schon in Gedanken damit beschäftigt, sich für den Tag herzurichten, und während er das tut, überlegt er bereits, was er frühstücken wird, und während er frühstückt gehen ihm bereits bevorstehende Arbeiten durch den Kopf. Und selbst während unserer Arbeit denken wir längst an den Feierabend. Und während wir einschlafen, denken wir an den nächsten Tag.

14
Mai
2013

Epoche des Werdens (3)

 
Das abwesende Wesen
 
Durch den Schwund des Augenblicks schwindet auch die Gegenwart. Ohne Gegenwart aber existieren weder Vergangenheit noch Zukunft, denn Gegenwart vollzieht sich als Übergang der Vergangenheit in ihre Zukunft. Jetzt ist immer das Nachher von vorher. Im Blick auf das, was werden soll, verpasst der Mensch ständig das, was gerade wird. Aus diesem Grund kennt das Lebewesen Mensch seine Gegenwart nicht wirklich.

13
Mai
2013

Epoche des Werdens (2)

 
Bewegungsdrang, Habgier, Neugier
 
Fliehen, das ist der Ausdruck des Wesens des Menschen.
Dieses Fliehen äussert sich körperlich, seelisch und geistig:

körperlich durch das ständig in Bewegung sein müssen,

seelisch: durch die ständige Unzufriedenheit mit dem, was ist oder was man erreicht hat,

geistig: durch das ständige Suchen nach Fortschritt durch Neues.

12
Mai
2013

Epoche des Werdens (1)

 
Das fliehende Wesen
 
Mit der Philosophin Arche, die in Utopia während der Zeit des Werdens lebte, beginnt die utopische Philosophie. Arche, die sich selbst eine Utopistin nennt, lehrt die Ortlosigkeit des Lebens in der Zeit. Die Zeit lässt dem Leben keinen Raum. Arche nennt den Menschen deshalb ein fliehendes Tier. Dieses Lebewesen findet, solange es lebt, keinen Augenblick, um zu verweilen. Dem fliehenden Lebewesen ist nicht vergönnt, “Jetzt” zu sagen. Bevor es “Jetzt” gesagt hat, ist schon längst das vergangen, was es benennt: der Augenblick.
 

11
Mai
2013

Ab morgen: Geschichte der utopischen Philosophie

 
In einem Antiquariat fiel mir vor einiger Zeit das Buch “Geschichte der utopischen Philosophie” auf. Ein erster Blick in dieses Buch versetzte mich in Erstaunen. Ich fand nämlich keine Angaben von Jahreszahlen, sondern Überschriften für Epochen.
 

10
Mai
2013

Wer sagt uns, dass wir denken?

 
Wer sagt uns, dass wir denken? Diese Frage überrascht, denn jeder von uns hält das Denken für so selbstverständlich wie das Atmen. Wir meinen, dass wir ununterbrochen denken. Wir können sogar gar nichts anderes als zu denken. Was also soll überhaupt diese merkwürdige Frage?

Vergegenwärtigen wir uns aber als die einzigen Lebewesen auf der Erde, die den eigenen Lebensraum zerstören, dann sieht es durchaus so aus, dass wir eher nicht nachdenken, also dem nicht nachsinnen, was wir eigentlich tun. Und werfen wir einen Blick in unsere Schulen, dann erweist sich das Unterrichten eher als Auswendiglernen als Erziehung zum Denken. Unsere Gesellschaft beweist geradezu, wie gedankenlos sie ist, wenn sie einem Lehrer zutraut, mehr als zwanzig Schüler und Schülerinnen individuell unterrichten zu können. Völlig überforderten Lehrern fehlt es schlichtweg an Zeit, sich angemessen auf ihren Unterricht vorzubereiten. Und was tut man, wenn man keine Zeit hat? Man verlässt sich auf das, was man schon kann. Lernende mögen gewöhnlich keinen Unterricht, weil sie dort in der Regel nichts erleben, sondern sich mit Wiederkäuen abquälen. Das Erleben ist aber ein wichtiges Indiz dafür, dass Denken überhaupt stattfindet.

Wer denkt, ist auf der Suche, will etwas in Erfahrung bringen. Neues erfahren aber ist ein weiteres Indiz für das Denken. Wer denkt, ist neugierig, will entdecken. Es ist die Neugier, die zum Denken antreibt. Neugier ist geradezu der Beweggrund des Denkens. Denken organisiert Bewusstwerden körperlich bzw. sinnlich, seelisch und geistig, indem es Bilderleben inszeniert. Diese Inszenierung kann jeder selbst beobachten, indem er nach innen schaut. Der Blick nach innen wird durch die Frage ausgelöst, was ich mir gerade vorstelle. Dabei stellt sich gewöhnlich heraus, dass wir uns sowohl mit der augenblicklichen Situation (primäre Vorstellung) als auch damit, wie wir uns verhalten sollen (sekundäre Vorstellung) beschäftigen. Nur wenn wir uns besonders darauf konzentrieren, können wir beide Situationen voneinander unterscheiden. Nehmen wir an, jemand hat vor, in die Stadt zu gehen. Mit einem Blick aus dem Fenster wird er sich über das aktuelle Wetter informieren (primäre Vorstellung) und sich klar werden, was er anziehen soll (sekundäre Vorstellung). Betrachten wir diesen Vorgang noch genauer, dann können wir feststellen, dass wir uns primär ein Geschehen wie z. B. die Bewegung der Wolken vorstellen und uns sekundär ein Bild wie „Es wird nicht regnen!“ davon machen. Das Abbild (sekundär) der primären Wahrnehmung ist eine Leistung des Verstandes. Es entstand durch sorgfältiges Betrachten und Beobachten von Zusammenhängen. Eine Leistung des Denkens besteht also darin, dass Bilderleben durch den Verstand in Bilder-Leben und Bild-Erleben geschieden wird, wobei das Bild-Erleben sehr oft den Charakter einer Soll- oder Führungsgröße hat.

Wir stellen also fest, dass wir durch Selbstbeobachtung viel über unsere inneren Vorgänge herausfinden können. Selbstbeobachten ist neben Suchen Erleben ein weiteres Indiz für das Denken.
Allmählich wird klarer, dass Denken nicht einfach ständig abläuft, sondern besonderer Konzentration (Ausrichtung nach innen) bedarf. Ich denke nicht einfach, sondern ich muss eigens denken wollen. Wenn ich denke, bin ich voller Neugier auf der Suche nach etwas, das ich entdecken oder aufdecken will.
Ein wenig haben wir darüber erfahren, dass wir uns wahrscheinlich selbst die Frage beantworten können, ob wir denken oder nicht. Aber um diese Wahrscheinlichkeit erhöhen zu können, müssen wir uns auf den Weg machen, um noch mehr darüber zu erfahren, was in uns mit uns geschieht.
 

9
Mai
2013

Unbewusst bestimmt

 
Uns wird nicht bewusst, dass wir uns im Alltag vorwiegend unbewusst, weil routiniert verhalten. Es bedarf eines eigenen Aktes des Willens, um innere Vorgänge bewusst werden zu lassen. Der Wille ist das Vermögen, Bewusstwerden zu initiieren, zu regeln und zu verändern. Zugleich mit einem solchen Willensakt organisiert sich das Denken, indem es Vorstellungen von dem, was wir erleben, inszeniert.
 

8
Mai
2013

Glauben versetzt Berge

 
Es gibt Menschen, denen Engel, Heilige oder Verstorbene begegnen. Diese Menschen nehmen diese für andere unsichtbaren Ereignisse als äußere Geschehnisse wahr und glauben ihrem Erleben. Kritisch für Ungläubige wird es dann, wenn die von Sehenden geschauten Energien physisch wirksam werden. Es existieren beispielsweise Heilungen, die medizinisch unerklärlich bleiben. Außer Wunderheilungen zählen auch Selbstheilungen dazu. Bei Selbstheilungen wird durch Konzentration auf eigene Energien das Gehirn veranlasst, Selbstreparaturen zu organisieren. Auch Wunderheilungen geht eine starke, von Sehnsucht und von Glauben getragene Konzentration auf Energien voraus, die dann körperliche Veränderungen bewirkt. Der Erfahrungssatz, dass Glauben Berge zu versetzen vermag, scheint sich durch entsprechende Beobachtungen zu bestätigen.
 

7
Mai
2013

Intuition introspektiv erfassen

 
Intuitives Wahrnehmen richtet sich im Gegensatz zum sinnlichen Wahrnehmen auf das innere Geschehen aus, also auf Gefühle wie Stimmungen oder Einstellungen, auf Empfindungen seelischer Geschehnisse wie Freude oder Trauer und vor allem auch auf das Vorhandensein von Werten und Normen, Regeln und Gesetzen, von Geboten und Verboten. Innere Geschehnisse werden genau so konkret wahrgenommen wie äußere Ereignisse. Dass innere und äußere Ereignisse nicht miteinander verwechselt werden, liegt an unterschiedlichen Arten und Weisen des Auslegens. Während äußere Wahrnehmungen durch den Verstand logisch ausgelegt werden, werden innere Wahrnehmungen durch die Vernunft intuitiv ausgelegt.
Die Reflexion der inneren Wahrnehmung geschieht durch das Vernehmen der inneren Stimme, die unbewusste Vorgänge zur Sprache bringt. Durch die innere Stimme teilen sich Ideen oder Eingebungen mit. Aber auch Vorahnungen zeigen sich auf diese Weise an. Künstlern wird bewusst, was sie unmittelbar ins Werk setzen. Intuitionen lassen zum Denken keine Zeit. Versucht ein Künstler über das nachzudenken, was sich ihm intuitiv mitteilt, dann entzieht es sich, bevor es überhaupt hinreichend zu erfassen ist. Das führt in der Regel dazu, dass schöpferisches Tun wie in Trance oder Ekstase vor sich geht.
Intuitionen vermögen sich durch die sogenannte innere Stimme sprachlich mitzuteilen. Da es sich hierbei sehr oft um die Stimme des Gewissens handelt, wird deutlich, dass sich Intuition jenseits der Logik des Verstandes abspielt. Ihr unmittelbares, überraschendes Auftreten weist zudem darauf hin, dass sich Intuition außerhalb des Bewusstwerdens abspielt. Da das, was intuitiv erscheint, häufig den Charakter von Ahnungen hat, entwickeln sich Intuitionen sehr wahrscheinlich vor allem Bewusstwerden. Es erscheint demnach so, als ob Intuitionen unbewusst mehr zu erfassen vermögen, als das Bewusstsein zu fassen vermag. Intuitionen führen nicht zu Wissen, sondern beruhen auf Glauben. Im Vertrauen darauf, dass zutrifft, was man glaubt, funktioniert der größte Teil alltäglicher Kommunikation. Vermutlich sind wir im Alltag zu gut neunzig Prozent auf Glauben angewiesen.
 

6
Mai
2013

Vom Verstand übersehen

 
Bewusstwerden organisiert sich gewöhnlich als Wahrnehmen, Betrachten, Beobachten und Begreifen.
 Verläuft diese Organisation routiniert, dann geht Wahrnehmen unmittelbar in Definieren, also Identifikation über. Diese unnatürliche Verkürzung ist gelernt bzw. schulisch durch bloßes Auswendiglernen antrainiert worden. Durch didaktische Dressur verlernen Kinder genaues Wahrnehmen, geduldiges Betrachten, sorgfältiges Beobachten und anwendbares Begreifen. Als Erwachsene vermögen sie dann nicht mehr, sich noch ernsthaft mit etwas auseinanderzusetzen. Aufgrund der Oberflächlichkeit unscharfer Informationsaufnahme, schaltet sich der Verstand aus und delegiert das Auslegen von Wahrnehmungsinhalten unmittelbar an das Erinnerungsvermögen.
 

5
Mai
2013

Innere Wahrnehmung

 
Als sechster Sinn wird Intuition zwar oft genannt, aber selten anerkannt. So ist von Intuition ausgerechnet in der Ausbildung jenes Berufes, welcher vor allem auf innere Wahrnehmung angewiesen ist, kaum die Rede. Dabei lebt der gesellschaftlich wichtigste Beruf des Lehrers von der Intuition. Die Missachtung der Intuition im Alltag liefert wohl den zureichenden Grund für die Vernachlässigung der Intuition in Schule und Hochschule. Uns wird der intuitive Anteil der Intuition im Alltag nicht einmal bewusst. Unser alltägliches Leben wird zu etwa zwei Drittel intuitiv maßgeblich bestimmt. Die neuronale Form der Intuition gestaltet gefühlte Tagräume und emotionale Entscheidungen. Ganz offensichtlich Grund genug, sich mit dem sechsten Sinn auseinanderzusetzen.
 

4
Mai
2013

Übermut der Neugier

 
Trotz unerreichbarer Unbegreiflichkeit des allgegenwärtigen Geistes vermag das vernunftbegabte Wesen nicht, diese Existenz loszulassen. In seiner Fantasie malt es sich Möglichkeiten der Existenz aus, um dann auch noch herauszufinden, ob sie vielleicht nicht doch auf irgendeine Art und Weise Wirklichkeit geworden sind. Fantasien werden in natürliche Erscheinungen wie ein brennender Dornbusch in der Wüste projiziert und umgedeutet, um Sehnsüchte endlich zu stillen und unerfüllte Hoffnungen zu bewahren. Nicht loslassen könnend entstehen Religionen, die sich je nach Glaubwürdigkeit mehr oder weniger ausbreiten. Es gilt schlichtweg zu akzeptieren, dass Phänomene existieren, die sich nicht beweisen lassen, obwohl sie intuitiv klar sind.
 

3
Mai
2013

Selbstprüfung des Denkens

 
Denken denkend prüfen bedeutet, Bewusstwerden vergegenwärtigen und Bilderleben als Bilder-Leben und Bild-Erleben zugleich sowohl introspektiv als auch intuitiv wahrnehmend, betrachtend, beobachtend und begreifend erfahren. Denken wird unbewusst aktiviert und zunächst intuitiv wie introspektiv empfunden. Denken ist wesentlich ein limbischer Vorgang, der sich als Bewusstwerden empfinden und spüren bzw. aufspüren lässt. Denken ist eine Gabe der Natur und weder eine Angelegenheit des Willens noch der Erziehung. Die Wirklichkeit des subjektiven Geistes folgt aus den Möglichkeiten des objektiven Geistes durch das Wesen der Natur. Das kurzfristige, endliche Sein unzählig vieler Existenzen angesichts ewigen, unendlichen Werdens wird vom subjektiven Geist als Verwirklichung der Möglichkeiten der Natur des objektiven Geistes erfahren. Das ist keine Frage des Glaubens, sondern intuitive Logik.
 

2
Mai
2013

Mehr unbewusst als bewusst



 
Spielerische Wechselwirkungen gefühlsmäßigen Wahrnehmens mit geistigem Wahr Nehmen während des Bewusstwerdens gestalten unser Erleben von Wirklichkeit. Das Bewusstsein davon ist ein geringer Ausschnitt. Wir erfahren mehr als wir erleben. Oder: Wir wissen weniger als wir glauben. Der Anteil des Bewusstseins während des Bewusstwerdens ist weitaus geringer als der des Unbewussten. Das Einengen der Erfahrung wird durch jenen Grundsatz deutlich, auf welchem alles Wissens gründen müsste. Dieser das Wissen umfassende Basissatz lautet: Ich erfasse etwas erst dann und nur dann vollständig, wenn ich über dessen Grund und Zweck in Hinsicht auf seine Ursache und Wirkung verfüge, und zwar nach Art/Weise und Umstand der auffälligen Eigenschaften seines Wesens unter Berücksichtigung des Mittels und Ausmaßes in Raum und Zeit seines Vorscheinens. Aber diese Perspektiven und Aspekte des Bewusstseins (Kategorien), nämlich Grund und Zweck, Ursache und Wirkung, Eigenschaften und Wesen, Art/Weise und Umstand, Mittel und Maß, Raum und Zeit zugleich vermag keine Wissenschaft insgesamt zu berücksichtigen. Der zureichende Grund dieser Unzulänglichkeit ergibt sich aus der Enge des menschlichen Bewusstseins, das höchstens sieben Perspektiven oder Aspekte in eins zugleich zu erfassen vermag. Aufgrund dieses eingeschränkten Fassungsvermögens ist auch der Basissatz des Wissens für jeden letztlich nur schwer zu verstehen.
 

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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