3
Mrz
2012

Interpretation

 

 
 
Die Fantasie gestaltet aus einem Quadrat z.B. einen Teich:

2_1_Teich

Interpretation = 1 wahrnehmen und >1 sehen[1].

Merke

Je sorgfältiger die Betrachtung, desto mehr Einfälle dazu!

_____
[1] Mehr als eine Möglichkeit, etwas als Etwas zu sehen…
 

2
Mrz
2012

Identifikaton

 

identitifikation2

 
Die Vernunft ordnet Wahrnehmungen.


IDENTIFIKATION ist u.a. der Name für das Zuordnen von Eigenschaften zu einem Objekt. Dieses Objekt wird aufgrund dieser Eigenschaften (wieder) erkannt.


1 Fläche, 4 gleich lange Seiten, 4 rechte Winkel = Quadrat
(regelmäßges Viereck)

1_1-Quadrat


Identifikation (wiedererkennen) = wahrnehmen + erinnern.

Merke
Je höher die Aufmerksamkeit, desto genauer die Identifikaton.
 

1
Mrz
2012

ABC des Denkens

 
 
Denken setzt sich zusammen aus:

aufmerkam sein,

betrachten[1],

charakterisieren![2]


Aufmerksamkeit

Wer aufmerksam ist, verschafft sich ein klares Bild von seiner Situation. Wer aufmerksam ist, achtet genau auf das, was er gerade tut.

Bereitschaft

Bereitschaft beinhaltet Geduld, das Wahrgenomme in Ruhe zu betrachten. Wer bereit ist, lässt sich auf etwas ein.

Charakteristik

Charakteristik ist die Vergegenwärtigung der relevanten Merkmale von etwas. Wer charakterisiert, kennzeichnet etwas, dessen Definition nicht möglich oder erforderlich ist.

Definition

Definition ist eine allgemeine (wissenschaftlich) oder verallgemeinerte (sozial) Aussage über etwas, das sich von allem Anderen unterscheidet. Wer etwas definiert, bringt etwas auf den Punkt.

Merke

A + B + C = D


_______
[1] sich Zeit lassen, hinzusehen, zuzuhören, zu tasten, zu riechen, zu schmecken

[2] die typischen Merkmale festhalten
 

29
Feb
2012

Bildinitiative

 
gesicht1
 
Im Gegensatz zu Worten regeln Bilder nicht das Bewusstwerden, sondern regulieren es. So existieren Bilder, die es von sich her lediglich auf Identifikation angelegt haben. Diese Bilder werden Icons genannt. Als sinnbildliche Darstellung bzw. Sinnbild für ein Objekt beschränkt sich das Icon auf eine möglichst eindeutige, schnelle Identifikation des verbildlichen Inhalts. Im Gegensatz zum Icon setzt das Symbol keine Initiation, sondern Interpretation in Gang. Der Ausdruck „Symbol“ geht auf ein griechisches Wort (symbolon, bzw.symballo = ‘zusammenfügen‘) zurück und meint das zum Vorschein Gelangen mehrerer Möglichkeiten etwas als Etwas zu identifizieren:

44_Symbol_icon

Das Symbol wird von der Fantasie und das Icon wird von der Vernunft gemalt.

Moment ist ein Augenblick unter einer Perspektive oder einem Aspekt des Begreifens aufgrund von Wahrnehmungen, Betrachtungen und Beobachtungen.
Auch Gedichte können den Charakter eines Icons haben, nämlich dann, wenn sie eindeutige Inhalte der Wahrnehmung dichterisch versprachlichen. Wird zusätzlich ein Icon hinzugefügt, dient dieses der Illustration:

In einem kleinen Apfel,

da sieht es niedlich aus;

es sind darin fünf Stübchen,

grad wie in einem Haus.


42_4_Apfelhaus



In jedem Stübchen wohnen

zwei Kernchen, braun und klein;

die liegen drin und träumen

vom warmen Sonnenschein.

 

28
Feb
2012

Ein 1blick:

 
1Blick eines Hauses. Erinnerungen verführen zu Assoziationen:

res2

1blick+1. Die Fantasie schaltet sich ein, und sie lädt sich zu einem Besuch ein:

res-11

1blick+2. Die Vernunft denkt sich eine Geschichte aus: Es ist schon spät in der Nacht. Trotzdem hat es geläutet. Im Treppenhaus geht das Licht an.

1blick+3 = Augenblick: Der Verstand stellt fest: “Aha, die wohnen in der ersten Etage!”:

42_2_Haus

Drei Bilder. - Fantasie, Vernunft und Verstand brauchen für ihre Geschichte einen Augenblick.

Aufgrund von Erfahrungen braucht das Gehirn solche Außenbilder nicht. Mit Hilfe seiner Innenbilder vermag es sich auch diesen Augenblick vorzustellen.

1blick als Vorstellung:

Wahrnehmungen merkt sich das Gehirn als Bilder. Diese Bilder vermag es sich als Vorstellungen wieder zu vergegenwärtigen, indem es sie zur Sprache bringt:


Nacht -
An der Haustür wird geläutet. -
Es wird Licht gemacht, zuerst im Treppenhaus,
dann in der ersten Etage.

Nach einem Augenblick wird vergegenwärtigtes Geschehen uninteressant, es sei denn, es ist noch etwas zu klären, beispielsweise, warum die Bewohner des Hauses zuerst das Licht im Treppenhaus einschalten. Warum wohl? Die Fantasie eröffnet mehrere Möglichkeiten, die Vernunft malt sich aus, was sein könnte, und der Verstand erwägt oder entscheidet gar, was wahrscheinlich sein wird.
 

27
Feb
2012

Gedanken in Bildern

 
Gedanken_in_Bildern

© urs

Die Fantasie geht zunächst auf die Qualität des Bewusstwerdens ein. Sie erklärt, dass sie, sobald etwas nur sinnlich vernommen wird, nicht beteiligt ist. Im Falle bloßen Wiedererkennens zwecks Orientierung benötigt das Gehirn die Fantasie nicht. “Wer oder was entscheidet das eigentlich?”, will die Vernunft wissen.

"Das hängt von der jeweiligen Hierarchie eines Wesens ab. Es kommt darauf an, ob die Fantasie, die Vernunft oder der Verstand dominiert, also ob das Künstlerische, das Soziale oder das Wissenschaftliche maßgeblich bestimmt. Gewöhnlich handelt es sich aber bei uns Wesen eher um Mischformen dieser drei Ausrichtungen! Das macht es auch so schwierig, Klarheit über die eigene Ausrichtung zu gewinnen!”

“Dann solltest Du auch vor allem auf diese Mischtypen eingehen und keine Sonderfälle schaffen!” kritisiert der Verstand die Fantasie. “Aber der Mischtyp ist doch keineswegs leichter zu durchschauen!”, wendet die Vernunft ein. Und als ob sie es verabredet hätten, wird Fantasie, Vernunft und Verstand spontan klar, dass sie alle drei nun keine Neigung mehr verspüren, länger in Dementia zu verweilen. Und ebenso spontan beschließen sie, ihre Reise nach Ens nunmehr fortzusetzen.

Als sie auf den Bahnsteig in Dementia ankommen, wartet dort bereits abfahrbereit ein ICE nach Ens. Die drei steigen ein, froh darüber, nicht warten zu müssen.
 

26
Feb
2012

Gedanken in der Hand

 

© urs

Begreifen im Kopf braucht das Ja des Herzens und das Greifen mit der Hand. “Ein Gedanke, den ich nicht mit der Hand zu fassen bekomme, ist eine neuronale Attrappe!” Und die Fantasie fügt hinzu: “Die meisten Begriffe sind für die, die damit umgehen müssen, neuronale Attrappen.” Und die Vernunft fügt hinzu: “Das Denken beginnt nicht im Kopf, sondern mit der Hand. Ich kann nur denken, was ich in der Hand habe! Deshalb zählen und rechnen Kinder zuerst auch mit ihren Händen! Sinn und Zweck dieser Handarbeit ist die praktische Arbeit mit Bildern, gleichsam eine Vorübung im Denken. Im Kopf entstehen Bilder, das Herz hantiert mit ihnen und die Hände halten sie für eine eingehende Betrachtung fest!”

Der Verstand fragt die Vernunft sichtlich irritiert: “Was will uns wohl die Fantasie damit sagen?” Die Vernunft sagt lächelnd: “Sie versucht uns wohl zu vermitteln, wie sie sich das Denken vorstellt!” Der Verstand aber versteht die Vernunft nicht und fragt sie noch einmal nach dem eigentlichen Vorhaben der Fantasie. Die Vernunft verrät dem Verstand ihre Mutmaßung: ”Weißt Du, was ich glaube? ...Ich glaube, dass sie mit uns nur üben will, weil sie ein fantasievolles Projekt über das Denken plant, wahrscheinlich so eine Art Antiphilosophie!”
 

25
Feb
2012

Selbstfindung

 
selbstfindung

© urs

Selbstfindung ist der die Pubertät maßgeblich bestimmende Prozess. Das Ich beginnt sich auf den Weg zu machen, um sein Selbst zu suchen. Die Fantasie orientiert sich an Vorbildern und entwirft Ideen, die Vernunft eifert Idolen nach und engagiert sich für Ideale, und der Verstand erforscht bzw. erfragt Möglichkeiten, indem er Modelle durchspielt, um für sich ein tragfähiges Vorbild zu entdecken, das die Selbstverwirklichung antizipiert.

Die Selbstfindung während der Pubertät beruht auf der Ichfindung während der ersten Lebensmonate. Die Ichfindung wird durch Empfinden, sinnliches Erfassen und durch Erfahren ermöglicht. Durch das Wechselspiel von gefühltem aufmerksamen Aufnehmen und gefühltem, konzentriertem Erinnern entstehen sich wiederholende neuronale Regelungen. Aus den positiv empfundenen Wiederholungen des immer Gleichen erwachsen Regler für angesagtes und nicht angesagtes Verhalten.

So wird erfolgreiches Schreien von weniger erfolgreichen Verlautbarungen unterschieden und nach und nach eingesetzt bzw. als neuronale Grundmuster ausgeprägt. Erfolge verhelfen zu beschleunigtem Differenzieren der Verlautbarungen und so zum Fortschreiten des Spracherwerbs. Das gelingt allerdings vorwiegend nur dann, wenn sich die Bezugspersonen liebevoll und schlüssig verhalten.

Inkonsequentes Verhalten dagegen liefert nicht nur keine brauchbaren Verhaltensvorlagen, sondern chaotisiert auch neuronale Netze. Inkonsequentes Verhalten der Bezugspersonen bzw. widersprüchliches Verhalten zwischen den Bezugspersonen verhindert das Entstehen wichtiger Konstituenten für geordnetes, zielgerichtetes Verhalten. Es können dann kaum mehr erfolgreiche Strategien entwickelt werden.

Um durch solche möglichen neuronalen Missbildungen nicht lebenslang gehemmt und behindert zu werden, unternimmt das Gehirn während der Pubertät radikale selbstreparierende Maßnahmen. Unbrauchbare neuronale Bindungen werden dann schlichtweg aufgelöst und gelöscht. Dieser Maßnahme fallen dann auch frühe Kindheitserinnerungen zum Opfer. Für die gesamte spätere Entwicklung des Gehirns sind solche Streichungen aber nicht bedeutsam, bis vielleicht auf die Tatsache, dass in derartigen Fällen Gehirne zu radikalen Löschungen (Vergessen) neigen. Diesem neuronalen Radikalismus lässt sich aber wiederum durch geeignetes Training entgegenwirken.

Der Verstand unterbricht die Darstellung der introspektiven Fantasie.”Was mir an dieser Darstellung missfällt, das ist die einseitige Betonung des informativen oder geistigen Aspekts! Es gibt doch auch unbestreitbare nachteilige körperliche Einflüsse auf das Gehirn oder etwa nicht?” Die Fantasie blickt den Verstand sehr erstaunt an: “Das ist doch auch eine Frage der Priorität! Das Gehirn jedenfalls hält es mit dem Grundsatz, dass das Sein und damit auch das Dasein im Bewusstsein entschieden wird und insofern jeder wird, was er sich vorstellt! Wie Du Dich selbst im Spiegel siehst, das strahlst Du auch aus!” Die Vernunft will von der Fantasie wissen, warum es denn so schwer für das Ich ist, das Selbst zu sehen. “Das Selbst erscheint dem Ich in seinen Träumen und Tagträumen. Deren Bejahung in täglichen kleinen Schritten, das ist der Weg!”
 

24
Feb
2012

Drei in eins

 
drei-in-eins

© urs

Fantasie, Vernunft, Verstand bilden in eins zugleich den inneren Strom des Denkens. Die Fantasie initiiert und gestaltet das Bilderleben, die Vernunft erfährt sich als Bilder-Leben und der Verstand reflektiert sich im jeweiligen Bild-Erleben.

Die Quelle dieses Stroms liegt in den Tiefen des Unterbewusstseins. Intuitiv fließt er als Bewusstwerden und gelangt als Instinkt oder Intuition, Stimmung und Einstellung zum Vorschein. Und das Gehirn schafft sich Rollen, weil es kritische Bilder liebt. Solche Rollen entstehen je nach Glauben und Geschmack des einzelnen Wesens. Im Fall dieser neuronalen Intuitionen sind das mehr oder weniger zufällig Fantasie, Vernunft und Verstand.

Obgleich die Fantasie mitwirkt, bleibt die Vorstellung der drei ‘Figuren’ gleichsam konkret unsichtbar, weil deren Rollen in Abstraktionen aufgehen. Hierin sieht die Vernunft ein schwerwiegendes Problem, denn viele mögen Abstraktionen nicht. “Ich kann nun einmal nicht als Micki Maus gehen!”, bemerkt die Fantasie scherzend. Und die Vernunft klagt: ”Ich habe mich schon als Kriminalkommissarin Aesthe Logkat versucht, aber mir fehlten Ideen für Fälle, die interessant genug gewesen wären!” Der Verstand pflichtet den beiden bei: “Ich habe es mit historischen Gestalten versucht, und das führte auch zu nichts!”

Die innere Stimme schweigt zunächst zu diesen Selbstkritiken, bemerkt dann aber doch, dass es wohl nur an zureichender Vorstellungskraft gefehlt habe. “Worin liegt das Problem, Gedanken als Figuren zu transportieren wie beispielsweise als Tiere in Fabeln?” Der Verstand gibt sich bescheiden und sagt, dass es ihm vollkommen genüge, Gedanken zu personifizieren. “Schließlich sind uns dreien Gedanken doch am nächsten!”, begründet er sein Anliegen.

Durch Personifizierung innerer Vorgänge schafft es das Bewusstsein, dem Selbst einen Spiegel gegenüberzustellen, um sich durch diese Selbst-Betrachtung verstehen zu lernen. Das lässt sich mit einem Autor vergleichen, der versucht, sich mit Hilfe eines Romans bzw. einer Romanfigur frei zu schreiben. Um sich zu verstehen, braucht das sich selbst organisierende und selbst reparierende Bewusstsein Bilder, denn mittels Abstraktionen ist es nicht in der Lage, sich zu helfen.

Fantasie, Vernunft und Verstand sehen sich beroffen an. “Ich wusste gar nicht, dass wir alle drei so hilfsbedürftig, weil behindert sind”, sagt die Vernunft betroffen. “Wir sollten gemeinsam die Ursachen und Gründe für diesen Mangel herausfinden!”, ergänzt der Verstand.

Die Fantasie bittet zu bedenken, dass das Ungleichgewicht bzw. Disharmonien zwischen Fantasie, Vernunft und Verstand auf das Fehlen des eigenen Urgrundes zurückzuführen ist. Die Vernunft will von der Fantasie wissen, was sie darunter versteht. “Ich verstehe darunter den existentiellen Beweggrund, das Grundmotiv des persönlichen Lebens!” Und wie findet jemand das heraus?” Die Fantasie erklärt: “Die Fantasie träumt, die Vernunft glaubt, und der Verstand rechnet mit beiden... Der Verstand sucht also die Träume, die jemand hat und an die er glaubt, zu verwirklichen!” “Dann muss ich also nur betrachten, wovon ich träume?”, fragt die Vernunft. “So ist es!”, lautet die kurze Antwort der Fantasie.
 

23
Feb
2012

Selbstbeobachtung

 
selbstbeobachtung

© urs

Recht verblüfft sehen sich Fantasie, Vernunft und Verstand unversehens auf sich allein gestellt. Es ist klar, dass sie sich erst einmal neu orientieren müssen. Vor allem müssen sie sich Klarheit darüber verschaffen, was eigentlich geschehen ist. Der Verstand ergreift zuerst das Wort: “Ich stelle zunächst einmal fest: Wenn das Vergessen sich auflöst, tritt das Erinnern als dessen Gegensatz zum Vorschein. Meiner Auffassung nach sollen wir durch Lethe’s Verabschiedung auf uns selbst zurück verwiesen werden. Offensichtlich dient das dem Zweck einer Neubesinnung, und zwar von Grund auf." Die Vernunft unterbricht den Verstand: ”Dann ist ja eigentlich unser Aufenthalt in Dementia nicht weiter sinnvoll, denn wir haben ja jetzt entdeckt, was wir zu tun haben!” Die Fantasie schaltet sich ein und gibt zu bedenken, ob Lethe ihnen letztlich nicht etwas vollkommen Anderes hinterlassen hat. “Dann sage ich jetzt, was mich überrascht hat.”, sagt der Verstand und fährt fort: “Lethe will uns doch darauf hinweisen, dass unsere Reise nach Ens, samt ihrer Unterbrechung in Dementia, letztlich einem Ruf aus dem tiefen Innern des Unbewussten folgt. Und dieser Hinweis besagt, dass wir letztlich nur eine introspektive Veranschaulichung der inneren Stimme sind. Diese braucht uns, um in einen inneren Dialog mit sich selbst treten zu können!” Die Fantasie fragt den Verstand sichtlich erstaunt: “Verhält es sich dann so, dass ich Euch nur für mich gestalte, um mich mit einer vorgestellten Rolle unterhalten und auseinandersetzen zu können?”
 

22
Feb
2012

Die innere Stimme

 
innere_Stimme

© urs

“Die innere Stimme gilt je nach Ansicht den einen als Stimme der Seele, anderen als Sprache der Vernunft und wieder anderen als Ausdruck des Gewissens oder als Zuspruch des Geistes oder auch Stimme des Herzens. Mahatma Gandhi nennt die leise innere Stimme den einzigen Tyrann, den er in dieser Welt anerkennt. (Ausgewählte Texte, Richard Attenborough (Hrsg.))

Du hast deine Kindheit vergessen, aus den Tiefen deiner Seele wirbt sie um dich. Sie wird dich so lange leiden machen, bis du sie erhörst. (Ausgewählte Texte, Richard Attenborough (Hrsg.) Und Friedrich Nietzsche sagt zur inneren Stimme: “Es geht geisterhaft zu, jeder Augenblick des Lebens will uns etwas sagen, aber wir wollen diese Geisterstimme nicht hören. Wir fürchten uns, wenn wir allein und stille sind, daß uns etwas in das Ohr geraunt werde, und so hassen wir die Stille und betäuben uns durch Geselligkeit.” (Friedrich Nietzsche, Werke I - Unzeitgemäße Betrachtungen) Und für mich liegt schon von meinem Namen her die folgende Aussage nahe", sagt Lethe nun: “In dem Augenblick aber, wo uns alles verloren scheint, erreicht uns zuweilen die Stimme, die uns retten kann; man hat an alle Pforten geklopft, die auf gar nichts führen, vor der einzigen aber, durch die man eintreten kann, und die man vergeblich hundert Jahre lang hätte suchen können, steht man, ohne es zu wissen, und sie tut sich auf." (Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3 )

Die Fantasie möchte nun von Lethe wissen, woher die recht unterschiedlichen Namen für die innere Stimme eigentlich stammen. “Das liegt daran, dass sich dieses Phänomen dem Wissen entzieht und allein dem Glauben offenbart. Der Glaube verfügt aber über keine eindeutigen Namen bzw. Begriffe, sondern allein über vielfältige und vieldeutige Hinweise, Zeichen oder Bezeichnungen. Offenbarungen des Glaubens lassen ganz persönliche Deutungen zu wie beispielsweise auch das Wort Gott. Deshalb glaubt Sokrates seiner inneren Stimme, als einer göttlichen Eingebung und nennt sie deshalb auch seinen “daimonion”, also seinen persönlichen Schutzgeist, der Teil des Ichs ist. Diese innere Stimme warnte ihn in entscheidenden Augenblicken und hielt ihn von der Ausführung einer gefährlichen Absicht ab. Sokrates versteht das Daimonion als eine Gegeninstanz zum Logos, die das erkennt, was der Vernunft verborgen bleibt, und vom Falschen abrät, jedoch zu nichts rät. Sein Daimonion schätzt Sokrates so hoch ein, dass er ihm auch gegen seine rationale Einsicht gehorcht. Da er es auch über die Götter stellt, wurde ihm sogar vorgeworfen, es als einen neuen Gott einführen zu wollen.” Und Lethe offenbart nun der Fantasie, der Vernunft und dem Verstand, dass sie selbst letztlich nichts Anderes ist als ein sprechendes inneres Bild ihrer ureigenen daimonia. "Wer nämlich nach Dementia kommt, tut das letztlich nur, um in sich selbst anzukommen!” Und nach diesen Worten entschwindet Lethe dem geistigen Auge der Fantasie, der Vernunft und des Verstandes.
 

21
Feb
2012

Rollenverteilung

 
rollenverteilung

© urs

Fantasie, Vernunft und Verstand bilden, formen und ordnen zugleich in eins das Bewusstwerden, indem sie es sprachlich verflüssigen und so mittels Sprache für das fantasie-, vernunft- und verstandbegabte Wesen regelbar werden lassen. Die Fantasie bildet das Bilderleben, das die Vernunft zum Bilder-Leben formt, damit es der Verstand als Bild-Erleben zu ordnen vermag. Das Denken als der gemeinsame Name für diesen dreifachen Prozess lässt sich sprachlich festhalten. Diese Protokolle des Denkens werden als Texte aufbewahrt oder weitergegeben.

Lethe ergänzt: “Das Denken wird gefühlt als Stimmung der Fantasie, als Einstellung der Vernunft und als Gespür des Verstandes. Die Seele als der gemeinsame Name für das Erfahren dieser Gefühle begleitet das Denken nicht nur, sondern bestimmt es auch maßgeblich!” Und dann fügt sie noch hinzu: ”Stellt Euch eine ganz alltägliche Situation wie das Erwachen vor und sagt mir, was Ihr gewöhnlich als ersten gefühlten Gedanken erfasst!” Die Fantasie sagt: “Was wird das wohl für ein Tag?” Die Vernunft sagt: “Was liegt alles an?” Und der Verstand sagt: “Ich freu’ mich, das fortsetzen zu können, was ich gerade mache!”

Lethe: “Daran seht Ihr, dass es die Seele ist, die Euch in Euren Tag führt. Der morgendliche Empfang durch die Seele ist ein natürliches Zeichen der Lebendigkeit. Wird aber der Geist eines Wesens beim Erwachen in den Tag nicht durch die Seele begrüßt, dann bleibt die Fantasie schweigend im Hintergrund des Bewusstseins, die Vernunft nennt den ersten Schritt, und der Verstand zeigt ein Gebotsschild! Der geschwächte Geist fällt gleichsam mit der Tür ins Haus, durch das er dann den Tag hindurch stolpert!

Je weniger sich die Fantasie im Bewusstwerden einrichten kann, desto geringer ist auch die Aufmerksamkeit. Auf die Aktivität der Fantasie hat jedoch das denkende Wesen keinen unmittelbaren Einfluss. Dessen ungeachtet sollte das Individuum täglich sorgfältig auf einen hinreichenden Anteil der Fantasie an der existentiellen Ausgestaltung achten!” Der Verstand will wissen, wie denn eine unzureichende Beteiligung der Fantasie beobachtet werden kann. “Wenn bei jenen, welche selbst nicht schöpferisch tätig sind, die Alltage immer gleich einfallslos ablaufen, Müdigkeit und Trägheit auftreten, Zeitdiebe unterwegs sind, weil viel Zeit für unnötige Tätigkeiten oder Nichtstun verausgabt wird, sinnvolle Unternehmungen aber ausbleiben, dagegen aber viel zu viel Zeiten in elektronische Medien investiert werden. Aber viel dramatischer als dieses alles ist das Ausbleiben innerer Dialoge. Das Schweigen der inneren Stimme gar ist ein zuverlässiges Symptom fehlender Fantasie!”

Dann erklärt Lethe, dass sie in Dementia eine zuverlässige Methode entwickelt haben, die innere Stimme von ihrem Schweigen zu befreien, und sie verspricht, uns diese Methode zu zeigen.
 

20
Feb
2012

Hybris

 
hybris

© urs

"Das griechische Wort ὕβρις meint sowohl Übermut als auch Anmaßung. Beim Menschen gelangt Hybris vor allem als Selbstüberhebung zum Vorschein. Selbstüberheblichkeit beruht gewöhnlich auf einer Fehleinschätzung, die in einer Missbildung durch Erziehung wurzelt. Jede Erziehung gegen die Natur führt nämlich zwangsläufig zu solcher Missbildung.

Das fängt bereits mit ganz kleinen Schritten an. So erscheint es zwar auf den ersten Blick als wahr, dass jedes heranwachsende Lebewesen auf Belehrung durch seine Erzieher angewiesen ist, aber ein solcher Anschein darf nicht dazu führen, dass Eltern nicht mehr intuitiv zu erfassen versuchen, wessen die Kleinen bedürfen, sondern das tun, von dem sie bloß meinen, dass es es richtig sei. Allerdings ist schon dieser ‘erste Blick’ eine erziehungsbedingte, übernommene Projektion bzw. Vorurteil.

Besonders auffällig wird das in der Grundschule, wenn sich Lehrer nicht mehr in das Denken ihrer Kinder hineinversetzen, sondern diesen ihre eigenen Gedanken aufzwängen. Irgendwann führt solches Verhalten dazu, dass Lehrer den Glauben an ihre eigene Kompetenz entwickeln, sich dann auf diesen Irrglauben verlassen und gar nicht mehr nachdenken."

Die Vernunft zeigt sich gar nicht einverstanden mit dem, was Lethe hier sagt. “Du tust doch gerade das, wogegen Du Dich eigentlich wendest. Woher willst Du denn das alles wissen, was Du uns hier zu vermitteln versuchst?“

Lethe reagiert erstaunt: “Naürlich spreche ich nur an, was Ihr selbst gleichsam von Natur aus schon als Wissen in Euch tragt. Ich bin also gleichsam nur Moderatorin, denn jede Information sollte vernünftigerweise nicht mehr als ein Anstoß oder Anregung sein.

Information bedeutet ja etwas, das in Form bringt. Information, die nicht in Aufregung für eine Idee versetzt und in hoher Weise interessiert, taugt letztlich nichts.”

“Demnach wird in der Schule nicht informiert, jedenfalls den gelangweilten Gesichtern nach zu schließen”, bemerkt die Vernunft. Lethe fügt sehr ernst hinzu: “Das vernunftbegabte Wesen hat nicht gelernt, sich selbst und andere zu informieren!” Diese Aussage erschreckt die Vernunft, und sie will natürlich wissen, warum es sich so verhält.

“Das vernunftbegabte Wesen verengt seine Existenz zu sehr auf seine Vernunft hin und vergisst dabei, dass es auch Fantasie und Verstand besitzt. Informieren aber bedeutet inhaltlich fantasievoll gestalten, verstehbar formen bzw. formulieren und vernünftig spielerisch umsetzen!”

Als Beispiel nimmt Lethe das kleine Kind, welches von sich aus seine Muttersprache im Wesentlichen ohne Lehrer erlernt. Es ist noch in der Lage, ohne lehrerhafte einengende Vorgaben hoch aufmerksam wahrzunehmen, unvoreingenommen, konzentriert für sich auszuwerten und damit auch spontan zu behalten, um es dann nach eigenem Gutdünken anzuwenden. Dazu gehört auch, eigene Irrtümer zu beobachten und diese zu korrigieren. Diese spontane Entwicklung wird aber durch schulmeisterhafte, vorprägende Eingriffe empfindlich gestört und damit gehemmt oder sogar blockiert!

Hybris ist folglich der angenommene Grundirrtum, etwas zu können, das andere nicht auch unter vergleichbaren Bedingungen von sich aus vermögen.
 

19
Feb
2012

Die eigene Haltung

 
haltung

© urs

“Bei allem, was wir tun, ist es hilfreich, uns dabei der eigenen Haltung bewusst zu sein. Diese teilt sich nämlich jenen, auf welche sich unser Verhalten bezieht, unbewusst mit!”

“Was verstehst Du unter Haltung?”, will die Vernunft wissen. “Haltung ist eine emotionale Färbung des Verhaltens, die sich aus der augenblicklichen Stimmung und Einstellung des Handelnden zu dem, was er gerade tut, ergibt!”, antwortet Lethe.

“Also mit welcher Haltung seid Ihr drei nach Dementia gekommen?”, fragt sie. Die Fantasie fordert den Verstand auf, den Grund zu nennen. Der Verstand sagt: “Es ist ganz einfach. Die Fantasie, die Vernunft und ich wollen unsere Hypothese überprüfen, dass es sich bei Demenz um eine Kulturkrankheit insofern handelt, als dass unsere Kultur unser Gehirn krank macht.

Demenz ist also eine Bildungskrankheit!” Lethe erscheint darüber erschrocken. Sie erinnert den Verstand daran, was ihr Name in der Mystik bedeutet. “Der Name ist altgriechisch und bedeutet wörtlich Vergessen, Vergessenheit (ursprünglich Verborgenheit, zu agr. λήϑω – verborgen sein; das griechische Wort für Wahrheit, ἀλήϑεια [alétheia], leitet sich von derselben Wurzel her und bedeutet ursprünglich Unverborgenheit).”

Der Verstand fragt Lethe, worauf sie eigentlich hinaus will. “In der Mystik galt Lethe als Göttin. Und da wir in Dementia vor allem durch unsere Seele existieren, ruhen wir zugleich auch in tiefem Glauben. Von daher könnten wir diese Bildungskrankheit als Strafe der Götter für die Hybris der Menschen betrachten!”
 

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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