14
Feb
2007

Licht und Schatten

altern

Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt als alt, wer das 65. Lebensjahr vollendet hat. Nach der Definition der Hirnforschung gilt als alt, wer keine neue Information mehr erzeugt. Das neuronale Alter ist nahezu unabhängig vom biologischen Alter. Allerdings unterscheidet sich das neuronale Altern wesentlich vom biologischen Altern. Während das körperliche Altern durch fortwährenden Zerfall gekennzeichnet ist, vollzieht sich das Altern des gepflegten Gehirns als zunehmende Stabilität neuronaler Vernetzung.

Die Vorteile optimaler neuronaler Stabilität werden traditionell als die vier Kardinaltugenden bezeichnet:

Weisheit (lat. sapientia) [trennscharfe Vernetzung]
Gerechtigkeit (lat. iustitia) [angemessene Vernetzung]
Tapferkeit (lat. fortitudo) [alternative Vernetzung]
Mäßigung (lat. temperantia) [ökonomische Vernetzung]
(swf)

13
Feb
2007

Begrenztheiten

grenzverschiebungen

Jedes Ganze und dessen Teile zeichnen sich sowohl durch individuelle Strukturen als auch durch autonome Systeme aus.

Die jeweiligen neuronalen Strukturen der Menschen sind aufgrund vorgegebener Möglichkeiten individuell begrenzt. Da neuronale Strukturen vorwiegend im ersten Lebensjahr definiert und vom zweiten bis zum dritten Lebensjahr geprägt werden, entstehen relativ stabile (wenig veränderbare) autonome Systeme.

Wesentliche Veränderungen des Verhaltens sind nicht mehr möglich, es sei denn durch Wesensänderung des Systems aufgrund von Krankheit, Unfall oder traumatischer Ereignisse. Aber wesentliche Veränderungen eines definierten Systems bedeuten in der Regel auch wesentliche Einschränkungen, Verlust also.

Erziehung kann infolgedessen nur bedeuten, Menschen zu helfen, möglichst viele Möglichkeiten ihres Wesens zu nutzen. Wegen der vorgegebenen Möglichkeiten des Da-Seins liegt der Gedanke nahe, vom Geschick oder Schicksal zu sprechen. Zudem ist die Medizin zunehmend mehr in der Lage, körperliche Entwicklungen genauer zu prognostizieren und das Altern eines Menschen zu antizipieren.

Innerhalb dieser vorgegebenen Formen können sich Menschen ihr Dasein als jeweiliges Sosein gestalten.

Solche Besonderheiten wurden schon immer durch das Bewusstsein begleitet, etwas ganz Besonderes zu sein. Dieses Bewusstsein wurde dann religiös begründet durch Bilder wie Geschöpfe oder Kinder Gottes. So wird im Alltag nicht selten das Wissen um die eigene Möglichkeiten als der Wille Gottes ausgelegt. Problematisch wird diese Auslegung dann, wenn angesichts nicht genutzter Möglichkeiten Schuldgefühle entstehen.
(swf)

12
Feb
2007

Zufälle sind Schnittpunkte

zufaelle-sind-schnittstellen

Was einem System als Zufall erscheint, das ist für ein anderes System ein definierter Fall. Wer etwas mit Zufall erklärt, befindet sich zwar an einer systemischen Schnittstelle, aber ohne Kontakt.

Eine historisch gewichtige Schnittstelle ist der Übergang des Mythos zum Logos vor etwa zweieinhalb Jahrtausenden.
(swf)

11
Feb
2007

Intuition ist ein Spiel des Zufalls

spiel-des-zufalls

Mögliche gedankliche Möglichkeiten fallen einander zu. Durch dieses Zufallen entstehen mögliche Gedanken. Indem einer dieser möglichen Gedanken zu den Grenzen zwischen Unbewusstsein und Bewusstsein gelangt, versprachlicht er sich und wird zum wirklichen Gedanken. Durch diesen sprachlich verwirklichten Gedanken entsteht ein neuer Gedankengang.
(swf)

10
Feb
2007

Fall:

rohstoff

X sitzt am Schreibtisch. X will einen Text verfassen. X mangelt es an Gedanken, die unterwegs zur Sprache sind. X sieht keine Möglichkeiten der Versprachlichung.

Alternative:

X kann entweder abwarten oder zufällig ein interessantes Wort wählen und um dieses Wort herum das schreiben, was gerade einfällt. Im zweiten Fall entsteht sprachlicher Rohstoff, der sich auf einen Gedankengang hin gleichsam wie Ton modellieren lässt.
(swf)

9
Feb
2007

Nicht einfach

vergangenheit-zukunft

Das Verhältnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft lässt sich symbolisch zunächst so erfassen: Vergangenheit | Zukunft. Die Gegenwart ist gleichsam die Zeitgrenze zwischen Vergangenheit und Zukunft. Was das Seiende angeht, so lässt sich Zukunft als das Hinzufügen (+) und Vergangenheit als das Wegnehmen (-) beschreiben. Es existiert keine Zukunft mehr, sobald das Hinzufügen eingestellt wird. Das Einstellen der Zukunft ist die absolute Seinsgrenze des Werdenden. An dieser Grenze fällt es aus der Wirklichkeit in die Möglichkeit zurück. Durch diesen Rückfall ändert sich nichts, da jede Wirklichkeit immer schon als Möglichkeit vorhanden und verfügbar ist.
(swf)

8
Feb
2007

Absoluter Anfang

absoluter-anfang

Der bedingungslose (absolute) Anfang entsteht durch Zufall. Vor dem absoluten Anfang existiert nichts, das diesen hervorbringen könnte.

Vor dem absoluten Anfang existiert der Zufall. Was für das eine System Nichts bedeutet, das ist für ein anderes Sytem Etwas. Zufall ist das Zusammenspiel von für das System S' verborgenen Prozessen des Systems 'S.

Zufälle sind Repräsentanten parallel exstierender Systeme. Ereignisse, die sich nachträglich innerhalb eines Systems erklären lassen, werden "Los" oder "unechter Zufall" genannt. "Lose" oder "unechte Zufälle" lassen sich im Gegensatz zu "(echten) Zufällen" mit "Wahrscheinlichkeit" angeben.
(swf)

7
Feb
2007

Die Enstehung eines Gedankens

gedanke-entsteht

Ein Gedanke, der sich mitteilen möchte, braucht Zuwendung. Etwas ist da, hat einen Eindruck zurückgelassen. Ein Gefühl von etwas Entstehendem ist körperlich spürbar. Erste Bilder zeigen sich, noch unscharf, ohne wörtliche Fassung. Die Bilder bewegen sich schnell. Etwas bewegt sie, damit sie sich klarer zeigen können. Eine entspannte Betrachtung einerseits und die auswählende Konzentration auf den sich andeutenden Inhalt andererseits wechseln in rascher Folge. Einzelne Worte sind plötzlich da. Sie bringen ihre Bilder mit. Worte verbinden sich. Es sind noch keine Sätze. Eine letzte Anstrengung ordnet Vorhandenes und ergänzt noch Fehlendes. Der Gedanke ist angekommen.
(urs)

6
Feb
2007

Zu Eigen machen

zu-eigen-machen

Die Erde umkreist die Sonne und dreht sich dabei um sich selbst. Wir legen eine Strecke von A nach B zurück. Wahrnehmungsinhalte wechseln und beeinflussen das Bewusstsein. Erlebtes wird mit Hilfe von bereits Erfahrenem gedeutet. Das Selbstbild verändert sich ineins. Ein Früher wird dem Heute gegenüber gestellt. Vergleiche schaffen augenblicksbezogene Markierungen. Gefühle zeigen die Bekömmlichkeit dieser Orientierungen an. Sie bestätigen die Art der Fortbewegung oder veranlassen Korrekturen.
(urs)

5
Feb
2007

Gedehnte Zeit

gedehnte-zeit

Wer etwas sehr Ungewöhnliches erlebt, kann nachträglich feststellen, wie sehr sich das Zeitgefühl veränderte. Während des Geschehens werden die verstreichenden Zeiteinheiten nicht wahrgenommen. Das Bewusstsein ist vollständig beanprucht. Aufmerksamkeit und Konzentration wechseln in rascher Folge. Das Gefühl begleitet das Geschehen. "Ich habe gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit verging!", sagen wir. Werden dagegen die Erlebnisse betrachtet, dann ist die Beurteilung vielleicht umgekehrt: "Was ich alles erlebt habe (...in so kurzer Zeit)!"

Der Wechsel von gleichmäßigen Bewegungen innerhalb des Vertrauten und einem raschen 'Stakkato' von Ungewöhnlichem gibt dem Gehirn Nahrung. Die durch Dynamik gedehnte Zeit verlängert nicht nur die erlebte Zeit sondern das Leben selbst.
(urs)

4
Feb
2007

Axiomatik III

Etwas im Verhältnis zu sich selbst

§ 6.a Etwas zeichnet sich durch allgemeine Eigenschaften aus.
§ 6.b Etwas zeichnet sich durch besondere Eigenschaften aus.

§ 7.a Etwas ist Form (Wesen).
§ 7.b Etwas ist Gestalt.

§ 8.a Etwas verhält sich.
§ 8.b Etwas verhält sich nicht.

§ 9.a Etwas wird durch seine Umgebung beeinflusst.
§ 9.b Etwas wird durch seine Umgebung nicht beeinflusst.

§ 10.a Etwas verursacht Etwas.
§ 10.b Etwas wird durch Etwas gesteuert oder geregelt.

§ 11.a Etwas verbraucht Ressourcen (Kraft, Energie).
§ 11.b Etwas erzeugt Ressourcen (Kraft, Energie).

§ 12.a Etwas ist Grund für Etwas.
§ 12.b Etwas ist Mittel zum Zweck.

§ 13.a Etwas ist Bedingung der Möglichkeit für Etwas.
§ 13.b Etwas ist Bedingung der Unmöglichkeit für Etwas.

§ 14.a Etwas braucht Raum.
§ 14.b Etwas braucht Zeit.
(swf)

3
Feb
2007

Axiomatik II

Etwas im Verhältnis zu Etwas

§ 1.a Etwas geht Etwas voraus.
§ 1.b Etwas folgt auf Etwas.

§ 2.a Jedes Ganze besteht aus Teilen.
§ 2.b Etwas ist Teil von Etwas.

§ 3.a Etwas ist Etwas gleich.
§ 3.b Etwas ist Etwas ungleich.
Ungleiches kann ähnlich, verschieden oder entgegengesetzt sein.

§ 4.a Etwas kann mit Etwas verbunden sein.
§ 4.b Etwas kann mit Etwas unverbunden sein.

§ 5.a Etwas kann Etwas beschleunigen.
§ 5.b Etwas kann Etwas verlangsamen.
(swf)

2
Feb
2007

Axiomatik I

Der bedingungslose (absolute) Anfang eines Systems entsteht durch Zufall. Vor diesem Anfang existiert zwar nur das Nichts, aber was für das eine System das Nichts bedeutet, das bedeutet für das andere System das Etwas.

"Jedes System ist Teil eines anderern Systems."

Wenn sich ein System innerhalb eines Systems entwickelt, muss es die Umgebung seiner Entwicklung nicht in jedem Fall kennen. Verborgene Grenzen können das System als solches grenzenlos erscheinen lassen.

Es existieren Systeme übergreifende Sätze. Diese Sätze heißen Axiome. Axiome sind unabhängig von jedem System und infolgedessen sich selbst erklärend. Axiome bedürfen deshalb keines Beweises.
(swf)

1
Feb
2007

Unterstützung

unterstuetzung2

Der Körper merkt sich alles. Ein kleiner Kratzer, ein besonders schönes Erlebnis - alles hinterlässt einen Abdruck. Auffällige Ereignissen bleiben eine Weile bewusst und können mühelos aus dem Gedächtnis wieder abgerufen werden. Die Wirkungen von Gewohnheiten fallen nicht direkt auf. Störungen sind meistens der Anlass für eine Selbstbeobachtung. Wer sein Verhalten ändern möchte, braucht die Unterstützung seines Körpers. Freundliche Angebote können ihn dazu bewegen, ungewohnte Abläufe anzunehmen und so nach und nach vertrautes, nicht mehr angemessenes Verhalten in den Hintergrund zu verlagern.
(urs)

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

Ergänzende Webseiten

 

Archiv

Mai 2021
April 2021
März 2021
Februar 2021
Januar 2021
Dezember 2020
November 2020
Oktober 2020
September 2020
Juni 2020
Mai 2020
April 2020
März 2020
Februar 2020
Januar 2020
Dezember 2019
November 2019
Oktober 2019
Juni 2019
Mai 2019
April 2019
März 2019
April 2018
März 2018
Februar 2018
Januar 2018
Dezember 2017
November 2017
Oktober 2017
September 2017
August 2017
Juli 2017
Juni 2017
Mai 2017
April 2017
März 2017
Februar 2017
Januar 2017
Dezember 2016
November 2016
Oktober 2016
September 2016
August 2016
Juli 2016
Juni 2016
Mai 2016
April 2016
März 2016
Februar 2016
Januar 2016
Dezember 2015
November 2015
Oktober 2015
September 2015
August 2015
Juli 2015
Juni 2015
Mai 2015
April 2015
März 2015
Februar 2015
Januar 2015
Dezember 2014
November 2014
Oktober 2014
September 2014
August 2014
Juli 2014
Juni 2014
Mai 2014
April 2014
März 2014
Februar 2014
Januar 2014
Dezember 2013
November 2013
Oktober 2013
September 2013
August 2013
Juli 2013
Juni 2013
Mai 2013
April 2013
März 2013
Februar 2013
Januar 2013
Dezember 2012
November 2012
Oktober 2012
September 2012
August 2012
Juli 2012
Juni 2012
Mai 2012
April 2012
März 2012
Februar 2012
Januar 2012
Dezember 2011
November 2011
Oktober 2011
September 2011
August 2011
Juli 2011
Juni 2011
Mai 2011
April 2011
März 2011
Februar 2011
Januar 2011
Dezember 2010
November 2010
Oktober 2010
September 2010
August 2010
Juli 2010
Juni 2010
Mai 2010
April 2010
März 2010
Februar 2010
Januar 2010
Dezember 2009
November 2009
Oktober 2009
Juni 2009
Mai 2009
April 2009
März 2009
Februar 2009
Januar 2009
Dezember 2008
Oktober 2008
Februar 2007
Januar 2007
Dezember 2006
November 2006
Oktober 2006
September 2006
Dezember 2005
November 2005
Oktober 2005
September 2005
August 2005
Juli 2005
Juni 2005
Mai 2005
April 2005
März 2005
Februar 2005
Januar 2005
Dezember 2004

Aktuelle Beiträge

. . .
Man muss alle Bewegungen der Natur genau beobachten,...
wfschmid - 25. Mai, 09:45
Unsichtbare Welt
Neuronale Dämmerung im Dunkel des Unbewussten. Der...
wfschmid - 24. Mai, 06:44
glaub' oder glaube nicht was...
glaub' oder glaube nicht was geschehen ist schuf dich ich...
wfschmid - 15. Mai, 04:07
Annähern
Loslassen können Es erinnern Leuchtende Bilder An diesen einzigartigen...
wfschmid - 14. Mai, 08:30
Magische Linien 1
Magische Linien 1 Geschützte Markierung Gefühle der...
wfschmid - 13. Mai, 09:26
Magische Linien 1
Geschützte Markierung Gefühle der Atem die Energie ein...
wfschmid - 13. Mai, 09:23
Sehr schön
Lieber Wolfgang, meine Emails kommen offenbar nicht...
snafu - 6. Mai, 10:55
. . .
So offenbart sich im Stillleben Vincent van Goghs „Ein...
wfschmid - 30. April, 10:52

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 7777 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 24. Juli, 02:02

Suche (AND, OR erlaubt) - Nächste (leere) Zeile anklicken!

 

Credits

 

 

Es gelten die Rechtsvorschriften für Webseiten der Universität Flensburg © Texte: Wolfgang F. Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) wfschmid(at)me.com Bilder: Ulrike Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) mail(at)ulrike-schmid.de

 wfs


development