6
Dez
2006

18 Fragen von Wolfgang Thorns

f3-trost

Frage 3
Was tröstet Sie?

Die Frage setzt voraus, dass ich verzagt bin und Trost brauche. Nein, das stimmt doch nicht, überhaupt nicht. Es wäre in meinem Ärger ein großer Trost, wenn mir jemand zeigen könnte, wie wir Menschen gegen allen Anschein doch noch zur Vernunft zu bringen sind. Wenn die Frage aber auf meinen Alltag bezogen wird, dann kommt der Trost als helfende Kraft von den Menschen, die ich liebe.
(Wolfgang Thorns ist Redakteur der Zeitschrift 'Religion heute')

5
Dez
2006

18 Fragen von Wolfgang Thorns

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Frage 2
Wird alles gut mit der Menschheit?

Hinter der Frage steckt die berechtigte Annahme, dass es mit der Menschheit nicht zum Besten bestellt ist. In der Tat ist der Mensch das einzige Lebewesen, das seine eigenen Lebensräume und die anderer Lebewesen zerstört. Da der Mensch nicht wahrhaft an dem interessiert ist, was das Leben geistig und seelisch lebenswert macht, wird er das Leben zunehmend beschleunigt verlieren. Wir werden vor lauter Habgier unsere Umwelt weiterhin zerstören, bis wir sie vollends zerstört haben. Ich nehme an, dass es mit der Menschheit nicht weiter, sondern immer mehr zurückgeht. Wir investieren nichts in die Ausbildung, was das noch aufhalten könnte. Ich verspüre deswegen nicht die geringste Niedergeschlagenheit, sondern akzeptiere, dass wir Menschen nun einmal Lebewesen mit ungeheuerlicher Zerstörungswut sind.
(Wolfgang Thorns ist Redakteur der Zeitschrift 'Religion heute')

4
Dez
2006

18 Fragen von Wolfgang Thorns

f1-glaube-hoffnung-liebe

Frage 1
Wie denken Sie über Hoffnung?

"Glaube, Hoffnung, Liebe" sind Regelungsmomente des limbischen Systems, das alle unsere Verhaltensweisen regelt. Glaube ist gleichsam das den Menschen maßgeblich Bestimmende. Von dem, was wir glauben, hängt ab, was wir hoffen dürfen. Der Mensch ohne Glaube ist folglich auch ein Mensch ohne Hoffnung. Mehr noch, ein Mensch ohne Glauben und Hoffnung ist unfähig zu lieben. Wenn ich sage, dass Hoffnung Glaube in Liebe überführt, dann muss ich auch sagen, woher der Glaube seine Inhalte bezieht. Das limbische System wird von Instinkten und Intuitionen gesteuert. Intuitionen erscheinen unserem Bewusstsein als Vorstellungen. Diese Vorstellungen sind intuitive Widerspiegelungen der Natur. Wer sich mit diesen Vorstellungen auseinandersetzt, wird alles über die Natur erfahren. Auf diese Weise werden alle Naturgesetze entdeckt, aber eben auch, dass Natur Schöpfung ist, dass es eine schaffende, göttliche Kraft gibt, aus der heraus alles entstanden ist.
(Wolfgang Thorns ist Redakteur der Zeitschrift 'Religion heute')

3
Dez
2006

Alles kehrt wieder

gleichgewicht1

Nichts ist ohne Wirkung. Alles beeinflusst sich wechselseitig. Was wir tun oder auch unterlassen, hinterlässt Spuren. Wir können nicht 'aus unserer Haut'. Doch wir brauchen ein inneres Gleichgewicht um zu leben. Dieses Gleichgewicht läßt sich nicht so einfach messen wie das Körpergewicht oder das Reaktionsvermögen. Es ist auch nicht statisch. Ein ausgeglichener Mensch kann durchaus einmal in Zorn geraten oder deprimiert sein. Er 'fängt sich' jedoch rasch wieder. Dabei greift er auf Kräfte zurück, die über längere Zeiträume gewachsen sind. Und ein Mensch, der einen überaus unausgeglichenen Eindruck hinterlässt, kann in schwierigen Situationen Energien entwickeln, die ihm niemand zutraute - vielleicht nicht einmal er selbst.

Das Gleichgewicht erlangen und aufrecht erhalten, hat auch immer mit heilen zu tun. Eine Verletzung, eine falsche Entscheidung, Fehlverhalten, Unglück - die Waage neigt sich in die Richtung des Leids. Es bedarf entsprechender ausgleichender Gegengewichte, um wieder heil, ganz, im Gleichgewicht zu sein. Das ist ein höchst sensibles Geschehen.

Gleichgewicht ist ein Ergebnis von Arbeit. Unabhängig von der Haltung zum Leben muss jeder Mensch immer wieder eine Antwort auf das Leiden an sich selbst, an anderen Menschen und Ereignissen geben. Eine erfolgreiche Antwort zeigt: wir können sehr wohl 'aus unserer Haut'. Alles kehrt so lange wieder, bis es erkannt, angenommen und damit aufgelöst wird.
(urs)

2
Dez
2006

Regeln erfolgreichen Unterrichtens

unterricht-regel16

Regel 16

Unser Gehirn liebt die Stille.

Regel: Lassen Sie in Ihrem Unterricht nicht die Freundinnen aller Lernenden vor der Tür stehen.

Grund: Die Stille und die Pause sind die Freundinnen aller Lernenden. Das Gehirn braucht Ruhe, um Inhalte des Kurzzeitgedächtnisses ins Langzeitgedächtnis überführen zu können.
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1
Dez
2006

Regeln erfolgreichen Unterrichtens

unterricht-regel15

Regel 15

Essen und Trinken während des Unterrichts fördert die Disziplin.

Regel: Disziplin hat nichts mit Entsagung, aber alles mit Ordnung zu tun. Essen, Trinken und Bewegung im Raum fördern die soziale Ordnung.

Grund: Die Grundbedürfnisse dürfen nicht mehr als situativ unbedingt erforderlich eingeschränkt werden.

Im Unterricht ist der Freiheitsspielraum so eng, dass die Seele Asthma bekommt.
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30
Nov
2006

Regeln erfolgreichen Unterrichtens

unterricht-regel14

Regel 14

Unser Gehirn liebt es zu knobeln.

Regel: Unser Gehirn fragt, sucht, rätselt leidenschaftlich.

Grund: Verfügbare neuronale Teilnetze werden um so effektiver, je mehr neue Verbindungen hergestellt werden.
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29
Nov
2006

Regeln erfolgreichen Unterrichtens

unterricht-regel13

Regel 13

Unser Gehirn arbeitet nur, wenn es schaffen kann.

Regel: Bieten Sie so wenig Hilfe an wie möglich und so viel wie unbedingt nötig.

Grund: Das Gehirn verändert etwas bevorzugt dann, wenn es das selbst entdeckt hat.
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28
Nov
2006

Regeln erfolgreichen Unterrichtens

unterricht-regel12

Regel 12

Das schöpferische Gehirn liebt das Selbstgespräch.

Regel: Wenn Ihr Unterricht keine Teile anbietet, sondern das Ganze vorwegnimmt, kann das Gehirn nichts mehr ordnen.

Grund: Das Gehirn arbeitet mit der verfügbaren Intelligenz, also mit dem Vermögen zu ordnen.

Wenn es in Ihrem Unterricht nichts zu entdecken gibt, wird er von den Lernenden übersehen!
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27
Nov
2006

Regeln erfolgreichen Unterrichtens

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Regel 11

Die Wahrheit ist: Unser Gehirn lässt sich nicht belehren. Autodidaktisches Lernen ist Tautologie. Das Gehirn verändert Verhalten natürlicherweise nur auf der Grundlage selbst ermittelter Information!

Regel: Sobald Sie als Lehrer tätig sind, werden Sie zum Leerer. Unterrichten besteht im Bereithalten von Möglichkeiten.

Grund: Die drei natürlichen Widerstände des Gehirns:

1. Information ist Rohstoff für das Gehirn. Es wandelt nur solchen Rohstoff in neuronale Nahrung um, den es selbst angebaut hat.

2. Die Innere Stimme lässt sich nichts sagen. Sie verliert sich, wenn zu viel vorgesagt wird.

3. Wir werden schwerhörig, wenn uns ständig unverständliches Zeug vorgetragen wird.

Es gibt nur eine Form personenorientierten Unterrichtens: das ist die Moderation!
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26
Nov
2006

Regeln erfolgreichen Unterrichtens

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Regel 10

Ohne das Zusammenspiel von Aufmerksamkeit und Konzentration wird der Kopf zum 'Hohlkopf'; im Bewusstsein herrscht gähnende Leere.

Regel: Ihr unterrichtlicher Inhalt muss so gestaltet sein, dass Aufmerksamkeit und Konzentration ständig wechseln bzw. zusammenspielen. Das können Sie nicht mit statischer, sondern allein mit dynamischer Information bewirken. Wenn sich in Ihrem Unterricht nichts bewegt außer das Rascheln von Arbeitsblättern oder das Blättern von Buchseiten, dann klingt das für das schöpferische Gehirn wie das Rascheln von Laub auf einem spätherbstlichen Friedhof.

Grund: Das Gehirn der Lernenden wird nicht motiviert, wenn die Hände nichts machen dürfen!

Worte bewegen nichts, wenn sie nicht inszeniert werden.
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25
Nov
2006

Regeln erfolgreichen Unterrichtens

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Regel 9

Wahrnehmungen werden vorbewusst gefiltert. Wahrnehmungen werden nach Auffälligkeit, Gefühl und Interesse augewählt.

Regel: Beginnen Sie jeden Unterricht mit Material und Information, die auffällig sind, gefühlsmäßig ansprechen oder interessant sind.

Grund: Lernen wird wie alle Prozesse des Bewusstseins limbisch geregelt.

Fall: Vor der letzten Veranstaltung unterhielten sich Studierende vor dem Auditorium: "Wo sollen wir uns hinsetzten?" "Am besten natürlich in die letzte Reihe, dann können wir unsere Computerspiele machen!" Das waren wohlgemerkt Studierende des Lehramtes vor dem Besuch der Werkstatt Unterricht. Da sie die Veranstaltung bis dahin nicht kannten, kann aufgrund fehlender Erfahrung von negativer Vorprägung gesprochen werden. Solche Studierende blockieren jegliche Information durch ihre negarive Einstellung und Haltung. Vermutlich haben sie sich als Lernende in der Schule vergleichbar verhalten und werden auch wiederum als Lehrende in der Schule eine vergleichbare Einstellung und Haltung erzeugen. Die Motivation für das Studium des Lehramts liegt auf der Hand.

Welche Konsequenz ergibt sich nun im Blick auf die Anwendung von Regel 9 bei Lernenden mit einer "Wurschtegal-Haltung"?

Weil das Gehirn von solchen Lernenden extrem wenig Ressourcen zur Verfügung stellt, also nur minimal aktiv ist, müssen Sie es auf jeden Fall erst einmal reaktivieren. Die Reanimation eines 'frustrierten' Gehirns ist aber nicht rein sprachlich zu erreichen. Das Gehirn 'lädt sich auf', indem es sinnliche Vorgänge organisieren muss.

Wenn Sie es mit desinteressierten Lernenden zu tun haben, bleibt ihnen nur übrig, den Unterricht auf sensumotorischer Ebene zu beginnen. Sie können sonst auch nicht mit dem Hauch eines Anzeichens von Mitarbeit rechnen. Gehören Sie aber selbst zu den frustrierten Lehrenden, dann können Sie das Ganze vergessen. Es gibt auch kein Rezept für Sie, mit dem Sie etwas anfangen könnten.

Sensumotorisches Lernen organisiseren bedeutet, dass Sie Ihren Unterricht sofort damit beginnen, dass Ihre Inhalte für Lernende 'handlich' werden. Begreifen verlangt die Beteiligung der Hände. Lassen Sie zu Beginn das Material anfertigen, dass Sie in Ihrem Unterricht brauchen. Sollte Ihnen der Gedanke kommen, dass das nicht geht, dann sollten Sie ein Training in schöpferischem Denken absolvieren. Da hilft dann alles Andere nichts.
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24
Nov
2006

Die ersten Regeln erfolgreichen Unterrichtens

unterricht-regel8

Regel 8

Unser Gehirn ist kritisch und glücksorientiert.

Regel: Vergessen Sie nicht, Lernende zu bestätigen und so in ihrem Tun zu bestärken. Vermeiden Sie falsche Komplimente.

Grund: Das Gehirn weiss sehr wohl echte und unechte Verstärkungen zu unterscheiden. Es bezieht seine Information vor allem aus der Körpersprache.
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23
Nov
2006

Die ersten Regeln erfolgreichen Unterrichtens

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Regel 7

Unser Gehirn wird von körperlichen, geistigen und seelischen Grundbedürfnissen bestimmt.

Regel: Das Bedürfnis nach Schutz bzw. Sicherheit erfordert eine Kontrolle der vorgenommenen Veränderungen durch eigene Erfahrungen. Jeder Unterricht muss von daher Anteile des Übens bzw. Trainierens ausweisen.

Grund: Aus Gründen der Stabilität müssen neue oder veränderte Verhaltensweisen in Routinen überführt werden. Das gelingt nur durch Übung bzw. Training.
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Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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