Neugier
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Neugier ist jedem begabten Wesen angeboren. Seine Gier, Neues zu erfahren schützt es vor Bewusstseinsstarre. Neugier weckt den Willen, nicht in der Wiederholung des immer Gleichen unterzugehen. Neugier emöglicht das Bewusstwerden als originäre Erfahrung und schützt vor unkritischer Übernahme von Gewohnheiten.
Gier ist kein Weg. Gier ist ein Zug, der nach Nirgendwo führt. Die unersättliche Gier führt zu nichts, weil sie mit nichts zufrieden ist. Tun sich gar Gier und nicht wollender Wille zusammen, dann fühlt sich ein Wesen ständig getrieben, ohne jemals erfahren zu können, wozu eigentlich. Ziellos Getriebene aber haben die Neugier verloren. Emotionen jedoch setzen neue neuronale Impulse wie Züge in Bewegung und schicken sie durch neuronale Netze, um helfende Möglichkeiten zu erkunden. Es ist nicht Gier, sondern Neugier, die nach Aufbruch verlangt und das Abstellgleis der Gedanken selbst bis ins hohe Alter immer wieder freiräumt. Solange sich Fantasie, Vernunft und Verstand in einem harmonischen Verhältnis zueinander befinden, erzeugen sie schöpferische Energien, die Bilder formen und als Bilderleben gestalten. Im Gegensatz zur unersättlichen Gier ist der Neugier Hoffnungslosigkeit fremd. Für sie ist Utopie kein Niemandsland, sondern die Fülle aller schöpferischen Möglichkeiten.
Neugier ist insofern eine Gabe des Unbewussten als dieses das Bewusstsein antreibt, ungewöhnliche Fragen zu organisieren. Durch die Entdeckung einer maßgeblich bestimmenden Fragestellung wird das Bewusstsein zum Anstoß des Bewusstwerdens, und die Suche nach noch nicht Erforschtem versetzt das Subjekt in seine ihm ureigene Bewegung (Motivation), intuitiv Erahntes zu entdecken.
Der zureichende Grund für diese Aktivität liegt in der Selbstorganisation des Gehirns, das sich ruhelos, unaufhörlich spielerisch mit Möglichkeiten neuronaler Kombinationen beschäftigt. Diese Ruhelosigkeit kann dazu führen, dass schöpferische Menschen schaffen, ohne sich eine ausreichende Pause zu gönnen.
wfschmid - 20. März, 05:00
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