9
Feb
2012

Fehlzündung

 

© urs

"Emotionen, die aus Grundbedürfnissen und Trieben entstehen, zeigen einem Wesen, dass es lebendig ist! Und genau diese Lebendigkeit ist auch die Bedingung der Möglichkeit für jene Lebendigkeit, welche hoch initiative Emotionen bzw. zündende Funken erst ermöglicht!”
Der Verstand zeigt sich etwas unzufrieden: "Das klingt zwar recht einleuchtend, aber ziemlich unpraktisch, weil ich keine Nutzanwendung sehe!”
“Aus dem, was ich sage, ergibt sich doch, dass man sich lebendig erhalten muss, wenn die Neuronen weiterhin feuern sollen. Das Bewusstsein lebt nun einmal vom neuronalen Blitzlichtgewitter!”
Jetzt wendet auch die Vernunft ein: “Ein Einsiedler ist doch auch höchst lebendig, obwohl er gerade auf die Befriedigung von Grundbedürfnissen verzichtet und sich seinen Trieben widersetzt!”
Die Fantasie reagiert leicht erbost: "Ja, das ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass Askese nur Verzicht bedeutet. Das Gegenteil ist der Fall, denn der Verzicht ist gerade ein sehr brauchbares Mittel zum Zweck höchster Selbstbefriedigung in Gestalt stark ausgeprägter Selbstliebe. Das Ich opfert sich auf, um vom Selbst höchste Anerkennung zu erfahren. Das Selbstbewusstsein erhöht sich durch innigsten Kontakt zum höchsten Wesen. Da aber jeder, der sich selbst erhöht, erniedrigt werden wird, besteht der Trick darin, das durch Verzicht vorweg umzukehren, also sich als bettelarm vor der Welt zu erniedrigen. Diese Selbstinszenierung erzeugt im Gehirn jenes Feuerwerk der Nervenzellen, welches sogar als Glück erfahren wird. Inneres Sehen durch mystisches Schauen und inneres Bewegen durch Fortschreiten im Denken erzeugt eine vergleichbare Wirkung wie sinnliches Sehen und körperliches Bewegen. Spitzensportler nutzen diese Tatsache durch Methoden mentalen Trainings. Insofern zählt Denken unter körperlichem Aspekt sogar zum Sport!”
Der Verstand unterbricht die Fantasie: “Das hängt aber doch wohl ganz entschieden von der Qualität des Denkens ab!”
“Selbstverständlich, ein Denken, das sich nicht als Gleichzeitigkeit von Wahrnehmen, Betrachten, Beobachten und Begreifen vollzieht, vermag kein schöpferisches Bilderleben zu sein! ‘Denk’ Dich fit!’ ist ein Motto, das sich auf diese Qualität des Denkens bezieht. Überhaupt lässt sich wahres Denken leicht daran erkennen, dass es immer entdeckendes Denken ist, denn nur durch das Feuerwerk der Nervenzellen werden neue neuronale Cluster erzeugt. Bleibt dieses aus, dann verfällt das Gehirn, das sich allein durch ständigen neuronalen Zuwachs lebendig erhält!”
Die Vernunft unterbricht die Fantasie: “Ich bin unbedingt dafür, dass wir unsere Fahrt an der kommenden Station unterbrechen, denn dann können wir selbst sehen, was uns die Fantasie hier erzählt!”
Der Verstand sucht im Reisbegleiter des ICE den nächsten Ort und stellt fest: “Das ist Dementia!”
 

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Wolfgang F.A. Schmid

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