9
Mrz
2005

Wegmarken

Über das Lernen ist schon viel zu viel geschrieben worden. Warum also eine erneute Darstellung dieses Prozesses? Antwort: Eben deshalb, weil schon viel zu viel darüber geschrieben wurde! Diese Antwort bezieht sich auf das Ergebnis der Literatur über das Lernen. Trotz aller Auseinandersetzung mit dem Lernen haben wir nichts dazu gelernt. Wir organisieren das Lernen wie eh und je. Trotz aller Beschäftigung mit dem Lernen hat der Unterricht sein Gesicht kaum verändert. Und Lernende haben immer weniger Lust, am Unterricht teilzunehmen. Das Lernen interessiert sie nicht. Lehrende aber zeigen sich nur selten in der Lage, solches Interesse zu wecken.

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Der tiefere Grund der ziemlich erfolglosen Auseinandersetzungen mit dem Lernen liegt in diesem Prozess selbst verborgen. Das Wort ‚Lernen’ wird verfälscht, sobald man darüber nachdenkt, ohne die vielen Vorgänge mitzubedenken, aus deren Zusammenspiel sich das Lernen allererst entwickelt.

Lernen ist schlichtweg nicht zu verstehen, wenn es nicht als dieses Zusammenspiel gedacht wird. Es nutzt nun auch kaum etwas, diese das Lernen tragenden Prozesse einmal aufzulisten, um wenigstens einen ersten Eindruck von der Tragweite des Wortes Lernen zu bekommen. Mit einer Mentalität des Abhakens ist dem Wort Lernen nicht beizukommen. Man muss dieses Wort schon wesentlich erfassen, also denken.

Denken regelt das mehr oder weniger bewusste Bilderleben in uns. Lernen denken, das bedeutet, diesen Prozess in Bildern zur Sprache zu bringen – so, dass sich diese Bilder erleben und in Verstehen überführen lassen.

Was sind das für Bilder, die das Denken zur Vorstellung bringt? Gedachte Bilder oder Gedanken sind entweder künstlerisch gestaltete Sinnenbilder oder wissenschaftlich gestaltete Leitbilder für das Handeln. Bildlose Gedanken aber sind Attrappen. Zu diesen Attrappen gehört auch der Gedanke ‚Lernen’ oder entstehen in Ihnen etwa Bilder, sobald Sie an ‚Lernen’ denken?

Gedanken, die nur künstlerisch oder wissenschaftlich gestaltete Bilder entwickeln, sind einseitig. Sie beschäftigen vorwiegend nur eine ‚Seite’ des Gehirns, entweder überwiegend die rechte oder hauptsächlich die linke Hemisphäre. Der erfolgreiche Gedanke zeigt sich künstlerisch und wissenschaftlich zugleich.

Der Begriffskalender hier stellt Lernwörter in Form einzelner Module vor. Lernwörter sind Gedanken, durch welche die Organisation des Denkens und Handelns verbessert werden kann.

Weil das schöpferische Gehirn das Spielen mit Gedanken bevorzugt, ist die lineare Anordnung von Gedanken nicht sonderlich hirngerecht. Das Gehirn bevorzugt das selbständige Zusammenstellen von Aussagen, weil sich diese dann am ehesten dem gegenwärtigen Interesse zuordnen lassen. Dieser Vorliebe entsprechend sind die einzelnen Lernwörter (Module) so angeordnet, dass Sie sich leicht für jene entscheiden können, für welche Sie sich gerade interessieren. Diese Auswahl können Sie ganz nach Bedarf vornehmen. Sie werden auf jeden Fall Ihren eigenen Gedankengang finden.

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Wolfgang F.A. Schmid

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