Dem Licht entgegen
Um das innere Licht entdecken zu können, muss das natürlicherweise sinnenbezogene Denken nach innen ausgerichtet werden. Diese Ausrichtung geschieht, sobald die Prinzipien des Verstandes oder die vier Duplizitäten des Ordnens gedacht werden. Aber schon das Vergegenwärtigen dieser Prinzipien oder dieser Duplizitäten würde ausreichen, um das Denken nach innen auszurichten. Es existieren gleichsam Biografien eigener Gedanken. Jeder eigene künstlerische oder philosophische Gedanke entwickelt sich im tiefen Innern der Seele, bevor er als künstlerische oder wissenschaftliche Idee geboren und bewusst wird. Ein Gedanke wird vom Spiel der Liebe gezeugt, von möglichen Möglichkeiten geformt, um als wirkliche Möglichkeit gestaltet zu werden. Wenn ein zweijähriges Kind eine gehörte Melodie auf einem Klavier nachspielt, dann entdeckt es für sich die wirklichen Möglichkeiten des Instruments, von sich aus. Die Natur demonstriert an genialen Ausnahmebegabungen wie die des blinden Pianisten Nobuyuki Tsujii, was aus dem Spiel der Seele werden kann. Wenn Begabung nicht aus der Not, sondern aus dem Glück der Geborgenheit geboren wird, gelangt sie zwar etwas später, aber nicht weniger eindrucksvoll zum Vorschein. Unter widrigen oder auch nur ungünstigen Umständen kann sie sogar fast ein ganzes Leben verborgen bleiben und erst im Alter hervorscheinen. Als schöpferisches Spiel der Seele aber ist Begabung keine Ausnahme, sondern allen Menschen zu eigen. Ohne Begabung kann man beispielsweise den Begriffskalender gar nicht regelmäßig lesen. Gewöhnlich ist Begabung gleichsam die frühe Kindheit des Gedankens, bevor dieser wirkliche Möglichkeiten intelligent zu möglichen Wirklichkeiten einer Idee werden lässt und in der Verwirklichung erwachsen sein lässt. Ein Gedanke, der sich nicht durch die Tat ausweist, verkommt zum Hirngespinst. Aber es existieren auch tätige Gedanken, deren Tun im Schauen des inneren Lichts aufgeht. Dieses Tun wird gewöhnlich Meditation oder noch besser Kontemplation genannt. Kontemplative Orden wie die Trappisten sind also keine untätigen Orden, auch wenn es nach außen hin so erscheint. Es existieren einige wenige Gedanken, die in der Lage sind, das innere Licht gleichsam zu entzünden.
r. n. 15
r. n. 15
wfschmid - 26. Juli, 04:00
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