Scheinwissen
Angesichts der aufgrund der Prinzipien des Verstandes erforderlichen Weite des Bewusstseins scheint Wissen unerreichbar zu sein. Die ersten Philosophen haben dieses Problem von Anfang an erkannt und auf unterschiedliche Art und Weise zu lösen versucht.
Während Heraklit und Kratylos angesichts der allgegenwärtigen Veränderung der Natur in allem keine Möglichkeit für unveränderliches Wissen sehen, betrachten Sokrates und Platon die Abwendung vom sinnlich Vernehmbaren als Lösung. Sie entdecken das sinnlich nicht vernehmbare Sein als das alles Seiende umfassende Unveränderliche als Bedingung der Möglichkeit von Wissen. Aristoteles, der Schüler Platons, nimmt zwar die Idee vom unveränderlichen Sein auf, folgt aber in der Ausführung dem Ansatz des Thales. Thales gibt sich nicht mehr mit erfahrungsbezogenen Auslegungen von Sinneseindrücken zufrieden. Es genügt ihm nicht, wenn ihm jemand eine geometrische Figur benennen kann. "Nicht nur benennen, sondern auch erkennen!", fordert er. Im Gegensatz zum bloßen Benennen bedeutet Erkennen, Wahrgenommenes zu durchschauen, also zu wissen, weshalb und warum etwas so ist, wie es ist. Thales erkennt, dass Wahrnehmen allein so etwas nicht zu beantworten vermag. Wahrnehmen muss notwendigerweise durch eine Fähigkeit ergänzt werden, die er ermöglicht, Wahrnehmungsinhalte durch Vergleichen so zu ordnen, dass sie Regeln oder gar Gesetze erkennen lassen. Die Suche nach dieser Fähigkeit lässt ihn die Kunst des Vereinfachens erkennen. Schon Zeichnungen von Kindern zeugen von dieser Kunst, indem sie Wahrnehmungsinhalte auf Formen, zumeist Linien oder Striche, reduzieren. Thales entdeckt die Technik der Reduktion auf die wesentliche Form. Der Verlauf der Sonne während eines Tages beschreibt einen Halbkreis, und die Form der Sonne selbst. Erkenntnis setzt voraus, das zu Erkennende aufgrund seiner Eigenschaften eindeutig bestimmen zu können. Wer einen Kreis sieht und sagt, dass er rund sei, bestimmt seine Wahrnehmung nicht eindeutig, denn auch sie Sonne, das Rad oder der Vollmond sind rund. Eine mehrdeutige Bestimmung aber ist keine Erkenntnis. Ein Kreis lässt sich eindeutig bestimmen als geometrische Linie, deren Punkte alle den selben Abstand von einem gegebenen Punkt M haben. M ist der Mittelpunkt des Kreises. Jeder Kreis lässt sich eindeutig bestimmen und konstruieren durch Angabe von M und dem genauen Abstand zwischen M und einem Punkt des Kreises mit dem Radius r = MP. Aristoteles kommt es nun vor allem darauf an, die von Thales geforderte mathematische Sicherheit nicht nur zu erhalten, sondern unter Verwendung der Prinzipien des Verstandes wesentlich zu erweitern.
r. n. 8
Während Heraklit und Kratylos angesichts der allgegenwärtigen Veränderung der Natur in allem keine Möglichkeit für unveränderliches Wissen sehen, betrachten Sokrates und Platon die Abwendung vom sinnlich Vernehmbaren als Lösung. Sie entdecken das sinnlich nicht vernehmbare Sein als das alles Seiende umfassende Unveränderliche als Bedingung der Möglichkeit von Wissen. Aristoteles, der Schüler Platons, nimmt zwar die Idee vom unveränderlichen Sein auf, folgt aber in der Ausführung dem Ansatz des Thales. Thales gibt sich nicht mehr mit erfahrungsbezogenen Auslegungen von Sinneseindrücken zufrieden. Es genügt ihm nicht, wenn ihm jemand eine geometrische Figur benennen kann. "Nicht nur benennen, sondern auch erkennen!", fordert er. Im Gegensatz zum bloßen Benennen bedeutet Erkennen, Wahrgenommenes zu durchschauen, also zu wissen, weshalb und warum etwas so ist, wie es ist. Thales erkennt, dass Wahrnehmen allein so etwas nicht zu beantworten vermag. Wahrnehmen muss notwendigerweise durch eine Fähigkeit ergänzt werden, die er ermöglicht, Wahrnehmungsinhalte durch Vergleichen so zu ordnen, dass sie Regeln oder gar Gesetze erkennen lassen. Die Suche nach dieser Fähigkeit lässt ihn die Kunst des Vereinfachens erkennen. Schon Zeichnungen von Kindern zeugen von dieser Kunst, indem sie Wahrnehmungsinhalte auf Formen, zumeist Linien oder Striche, reduzieren. Thales entdeckt die Technik der Reduktion auf die wesentliche Form. Der Verlauf der Sonne während eines Tages beschreibt einen Halbkreis, und die Form der Sonne selbst. Erkenntnis setzt voraus, das zu Erkennende aufgrund seiner Eigenschaften eindeutig bestimmen zu können. Wer einen Kreis sieht und sagt, dass er rund sei, bestimmt seine Wahrnehmung nicht eindeutig, denn auch sie Sonne, das Rad oder der Vollmond sind rund. Eine mehrdeutige Bestimmung aber ist keine Erkenntnis. Ein Kreis lässt sich eindeutig bestimmen als geometrische Linie, deren Punkte alle den selben Abstand von einem gegebenen Punkt M haben. M ist der Mittelpunkt des Kreises. Jeder Kreis lässt sich eindeutig bestimmen und konstruieren durch Angabe von M und dem genauen Abstand zwischen M und einem Punkt des Kreises mit dem Radius r = MP. Aristoteles kommt es nun vor allem darauf an, die von Thales geforderte mathematische Sicherheit nicht nur zu erhalten, sondern unter Verwendung der Prinzipien des Verstandes wesentlich zu erweitern.
r. n. 8
wfschmid - 19. Juli, 04:00
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