'Fühlen' des Verstandes
Mystische Erfahrungen beruhen auf Kontemplation oder tiefer Meditation. In der Kontemplation verweilt das Bewusstwerden im Betrachten oder in Anschauung. Zugunsten der Konzentration verringert sich die Aufmerksamkeit so stark, dass nur noch besonders auffällige äußere Ereignisse wahrgenommen werden. Die Konzentration bezieht sich vor allem auf vergegenwärtigte, stark gefühlte Innenbilder. Kontemplation ist vor allem ein "Fühlen" des Verstandes, der während dieser Beschaulichkeit Begriffe gleichsam vollkommen loslässt. Dieses Loslassen überführt logisches Denken in reines Denken. Kontemplation führt zu besonderen inneren Wahrnehmungen, die sonst nicht erfahren werden können. Ein Beispiel für eine Kontemplation ist das tiefe Versenken von Trauernden in ein Foto von einem Verstorbenen. Das Gefühl für den Verstorbenen kann dabei so stark werden, dass sie dessen Nähe zu spüren glauben. Das Gefühl für die Anwesenheit des Verstorbenen kann so stark werden, dass dieser in der Anschauung der Trauernden anwesend wird und sich über die innere Stimme mitteilt, meistens, um zu trösten. Diese besondere Form der Begegnung eines Lebenden mit einem Toten geschieht ganz persönlich, gleichsam als Geheimnis zwischen beiden, das niemanden etwas angeht.
wfschmid - 20. Mai, 04:30
0 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Trackback URL:
https://wolfgangschmid.twoday-test.net/stories/404100589/modTrackback