Die Arglosigkeit der Pädagogen
Der Verzicht der Pädagogen auf eine wesentliche Auseinandersetzung mit dem ihnen zueigenen Denken, führte in der Folge zur Entartung des Denkens. Die Oberflächlichkeit nur auf den eigenen Vorteil bedachten pädagogischen Denkens veranlasst den Philosophen Friedrich Nietzsche zu einer scharfen Kritik:
"Man mache sich nur einmal mit der pädagogischen Literatur dieser Gegenwart vertraut; an dem ist nichts mehr zu verderben, der bei diesem Studium nicht über die allerhöchste Geistesarmut und über einen wahrhaft täppischen Zirkeltanz erschrickt. Hier muss unsere Philosophie nicht mit dem Erstaunen, sondern mit dem Erschrecken beginnen: wer es zu ihm nicht zu bringen vermag, ist gebeten, von den pädagogischen Dingen seine Hände zu lassen."
Die Begründung Nietzsches für diesen Missstand in der Pädagogik fällt ebenfalls sehr scharf aus:
"Dass es aber trotzdem nirgends zur vollen Ehrlichkeit kommt, hat seine traurige Ursache in der pädagogischen Geistesarmut unserer Zeit; es fehlt gerade hier an wirklich erfinderischen Begabungen, es fehlen hier die wahrhaft praktischen Menschen, das heißt diejenigen, welche gute und neue Einfälle haben und welche wissen, dass die rechte Genialität und die rechte Praxis sich notwendig im gleichen Individuum begegnen müssen: während den nüchternen Praktikern es gerade an Einfällen und deshalb wieder an der rechten Praxis fehlt."
Der Kern dieser Kritik ist der Mangel an schöpferisch pädagogischem Denken. Bis heute fruchtet alles schön und gut durchdachtes Bemühen um wesentliche Verbesserungen von Bildung und Erziehung nicht, weil sie nach wie zuvor auf Unverständnis stoßen. Zwar sieht jeder ein, dass etwas wesentlich verbessert werden muss, aber wenn es um Entscheidungen geht, fehlt jenen welche das Sagen haben, der Mut, entsprechende Veränderungen durchzusetzen. Dabei handelt es sich bei Bildungspolitikern häufig ausgerechnet um jene, welche unter ihrer pädagogischen Praxis besonders gelitten haben.
Es wäre nun allerdings völlig falsch, diesen Niedergang allein auf die Unfähigkeit gegenwärtiger Pädagogen oder Philosophen zurückführen zu wollen. Die Ursachen und Gründe bloßen auf schnellen Nutzen oder Vorteile bedachten, egozentrischen, kapitalistischen Denkens ergeben sich aus gravierenden Versäumnissen bereits in den Anfängen unserer Kultur. Nicht Philosophen, sondern Sophisten nehmen maßgeblich bestimmenden Einfluss auf die Missbildung des Denkens.
wfschmid - 30. April, 04:45
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