18
Mrz
2011

Ach wie flüchtig, ach wie nichtig



Ach wie flüchtig, ach wie nichtig
ist der Menschen Leben!
Wie ein Nebel bald enstehet
Und auch wieder bald vergehet,
So ist unser Leben, sehet!

So schnell ein rauschend Wasser schießt,
so eilen unsere Lebenstage.
Die Zeit vergeht, die Stunden eilen,
Wie sich die Tropfen plötzlich teilen,
wenn alles in den Abgrund schießt.

Die Freude wird zur Traurigkeit,
Die Schönheit fällt als eine Blume,
Die größte Stärke wird geschwächt,
Es ändert sich das Glücke mit der Zeit,
Bald ist es aus mit Ehr und Ruhme,
Die Wissenschaft und was ein Mensche dichtet,
wird endlich durch das Grab vernichtet.

An irdische Schätze das Herze zu hängen,
Ist eine Verführung der törichten Welt,
Wie leichtlich enstehen verzehrende Gluten,
Wie rauschen und reißen die wallenden Fluten,
Bis alles zerschmettert in Trümmern zerfällt.

Die höchste Herrlichkeit und Pracht
Umhüllt zuletzt des Todes Nacht.
Wer gleichsam als ein Gott gesessen,
Entgeht dem Staub und Asche nicht,
Und wenn die letzte Stunde schläget,
Dass man ihn zu der Erde träget,
Und seiner Hoheit Grund zerbricht,
Wird seiner ganz vergessen.

Ach wie flüchtig, ach wie nichtig
Sind der Menschen Sachen!
Alles, alles, was wir sehen,
Das muss fallen und vergehen.
Wer Gott fürcht', bleibt ewig stehen.

(Bachkantatenfassung des Kirchenliedes von Michael Franck (1609-1667)


Alles Werdende flüchtet.
Jedes Entstehen schon das Vergehen sichtet.
Die Zeit hat keine Zeit,
nichts ist zu bleiben bereit.

Der Augenblick ist reine Fantasie,
Suche ihn, Du findest ihn nie.
Im Jetzt springt die Zukunft in Vergangenheit,
von Dauer ist allein die Sprunghaftigkeit.

Weil Unverbindlichkeit ist nicht auszuhalten,
verschenkt die Fantasie den Geist der Alten.
Philosophie dichtet Sein hinter's Werden,
und so entstehen Götter auf Erden!

Wissenschaft teilt diese Leidenschaft,
und schafft Dauer mit aller Kraft.
Naturgesetze sollen es richten,
um in der Zeit genug Raum einzurichten.

Das Sein hat weltweit viele Namen,
das Werden kennt nur Amen!
So soll es sein in der Natur.
"Alles wird, wie es wird!" gilt nur!

Was gibt es viel zu interpretieren,
wenn wir eh alles sofort verlieren?
Die Wahrheit hinter dem Werden allein
erscheint als Täuschung im schönen Schein!

(wfs)

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Wolfgang F.A. Schmid

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