18
Aug
2012

Meditation 5c

 
Innenbild des Unsichtbaren

Das Innere Auge muss sich zunächst an die Innenlandschaft gewöhnen. Die natürliche Begabung der Introspektion liegt in der Regel brach. Wer ist denn schließlich damit vertraut, das eigene Denken zu betrachten und zu beobachten, um es zu begreifen?

Solche Unvertrautheit ist gewöhnlich die Folge einer die Selbstreflexion vernachlässigenden Erziehung. Folglich versuchen wir uns mit Hilfe von Innenbildern mit der inneren Welt über geeignete Vorstellungen vertraut zu machen.

So ist eine Bergwanderung eine vertraute Vorstellung. Mit dem allmählichen Gewinnen an Höhe weitet sich die alltägliche Enge der vertrauten Umgebung aus und verliert so an ihrer einschränkenden Bedeutung. Die gewohnte Enge weitet sich aus und befreit aus der engstirnigen Sicht eines zu geringen Abstandes.

Wie sich das subjektive sinnliche Wahrnehmungsfeld beim Aufstieg auf einen Berg verändert, so ändert sich auch das geistige Wahrnehmungsfeld aufgrund von Abstraktion. Abstrahieren bedeutet ja auch Abstand dadurch zu gewinnen, dass von besonderen Eigenschaften des wahrgenommen Objekts oder der wahrgenommenen Person abgesehen wird.

Im Alltag kennen wir durchaus viele Dinge, die zunächst abstrakt wahrgenommen werden wie z.B. den Floh- oder den Wochenmarkt als Menge von Verkaufsständen, die Wiese als Menge wild wachsender Blumen und Gräser, den Wald, die Stadt, den Bahnhof, die Warenhäuser oder auch Geschäfte. Uns fällt dabei auf, dass Abstraktionen die Übersichten sind, die man sich erst einmal verschaffen muss, bevor man sich Einzelheiten zuwenden kann.

Nichts Anderes treibt das Denken, wenn es abstrahiert, um sich Übersicht zu verschaffen. Es betrachtet dabei Einzelnes als Menge oder Gruppe. Es sieht also nur gemeinsame Eigenschaften. Aber diese Verallgemeinerung hat noch eine völlig andere Wirkung, die in der Regel nur selten bewusst wird.

Diese Wirkung besteht in der sogenannten Tunnelung. "Tunneln" heißt ein Vorgang, der Information jenseits der Sinne (meta ta physika), also metaphysich überträgt. Durch Tunneln empfängt das Denken Vorstellungen über das sinnlich Vernehmbare hinaus. Das wissenschaftliche Denken wechselt dann ins künstlerische Denken bzw. das Wissen in Glauben.
 

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Wolfgang F.A. Schmid

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