22
Jul
2005

Die Zeit trifft den Rhythmus

zeit-und-rhythmus

Zeit: "Ich habe dich gesucht, lieber Bruder. Deine Schwester 'Pause' hat mich auf die Idee gebracht, mich wieder einmal mit dir zu treffen! Ich habe das Gefühl, du solltest dich wieder mehr um sie kümmern!"
Rhythmus: "Ich weiß, sie fühlt sich etwas minderwertig. Dabei erkläre ich ihr immer wieder, dass ich mich als geordnete Aufeinanderfolge einzelner Momente ohne sie überhaupt nicht bewegen könnte. Als Folge von Bestandteilen einer Ausdrucksform könnte ich auch nicht künstlerisch wirken, bin ich doch ein wesentliches Element aller Kunst, besonders der Musik, der Dichtung und des Tanzes. Auch allen Naturerscheinungen ist ein bestimmter Rhythmus zu eigen."
Zeit: "Vielleicht zeigst du das der Pause zu wenig!"
Rhythmus: "Ich hatte sie sogar mit zu einem Vortrag genommen. Hat sie dir das nicht erzählt?"
Zeit: "Worum ging es in diesem Vortrag?"
Rhythmus: "Da wurde gezeigt, dass ich als musikalischer Rhythmus grundsätzlich ein Strukturelement bin, das die Vorwärtsbewegung von Musik entlang der Zeit in sinnvolle Teile gliedert. Beim Tanz gliedere ich mich durch die Bewegung des Körpers. In der Prosa bedingt der rhythmische Impuls das Gleichgewicht zwischen den Sätzen und die Verwendung und Anordnung der Wörter. Ich bin ein Grundprinzip der Dichtung, ich bestimme den Aufbau des Gedichts, sei es in der planvollen Aufeinanderfolge langer und kurzer Silben, wie in der Dichtung der griechischen und römischen Antike, oder in der Verwendung von Akzent und Metrum, wie in der modernen Dichtung. Auch durch das Versmaß trage ich zum Gelingen eines Gedichts bei. In der bildenden Kunst können nebeneinander angeordnete Objekte oder Formen eine rhythmische Komposition ergeben!"
Zeit: "In der Natur liegt allen immer wiederkehrenden Abläufen ein bestimmter Rhythmus zugrunde: dem Schlafen und Wachen, der Nahrungsaufnahme, der Fortpflanzung, kurz allen Vorgängen, die das Leben bestimmen. Diese Abläufe scheinen oft eng mit den übergeordneten rhythmischen Abläufen geophysikalischer Erscheinungen verbunden zu sein, zum Beispiel mit den Gezeiten, dem Wechsel zwischen Tag und Nacht, dem Mondkreislauf oder den Jahreszeiten!"
Rhythmus: "Deshalb arbeite ich meistens auch mit meinem Bruder Zyklus zusammen!"
Zeit: "Und der Alltag des Menschen ist auch erst dann und nur dann gelungen organisiert, wenn er dem Rhythmus der inneren Uhr folgt!"

21
Jul
2005

Die Zeit trifft die Pause

zeit-und-pause

Pause: "Ich habe keine Zeit!"
Zeit: "Warum willst du vor mir fliehen?"
Pause: "Weil ich das Gegenteil von dir bin: Zeit ohne Bedeutung!"
Zeit: "Aber liebe Pause, das stimmt doch nicht! Wenn es dich nicht gäbe, könnte auch ich nicht existieren. Durch dich können die Menschen ihren Zeiten einen Anfang und ein Ende setzen und somit Zeiten unterscheiden, indem sie diese beispielsweise in Arbeits- und Freizeit unterteilen."
Pause: "Aber wenn die Menschen sagen: 'Ich muss jetzt eine Pause machen', dann wollen sie ihre Arbeitszeit unterbrechen. Sie benutzen mich, um dich abzulehnen!"
Zeit: "Liebste Schwester, wenn die Menschen sich eine Pause gönnen, dann wollen sie sich erholen. Sie wollen Kraft schöpfen. Deine Bedeutung ist es, eine Quelle der Energie zu sein."
Pause: "Das hast du sehr schön gesagt!"
Zeit: "Beobachte doch nur einmal die Menschen, wie sie sich auf dich freuen. Selbst auf kleine Pausen freuen sie sich. Kaffee- oder Teepausen, Frühstücks- oder Mittagspausen sind ihnen willkommene Unterbrechungen von Zeit. Sie nennen es Atem- oder Verschnaufpausen, Erholungs- oder Ruhepausen und drücken damit aus, wie sehr sie dich brauchen. In der Pause schöpft die Zeit Kraft. Und das ganze Jahr freuen sie sich auf die schönste Pause: auf die Ferien, auf den Urlaub von vorbestimmter Zeit."
Pause: "Dann bin ich ja auch irgendwie Zeit!"
Zeit: "Nicht irgendwie... nein, du bist sogar die bedeutendste aller Zeiten. Du bist die 'freie Zeit', die den Menschen Freiheit schenkt, solange sie dich nicht wieder als Freizeit bestimmen und als Ereignisfolge verplanen!"
Pause: "Du machst mir richtig Mut, wieder auf die Menschen zuzugehen!"
Zeit: "Nichts in der Natur könnte sich ohne dich entwickeln. Alles Lebendige braucht Wachstumspausen, um überhaupt wachsen zu können. Du ermöglichst den Menschen den Rhythmus. Ohne dich könnten sich keine Töne zu wunderschönen Klängen zusammentun! Und du hilfst mir, im Fluss zu bleiben! Zeit ist ja nichts anderes als der Rhythmus der Bewegung!"

20
Jul
2005

Die Zeit besucht ihre Geschwister

zeit-und-schwingung

- Dritter Tag -
Zeit: "Störe ich?"
Schwingung: "Ich kann später joggen!"
Zeit: "Ich habe vorgestern deinen Zwillingsbruder Zyklus getroffen. Er lässt dich herzlich grüßen!"
Schwingung: "Danke! Oh, es ist gerade zwölf Uhr. Mein Lieblingsaugenblick, wie du weißt."
Zeit: "Na klar, da schwingt ein Tag in seiner Mitte genau wie die Nacht um Mitternacht."
Schwingung: "Als zeitlich sich wiederholende Änderung einer Bewegung um ihre Mitte verstehe ich mich auf das Gleichgewicht oder auf die Harmonie. Deshalb liebe ich Saiten, Pendel, Luft oder Flüssigkeiten, weil ich sie ja alle schwingen lassen kann."
Zeit: "Nervt dich das nicht, wenn du dich bei der Pendelschwingung ständig hin- und herbewegst?"
Schwingung: "Nein, ganz und gar nicht. Ich durchlaufe doch ständig die Gleichgewichtslage."
Zeit: "Das wirkt ja fast erotisch auf mich, wie du das sagst."
Schwingung: "Sehr gern spiele ich natürlich auch Zyklus. Ich weiß, dass du das nicht gern hörst, aber ich trainiere sogar, um meine Frequenz zu erhöhen, also die Anzahl der Zyklen pro Sekunde."
Zeit: "Jeder Mensch hat seine Eigenfrequenz, um dein Wort zu gebrauchen. Aber beim Menschen sind es die Eigenschwingungen zwischen linker und rechter Hemisphäre, die darüber entscheiden, wie schnell oder langsam seine persönliche Zeit fließt. Je höher die Frequenz wird, desto mehr dehnt sich für ihn die Zeit. Er kann dann in einer Stunde schaffen, wozu geringere Eigenschwingungen Stunden benötigen."
Schwingung: "Kann man das nicht auch beim Menschen wahrnehmen?"
Zeit: "Was?"
Schwingung: "Die Höhe der Eigenfrequenz!"
Zeit: "Ja natürlich. Die Menschen nennen es 'Ausstrahlung'."

19
Jul
2005

Die Zeit besucht ihre Geschwister

zeit-und-alternative

- Zweiter Tag -
Die Zeit ist noch in Gedanken bei ihrem Bruder, als sie ihre Schwester 'Alternative' trifft.

Zeit: "Sei gegrüßt, liebe Alternative. Ich sehe, du bist sehr beschäftigt."
Alternative: "Das stimmt, ich inszeniere nämlich ein Theaterstück."
Zeit: "Worum geht es da?"
Alternative: "Um die Alternative natürlich."
Zeit: "Erzähle!"

Alternative: "Die meisten Leute wissen nicht, dass eine Alternative eine Entscheidung zwischen zwei genau gleichwertigen Möglichkeiten ist. Das ist deshalb spannend, weil man wirklich in Ausweglosigkeit geraten kann, in einen Konflikt, der sich nicht lösen lässt. Und deshalb inszeniere ich eine alte Geschichte.

In Athen nämlich soll man sich über Protagoras folgende Geschichte erzählt haben: Er hatte einen gewissen Euatylos Unterricht erteilt. Dabei hatten sie vereinbart, dass das Honorar erst zu bezahlen sei, nachdem Euatylos seinen ersten Prozess gewonnen hätte. Nun führte aber Euatylos keinen Prozess. Daraufhin verklagte ihn Protagoras auf Honorarzahlung. Die Beweisführungen waren folgende:

Protagoras sagte: 'Euatylos muss auf jeden Fall bezahlen; denn gewinnt er diesen, seinen ersten Prozess, dann muss er nach unserer Vereinbarung zahlen. Verliert er, dann muss er laut Richterspruch zahlen.'

Demgegenüber argumentierte Euatylos: 'Ich brauche auf keinen Fall zu bezahlen; denn, wenn ich diesen Prozess gewinne, dann brauche ich es laut Richterspruch nicht. Verliere ich aber, dann brauche ich es nicht, weil ich diesen meinen ersten Prozess nicht gewonnen habe.'

Die Richter sollen daraufhin die Verhandlung "des unauflösbaren Dilemmas wegen" auf unbestimmte Zeit vertagt haben."

Zeit: "In der Tat, Alternativen kosten sehr viel Zeit. Und erst recht, wenn sie sich nicht auflösen lassen."
Alternative: "Eigentlich ist ja alles alternativ. Sobald doch irgendeine Entscheidung getroffen wird, wird zugleich gegen das entschieden, was auch möglich gewesen wäre. Ereignisse, die herbeigeführt, oder Situationen, aus denen Konsequenzen gezogen worden sind, stellen sich doch erst viel später als zutreffend oder eben als unzutreffend heraus."
Zeit: "Fehler erleichtern Veränderungen, die sonst nie zustande kämen. Alles, was lebt, kann nur durch Fehler lernen und dadurch Zeit gewinnen!"

18
Jul
2005

Die Zeit besucht ihre Geschwister

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- Erster Tag -
Selten genug macht die Zeit Verwandtschaftsbesuche. Das ist nicht verwunderlich, ist sie doch in einer Großfamilie aufgewachsen. Die Zeit hat elf Geschwister, die alle unterschiedliche Berufe ergriffen haben. Auch wenn die Zeit nicht gern darüber redet, eine ihrer Schwestern kennen wir bereits: es ist die Uhrzeit. Die Zeit hofft, diese Schwester nicht zu Hause anzutreffen.

Zeit: "Hallo Zyklus!"
Zyklus: "Hallo Alte!", so nennt der Zyklus die älteste Schwester.
Zeit: "Was treibst du da gerade?"
Zyklus: "Ich schaue mir Kreisläufe an. Schau' dir diesen an!"
Zeit: "Das sind ja die Jahresringe eines Baumes."
Zyklus: "Weil im Frühling größere Zellen als im Winter produziert werden, und weil im Winter eine Unterbrechung des Wachstums stattfindet, erscheint das Holzwachstum eines jeden Jahres als deutlicher Ring. Du kannst die Ringe zählen, dann weißt du, wie viele Jahre dieser Baum gelebt hat. Und du kannst sogar feststellen, wie ein einzelnes Jahr verlaufen ist. Die Weite eines jeden Ringes wird nämlich vom Klima und anderen Einflüssen bestimmt."
Zeit: "Mehr noch, du kannst sogar eine Klimageschichte erzählen, wenn du Bäume unterschiedlichen Alters vergleichst."
Zyklus: "Mit Hilfe von Jahresringen kannst du sogar das Alter von Garten- oder Parklandschaften und sowie von Gebäuden, falls deren hölzerne Balken noch erhalten sind, bestimmen. Sieh: Die älteren Jahresringe sind sehr dunkel. Die jüngeren Ringe sind dagegen heller gefärbt."

Zeit: "Und warum beschäftigst du dich mit Kreisläufen?"
Zyklus: "Neben der Uhrzeit der Menschen gibt es eben auch Zeitangaben, welche die Natur selbst macht. Und die können sogar auch gemessen werden."
Zeit: "Was willst du damit erreichen?"
Zyklus: "Weißt du, als Wiederholung des immer Gleichen bewege ich mich durch die Zeit: von einer Entwicklung zur anderen. Die Menschen nennen diese spiralige Struktur 'Helix'. Diese spiralförmig fließende Zeit hinterlässt ihre Spuren in den Gesichtern der Menschen. Da kannst du auch lesen, was sie erlebt haben. Du kannst sagen, ob ein alter Mensch noch jung geblieben ist oder ein junger Mensch schon alt ist."

17
Jul
2005

Die Zeit trifft einen Journalisten

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Zeit: "Viele Menschen klagen heutzutage über die immer schneller wachsende Informationsflut. Ihnen fehlt es an Zeit, um sich auf die vielen Informationen einzulassen. Diese Menschen haben den Eindruck, dass ihnen immer mehr Ereignisse entgehen. Dein Beruf ist es, wichtige Geschehnisse von unwichtigen zu unterscheiden. Du hast eine große Verantwortung, weil du den Menschen das vorgibst, womit sie dann ihre Wirklichkeit gestalten."
Journalist: "Zeitungen sind Zeitspeicher. Der Leser kann selbst entscheiden, wann er sich auf welches Ereignis einlassen und damit auseinandersetzen will. Natürlich hält jeder das für wirklich, was er durch die Medien erfährt."

Zeit: "Du übersetzt Nachrichten in Informationen. Durch diese Übersetzung greifst du in das Zeitbudget der Lesenden ein. Je sorgfältiger du die Nachrichten aussuchst und je klarer du diese in Informationen übersetzt, desto weniger Zeit wird durch die Zeitungslektüre verbraucht."
Journalist: "Aus diesem Grund legen wir den allergrößten Wert auf 'sprechende' Texte. Texte, die im Kopf des Lesers keine Bilder entstehen lassen, sind für uns verlorene Texte."

Zeit: "Du kannst mir sicher erklären, was den Unterschied zwischen einer Nachricht und einer Information ausmacht."
Journalist: "Eine Nachricht ist ein Bericht über ein Ereignis. Eine Information ist das, was dieser Bericht an Vorstellungen auslöst. Meine Übersetzungsarbeit besteht folglich darin, die Daten über ein Ereignis anschaulich werden zu lassen. Je schneller sich der Leser das genau vorstellen kann, worüber ich schreibe, desto zeitökonomischer ist mein Artikel angelegt."
Zeit: "Aber du veranschaulichst ja nicht nur eingegangene Berichte über wichtige Ereignisse, sondern du gehst ja auch gewissen Ereignissen nach. Du überlegst, was darüber berichtenswert erscheint, und setzt dieses dann anschaulich um. Allerdings erzeugst du auch selbst Informationen, indem du deine eigenen Gedanken veröffentlichst. Das nennt ihr dann beispielsweise 'Kommentare'."
Journalist: "'Information' ist ein Naturprodukt. Der menschliche Geist erzeugt diesen Rohstoff, indem er nach den Regeln der Natur und mit Hilfe seiner Sprache aus Gedanken neue Ideen schafft. Es ist für uns Journalisten sehr wichtig, gute Ideen zu transportieren und schlechte sorgfältig zu kritisieren."

Zeit: "Im Gegensatz zur Industriegesellschaft, die auf bereits vorhandene Rohstoffe zurückgreift, muss die Informationsgesellschaft ihren Rohstoff aus ihren geistigen Ressourcen gewinnen. Und im Gegensatz zur Industriegesellschaft entzieht sich das Rohmaterial für die Produkte der Informationsgesellschaft einer unmittelbaren sinnlichen Wahrnehmung. Das Gedankengut lässt sich nicht so leicht ausmachen und kontrollieren wie der Wasserhaushalt oder das Vorkommen von Brennstoffen."
Zeit: "Das habe ich bereits angedeutet: Im einfachsten Fall ist Information eine Mitteilung, die das Verhalten der Menschen und damit ihr Verhältnis zur Welt positiv oder negativ beeinflussen kann. Jeder gesellschaftliche Fortschritt ist vor allem von zukunftsgerichteten Handlungsentwürfen abhängig."
Journalist: "Aufgabe der Medien ist es, für die schnelle Übertragung von Informationen zu sorgen. Jede Informationsgesellschaft ist neben ihren geistigen Ressourcen nur so gut wie die Medien, die darüber Bericht erstatten."
Zeit: "Und ihr spart allen um so mehr Zeit, je schneller ihr zukunftsgerichtete Informationen erzeugt"

16
Jul
2005

Die Zeit ermahnt die Erfahrung

zeit-und-erfahrung

Zeit: "Du siehst ja mitgenommen aus!"
Erfahrung: "Die Menschen nehmen keine Rücksicht auf mich!"
Zeit: "Gibt es einen aktuellen Anlass?"
Erfahrung: "Ich war nicht in der Lage, den Unternehmer zu bremsen. 'Oh weh! Oh weh! Ich werde zu spät kommen!' sagte er, bevor er an seinem Herzinfarkt verstarb."
Zeit: "Das hat nichts mit dir zu tun. Die Leute hetzen, um anzukommen."
Erfahrung: "Aber sie müssten doch wenigstens wissen, wohin sie eigentlich wollen."
Zeit: "Du bist wirklich nicht gut drauf... ...So redet keine Erfahrung."
Erfahrung: "Warum denn nicht?"
Zeit: "Erfahrungen kümmern sich nicht um Wirkungen oder den Zweck, sondern um Ursachen und Gründe von Fehlern, damit aus ihnen gelernt werden kann."
Erfahrung: "Wie meinst du das?"
Zeit: "Ein typischer Erfahrungssatz ist zum Beispiel: 'Lieber um acht zu Hause, als zehn vor acht im Krankenhaus!'"
Erfahrung: "Aber die Autofahrer halten sich nicht daran. Was nütze ich da als Erfahrung? Sie hasten durch den Verkehr, nutzen geringe Zeitvorteile durch waghalsige Manöver!"
Zeit: "Wer hetzt, hat keine Zeit, er jagt sie!"
Erfahrung: "Aber das müsste ihnen doch zu denken geben. Nicht wenige Menschen werden doch auch deshalb krank, weil sie wenigstens auf diese Weise der Hetze für kurze Zeit entgehen können."
Zeit: "Die Menschen müssten ihre überzogen Absichten aufgeben, um wieder Weitblick zu bekommen. Sie müssten loslassen können, um endlich wieder in der Lage zu sein, sich selbst zu kontrollieren."
Erfahrung: "Wer hungrig ist, sollte essen, wer durstig ist, sollte trinken, wer müde ist, sollte schlafen, und wer keine Zeit mehr hat, sollte Urlaub machen!"
Zeit: "Geniale Menschen können fliegen, weil sie sich selbst leicht nehmen."
Erfahrung: "Wie soll ich das verstehen?"
Zeit: "Du lehrst, was du selbst erst lernen musst!"
Erfahrung: "Wie meinst du das?"
Zeit: "Wo zuviel ist, da fehlt etwas! Du nimmst dich zu wichtig. Also sage mir, warum du dich für minderwertig hältst!"
Erfahrung: "Ich habe zuwenig Übung bzw. Routine, um etwas ändern zu können!"
Zeit: "Du darfst dich nicht einmischen. Jeder Augenblick ist ein Neubeginn. Nur der ständige Wechsel ist von Dauer. Das einzige, was du wirklich zu tun vermagst, ist: für ständige Veränderung zu sorgen, damit die Lebewesen wachsen können."

15
Jul
2005

Die Zeit trifft Oma Merle

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Zeit: "Hallo Merle!"
Merle: "Hallo Chroni!"
Zeit: "Wie kommt es, dass ihr Tiere euch so gut auf mich versteht?"
Merle: "Das fragst du ausgerechnet eine alte Amsel?"
Zeit: "Ich war gerade in der Nähe."
Merle: "Rede doch nicht. Du bist doch überall, wo deine Freunde sind!"
Zeit: "Du hast ja recht!"
Merle: "Wir haben keine Uhr!"
Zeit: "Was?"
Merle: "Hast du deine Frage vergessen?"
Zeit: "Du hast eine innere Uhr!"
Merle: "Mag sein, aber die nützt mir in der Stadt nichts. Ich achte auf die Zeit, indem ich sie höre und sehe!"
Zeit: "Magst du erzählen?"
Merle: "Also, ich brauche Zeiten zum Spielen, zum Fressen, zum Träumen und zum Singen."
Zeit: "Und wie teilst du dir das ein?"
Merle: "Morgens, sobald es dämmert, beginne ich mit meinem Morgengesang. Wenn die ersten Spatzen vorsichtig zu piepsen anfangen, fliege ich zu meinem Lieblingsfrühstücksplatz im Stadtpark. Nach dem Frühstück singe ich noch ein bisschen oder unterhalte mich mit meinen Freunden und Freundinnen. Dann mache ich einen längeren Ausflug, meistens in die Stadt. Da fällt oft etwas für mich ab von Menschen, die unvorsichtig mit ihren mitgenommenen Frühstücksbrötchen umgehen. Dann setze ich mich auf eine alte Kastanie und beobachte die armen Menschen, die zur Arbeit hetzen. Du kannst an ihrem Gang sehen, wie sie mit der Zeit umgehen."
Zeit: "Kannst du das beschreiben?"
Merle: "Ich versuche es. Da gibt es Männer, die alle ähnlich aussehen und fast gleiche Koffer haben. Sie gehen schnell und fast kerzengerade. Ihre Schritte sind sehr gleichmäßig und fast geräuschlos. Sie bewegen sich fast wie Sekundenzeiger. Alles wirkt bemessen. Wahrscheinlich ist die Uhrzeit deren Chefin. Andere gehen nicht so geradeaus. Sie schlendern ein wenig und werfen auch schon einmal einen Blick in ein Schaufenster. Vermutlich haben sie keine Zeitprobleme. Es scheint fast so, als ob sie vor sich hin träumen. Und dann gibt es noch die jungen Frauen im mittleren Management. Sie gehen schnurstracks geradeaus und pochen mit dem stechenden Geräusch ihrer Stöckelschuhe auf ihre Wichtigkeit. Sie scheinen der Zeit nachzulaufen, um nach oben zu kommen."

14
Jul
2005

Die Zeit besucht eine Modenschau

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Die Zeit weilt gerade bei der Fantasie. Diese hat sie zu einer Modenschau eingeladen. Die Fantasie selbst wirkt dort als Model mit. Sie erscheint zuerst in einem merkwürdigen Gewand.
Fantasie: "Das ist das Modell 'heitere Gelassenheit', eine Schöpfung des Humors, eigens für diese Modenschau geschaffen!"
Der Zeit gefällt dieses Gewand. Sie ist neugierig, was die Fantasie wohl noch alles anzubieten hat. Jetzt verwandelt diese ihr Aussehen.
Fantasie: "Das habe ich mir von der Freude ausgeliehen. Sie nennt dieses Modell 'Heiterkeit des Augenblicks'!"
Und schon hat die Fantasie wieder ein anderes Kleid an. Sie bezeichnet es als Wendekleid und nennt es 'Links-Rechts'. Schließlich führt sie der Zeit dann doch noch das Kleid 'Modell Wissenschaft' vor, das dieser aber gar nicht gefällt. Hernach erscheint sie in einem eleganten Kostüm: die Bluse fein strukturiert und der Rock systemisch genäht; er erinnert leicht an einen Flickenteppich. Jetzt kündigt die Fantasie Modelle aus der Serie 'Sichten' an.
Fantasie: "Wie gefällt dir dieses Modell?"
Zeit: "Wie heißt es?"
Fantasie: "Einsicht!"
Zeit: "Dachte ich mir schon. Es steht dir nicht. Es ist viel zu eng!"
Fantasie: "Und dieses Modell?"
Zeit: "Das finde ich sehr gut, es sitzt sehr bequem und lässt dir sehr viel Bewegungsspielraum! Wie heißt dieses Modell?"
Fantasie: "Der Modeschöpfer Ratio nennt es 'Umsicht'."
Zeit: "Und dort drüben... ...was ist das für ein Modell?"
Fantasie: "Es steht mir nicht. Es spannt überall."
Zeit: "Aber mir gefällt es. Ich könnte es doch einmal anprobieren!"
Die Zeit zieht sich jenes Modellkleid an, welches Ratio 'Vorsicht' nennt.
Fantasie: "Oh, es steht dir wirklich ausgezeichnet. Es passt gut zu dir, weil es deine Eigenschaften sehr günstig hervorhebt. Es wirkt sehr elegant und gleicht sich hervorragend deinen Bewegungen an."
Zeit: "Ich kann im Spiegel sehen, wie es meine Bewegungen durch seinen Faltenwurf schon andeutet, bevor ich sie ausführe."
Fantasie: "'Kleider machen Leute' heißt es, aber ich denke: 'Kleider sparen Zeit', weil sie dem anderen helfen, schnell zu sehen, woran er ist."

13
Jul
2005

Die Zeit besucht die Wahrheit

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Wahrheit: "Siehst du den dort?"
Zeit: "Ja, das ist Thales!"
Wahrheit: "Und weißt du, was er treibt?"
Zeit: "Ja, er sucht seinen Satz!"
Wahrheit: "Und weißt du auch, was er mit diesem Satz vorhat?"
Zeit: "Nein."
Wahrheit: "Nun, er möchte den Lauf der Sonne zerschneiden!"

Zum ersten Mal hört die Zeit die Wahrheit lachen, ein Lachen, wie sie es zuvor noch niemals gehört hat.

Zeit: "Was möchte er?"
"Den Lauf der Sonne zerschneiden!" lacht die Wahrheit erneut, und es erscheint der Zeit fast so, als hätte sie ihrer Freundin, der Sonne, zugezwinkert.
Zeit: "Und womit will er den Lauf der Sonne zerschneiden?"
Wahrheit: "Mit einem einzigen Satz!"
Zeit: "Mit einem Satz?"
Wahrheit: "Ja, wenn der Mensch einen Satz formt, dann bezwingt er die Offenheit des Ungesagten und glaubt, auf diese Weise zur Freiheit seines Gesetzes zu gelangen. Aber seine Gesetze sind Stückwerk. Er schneidet sich damit Stücke aus der Wirklichkeit und setzt sich aus ihnen eine neue, für ihn passendere zusammen. So gibt es seit Thales einen Sonnenstand, obgleich sich die Sonne für uns ständig bewegt. Es gibt einen Sonnenaufgang und einen Sonnenuntergang, obwohl immer beides zusammen und niemals nur das eine oder das andere ist. Ein Satz ist nichts anderes als ein Schaufenster, in dem jemand seine eigenen Ansichten von Welt ausstellt. ..."

Nach einer Weile fährt die Wahrheit fort: "Thales sucht einen Lehrsatz. Er möchte sich ein Gebäude errichten, in dem nur er wohnen darf. Alle sollen dieses Lehrgebäude bewundern und darüber staunen, welche Bausteine dieser Architekt verwandt hat. Aber das Gebäude, das er errichtet, ist in Wirklichkeit der Steinbruch, den er hinterlässt."
Zeit: "Und weshalb tut Thales das?"
Wahrheit: "Thales ist Wissenschaftler!"
Zeit: "Was ist das?"
Wahrheit: "Wissenschaftler, das sind Wesen, die von der Wissenschaft befallen sind. Wissenschaft, das ist eine Augenkrankheit, die anfangs zu sehr starker Kurzsichtigkeit und schließlich zur Erblindung führt. Diese Augenkrankheit ist eine Folge von Eitelkeit!"
Zeit: "Werden viele Menschen von dieser Krankheit heimgesucht?"
Wahrheit: "Fast alle, auf irgendeine Weise. Aber vor allem die schöpferischen. Wer schafft, will sich Ansehen verschaffen. 'Eitelkeit', so heißt der Virus der verstellten Wahrnehmungen!"
Zeit: "Wissenschaftler bewegen sich zu einseitig und verbrauchen deshalb zuviel Zeit!"

12
Jul
2005

Die Zeit begegnet dem Zufall

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Zeit: "Hallo Zufall!"
Zufall: "Dass du mich erkannt hast!"
Zeit: "'Niemand kann zweimal in denselben Fluss steigen!' Auch du nicht. Ich erkenne dich ganz leicht, weil du dich ständig veränderst. Du bist das Lebendigste, was ich kenne. Leben bedeutet ja Erleben, im Fluss sein, von der Welle des Augenblicks getragen werden, sich zur rechten Zeit am rechten Ort befinden und das Richtige tun."
Zufall: "Das verlangt Offenheit für das, was uns in einer Situation 'zufällt'. Ich, der Zufall, bin ein Zusammentreffen von Ereignissen, die sich nicht - wenigstens zunächst nicht - mit Ursache und Wirkung erklären lassen."

Zeit: "Aber als unglücklicher Zufall hat jeder Unfall seine eigene Geschichte über jemanden, der sich zu wenig Zeit genommen hat. Unfälle sind Folgen von Zeitfehlern. Dagegen werden bei einem glücklichen Zufall sehr unwahrscheinliche Übereinstimmungen hergestellt. Zur rechten Zeit ereignet sich am rechten Ort das Richtige, so bei einem Lottogewinn."
Zufall: "Ich bin allerdings sehr oft unglücklich, weil mich verantwortungslose Leute an ihren Unfällen beteiligen!"
Zeit: "Der Feind aller Unfälle, an denen ich beteiligt sein könnte, ist der gelungene Umgang mit der Zeit, in diesem Fall Gelassenheit. Der Spruch 'Zeit ist Geld!' verführt im Verkehrswesen geradewegs zu unfallträchtigen Entscheidungen. Wer hier Zeit und Geld spart, ist auf dem besten Weg, sich und andere unglücklich zu machen."

Zufall: "Am liebsten wohne ich in Gehirnen. Eine der Eigenschaften des Gehirns ist die Spielfreude. Auf diese Weise fallen einander Gedanken zu, die ich dann Idee nenne. Schöpferische Menschen haben solche Zufälle als Weggefährten."
Zeit: "Zufälle sind meine Freunde. Einfälle entstehen nicht von ungefähr. Einfallsreichtum ist eine Frage der Spielzeit. Spielzeit, das ist eine Zeitart, die entsteht, sobald unser Gehirn Gedankenspiele regelt und Treffer qua Einfälle ins Bewusstsein schickt. Spielzeit bedeutet weder Dehnung noch Komprimierung, sondern 'Aussetzen' von Zeit. Jede Idee wird in einem Augenblick geboren, der nicht 'stattfindet'. Es ist die Zeit 'zwischen' Augenblicken, durch die der Rhythmus definiert wird, vergleichbar mit dem Herzen oder dem Atem, die kurze Pausen einlegen. In dieser Zwischenzeit oder auch Totzeit wird alles Schöpferische geboren."

11
Jul
2005

Die Zeit begegnet zwei Extremistinnen

zeit-und-extremisten

Zeit: "Gewöhnlich treffe ich mich nicht mit radikalen Leuten. Diese haben nämlich alles aufgegeben, was das Leben liebenswert macht. Sie haben sich in einer entwurzelten Existenz verloren, gefangen von einer einzigen unwahren Idee. Radikale Ideen sind nie wahr, weil sie die entgegengesetzte Möglichkeit nicht mehr zu lassen."
Linksradikale: "Und warum empfängst du gerade uns?"
Zeit: "Weil ihr beiden miteinander befreundet seid, obgleich ihr Gegensätzliches schafft!"
Rechtsradikale: "Na ja, befreundet... ...das ist so eine Sache. Wir sitzen halt lebenslang im selben Bau!"
Zeit: "Aber ihr könnt euch doch treffen, wann immer ihr wollt!"
Linksradikale: "Die Lust sich zu treffen ergibt sich aus dem Wunsch, die Enge alltäglicher Zellen loszulassen, Abstand zu gewinnen, sich zu vergnügen, etwas zu erleben."
Rechtsradikale: "Das schaffen wir allein mit Fantasie. Unsere freie Zeit ist ein Aufgehen im Augenblick. Das gelingt uns selten. Gewöhnlich befinden wir uns nämlich entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft, also in Zellen, in denen wir bereits gehaust haben, oder in Zellen, die erst gebaut werden."
Zeit: "Was nennt ihr eigentlich Zellen?"
Linksradikale: "Zellen, das sind Machwerke wie Modelle, Begriffe oder Formeln, also alles, was einem keinen Spielraum mehr lässt."
Rechtsradikale: "Und freie Zeit, das bedeutet im Augenblick sein. Ein Augenblick dauert etwa drei Sekunden. So lange richtet das Gehirn die Aufmerksamkeit auf eine Wahrnehmung. So lange richtet das Gehirn die Konzentration auf einen Gedanken. Dann wechselt es die Perspektive bzw. den Aspekt. Um in eine Folge von Augenblicken gelangen zu können, muss man sich auf das Loslassen verstehen."
Linksradikale: "Freie Zeit ist ein Verhalten, durch das die Uhrzeit gleichsam komprimiert wird. Es passt mehr Zeit in eine Minute, Stunde oder einen ganzen Tag. Zeit dehnen bedeutet: mehr als andere in der gleichen Zeit erledigen zu können. Zeitverdichtung dagegen besagt: mehr als andere in der gleichen Zeit erfolgreicher bewerkstelligen zu können. Wer Zeit dehnt und zugleich verdichtet, braucht Augenblicke, um das leisten zu können."
Zeit: "Um in den Augenblick gelangen zu können, bedarf es einiger Voraussetzungen: sorgfältig wahrnehmen, geduldig betrachten, genau beobachten und treffsicher umsetzen können, sich freuen und sich belohnen können, verzichten und genießen können. Die Kunst des Augenblicks ergibt sich, sobald ihr beide zusammenarbeitet: ein Ereignis, ob nun Arbeits- oder Freizeit, wird als vollkommen harmonisch bzw. schön erlebt. Bioenergetisch ist dieses Erlebnis sogar mit einer Art Blitzaufladung verbunden. Trotz anstrengender Arbeit oder Unternehmung werden zusätzlich Energien freigesetzt. Es entsteht ein Gefühl von hoher Zufriedenheit oder gar Glück."
Anmerkung: Links- und Rechtsradikale nennen sich unter neurologischem Gesichtspunkt linke und rechte Hemisphäre.

10
Jul
2005

Die Zeit begegnet einem Workaholic

zeit-und-workaholic

Workaholic: "Oh, entschuldige, aber ich habe keine Zeit! Ich muss arbeiten!"
Zeit: "Wer zwingt dich dazu?"
Workaholic: "Die Arbeit. Ich habe alle Hände voll zu tun!"
Zeit: "Kannst du dir denn deine Arbeit nicht besser einteilen?"
Workaholic: "Das hat damit überhaupt nichts zu tun. Ich bin so wichtig, dass ich es mir gar nicht leisten kann, nicht zu arbeiten!"

Zeit: "Wenn du dich selbst für so wichtig hältst, dann musst du in die Arbeit fliehen. Würdest du nicht auf diese Weise flüchten, dann könnte dir ja auffallen, dass du vielleicht gar nicht so wichtig bist!"
Workaholic: "Das ist doch klar. Wenn ich aufhöre zu arbeiten, bin ich auch nicht mehr wichtig. Meine Arbeit ist wichtig, nicht ich!"
Zeit: "Dein Dasein gestaltet sich demnach nach der Devise: 'Ich arbeite, also bin ich', oder 'Ich bin, was ich bin, nur durch Arbeit'."
Workaholic: "Genau, meine Arbeit, das bin ich!"
Zeit: "Da hast du aber ein ernstes Problem!"
Workaholic: "Ich wüsste nicht, welches!"

Zeit: "Je mehr du arbeitest, desto weniger schaffst du. Dir werden nämlich an einem Tag nur wenige schöpferische Stunden gewährt. Arbeitest du in dieser Zeit, dann kannst du alles, was anliegt sehr gut schaffen. Verfährst du aber umgekehrt, indem du deine Arbeit über den ganzen Arbeitstag verteilst, dann erledigst du vielleicht gerade einmal die Hälfte von dem, was du zu tun dir vorgenommen hast. Überziehst du gar noch die reguläre Arbeitszeit, indem du darüber hinaus den ganzen Tag einsetzt, dann erledigst du vielleicht noch ein Drittel. Arbeit ist nämlich kein Ergebnis aus der investierten Zeit, sondern der Erfolg zufolge vorhandener Energie!"
Workaholic: "Das stimmt nicht, liebe Zeit. Das kann ich dir beweisen. Ich schreibe nämlich den ganzen Tag, und das, was ich alles geschrieben habe, kann sich sehen lassen!"
Zeit: "Du hast recht, wenn es dir auf das Aussehen ankommt. Bei mir zählt aber nicht Quantität, sondern Qualität. Je mehr du schreibst, desto eher fliehen die Inhalte aus deinen Texten!"

9
Jul
2005

Die Zeit trifft den Misserfolg

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Zeit: "Dich wollte ich schon immer treffen!"
Misserfolg: "Ich aber dich nicht!"
Zeit: "Ich würde dir ja zu gern dein gefräßiges Maul stopfen!"
Misserfolg: "Das würde ich an deiner Stelle aber schön bleiben lassen. Siehst du dort meine Freunde?"
Zeit: "Ja, die Fehler, die Blockaden, die Hemmungen, die Übertreibungen, die Vorsätze und wer sonst noch dazugehört. Sie haben es sich dort drüben auf den Stolpersteinen bequem gemacht!"
Misserfolg: "Da wir uns nun einmal begegnet sind, möchte ich dir gern eine einzige Frage stellen."
Zeit: "Und wie lautet die?"
Misserfolg: "Warum lässt du mich eigentlich gewähren?"
Zeit: "Ich kann dein Treiben nicht verhindern. Die Leute mögen dich, auch wenn sie das nicht zugeben."
Misserfolg: "Das glaube ich dir nicht. Das musst du mir beweisen!"
Zeit: "Erst neulich hast du jemandem weisgemacht, dass er sein Leben viel besser organisieren kann, wenn er sich ein Buch über Zeit- und Selbstmanagement kauft. Also lief er in die Buchhandlung und erwarb jenes Buch, welches ihm am meisten zusagte. Ganz euphorisch ging er nach Hause, um sogleich in diesem Buch zu blättern. Er hegte ja die Hoffnung, dass jetzt alles anders wird. Aber schon wenige Seiten desillusionierten ihn völlig. Er sieht nämlich sehr schnell ein, dass Veränderung nicht so leicht zu haben ist. Zugleich muss er erkennen, wie viele Fehler er in der Vergangenheit gemacht hat. Das ist ja keineswegs motivierend. Und dann wird auch noch alle das hinterfragt, was er eigentlich erfolgreich verdrängt hatte. Schließlich legte er das Buch erst weg, korrigierte sich dann, indem er es gleich ins Regal zu den anderen Büchern ähnlichen Inhalts stellte. Und was bitte soll ich gegen eine solche Verhaltensweise unternehmen, wenn doch gerade wieder einmal die Erfahrung gemacht wurde, dass solche Bücher eben nicht weiterhelfen?"
Misserfolg: "Du könntest diesen Leuten Ausdauer schenken, damit sie länger verweilen. Auf diese Weise könntest du den Frust, welcher der Lust folgt, verhindern."
Zeit: "Das ist keine Frage der Ausdauer, sondern eine Frage des Willens. Wer sich nicht gegen sich selbst durchsetzen will, braucht nicht lange, um eine Entscheidung gegen eine Verhaltensänderung zu fällen."
Misserfolg: "Du kommst also nicht gegen mich an?"
Zeit: "Solange solche Leute nicht einsehen, dass sie Neuanfänge nicht verschieben dürfen, kann ich nichts ausrichten. Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang. Aber man muss eben auch die Gelegenheit nutzen, wenn sie da ist. Chancen zeigen sich selten zweimal."
Misserfolg: "Du musst zugeben, dass meine Methode gut ist. So lasse ich Vorsätze fassen, die nicht einzuhalten sind, Ausreden erfinden, Verschiebungen vornehmen, oder ich sorge dafür, dass sich jemand überfordert."

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Wolfgang F.A. Schmid

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Es gelten die Rechtsvorschriften für Webseiten der Universität Flensburg © Texte: Wolfgang F. Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) wfschmid(at)me.com Bilder: Ulrike Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) mail(at)ulrike-schmid.de

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