30
Okt
2013

Aufbegehren

Einige Zeit nach seiner Begegnung mit dem Tod kamen dem Leben Zweifel an dessen Offenbarung. Es konnte und wollte nicht annehmen, dass die Aussagen des Glaubens alle nicht mehr als Hirngespinste sein sollen.

Das Selbst klagt beim Ich über Frustration angesichts seiner religiösen Erziehung. Sollten die Geschichten, die ihm von klein auf erzählt wurden, nicht mehr als Fantasien irgenwelcher geltungssüchtiger Psychopathen sein. Die Bibel lediglich eine Sammlung von Dokumenten über Persönlichkeitsstörungen?

Die beiden, nur im Selbstgespräch zwei Wesen in einem, versuchen sich im Dialog mit der inneren Stimme. Also fantasiert sich das Ich ein Gegenüber und überlässt dem Selbst die Rolle der antwortenden Wahrheit, um das Denken bildlich zu gestalten. Das Ich empfindet die Wahrheit tatsächlich als Person, die sie fragen kann. Bevor es sich auf dieses Selbst-Spiel einlässt, überlegt es sich, wie sich solche Einbildungen gestalten.

Das fragende Ich sucht intuitiv nach Möglichkeiten spielerischer Gestaltung. Als intuitives Bild stellt sich die Wahrheit personifiziert vor. Das Ich will natürlich sogleich erfahren, woher die Wahrheit das empfängt, was sie ihm mitteilt. "Das entsteht intuitiv spontan aus neuronalen Spielen. Von den Ergebnissen wähle ich mir das am geeignesten erscheinende aus!"

Ich: "Diktiert Dir das Gehirn, was Du sagen sollst?"

Wahrheit: "So ist es!"

Die Wahrheit aber offenbart nicht, woher das Gehirn dieses Wissen bezieht. Ihm fällt spontan auf, dass dies im Grunde mit jedem künstlerischen oder philosophischen Text geschieht, den es eigenständig verfasst. Da das Ich jedoch über die Gaben der Introspektion und Fantasie verfügt, setzt es darauf, eine Antwort auf seine Frage selbst finden zu können.

Zunächst aber kümmert sich das Ich um die bekannteste und zugleich frühest überlieferte Illusion des Moses aus dem achten Jahrhundert vor Christi Geburt.

Es ist die Vision vom brennenden Dornbusch. Es wird in der Bibel erzählt, dass Moses viele Jahre die Herden seines Schwiegervaters Jitro hütete.

Eines Tages weideten die Schafe und Ziegen auf den saftigen Weiden an den Hängen des Berges Sinai. Moses blickte in die Ferne, und er traute seinen Augen nicht.

Er erblickte einen brennenden Busch, der nicht verbrannte. Neugierig näherte sich Moses.

Da hörte er plötzlich eine Stimme. Sie kam aus dem brennenden Busch und sagte: "Zieh deine Schuhe aus, Mose! Du stehst auf heiligem Boden."
Moses spürte intuitiv, dass es Gott war, der zu ihm sprach.
Er gehorchte, und Gott sagte: "Ich bin, der ich bin.

Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Ich habe die Klagen und Bitten meines Volkes gehört, das in Ägypten in der Sklaverei lebt. Und ich werde es retten. Du Mose, sollst es aus Ägypten in ein Land führen, das ich den Nachkommen Abrahams versprochen habe. In diesem Land werden Milch und Honig fließen. Und dich Moses, sende ich nun zum Pharao."

Ich nimmt an, dass Moses auf dem Berg Sinai unter dem Einfluss halluzinogener Substanzen stand. Das im zweiten Buch Mose erwähnte Stimmenhören könnte auf Einnahme von Substanzen zurückzuführen sein, die von psychoaktiven Pflanzen stammen. Moses Schwager Jethro war nämlich ein Zauberer, der die Wüste kannte und wusste, was dort wuchs.

Die Ayahuasca-Pflanze beeinflusst die menschliche Kreativität. Indianische Riten mit Ayahuasca erinnern an die Darstellung bei Mose. Akazie und die Harmal-Pflanze, die bis heute von Beduinen als Räucherpflanze genutzt wird, haben ähnliche Wirkungen. Sie sind auch im persischen Zarathustra-Kult und im Hinduismus bekannt.

Der Prophet hat also höchst wahrscheinlich unter psychedelischen Drogen gestanden, als er auf dem Berg Sinai angeblich Gott hörte und von ihm die Zehn Gebote empfing. Auch als Moses den brennenden - aber nicht verbrennenden - Dornbusch sah, hatte er Drogen genommen: Der brennende Dornbusch ist ein mögliches Beispiel für drogeninduzierte verzögerte Zeitwahrnehmung.
Bewusstseinsverändernde Halluzinogene haben eine wichtige Rolle bei den religiösen Riten der Israeliten im biblischen Zeitalter gespielt.

Diese Fallbeispiel veranlasst das Ich, religiöse Bilder als Bilder psychischer Störungen zu betrachten. Die Wahrheit entscheidet sich deshalb, das Ich zu einer besonderen Ausstellung einzuladen.

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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