Pädagogisches Denken Platons (A)
Platon folgt seinem Lehrer in der Aufgabe, denkend das Sein zu ergründen und nach dem inneren Licht zu streben. Wie die Sonne dem Verstand durch die Sinne dazu verhilft, sinnlich Vernehmbares erkennen zu können, so verhilft das innere Licht der Vernunft durch die Seele dazu, die Ideen als die Urbilder alles Seienden zu verstehen. Während das empirische Denken nicht über das Beschäftigen mit Abbildern der Ideen hinauszugelangen vermag, erreicht das philosophische Denken die Anschauung der Ideen bis hin zur höchsten Idee des Guten. Wie die Sonne für Platon als Ebenbild oder Wesen des eigentlich Guten steht, so steht das innere Licht für ihn für Wahrheit und das Offenbaren des Wesens des Seins. Diese seine Überzeugung veranschaulicht Platon im Sonnengleichnis, während das Liniengleichnis den Weg des Denkens zu dieser Anschauung darstellt. Platon teilt diesen Denkweg in Abschnitte auf. Im ersten Abschnitt verläuft dieser Weg durch die sichtbare Welt der sinnlichen Wahrnehmung. Das empirische Denken begegnet dort natürlichem Seienden als Schattenbilder des Seins. Der Mensch hält diese für reale Objekte. Platon nennt das empirische Denken Meinen (doxa). Das Meinen ist ein Denken, das über das Vermuten nicht hinausgelangt. Es bedarf eines Erziehers, der die Vernunft im Menschen aus der rein empirisch logischen Gefangenschaft des Verstandes befreit und die Intuition der Seele weckt. Aufgrund dieser Erweiterung des Denkens durch Kunst und Philosophie schaut das vernunftbegabte Lebewesen das Erkennen selbst und versteht nun das Denken (noesis) als Tätigkeiten des Verstandes (dianoia) und der Vernunft (episteme) zu unterscheiden und zu verstehen, dass sich die wahre Welt erst durch Überschreiten der Enge des Verstandes offenbart. Nach dieser Grenzüberschreitung schaut der Mensch das innere Licht der Wahrheit.
ff
ff
wfschmid - 25. Mai, 04:30
0 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks