30
Dez
2012

Buch Archäos

 
Archäos ist durchaus beeindruckt von Aretes Gedanken über den zureichenden Grund für persönliche Entscheidungen. Andererseits ist er der Ansicht, dass Gedanken, die nicht lebensfähig sind, nichts taugen. Aber im Gegensatz zu ihm besteht Arete darauf, dass nicht irgendein Leben in irgendeiner Zukunft gemeint sein kann. Was da Archäos von Metaphysik erzählt, hält sie für eine schöne Traumwelt. Überhaupt kritisiert Arete an der Philosophie, dass sie praktisch wenig taugt und ihre Fantasien vorwiegend außer Haus in einer anderen Welt spielen lässt. Bisweilen nennt Arete die Philosophen sogar Sterngucker und spielt damit auf Thales von Milet an, der ganz in Gedanken in einen Brunnen gefallen ist. Viele Abende diskutieren Arete und Archäos über Sinn und Zweck der Philosophie. Arete fordert immer wieder, dass Philosophie so praktisch wie die ihrige werden muss. Und sie wird nicht müde, Archäos die wesentlichen Aufgaben zu erklären. Sie nennt ihre Philosophie dann gern eine Kunst der Vereinfachung. Besonders zu später Stunde, wenn sie wieder einmal zu oft in ihren Weinkrug geschaut hat, wiederholt sie immer wieder, dass sie jetzt ihre Philosophie des rechten Maßes anwende und keinen Schluck mehr trinken werde. Archäos weiß dann, dass es höchste Zeit ist, schlafen zu gehen, will er Arete nicht wieder tragen müssen. Aber Archäos gesteht Arete auch gern zu, dass sich seine Philosophie eben kaum auf den Alltag übertragen lässt. Andererseits findet er Aretes Methode, die Dinge nach dem Prinzip des kürzesten Weges zu ordnen, auch nicht unbedingt optimal. So müssen Arete und er, wenn sie zu einem Fest eingeladen sind, ihre Gewänder immer wieder erneut unter zwischenzeitlich abgelegten Kleidungsstücken suchen. Arete erklärt das damit, dass unwichtige Dinge natürlicherweise in den Hintergrund drängen, um wichtigeren Dingen Vorrang zu lassen. Deshalb ist die Kleidung, die sie täglich benötigt, sofort greifbar. Aber Arete gibt auch zu, dass die Kunst der Vereinfachung ihre natürlichen Grenzen an Ordnungen finde. Das scheint sie nicht zu stören, wenn sie diese Grenzen wieder einmal überschreitet und dabei von der Freiheit der Unordnung schwärmt. Wen wundert es dann noch, dass Archäos den bevorstehenden Besuch seines Lehrers Protagoras mit gemischten Gefühlen erwartet.
 

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Wolfgang F.A. Schmid

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