28
Jul
2012

Fehleinschätzungen

 
In der gesamten Geschichte der Pädagogik existiert kein Denken, das zu einer radikalen Neubesinnung oder wenigstens zu einer Selbstkritik geführt hätte.
Das Geschäft der Pädagogik wurde seit Protagoras (490 - 411 v.Chr.) von den Pädagogen selbst niemals wesentlich in Frage gestellt und Kritik von außen, insbesondere seitens der Philosophie, führte in Theorie und Praxis zu keinen ernsthaften Konsequenzen.


Das mag u.a. daran liegen, dass Pädagogen zu ihrem Fach so wenig Abstand haben, dass sie mit Kritik nicht angemessen umzugehen verstehen und sich sogleich persönlich angegriffen fühlen. Auf der persönlichen Ebene aber lässt sich keine Diskussion führen. So veröffentlicht der Schulpädagoge Werner S. Nickis 1967 das Buch "Das Bild des Menschen in der Kybernetik" (Neue Deutsche Schule Verlagsgesellschaft), welches schon in seinem Titel das Grundproblem der Pädagogik zum Ausdruck bringt, nämlich sich auf das Betrachten von Bildern vom Menschen zu beschränken.
Die Kybernetik aber betrachtet den Menschen als natürliches kybernetisches System. Franks Idee, das an einem Lehrautomaten aufzuzeigen, führte in der Folge zu bösen Missverständnissen. Die Pädagogen sahen darin den Menschen auf einen intelligenten Automaten reduziert.

Dieser nimmt Information auf, speichert, verarbeitet sie und gibt wiederum Information an den Schüler ab. Die Maschine registriert jede Leistung und Fehlleistung, jeden Fortschritt und jede Hemmung und schafft sich ein anpassungsfähiges Modell des Lernprozesses des Schülers. Dieses Modell hat die Funktion eines Reglers, der ständig alle Aktionen des Schülers überwacht (wie ein Thermostat die Temperaturschwankungen in einem Raum) und der dafür sorgt, dass ein Gleichgewichtszustand (Homöostase) zwischen den Anweisungen der Lehrmaschine und den Aktionen des Schülers zustande kommt bzw. bestehen bleibt.

Klaus Reblin geht noch einen Schritt weiter und überhöht die Kybernetik zur Weltanschauungsfrage (Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen: Klaus Reblin, Kybernetik und Menschenbild, Information Nr.32 Stuttgart V/1968)

Heutzutage schafft das jedes Lehrprogramm, und Lernprogramme haben längst Einzug in die Schulen gehalten und niemand regt sich mehr darüber auf. Inzwischen ist die Kybernetik aus der Medizin nicht mehr wegzudenken.
 

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Wolfgang F.A. Schmid

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