2
Nov
2011

Die Vernunft verliert den Verstand

 
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Verstand und Vernunft werden in ihren Gedanken von der Idee der Schönheit unterbrochen. “Ent­schuldigt, dass ich mich als Abstraktum hier einfach so einmische! Aber Ihr seid ja selbst nur ein Spiel des Geistes, für den in Wahrheit allein das Mögliche die Wirklichkeit darstellt. Für den Geist ist die Idee des Kreises wirklicher als deren Erscheinungformen. Der Geist ist im Unvergänglichen des Seins und nicht im Werden des Seienden zu Hause.”

“Stopp!” gebietet die Vernunft der Idee. Sie möchte sich durch deren Gerede nicht noch mehr verwirren lassen. Sie empfindet deren Behauptung geradezu lächerlich. “Ich, nur eine Spielerei des Geistes, absurd!”

Zum Entsetzen der Vernunft, empfindet der Verstand den Hinweis der Idee als sehr hilfreich. “Schließlich existieren wir nur dort, wo Geist ist!” bemerkt er noch, bevor er sich vor den Augen der Vernunft ins Nichts auflöst.

Als sich die Vernunft vom Schrecken dieser Überraschung erholt hat, erkundigt sie sich bei der Aufsicht des Museums danach, ob es eventuell Räume gibt, die sie nicht wahrnehmen könne.
Die Aufsicht lacht. “Ja aber selbstverständlich!” – “Und welche Räume sind das?” Die Aufsicht sagt der Vernunft, dass es sich um die Räume hinter dem Horizont handelt.

Selbstverständlich will die Vernunft sofort wissen, wie sie dorthin gelangen kann. Die Aufsicht verweist in die Ferne des Raumes: “Dort hinten existiert eine Brücke des Traumes! Über diese Brücke gelangst Du hinter den Horizont!”

Die Vernunft eilt zu dieser Überführung der Wirklichkeit in die Möglichkeit. Aber je mehr sie sich be­eilt, desto mehr entfernt sich diese Brücke.

Nach einer Weile kehrt die Vernunft zur Aufsicht zurück, um sich nach Hilfe zu erkundigen. Aber die Aufsicht kann sich an nichts erinnern, weil sie allein für das Jetzt zuständig ist.

“Kann ich helfen?”, fragt die Idee des Guten die Vernunft. “Oh ja, ich suche den Verstand”, antwortet die Vernunft. “Ja, diese Idee kenne ich sehr gut. Sie wird fast von allen begehrt!” “Und wie gelange ich dorthin?” drängt die Vernunft. Die Idee des Guten erklärt der Vernunft, dass sie alles loslassen müsse, selbst das Suchen. Erst dann, wenn sie vollkommen in sich ruhe, könne sie wieder zu Verstand kommen.
 

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Wolfgang F.A. Schmid

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