1
Sep
2011

Neuronale Textanalyse

 
(6. Die Rollen des Wortes)

Uns interessiert vor allem, was diese Aufgabenteilung gedanklich bzw. neuronal bedeutet.

Wenn einem Wort bzw. Nomen die Rolle des Subjekts zufällt, dann kann es entscheiden, welchen der im Unbewussten wartenden Gedanken es in ein Bild lässt. Zum Zweck dieser Zulassung braucht es einen Partner, ein Wort, das als Prädikat diese Zulassung ausspricht. Subjekt und Prädikat entscheiden dann gemeinsam über die als Objekt in Frage kommenden Wörter . So kann der Hund den Hof, das Haus, den Transport oder eine Ware bewachen. Subjekt und Prädikat sehen sich in ihrer Umgebung um, was gerade zu einem Hund, der bewacht, passt.

Wir dürfen einen Blick in die Werkstatt eines Wortes, das als Prädikat tätig ist, werfen:

Auf den ersten Blick wird klar, dass der organisatorische Aufwand für einen Gedanken, der zur Sprache kommen will, nicht gerade gering ist.

Ein Gedanken, der unterwegs zur Sprache ist, wurde von Bedürfnissen und Gefühlen auf den Weg geschickt. Wir wollen versuchen, die Entwicklung dieses Weges an einem intuitiven Fall zu beschreiben.

Im Unbewussten des Autors herrscht niedergeschlagene Stimmung. Bereits zum dritten Mal ist bei ihm eingebrochen und das letzte Manuskript zerstört worden. Jetzt ist ihm die Lust vergangen, noch einmal damit anzufangen. Um sich abzureagieren, verbünden sich Emotionen zur Idee, daraus eine Kriminalgechichte zu machen. Also wird nach einer Figur gesucht, die gefällt. Im ersten Bild, das aus dem Unbewussten hervorscheint, soll zunächst Bewegung inszeniert werden. Es entwickelt sich die Vorstellung von Bewegung. Das Verb “anschleichen” fühlt sich gut an. Der Täter zum Tätigkeitswort taucht schnell auf: “Dieb, Gauner oder Einbrecher”. Gefühlsmäßig fällt die Entscheidung für “Gauner”. “Der Gauner schleicht sich an.” Das genügt noch nicht. “Um Mitternacht schleicht sich der Gauner Alfonso äußerst vorsichtig an das Gebäude heran.” Keine Ahnung, waum der Name Alfonso fällt und um was für ein Gebäude es sich handelt. Dennoch: Ein Anfang mit schöpferischer Offenheit ist gemacht.

Kristallisiert sich im Unbewussten eine Aktivität heraus, die sich als Tätigkeit abbilden lässt, dann formiert sich ein Verb, indem es sich als Wortform entsprechend konjugiert, also der intuitiven Eingebung beugt bezüglich Person, Numerus, Modus, Tempus und Genus. Je nach Bedeutung des Tätigkeits-, Vorgangs- oder Zustandsverbs wird eine Initiation vorgeschlagen, mit der natürlich auch alle Möglichkeiten zu beginnen verbunden sind.

Warum dann ein bestimmter Satz in die Vergegenwärtigung gelangt und ein anderer nicht, ist das Ergebnis eines schöpferischen Spiels des Unbewussten mit sich selbst.

Wie auch immer, dieses Spiel des Unbewusstsen lässt sich auch nicht durch irgendwelche Methoden des Rückschließens zum Vorschein bringen. Es bleibt das Geheimnis einer schöpferischen Seele. Interessant ist vielmehr, was sich ereignet, sobald Gedanken der Seele, nämlich Bedürfnisse und Gefühle bzw. Befindlichkeiten der Vernunft begegnen, bewusst werden, um dann mit Hilfe des Verstandes bestimmte Aktivitäten zu organisieren und auch umzusetzen.
 

Seit 16 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Wolfgang F.A. Schmid

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