21
Mrz
2009

Jeder Wechsel ist immer auch ein kleiner Tod

werden_sein_wechsel
Alles Natürliche besteht als Einheit des Gegensätzlichen und existiert als zum Vorschein Bringen dieses Gegensatzes.
Das Leben lässt das Sterben aufscheinen.
Das Blühen enthält in sich bereits das Verwelken wie der Tag schon die Nacht. Das Werden verweist von sich her auf das Sein wie die Schöpfung auf ihren Schöpfer verweist.

Vor etwa vier Jahrzehnten habe ich ein Buch unter dem Titel "Totzeit" im Henn-Verlag veröffentlicht, das sich mit dieser Einheit von Werden und Sein befasst. Damals habe ich schon angenommen, dass es gelingen müßte, den Übergang innerhalb dieser Einheit denkend zu erfahren. Das Buch endet mit der Feststellung, dass man zuerst an der Sprache arbeiten muss, um die Aussagen in eine angemessene entsprechende Form zu bringen. Angesichts dieser Bemerkungen könnte jemand sagen "Ist der denn in vier Jahrzehnten immer noch nicht schlauer geworden!" Es sind nicht nur vier Jahrzehnte in dem Wunsch vergangen, das Wesen des Seins denkend zum Vorschein zu bringen, sondern dieser Wunsch währt bereits so lange wie die Geschichte der abendländischen Kultur. Es ist also auch gar nicht mein Wunsch, der so lange seiner Erfüllung harrt, sondern es ist der Wunsch des Philosophen Platon, der sich in mir aus irgendwelchen Gründen auch eingefunden hat und immer noch antreibt.

Heute weiß ich, dass sich jeder Mensch diesen Wunsch selbst erfüllen muss. Dieser Wunsch lässt sich nicht allgemein vermitteln, weil die Sprache dazu nicht ausreicht bzw. dann so sensibel werden muss, das kaum noch jemand dazu geneigt ist, sich darauf einzulassen. Im Gegensatz zum realen Wissen wird nämlich das wesentliche Wissen nicht vernünftig, sondern allein intuitiv erfahren. Die Sprache des Wesentlichen ist sowohl wissenschaftlicher als auch künstlerischer Natur. Es ist eine Sprache vom Wesen der zu diesen Modulen gezeichneten Bilder, die deren Inhalt jeweils auf intuitive Weise zusammenfassen. Die Bilder des Künstlers Paul Klee bringen intuitiv exakt das zum Ausdruck, was naturwissenschaftliche Formeln hoch trennscharf rational formulieren. Jene Sprache, welche zur Darstellung des Wesentlichen geeignet wäre, müsste eine Synthese von Mathematik und Kunst eingehen. Aber es ist nicht so, dass es eine solche Sprache nicht bereits gibt. Alles, was sich natürlich entwickelt, spricht sie, die Blume ebenso wie die Hoch und Tiefs, die unser Wetter formulieren. Jeder Blick ins Universum vermittelt uns Worte der Intuition über Phänomene, welche wir mit unserem Verstand nicht mehr zu erfassen vermögen.

Das lässt sich auch bereits im Kleinen an einem allseits bekannten Symbol sehr schnell zeigen. Was nämlich bedeutet "+"? Formulieren Sie das für sich! Und was bedeutet dann "++"? Und wenn Sie dann auch noch "+-" wirklich verstehen, dann können Sie eine solche Sprache ahnen. Versuchen Sie also folgende Geschichte zu verstehen: "+<- = +>-" (in Worten: Ein Hinzufügen, das sich so vollzieht, dass es als weniger erscheint, als ein Wegnehmen, gelangt als beschleunigt zunehmender Schwund zum Vorschein, zeigt sich also in Wahrheit als ein Hinzunehmen von Wegnehmen!) Wenn Sie das intuitiv verstehen, dann können Sie auch nachvollziehen, dass Ihnen das jede Blume auf Ihrem Balkon und jeder Vogel morgens mit seinem Gesang demonstriert oder auch jede Komposition eines Musikers oder eines Malers.

Schauen Sie sich das einmal an: Guitar Playing Cockatoo

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Wolfgang F.A. Schmid

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